Der langjährige Kirchenmusiker von St. Nikolaus, Ludwig Goßner, startet am 5. Mai mit einer Reihe von Benefizkonzerten zugunsten der Orgelreinigung. Foto: Beatrice Tomasetti

Die Geburtstagsfeier selbst muss auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden, da die berühmte Rieger-Orgel von St. Nikolaus nach der einjährigen Kirchenschließung noch nicht wieder in Betrieb genommen worden ist. Bevor die außergewöhnliche Orgel wieder gespielt werden kann, muss sie zunächst aufwendig gereinigt werden. Aber es gibt drei Ersatz-Konzerte mit Organist Ludwig Goßner.

„Majestätisch und schön soll sie aussehen, mit der feinsten Technik ausgestattet sein und französisch klingen.“ Das waren 2001 die Wünsche der Gemeinde St. Nikolaus, als die Entscheidung für eine neue Orgel gefallen war. Gut drei Jahre dauerten dann die konkreten Planungen, bis es am 9. Mai 2004 schließlich soweit war: Aus Köln kam damals eigens Erzbischof Joachim Kardinal Meisner, um die von der Firma Rieger gebaute Orgel mit drei Manualen und 53 Registern feierlich einzuweihen.

Von nun an verfügte St. Nikolaus über ein qualitativ hochwertiges und vielseitig einsetzbares Instrument, das Literatur aus allen Epochen authentisch erklingen lässt und im deutschen Raum seinesgleichen sucht.

Erklärtes Ziel aller Verantwortlichen – dazu hatte sich schon früh eine Projektgruppe mit Kantor Ludwig Goßner, Pfarrer Heinz-Peter Janßen und Gremienvertretern aus Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand gebildet – eine moderne Orgel zu bauen, die den Ansprüchen ihrer Zeit und der aktuellen kirchenmusikalischen Musizierpraxis entsprechen würde. Später sollte sie ihren Teil dazu beitragen, dass in St. Nikolaus ein kirchenmusikalischer Schwerpunkt entstehen konnte.

Langer Anlauf, intensive Suche

Bereits 1991, als Ludwig Goßner die A-Kirchenmusikerstelle in Bensberg antrat, zeichnete sich für ihn ab, dass eine neue Orgel früher oder später das vorhandene Instrument der Firma Seifert aus Kevelaer, Baujahr 1953, ersetzen müsste. Zehn Jahre „Brutzeit“, so erinnert er sich heute, habe es dann gebraucht, um die Entscheidung als solche auf den Weg zu bringen, aber auch konkrete Vorstellungen davon zu entwickeln, welche Orgelfirma passgenau für St. Nikolaus das entsprechende, auf den Raum abgestimmte Instrument liefern könnte.

Die „Orgelkommission“ unter Goßners Führung unternahm mehrere Ausflüge, um sich immer wieder verschiedene Instrumente anzusehen und anzuhören. Zusätzlich machte er sich selbst in Österreich, Italien und der Schweiz kundig, investierte viel Zeit in dieses Projekt. „Mich interessierte der momentane Stand der jeweiligen Firmenqualität, schließlich geschieht es nicht alle Tage, dass eine Gemeinde den Neubau einer Orgel plant. Und wir wollten nun mal die bestmögliche Lösung für Bensberg, die ja auch nachfolgende Generationen noch erfreuen sollte.“

In Vorarlberg stimmte alles

Bei der Firma Rieger aus Schwarzach in Vorarlberg habe dann das Gesamtpaket gestimmt. „Doch ausschlaggebend war die Klangqualität. Sie ist entscheidend, ob sich Spieler und Hörer in ein Instrument ‚verlieben’ können“, betont Goßner, der im Team mit dem Unternehmensinhaber Wendelin Eberle, dem damaligen Orgelsachverständigen des Erzbistums, Adolf Fichter, und dem französischen Intonateur, Michel Garnier, in einem nächsten Schritt die Disposition – Rückpositiv, Schwellwerk, Hauptwerk und Pedal – plante.

Rückblickend betrachtet sich der ehemalige Kantor von St. Nikolaus als Glückspilz: „Welcher Kirchenmusiker und Organist träumt nicht von einer klangschönen und großen Orgel! Längst nicht für jeden geht dieser Traum in Erfüllung.“

Um einen finanziellen Beitrag zur Ausreinigung der Rieger-Orgel von St. Nikolaus zu leisten, veranstaltet der ehemalige Kirchenmusiker Ludwig Goßner mehrere Benefizkonzerte. Start der Reihe ist am kommenden Sonntag, 5. Mai, um 17 Uhr in St. Joseph, Heidkamp. Die nächsten Konzerte finden dann in der Edith-Stein-Kapelle im  Bensberger Kardinal-Schulte-Haus am 26. Mai um 17 Uhr sowie am 9. Juni um 17 Uhr in St. Nikolaus, dann allerdings mit einem Kammermusikprogramm, statt.

