Erst kürzlich wurde der Kirchenraum von St. Nikolaus wieder umfassend saniert und erstrahlt nun in neuem Glanz. Fotos: Beatrice Tomasetti

„Seht diesen Menschen!“ Unter dieser Überschrift lädt die Bensberger Kirchengemeinde St. Nikolaus in der Karwoche zu einer musikalisch-literarischen Via crucis-Meditation in ihre Kirche ein. Im Zentrum steht dabei der Kreuzweg, den der „malende Priester“ Sieger Köder in den 90er Jahren in St. Nikolaus gestaltet hatte.

Am 3. Januar wäre der „malende Priester“ Sieger Köder aus dem baden-württembergischen Ellwangen 100 Jahre alt geworden. Von 1992 bis 1997 hat er in Bensberg im Auftrag der Gemeinde an einem Kreuzweg für das Mitte der 1980er Jahre sanierte Gotteshaus gearbeitet und mit diesem Werk deutschlandweit Beachtung gefunden.

Seine Bilder finden sich in zahlreichen Schulbüchern und Sakralbauten. Er galt als jemand, der fast die ganze Bibel malte und sich immer wieder über seine Kunst mit der Frohen Botschaft auseinandersetzte, mitunter ihre Motive aber gegen den Strich bürstete – zum Beispiel, indem er statt eines neugeborenen Kindes eine aufgeschlagene Bibel in die Krippe legte. 

Via crucis-Meditation
Dienstag, 15.4., 19 Uhr
St. Nikolaus, Bensberg

Für den knorzigen Schwaben, der erst spät – nach einer Tätigkeit als Kunsterzieher und Englischlehrer – 1971 zum Priestertum fand, wurde zeitlebens das spannungsreiche Verhältnis zwischen Kunst und Religion zu einem schier unerschöpflichen Quell der Inspiration. Er selbst sah sich als kleinen Propheten, „der halt nicht sprechen, sondern malen kann” und so auch seinen Verkündigungsauftrag begriff.

In St. Nikolaus findet am 15. April um 19 Uhr eine musikalisch-literarische Betrachtung des Kreuzweges statt.

Zu den Professoren im Theologiestudium gehörten so unterschiedliche Denker wie Hans Küng und der spätere Papst Benedikt XVI. „Professor Ratzinger hat mir ausreichende Dogmatikkenntnisse bescheinigt”, erzählte er einmal. Als Ratzinger dann 2005 zum Papst gewählt wurde, schickte Köder als Glückwunsch dem alten Lehrer ein Bild zum Pfingstgeschehen nach Rom.

Als bekannteste Werke Köders gelten die „Tübinger Bibel” von 1967 und das Bild „Das Mahl mit den Sündern”, das seit 1973 in der Villa San Pastore der Jesuiten bei Rom hängt. Eine Skizze dazu befindet sich im Bensberger Treffpunkt St. Nikolaus, die Köder zur Veranschaulichung dieses Themas aus dem Stand gemalt und der Gemeinde überlassen hat. 1996 erlangte der Künstler außerdem große Bekanntheit durch die Gestaltung des Misereor-Hungertuchs.

Detailansicht der 9. Kreuzwegstation von Sieger Köder: Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz.

Musikalisch-literarische Via crucis-Meditation

Pfarrverweser Elmar Kirchner, Leiter der Pfarreiengemeinschaft Bensberg-Moitzfeld, und sein evangelischer Mitbruder Samuel Dörr von der Bensberger Schwestergemeinde stellen bei einer musikalisch-literarischen Via crucis-Meditation am Dienstag um 19 Uhr ausgewählte Stationen des Köder-Kreuzweges in den Fokus und beleuchten gezielt die Aspekte von Menschlichkeit und Unmenschlichkeit.

Der Bensberger Kreuzweg entstand zwischen 1992 und 1997, wenige Jahre nachdem die Kirche umfangreich renoviert worden war.

Eingerahmt wird diese Betrachtung von Seelsorgebereichsmusiker Martin Meyer, der an der großen Rieger-Orgel Werke des französischen Impressionismus spielt, und der Sopranistin Elisa Rabanus aus Düsseldorf, die, begleitet von Meyer, Musik aus der Barockzeit – Bach, Vivaldi und Händel – vorträgt. Den krönenden Abschluss bildet die Arie „Ich weiß, dass mein Erlöser lebet“ aus dem Oratorium „Messias“. 

Hinter dieser Meditation steckt die Idee, die spirituelle Tiefe und den Farbenreichtum des Kreuzweges von Sieger Köder auch auf der Ebene von Klang und Wort nachvollziehbar zu machen.

ist freie Journalistin und ehrenamtlich für die Pfarreiengemeinschaft St. Nikolaus und St. Joseph tätig.

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