Willy F. Bartz am Abend der Europawahl. Foto: Thomas Merkenich

Gerade war er noch Kandidat der Liberalen für das Europaparlament, jetzt verlässt Willy Bartz die Fraktion der FDP im Stadtrat. Mit ihm gehen weitere sachkundige Bürger, der Schatzmeister legt sein Vorstandsamt nieder. Als Grund führen sie einen Vertrauensverlust gegenüber Dorothee Wasmuth an, die zugleich Fraktionschefin und Kreisvorsitzende ist.

Willy Bartz war im vergangenen Jahr nach dem plötzlichen Tod des Fraktionsvorsitzenden Jörg Krell in die dreiköpfige Fraktion der FDP im Stadtrat von Bergisch Gladbach nachgerückt. Seine Mitgliedschaft in der Fraktion hat Bartz jetzt aufgekündigt, er werde das Mandat aber als fraktionsloses Ratsmitglied behalten, bestätigte er am Dienstag.

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Mit ihm verließen weitere sachkundige Bürger die Fraktion; nach den früheren Vorständen Felicitas Esser und Stephan Winkelmann habe jetzt auch Schatzmeister Matthias Bartsch sein Amt niedergelegt.

Als Grund für den Austritt aus der Fraktion nennt Bartz, dass er das Vertrauen in die Fraktions- und Kreisvorsitzende Dorothee Wasmuth verloren habe; eine weitere Zusammenarbeit sei nicht möglich. Die Rest-Fraktion dagegen stellte sich noch am Montag einstimmig hinter Wasmuth.

Bartz hatte als Kandidat für den Rheinisch-Bergischen Kreis einen engagierten Wahlkampf betrieben, die FDP legte in Bergisch Gladbach von 7,6 auf 8,1 Prozentpunkte zu. Am Wahlabend hatte Bartz im Gespräch mit dem Bürgerportal angekündigt, sich mit Blick auf Bundes- und Kommunalwahl in 2025 weiter für die FDP einzusetzen. Den liberalen Zielen und dem Bundesvorsitzenden Christian Lindner fühle er sich weiterhin verpflichtet, sagte Bartz jetzt.

Kleine Verschiebungen im Stadtrat

Im Stadtrat schrumpft die FDP von drei auf zwei Sitze und reiht sich endgültig bei den kleinen Parteien (FWG, AfD, Bergische Mitte) ein. Zuletzt hatten Grüne und SPD bei Kampfabstimmungen die Unterstützung der beiden Stimmen der FWG benötigt. Im Gegensatz zur FDP-Fraktion, die auf einen klaren Kurs gegen die bisherigen Ampelpartner gegangen war, könnte nun auch Bartz in Einzelfällen mit Rot-Grün stimmen. Seine Stimme allein würde für eine Mehrheit aber nicht reichen.

Differenzen in den Reihen der Liberalen

In der kleinen Mannschaft der Liberalen in Bergisch Gladbach hatte es zuletzt schwere atmosphärische Störungen gegeben; Felicitas Esser und Stephan Winkelmann hatten ihre erst im September 2023 übernommenen Ämter als Vorsitzende und stellvertretender Vorsitzender des Ortsverbandes im März 2024 niedergelegt.

Seither ist Gerson Laber kommissarischer Vorsitzender. Eine rasche Dauerlösung hatten die Liberalen zwar angekündigt. In der kommenden Woche werde der Vorstand nun einen Termin für eine Mitgliederversammlung festlegen, kündigte Wasmuth an.

Zudem hatte vor einigen Wochen Jörg Laschet als sachkundiger Bürger die Fraktion der FDP verlassen und war zu FWG gewechselt.