Letztlich sei der Weg von der Idee eines Orgelneubaus bis zu seiner Fertigstellung im April 2004 gar nicht so beschwerlich gewesen, wie es angesichts der großen finanziellen Herausforderungen, die ein derartiges Vorhaben mit sich bringe, hätte sein können, resümiert er.

Eine unerwartet großzügige Spende habe schließlich zusammen mit der Einsicht der Verantwortlichen im Kirchenvorstand, sich den überzeugenden Argumenten für dieses Vorhaben anschließen zu können, den finanziellen und ideellen Grundstock für den Neubau gelegt.

830.000 Euro Gesamtkosten

Allerdings machten es die wirtschaftlichen Verhältnisse Anfang der 90er Jahre auch noch leichter, jedes Jahr einen Teil der Haushaltsmittel der Rücklage für eine Orgel zuzuführen. „Weitere Spenden sorgten schließlich für ein ansehnliches finanzielles Fundament, das den Gedanken an einen Orgelneubau überhaupt erst realistisch erscheinen ließ“, so Goßner.

Am Ende flossen immerhin von den rund 830.000 Euro Projektkosten 210.000 Euro aus privaten Mitteln. Nicht zuletzt ist das bis heute Beleg dafür, wie sehr die Gemeinde hinter diesem Projekt gestanden und es mit großem Engagement gefördert hat.

Auf der Rieger-Orgel in St. Nikolaus, Bensberg, hat schon Prominenz aus ganz Europa gespielt. Foto: Beatrice Tomasetti

Entsprechend wird gefeiert: Goßner, Kenner der Orgelszene, lädt berühmte Kollegen von den großen Kathedralkirchen in Paris, London, Wien, Amsterdam und Berlin sowie den Kölner Domorganisten Clemens Ganz ein. Sogar die große alte Dame dieses Metiers, Marie-Claire Alain aus Paris, die 2005 als absolutes Highlight dieses Bensberger Orgelzyklus zum 60. Jahrestag des Kriegsendes ein Konzert zusagt, lässt sich nicht lange bitten.

Alles, was Rang und Namen hat, gibt sich in der Kirche auf dem Berg ein musikalisches Stelldichein und sorgt so für Sternstunden mit Strahlkraft weit über Bensberg hinaus. Die neue „Königin der Instrumente“ aus einer Werkstatt in Vorarlberg fasziniert sie alle.

Auf Augenhöhe mit Paris und Wien

Bemerkenswert ist zudem, dass es bis heute zwar zahlreiche solcher vergleichbar großen Rieger-Orgeln gibt und Garnier als unumstrittener Meister seines Fachs auch einige davon intoniert hat – was angesichts der herausragenden Klangqualität einer Art Gütesiegel gleichkommt – sich das Bensberger Instrument aber durchaus auch auf Augenhöhe mit einigen der prominentesten Beispiele, darunter die Orgeln in der Pariser Philharmonie, im Wiener Musikvereinssaal oder im Regensburger Dom, messen kann.

„Das darf einen schon auch ein bisschen stolz machen“, findet Goßner und räumt ein, vielleicht sogar ein wenig vermessen zu sein, wenn ihm in ganz Deutschland keine schönere Orgel als die eigene einfalle. „Natürlich ist das eine Frage des  Geschmacks, aber sowohl die äußere als auch die innere Schönheit bleiben für mich außergewöhnlich“, schwärmt er.

Leider wird der eigentliche Geburtstag der Orgel, der sich am Himmelfahrtstag zum 20. Mal jährt, zunächst erst einmal untergehen, da das Instrument zum Abschluss der umfangreichen Sanierungsarbeiten von St. Nikolaus noch komplett eingehaust ist und erst noch aufwendig gesäubert werden muss.

„Nach 20 Jahren ist eine solche Ausreinigung ohnehin fällig und bietet sich nun geradezu an, um auch den Staub der Baustelle abzutragen“, kommentiert Goßner. Insgesamt etwa sechs Wochen werden dafür benötigt. Begonnen werden soll damit Dienstag nach Pfingsten. Danach aber wird das „Geburtstagskind“ umso majestätischer zur Ehre Gottes und zur Freude der Menschen erklingen.

ist freie Journalistin und ehrenamtlich für die Pfarreiengemeinschaft St. Nikolaus und St. Joseph tätig.

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  1. Ein fast ebenso großer Glücksgriff wie die Orgel war Ludwig Goßner für St. Nikolaus, wo er als Kantor und Chröre-Initiator sehr erfolgreich war. Ich durfte 8 Jahre (bis meine Stimmbänder nicht mehr mitmachten) unter seiner Leitung im Erwachsenen-Chor singen, wo mir neben seinem musukalischen Können seine pädagogische Eignung in einem 4-stimmigen Chor imponierte. An diese Zeit denke ich oft zurück.