Bauarbeiten verlaufen selten nach Zeitplan. Bei der Sanierung von St. Laurentius ist das anders. Am Sonntag wird die restaurierte Kirche im Herzen von Bergisch Gladbach mit einem Gottesdienst feierlich wiedereröffnet. Dann können Besucher:innen nicht nur den neu geschaffenen Altar, sondern auch ein bisher verborgenes Kunstwerk bewundern. Wir haben uns das Ergebnis der umfassenden Erneuerung der Stadtkirche vorab angeschaut.

Text: Kathy Stolzenbach. Fotos: Thomas Merkenich

Kreisdechant Norbert Hörter geizt nicht mit Superlativen: „Ich halte die Sanierung und Wiedereröffnung von St. Laurentius für ein Jahrhundertereignis in unserer Stadt. Die Neugestaltung des Altarbereichs ist einzigartig in Deutschland.“ Hörter gerät bei einem Rundgang durch die frisch sanierte Kirche am Konrad-Adenauer-Platz in der Innenstadt immer wieder ins Schwärmen. 

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Nach etwas über einem Jahr – und damit genau im Zeitplan, wie Hörter betont – aufwändiger Renovierungs- und Sanierungsarbeiten wird die katholische Kirche St. Laurentius am Sonntag mit einem Gottesdienst feierlich eröffnet. 

Gleich beim Eintreten fällt auf: Die Kirche wirkt viel heller und freundlicher. Wände, Ausmalungen, Fenster und die dunkle Holzkassettendecke wurden gereinigt. „Die Kirche ist wieder das, was sie einmal war: Ein strahlender Raum des 19. Jahrhunderts“, sagt Hörter mit einer ausholenden Armbewegung. 

Kirche wies massive Schäden auf

Die Sanierung war laut Kirchengemeinde dringend nötig gewesen, um die Kirche langfristig überhaupt erhalten zu können. Sie hatte sich in einem desolaten Zustand befunden. Der Innenraum wies massive Schäden auf, darunter tiefe Risse im Mauerwerk. 

Das hängt mit der Entstehungsgeschichte der Kirche zusammen: Die Seitenschiffe wurden später errichtet als das Hauptschiff, das sich im Laufe der Jahrzehnte stärker absenkte. „Die Kirche wurde im früheren Bett der Strunde errichtet. Inzwischen sind wir auf dem Grund der Strunde angekommen, da senkt sich nichts mehr ab“, betont Pfarrer Hörter. 

Geschichte der Kirche St. Laurentius

Laut Kirchengemeinde wurde im 13. Jahrhundert erstmals eine Pfarrkirche in Bergisch Gladbach erwähnt. Im 15. Jahrhundert befand sich die Kirche mit einem Turm hinter dem Chor der heutigen Kirche.

Zwischen 1845 und 1847 entstand auf dem Friedhof der alten Kirche ein Neubau nach Plänen von Matthäus Biercher. Die alte Kirche wurde abgerissen.

Von 1872 bis 1878 erhielt die neue Kirche ein östliches Querschiff und einen Kirchturm nach dem Vorbild der Kölner Apostelnkirche.

Zwischen 1905 und 1907 wurden zwei Seitenschiffe angebaut sowie der Innenbereich und Kanzel nach einem Entwurf von Heinrich Renard ergänzt.

Von 1914 bis 1922 erfolgte die Ausmalung der Kirche durch Johann Osten

1934 wurde der Altarraum mit Mosaiken von Hans Hansen neu gestaltet.

Die letzte Sanierung fand in den 1970er Jahren statt.

Auch Feuchtigkeit hatte der Bausubstanz massiv zugesetzt. Dazu hatte der Kerzenruß mehrerer Jahrzehnte die Wände des Innenraums verdunkelt. Laut Kirchengemeinde hat St. Laurentius den drittgrößten Verbrauch von Opferkerzen aller Kirchen im Erzbistum Köln. Auch ein Pilz hatte sich im Gebäude ausgebreitet und die Wände verdunkelt. Dieser sei allerdings nicht gesundheitsgefährdend gewesen, erläutert Hörter. 

Neues liturgisches Konzept

Als klar war, dass im großen Stil saniert werden muss, hat man sich Hörter zufolge Gedanken darüber gemacht, was Kirche im 21. Jahrhundert sein soll und wie sie entsprechend umgestaltet werden kann – funktional und liturgisch. „St. Laurentius soll ein offener Ort für Gladbach sein. Wir wollten einen Gottesdienstraum entwickeln, in dem sich Menschen und besonders auch Familien zu Hause fühlen“, sagt Hörter. 

Das zeigt sich besonders im Eingangsbereich von St. Laurentius unterhalb der Orgelempore, dem sogenannten Paradies. So wird der Übergangsbereich vom Weltlichen ins Sakrale genannt: Hier befindet sich auf der einen Seite ein Familienbereich und auf der anderen Seite ein Begegnungsbereich mit Sitzgelegenheiten, jeweils durch Glaswände vom Kirchenraum abgetrennt. Hier können Familien mit Kindern sitzen, lesen und malen und trotzdem am Gottesdienst teilnehmen.

