Kidical Mass setzt sich für die Einrichtung von Schulstraßen in Bergisch Gladbach ein. Foto: Kidical Mass

Regelmäßig kommt es durch Elterntaxis zu gefährlichen Situationen. Das Aktionsbündnis Kidical Mass und vier Bergisch Gladbacher Grundschulen setzen sich daher dafür ein, dass Straßen im direkten Umfeld der Schulen in der Bring- und Abholzeit für den Autoverkehr gesperrt werden. Der Schulweg soll dadurch für die Kinder sicherer werden.

Es sind gefährliche Szenen, die sich allmorgendlich vor Bergisch Gladbacher Schulen abspielen, verursacht durch Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen: Sie parken auf dem Gehweg oder halten in zweiter Reihe, blockieren Zufahrten zum Schulgebäude und versperren Kindern die Sicht, die die Straße überqueren möchten. Wendemanöver der Autofahrer:innen sorgen für brenzlige Situationen. 

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Geht es nach dem Aktionsbündnis „Kidical Mass“, könnten solche Szenen und Elterntaxis bald der Vergangenheit angehören – zumindest an vier Gladbacher Grundschulen. Kidical Mass fordert zusammen mit der GGS Hand, der GGS Kippekausen, der EGS Bensberg und der Concordiaschule Schildgen die Einrichtung von Schulstraßen. Die Anregung beschäftigt am Mittwoch den Beschwerdeausschuss.

Anzahl der Elterntaxis verringern

Sogenannte Schulstraßen sind ein relativ neues Verkehrskonzept, um den Schulweg für Kinder sicherer zu gestalten und die Anzahl der Elterntaxis zu reduzieren. Dabei werden Straßen im Umfeld von Schulen kurzzeitig jeweils vor Unterrichtsbeginn und -ende für den Autoverkehr gesperrt und zwar nur für einfahrende Autos. Anwohnerinnen und Anwohner können auch während dieser Zeit aus dem gesperrten Bereich heraus fahren. 

„Wir möchten gezielt den Hol- und Bringverkehr vermeiden“, erklärt Anna Thoms von der Kidical Mass Bergisch Gladbach. Die Einfahrtssperren sollen demnach nur an Wochentagen gelten – zum Beispiel von 07.30 bis 08.15 Uhr und zwischen 14.30 und 15.30 Uhr, also zu der Zeit, in der die meisten Kinder ankommen oder gehen.

Kidical Mass demonstriert in Bergisch Gladbach seit Jahren für kindersichere Geh- und Radwege. Die Initiative sieht die verkehrsrechtlichen Möglichkeiten für die Einrichtung von Schulstraßen als gegeben an.

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In Köln gibt es bereits mehrere Schulstraßen

Das NRW-Verkehrsministerium hatte im Frühjahr in einem Erlass zu „Sperrungen von Straßen für den Kfz-Verkehr im Nahbereich von Schulen“ beschrieben, wie Kommunen Schulstraßen einrichten können. In Köln wurden nach einer Pilotphase inzwischen vier Schulstraßen dauerhaft eingerichtet.

Laut einer aktuellen, deutschlandweiten Umfrage des ADAC wird jedes vierte Schulkind an mehr als der Hälfte aller Tage mit dem Auto zur Schule gefahren. 62 Prozent der Eltern finden der Umfrage zufolge, dass vor Unterrichtsbeginn und nach Schulschluss zu viele Autos rund um das Schulgebäude sind. 56 Prozent sagen, dass durch Elterntaxis gefährliche Verkehrssituationen entstehen, 55 Prozent wünschen sich räumlich abgetrennte Hol- und Bringzonen für Elterntaxis.

Konkret geht es bei der Anregung um diese vier Straßen: bei der GGS Hand um den Heimstättenweg, bei der GGS Kippekausen um die Burgstraße, bei der EGS Bensberg um die Kauler Straße und bei der Concordiaschule Schildgen um den Concordiaweg. 

