Das historische Rathaus. Foto: Thomas Merkenich

Auf Initiative des Integrationsrats hatte der Stadtrat einstimmig beschlossen, neu eingebürgerte Menschen angemessen zu begrüßen. Die erste dieser Einbürgerungsfeiern findet am Freitag im großen Saal des historischen Rathauses statt. Die Feier hat zwar nur symbolischen Charakter, ist für die Stadt aber ein großer Schritt in der Willkommenskultur. Als Signal, dass Bergisch Gladbach die Neubürger:innen schätzt.

Die Hürden für eine Einbürgerung sind in Deutschland nach wie vor hoch und zeitraubend. Wer es dann endlich geschafft und seine 255 Euro Gebühr bezahlt hat bekommt eine Urkunde vom Rheinisch-Bergischen Kreis per Post zugeschickt. Und das war es.

Diesen Zustand beendet die Stadt Bergisch Gladbach jetzt. Sie hat 67 Menschen, die im ersten Quartal eingebürgert worden seien, an diesem Freitag zur Willkommensfeier ins Rathaus eingeladen. Ein Drittel von ihnen habe bislang zugesagt, berichtet Thomas Droege, Sachgebietsleiter Integration und soziale Netzwerkarbeit in der Stadtverwaltung. Die Initiative geht auf den Integrationsrat zurück; sein Konzept war vom Stadtrat einstimmig beschlossen worden.

Diese Feier habe nach der formalen rechtlichen Einbürgerung nur einen symbolischen Charakter, sagt Bürgermeister Frank Stein. Sie sei jedoch für die Stadt und wohl auch für die neuen Bürger:innen von politischer und emotionaler Bedeutung: „Als Ausdruck und Wertschätzung für die Mühe, die hohen Anforderungen für eine Einbürgerung angegangen und bewältigt zu haben“, betont Stein.

Der Bürgermeister würdigt schon im Voraus, dass sich diese Menschen bewusst für die deutsche Staatsbürgerschaft entschieden haben und sich „zu dieser Stadt, zu diesem Land und zu unseren Werten bekennen“. Der deutsche Staat und nun auch die Stadt Bergisch Gladbach, betont Stein, stelle sich mit Einbürgerungen und Willkommensfeiern denjenigen entgegen, die unter dem Schlagwort „Remigration“ von der Vertreibung von Menschen mit internationaler Geschichte träumten.

Kümmern sich gemeinsam um die Feier: Frank Stein (Bürgermeister), Redouan Tollih (Vorsitzender des Integrationsrats), Annemarie Scheerer (stellvertretende Bürgermeisterin) Thomas Dröge (Sachgebietsleiter), Lorena Morinello (Schriftführerin Integrationsrat).

Die Herkunftsidentität weiter pflegen

Rund 300 Menschen mit Wohnsitz in Bergisch Gladbach seien im vergangenen Jahr eingebürgert worden, sagt Redouan Tollih, der Vorsitzende des Integrationsrates. Die Zahlen stiegen deutlich an – und würden nach der Reform des Einbürgerungsgesetzes auch noch weiter nach oben gehen.

Hintergrund: Die Zahl der Einbürgerungsanträge in Rhein-Berg hat sich in den vier Jahren von 2019 bis 2023 auf 1214 verdoppelt. Dieser Trend halte auch in 2024 an, teilt der Kreis mit. Für die nächsten Jahre rechne die Verwaltung mit 2500 bis 3000 Anträgen pro Jahr. Die Zahl der vollzogenen Einbürgerungen schwankte in den vergangenen Jahren zwischen 407 und 677.

Besonders wichtig sei, dass doppelte Staatsbürgerschaften nun für alle (und nicht mehr nur für EU-Bürger:innen) möglich sind, erläutert Tollih. „Diese Menschen bringen ihre Herkunftsidentität, ihre Sprache und ihre Werte mit – und das sollte auch wertgeschätzt werden.“ Man müsse Menschen und Identitäten zusammenbringen, anstatt sie auseinander zu dividieren.

Auch Stein hob hervor, wie wichtig es sei, die eigene Sprache und Identität weiter zu pflegen. Davon profitiere die gesamte deutsche Gesellschaft.

Politisch unterrepräsentiert

Die Einbürgerung bringe das volle Wahlrecht mit sich, und dazu gehöre auch das passive Wahlrecht, erinnert der Vorsitzende des Integrationsrates. Menschen mit internationalem Hintergrund stellten fast ein Drittel der Bevölkerung Bergisch Gladbachs, seien im Stadtrat aber deutlich unterrepräsentiert. Die Parteien sollten noch mehr spezielle Angebote machen, um die Menschen mit Integrationshintergrund stärker zu beteiligen.

Keine der demokratischen Parteien in Bergisch Gladbach, so der Bürgermeister, habe nach seiner Einschätzung Vorbehalte gegen die Aufnahme dieser Personen. Faktisch bestehe jedoch eine Schwellenangst, und die müsse weiter abgebaut werden. Dabei gebe es eine Hol- und Bringschuld, sagt Stein.

Lange Wartezeiten für Einbürgerung

Tollih kritisiert, dass es bei der formalen Einbürgerung abgesehen von langen Fristen und hohen Hürden bei der Kreisverwaltung eine sehr lange Wartezeit gebe. Nach seinen Informationen liegen sie im Moment bei rund anderthalb Jahren, sagt der Vorsitzende des Integrationsrates. Der Kreis müsse – auch vor dem Hintergrund der weiter steigender Zahlen – für diese Aufgabe deutlich mehr Personal einsetzen und die Digitalisierung voran bringen.

Nach Angaben der Kreisverwaltung werden Termine zur Abgabe der Einbürgerungsanträge innerhalb von vier bis sechs Wochen vergeben. Die sich dann anschließende Bearbeitungsdauer sei vom Einzelfall abhängig – die bei Menschen aus Drittländern regelmäßig komplizierter als bei denjenigen aus EU-Staaten seien. Die durchschnittliche Bearbeitungsdauer ab Antragsabgabe liege bei ca. 12 Monaten.

Hintergrund: 83 Einbürgerungen für Bergisch Gladbach hat der Kreis von Januar bis März 2024 verzeichnet. Das stammten 17 Personen aus dem Irak, sieben aus Syrien, 6 aus der Türkei, 6 aus Marokko, 6 aus Iran, 5 aus Griechenland, 5 aus Ukraine, 4 aus Polen. Insgesamt listet der Kreis für diesen kurzen Zeitraum 26 Herkunftsländer auf.

Der Kreis will beobachten, wie sich die Zahlen auf Basis der Einbürgerungsreform tatsächlich entwickeln und zunächst die eigene Organisation überprüfen; dabei könnte andere Abteilungen der Kreisverwaltung herangezogen werden. Die zusätzliche Arbeit müsse der Kreis (und über die Kreisumlage die Kommunen) selbst tragen; eine Kompensation durch das Land NRW sei nicht geplant.

Die Stadt plant vorerst drei Einbürgerungsfeiern für dieses Jahr; dabei will sie die Nachfrage beobachten und die Erfahrungen auswerten. Grundsätzlich soll die Feier einmal im Quartal stattfinden, damit jeder und jede Neubürger:in die Chance auf eine Teilnahme bekommen. Die erste Feier gestaltet die stellvertretende Bürgermeisterin Annemarie Scheerer, Bürgermeister Stein lässt sich von einer Reise in die englische Partnerstadt Luton per Video zuschalten.

Dokumentation

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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