FDP-Fraktionschefin Dorothee Wasmuth in einer Sitzung des Stadtrats. Foto: Thomas Merkenich

Die Restfraktion stellte sich am Montag in einer Fraktionssitzung hinter Wasmuth. Sowohl das zweite Fraktionsmitglied Alexander Engel als auch alle (verbliebenen) sachkundigen Bürger:innen hätten sich hinter Wasmuth gestellt, teilte die FDP mit. Alle Fraktionsmitglieder seien sich einig: „Wir arbeiten vertrauensvoll, an der Sache orientiert und gerne mit Dorothee Wasmuth zusammen. Unsere erzielten Erfolge unterstreichen dies“.

Auch Thore Eggert, der den Liberalen angehörende Stadtkämmerer, habe die „vertrauensvolle und professionelle Zusammenarbeit“ bestätigt.

Konstruktives Angebot - und Dank an Willy Bartz

Wasmuth widerspricht in der Mitteilung der Einschätzung, die FDP verfolge im Stadtrat einen Konfrontationskurs: In der FDP-Fraktion bestehe weiterhin „das Angebot und der Wunsch, konstruktiv im Sinne einer verbindenden liberalen Zielsetzung auch mit anderen Fraktionen im Rat Politik in und für Bergisch Gladbach zu gestalten“.

Die Fraktion bedankt sich ausdrücklich bei Bartz für seinen bisherigen Einsatz für die FDP und begrüßt, dass er „weiterhin liberale Werte im Rat der Stadt Bergisch Gladbach vertreten will“.

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. Die Kommentare sind m.E. sehr verstörend.
    Vielleicht geht es überhaupt nicht um politische Ausrichtungen oder Meinungen sondern um atmosphärische Störungen – man kann dies auch vereinfacht bezeichnen als “Die Chemie stimmt nicht”!
    Übrigens: So etwas soll auch in den “besten Familien” vorkommen!

  2. Bitte bleiben Sie sachlich. Kommentare, die sich an diese Grundregel nicht halten, werden (auch hier) gelöscht.

  3. Schon der Beginn seiner politischen Karriere in der FDP-Fraktion war holprig. Nach dem plötzlichen Tod von Jörg Krell rückte Bartz in die Fraktion nach. Statt der erhofften Kontinuität und Stabilität kam es jedoch zu Unruhe und Spaltung. Interne Konflikte und atmosphärische Störungen nahmen zu, was letztlich auch andere Mitglieder wie Felicitas Esser, Stephan Winkelmann und Matthias Bartsch zum Rücktritt veranlasste.

    Die Entscheidung, das Mandat als fraktionsloses Ratsmitglied zu behalten, kann als Versuch gesehen werden, weiterhin politisch relevant zu bleiben.

    Es ist, als ob Herr Bartz sich in einer politischen Dramaserie wie “House of Cards” wähnt, wo Machtspiele und Intrigen an der Tagesordnung sind. In der Realität jedoch führen solche Situationen eher zu Misstrauen und Desintegration.

  4. Der dramatische Rechtsruck der Bundes-FDP hinterlässt offenbar auch in GL seine Spuren.
    Glaubt die Partei wirklich, das drohende Ausscheiden aus dem Bundestag im Herbst 2025 dadurch abwenden zu können, dass sie die letzten Reste tatsächlich liberaler Programmatik ‘entsorgt’ und sich zur “AfD light” entwickelt? War das der ‘Auftrag’, den ihr 2021 ca. 11.5% der Wähler:innen (13,9% im RBK) gegeben haben?

    1. Rechtsruck und Auseinanderbrechen sind bei der FDP schon seit 1982 im Gange. Das kommt in GL anscheinend bloß ein bisschen später an.

      1. Da haben Sie sicherlich recht, allerdings gilt das für das gesamte politische Spektrum: Aus Sicht der heutigen CDU wäre die Union von 1980 wohl “linksextrem”. Seit letztem Jahr ist bei der FDP ein erneuter Schub zu beobachten, mutmaßlich ausgelöst durch Umfragewerte um 4% (und passend zum Kurs der Merz-CDU). Aus alter Gewohnheit nennen die Medien die Partei weiterhin ‘liberal’, was mit der heutigen Realität nicht mehr viel zu tun hat. Leider führt das auch dazu, dass Begriff und Konzept des ‘Liberalismus’ insgesamt im schlechten Licht erscheinen.