GGS Hand/ Heimstättenweg

Der Heimstättenweg soll zu einer Schulstraße und werktags von 7.30 bis 8.00 Uhr sowie von 14.45 bis 15.15 Uhr für den einfahrenden Autoverkehr gesperrt werden. Begründet wird dies damit, dass der Heimstättenweg eine Sackgasse ohne Wendemöglichkeit sei, der von vielen der mehr 500 Kinder, die die beiden Grundschulen GGS Hand und KGS Hand besuchen, als Fußweg zur Schule genutzt werde.

Obwohl direkt an der Handstraße eine Elterntaxizone eingerichtet wurde, würden viele Eltern ihre Kinder mit dem Auto in den Heimstättenweg fahren . Die Sichtverhältnisse im Heimstättenweg seien aufgrund hoher Hecken und scharfer Kurven „stark eingeschränkt“. Weil ein durchgängiger Bürgersteig fehle, müssten die Kinder streckenweise auf der sehr schmalen Straße laufen.

GGS Kippekausen/ Burgstraße

Die Burgstraße soll als Schulstraße werktags zwischen 7.30 und 8 Uhr sowie zwischen 14.30 und 15 Uhr für den einfahrenden Autoverkehr gesperrt werden. Die Burgstraße ist eine Sackgasse, die von der Straße „An der Wallburg“ abzweigt. Der Eingang der Schule liegt etwa 20 Meter hinter der Einmündung.

„Die Schulwege aller Kinder, die die Grundschule besuchen, enden und beginnen auf diesem Vorplatz“, die meisten Schüler:innen, die in den umliegenden Straßen wohnen, müssen direkt vor der Schule die Straße überqueren, heißt es in der Begründung.

Viele Eltern fahren ihre Kinder demnach mit dem Auto „direkt vor die Schule“ – was die Kinder gefährde, die dort die Straße überqueren. Außerdem würden Vorplatz und Gehweg für Wendemanöver genutzt. Es komme immer wieder zu Situationen, in der „bisher nur das beherzte Eingreifen“ von Passanten oder Lehrkräften verhindern konnte, dass ein Kind angefahren wurde. 

EGS Bensberg/ Kauler Straße

Die Kauler Straße soll ab der Straße Rosenhecke zur Schulstraße werden und werktags von 7.30 bis 8.20 Uhr sowie von 14.30 bis 15.30 Uhr für den einfahrenden Autoverkehr gesperrt werden. Die Kauler Straße ist ab der Straße Rosenhecke eine Einbahnstraße. Begründet wird die Anregung damit, dass die Situation zu den Bring- und Abholzeiten in der schmalen Straße sehr unübersichtlich werde, da zum Teil Autos in zweiter Reihe parken.

Immer wieder komme es zu gefährlichen Situationen, erst im Frühjahr sei ein Kind von einem Auto angefahren worden. Eine zeitlich begrenzte Sperrung der Kauler Straße „würde auch den Autoverkehr vor der Johannes-Gutenberg-Schule und vor dem Albertus-Magnus-Gymnasium reduzieren“, heißt es in der Begründung. 

Concordiaschule Schildgen/ Concordiaweg

Der Concordiaweg wird zur Schulstraße umgewandelt und werktags zwischen 7.30 Uhr und 8.15 Uhr sowie von 14.30 Uhr bis 15.30 Uhr für den einfahrenden Autoverkehr gesperrt. Die Concordiaschule liegt direkt am Concordiaweg, einer Seitenstraße der Altenberger-Dom-Straße. Hier komme es „täglich zu gefährlichen Begegnungen“ zwischen Kindern, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sind, und Autos von Eltern, die ihre Kinder bis unmittelbar vor die Schule fahren“. 