Ein halbrunder Altar aus Bronzeblech

Eine weitere große Veränderung betrifft den Altarraum, der weiter nach vorne ins Hauptschiff der Kirche gerückt wurde. An drei Seiten um den Altarbereich herum stehen helle Eichenstühle für die Gemeindemitglieder. So entsteht Hörter zufolge ein „Raum im Raum“ etwa für Anlässe wie Taufen, Beerdigungen oder Schulgottesdienste.

„Eigentlich wollten wir die gesamte Kirche mit Stühlen ausstatten. Doch das ging aus Denkmalschutz-Gründen nicht“, erläutert Hörter. So entschied man sich dafür, zumindest im Bereich vor dem Altar einige Bänke durch flexible Stühle auszutauschen. 

Foto: Thomas Merkenich

Neu sind zwei moderne Beichträume, die das bisherige Angebot der klassischen Beichstühle um eine modernere Form des Beichtgesprächs erweitern.

Blickfang der Kirche ist der neue Altar, für den eigens ein künstlerischer Wettbewerb ausgerufen worden war. Thomas Schönauer hat diesen für sich entschieden und ein Ensemble von Altar und Ambo aus Bronzeblech geschaffen. Als Ambo bezeichnet man das Lesepult, von dem aus Lesungen oder Fürbitten vorgetragen werden. Der Altaroberfläche ist halbrund und steht – so wie der Ambo – auf einer runden Edelstahlplatte. Bei der feierlichen Eröffnngsmesse wird der Altar von Erzbischof Woelki geweiht. 

Saniert wurde – unter der Leitung von Architekt Bruno Braun – im laufenden Betrieb ab September 2023. Gearbeitet wurde in zwei großen Bauabschnitten: Während in einem Teil gearbeitet wurde, blieb der andere Teil für Gottesdienste geöffnet. Begonnen wurde im hinteren Teil der Kirche, im April 2024 wechselten die Bauabschnitte.

„Es gab insgesamt nur drei Wochen, in denen hier keine Gottesdienste stattfanden. In dieser Zeit sind wir in die Kapelle im Marien-Krankenhaus ausgewichen“, berichtet Hörter.

Architekt Bruno Braun und Pfarrer Norbert Hörter, Foto: Thomas Merkenich

Einzig das neue Beleuchtungskonzept ist noch nicht ganz fertig. „Die Kirche musste komplett neu verkabelt werden, das war hochkomplex“ erklärt Hörter. „Wir können die Beleuchtung den jeweiligen Anlässen anpassen und unterschiedlich stark dimmen, je nachdem ob eine Beerdigung oder ein Fest gefeiert wird“, sagt Hörter. Bis zur Adventszeit soll aber alles fertig sein. 

Wir sind eine offene Kirche für alle MenschenPfarrer Norbert Hörter

Die Kosten waren vorab mit 2,8 Millionen Euro geplant gewesen. Tatsächlich belaufen sie sich laut Hörter auf circa 3,2 Millionen Euro. Teurer geworden sei es unter anderem durch die Beseitigung des Schimmelpilzes, aber auch durch ungeplante Restaurierungsarbeiten: So wurden unter der Decke in der Taufkapelle ein Fresko entdeckt worden, „von dem wussten wir gar nichts“, sagt Hörter. 

Dieses bis dato unbekannte Fresko zählt für Hörter neben dem neuen Altar zum Höhepunkt der sanierten Kirche: „Hier vor diesem Kunstwerk, vor dem Altar, zu stehen, berührt mich. Die Kirche hat auch den Auftrag, Künstler zu fördern.“

Foto: Thomas Merkenich

Nach der Wiedereröffnung soll auch das Hauptportal wieder offen stehen. Denn das sei es, was die Innenstadt-Kirche Hörter zufolge ausmacht: „Wir sind eine offene Kirche für alle Menschen.“ 

Feierliche Wiedereröffnung

Am Sonntag, 17. November, wird ab 10.45 Uhr die Kirche feierlich mit einem Gottesdienst wiedereröffnet. Der Kölner Erzbischof Kardinal Rainer Maria Woelki weiht den neuen Altar.

Im Anschluss an den Gottesdienst geht das Programm unter dem Motto „Ein Tag für die Familie“ weiter – mit Essen und Trinken im Laurentiushaus, einem Kinderkarussell neben der Kirche, einer Ausstellung zu Baugeschichte, Umbau und Wettbewerb für den Altar sowie diversen Kurzkirchenführungen. Um 18 Uhr gibt es zum Abschluss ein Evensong, also ein Abendgebet mit dem Chor „Cantamus“.

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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  1. Ich habe den Bericht über die erfolgte Renovierung der St Laurentiuskirche mit Interesse gelesen und freue mich auf die Wiedereröffnung am Wochenende. Leider wird mit keinem Wort die Pieta erwähnt. Ist die schon “ewig” dauernde Restaurierung immer noch nicht abgeschlossen? Oder ist sie verschollen?

    1. Die Pietà ist pünktlich zur Wiedereröffnung nach einigen Jahren der Restaurierung in die Kirche zurückgekehrt.