      2. Das hätte Kohl sich vermutlich nicht träumen lassen, dass die Partei, wie sie unter seiner Führung agierte, einmal linksextrem genannt werden würde …

        Aber mal im Ernst: Da verschiebt sich tatsächlich immer wieder etwas. Aber in der CDU nach rechts? In den 1980ern hatte sie tatsächlich die Kraft, Leute wie Dregger, Koch, Gauland, Lummer etc. zu integrieren (ich weiß, zwischen den Genannten gibt es teils himmelweite Unterschiede). Bekannt ist nach wie vor auch noch der Ausspruch von FJS: „Rechts von der CDU/CSU darf es keine demokratisch legitimierte Partei geben, das heißt wir, die CDU und CSU, müssen diesen Raum und diese politische Landschaft ausfüllen.“ Das haben sie auch lange hinbekommen, aber spätestens in der Ära Merkel war Schluss mit der Integration und es gab zunehmend Platz für die AfD.

        Aus rechtsextremen Kreisen hörte man vor ein paar Jahren gerne Sprüche wie „Merkel ist schuld.“ Vielleicht ist sie tatsächlich schuld daran, dass für diese Kreise ein Freiraum entstanden ist.

        Wenn Merz jetzt versucht, diesen rechtskonservativen Graubereich rhetorisch wieder einzufangen, versucht er sich eigentlich an der Rekonstruktion der 80er-Jahre-CDU. Ob es ihm gelingen wird, ist fraglich. Die Rechte ist von der CDU abgebrochen wie ein Eisberg vom Polargletscher – es wird schwierig, den wieder anzukleben.

        Hinsichtlich der FDP stimme ich Ihnen zu. Da hat sich der Wirtschaftsliberalismus verselbständigt und entfernt sich immer weiter von der Idee des politischen Liberalismus.

      3. Wenn die FDP tatsächlich einen ‘Wirtschaftsliberalismus’ verträte, wäre das ja durchaus diskutabel. Aber ihr heutiger Neoliberalismus hat mit klassischem Liberalismus wenig gemeinsam und ist im Effekt erzkonservativ: Der Staat zieht sich zurück, Monopole werden gestärkt, die soziale Spaltung vertieft sich.

        Wirtschafts- und sozialpolitisch ist die CDU (wie die anderen Parteien) seit den 80ern definitiv nach rechts gedriftet – im Fragen der Gesellschaftspolitik sieht das teilweise anders aus, das stimmt wohl.
        Merz’ Versuch, den rechten Rand der “alten” CDU wieder einzufangen, kann nicht funktionieren. Denn in dem Moment, wo er sich inhaltlich auf AfD & Co. zubewegt, rücken diese weiter nach rechts. Siehe die Entwicklung an der AfD-Parteispitze. Wo ist da der Endpunkt, wenn die Union sich derart treiben lässt?

        Wahrscheinlich ist hier nicht der Ort, um diese Diskussion weiter zu vertiefen. Schade eigentlich, denn die allgemeine Debatte zum Thema ist doch reichlich ‘flach’.

      4. Da haben Sie wohl Recht – das würde hier zu weit führen. Deshalb nur noch kurz zum Liberalismus: Ich nehme an, wir meinen dasselbe, allerdings stört die Unschärfe der Begriffe. „Wirtschaftsliberal“, „neoliberal“ und „ordoliberal“ lassen sich einerseits nicht immer klar trennen und haben andererseits jeweils ein recht breites Bedeutungsspektrum. Ein interessantes Thema, aber hier ausgebreitet würde es wohl so manchen Leser in den Tiefschlaf fallen lassen.