Kinder des Kinderparlaments der Concordiaschule sagen laut Anregung: „Wir Kinder brauchen Platz für einen sicheren Weg mit den Fahrrädern und den Rollern. Morgens und mittags fahren Autos um den Parkplatz herum rein und raus. Es stinkt und es ist laut, wenn die Autos und Motorräder vorbeifahren. Die Autos fahren zu schnell und passen nicht auf die vielen Kinder auf.“

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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  1. Zur Diskussion um Schulstraßen möchte ich meine Erfahrung aus Schweden beisteuern:
    Meine Enkel gehen in Schweden zur Schule; z. Zt. noch zur Grundschule, demnächst zur weiterführenden Schule. In den schönen aber kurzen nordischen Sommern kommen die meisten Schüler_innen zu Fuß oder mit Fahrrädern zu ihren Schulen. Sternförmig führen gut ausgebaute, gepflegte und hell beleuchtete Fuß- und Radwege auf die Schulen zu.
    In den langen, dunklen und sehr kalten Wintermonaten werden viele Schüler_innen von einem Elternteil mit dem “Elterntaxi” zur Schule gebracht. Das geschieht aus guten Gründen: berufs- und zeitorganisatorisch, witterungsbedingt und generell aus Sicherheitsaspekten. An der Grundschule gibt es für Elterntaxis auf dem Schulgelände, direkt neben dem Schulhof und der Schulsporthalle, einen „Kiss-and Go-Parkplatz“ für ca. 20 Autos.
    So war es auch schon an der KiTa: unmittelbar davor ist ein „Kiss-and Go-Parkplatz“ für ca. 10 Autos. So können die KiTa-Kinder von einem Elternteil stressfrei bei den Erzieherinnen „eingeliefert“ werden, während oft ja auch noch ein Kleinkind angeschnallt im Auto wartet, das die Eltern so aber im Blick behalten, weil der Wagen für kurze Zeit vor der KiTa halten kann.
    An der weiterführenden Schule gibt es an der Straße direkt gegenüber dem Haupteingang der großen Schule einen „Kiss-and Go-Parkplatz“ für ca. 50 (!) Autos.
    Für Fahrschüler sind an den Straßen direkt vor den Schulen Bushaltestellen eingerichtet. Das alles wird in Schweden nach meiner Beobachtung sehr unaufgeregt nach rein praktischen Gesichtspunkten zum Wohl von Kindern und ihrer Familien gehandhabt. Und die Kommune schafft dafür die Infrastruktur. Das gehört wie selbstverständlich zur Lebensqualität.
    In anderen skandinavischen Ländern wird es vermutlich ähnlich sein.

  2. Eine super Sache, keine Frage! Aber, warum wird die KGS komplett ignoriert? Die Bemühungen gesehen und gehört zu werden hierfür scheitern – immer! Auch hier gehen Kinder zur Schule, auch hier werden Kinder morgens durch vorbeifahrende Eltern in Gefahr gebracht! Nur scheint das niemanden zu interessieren!

    1. MDV die o. g. vier Schulen haben sich mit Kidical Mass zusammen getan und einen Antrag zu diesem Thema im Ausschuss für Anregungen und Beschwerden gestellt.
      Hier wird also keine Schule ignoriert, die Vier sind einfach selbst aktiv geworden.
      In der gestrigen (27.11.2024) Sitzung des Ausschusses für Anregungen und Beschwerden, in dem die Antragsteller ihr Anliegen vorgestellt habe, wurden aber auch noch weitere Schulen und Straßen benannt (von der Verwaltung selbst), bei denen ein Handlungsbedarf besteht.
      Es steht Ihnen jederzeit frei, eigene Vorschläge zu unterbreiten.

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      Hinweis der Redaktion: Dirk Steinbüchel ist Ratsmitglied der Grünen und Vorsitzender des Ausschusses für Anliegen und Beschwerden.

      1. Die KGS Hand wurde von uns Organisatoren auch gebeten zu unterschreiben, hat sich aber dagegen entschieden.

  3. Ich habe, ehe ich meinen Senf zu diesem Thema abgebe, unter dem Begriff “Schulstraße” die Seite der Stadt Köln zu deren Pilotprojekt gegoogelt. Danach sind Schulstraßen zu den üblichen Bring- und Abholzeiten für den allgemeinen Autoverkehr gesperrt. Für Anwohner gelten Ausnahmeregeln, alles andere wäre mit dem Recht auf Anliegergebrauch auch nur schwer vereinbar. Aber interessant wieder einmal die Schizophrenie unserer Gesellschaft: sich mit Verve für autobefreite Fußgängerzonen einsetzen und die Kinder bis ins Klassenzimmer fahren wollen.

    1. Ich verstehe tatsächlich nicht die Eltern, die wirklich jeden Tag die Kinder hin und zurückbringen. Zum Glück bewegt sich noch ein Großteil der Schüler selbstständig zur Schule, aber welche komischen Konzepte müssen wir in 10 Jahren uns aus der Nase ziehen, wenn der Anteil an Elterntaxi weiter steigt?
      Mautzonen? Schulplaketten? Sicherheitsdienste?

  4. Super Initiative! Ich hoffe sehr, dass sich die (anderswo längst etablierte) Einrichtung von temporären Schulstraßen auch in Bergisch Gladbach durchsetzt!
    Beim Blick auf die Karten frage ich mich, warum in Hand nicht die St.-Konrad-Straße und in Bensberg die Gartenstraße (beides kleine Sackgassen) ebenfalls morgens gesperrt werden sollten – vielleicht in einem zweiten Schritt?

    Zur GGS Kippekausen heißt es: “die meisten Schüler:innen, die in den umliegenden Straßen wohnen, müssen direkt vor der Schule die Straße überqueren”. Soweit ich weiß, gibt es dort keinerlei gesicherte Querung. Wäre eine Aufpflasterung quer über die Straße hier sinnvoll – als sicherer Überweg und um den Autoverkehr auszubremsen?

    1. U. Kleinert, wie oben bei MDV ausgeführt, sind diese vier Schulen selbst aktiv geworden und in der gestrigen Ausschusssitzung wurden weitere Ideen gesammelt.

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      Hinweis der Redaktion: Dirk Steinbüchel ist Ratsmitglied der Grünen und Vorsitzender des Ausschusses für Anliegen und Beschwerden.

  5. Tut mir leid.. hört sich an wie ein vorgeschobener Grund , weil die Anwohner der Schulen sich durch die Menschen gestört fühlen.. würde mich nicht wundern wenn die auch noch irgendeine schützenswerte Tierart Finden würden . Eltern müssen ihre Kinder schnell und nah ander Schule abgeben ,damit sie zu ihren steuerzahlenden Berufen kommen können…ich bin dafür ,das diese Straßen zwischen 0730-0830 für den ganzen andern Verkehr gesperrt werden ,so da nur Elterntaxis mit Aufklebern ,die kontrolliert werden , einfahren dürfen. Die erhöht die Sicherheit der Kinder und ist deutlich schneller als dieser Verbot von Anwohnern. Selam

    1. Tut mir leid, aber Ihre Äußerung kann ich nicht nachvollziehen. Ich dachte ja, es ginge um die Sicherheit der Kinder und nicht um die Eltern. Aber wenn es wirklich um die steuerzahlenden Eltern geht, die zügig zu ihren Berufen kommen müssen, dann wäre es doch einfacher, die Kinder selbstständig zur Schule gehen zu lassen oder im etwas weiteren Umfeld der Schulen und nicht direkt vor der Tür der Schulen (bzw. bei manchen Eltern habe ich den Eindruck, die würden ihre Kinder am liebsten bis ins Klassenzimmer fahren) aus dem Auto zu lassen, weil man dann ja noch zügiger zu seiner Arbeitsstelle kommt und sich nicht noch durch die vielbefahrenen Anliegerstraßen quälen muss, was unglaublich viel Zeit kostet.

    2. Ihren Vorschlag kann man ja eigentlich nur als Satire bewerten.

      Wenn das tatsächlich ernst gemeint war, so kann ich Ihnen versichern, dass diese Anregung ausschließlich durch Lehrkräfte und Eltern vertreten durch die Schulleitung und die Elternpflegschaft und koordiniert durch die Initiative Kidical Mass initiiert wurde. Diese können tatsächlich die jeweiligen Situationen vor Ort sehr gut bewerten, sehen jeden Tag die Gefährdung und Hektik und machen sich große Sorgen um die Sicherheit ihrer Kinder bzw. Schüler:innen.

      Und da hier in den Kommentaren, wie leider auch im Ausschuss die Eigenverantwortung der Eltern und das Sensibilisieren selbiger unterschwellig als ausreichenden Lösungsansatz genannt wurde: Reden Sie mit den Lehrern, die gebetsmühlenartig selbstverständlich immer wieder auf die Problematik „Elterntaxi“ ohne nachhaltigen Erfolg hinweisen. Gehen Sie zu den Hol- und Bringzeiten an die Schulen und machen sich persönlich ein Bild.

  6. Ich persönlich verstehe es nicht. Wie habe ich es geschafft, wie schaffen es meine Kinder? Das Problem geht doch einzig und allein von den Eltern der Kinder aus, welche die Kinder direkt vor die Schule mit dem PKW bringen. Warum kann man denn hier nicht an die Eigenverantwortung der Fahrer*innen mit Nachdruck appellieren, sondern ruft staatliche Einrichtungen zum bürokratischen Vorgehen auf und schafft damit wieder mehr Bürokratie und kosten ?

    Wir haben in Bergisch Gladbach doch in den letzten Jahren den Schulexpress (Sammelpunkte zum gemeinsamen Bestreiten des Schulwegs) angelegt, nach meiner Wahrnehmung funktioniert dies. Zuvor hatte die Stadt Parkzonen für das Elterntaxi temporäre eingerichtet usw.

    Ich finde es nicht sinnvoll wenn wir öffentliche Straßen zeitweise ihrer Nutzung entziehen und Anlieger diese nicht befahren dürfen um ein Risiko zu senken welches hauptsächlich von den Eltern/Erziehungsberechtigten ausgeht deren Kinder dann so „geschützt“ werden sollen.

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    Hinweis der Redaktion: Robert Martin Kraus ist Ratsmitglied und vertritt die CDU.
    Viel mehr sollte überdacht werden ob die Fahrraderziehung nicht schon in der 2. oder 3. Klasse vorgenommen werden kann, auch wenn ich weis, dass das Sichtfeld der Kinder in diesem Alter noch nicht vollständig ausgebildet ist. Herzliche Grüße

    1. Nichtstun ist keine Lösung, zumal die Situation um die Schulen offenbar immer schlimmer wird. Richtig: Das Problem sind (zuviele) Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule fahren. Aber ein “Appell an die Eigenverantwortung” kann nicht funktionieren, da genau diese Elterntaxis von anderen Eltern als Gefahr angesehen werden. Wenn im direkten Schulumfeld keine Autos mehr drohen, entfällt auch der wesentliche Grund, Kinder zur Schule zu fahren. In anderen Städten hat sich das Modell ‘Schulstraße’ bewährt – warum sollte es nicht auch bei uns funktionieren?

      Mit dem Fahrrad zur Grundschule ist nur dann eine gute Idee, wenn es wirklich sichere Radwege (getrennt vom Autoverkehr) gibt, wo kleine Verkehrsteilnehmer:innen nicht “übersehen” werden können. Das ist in Bergisch Gladbach nirgendwo der Fall.

    2. Sehr geehrter Herr Kraus,
      leider ist das mit der Eigenverantwortung bei einigen Menschen nicht so ausgeprägt. Ich appelliere jedes Mal zu Beginn des Schuljahres an die Eltern unserer Schüler:innen, die Kinder nicht in der Bushaltestelle vor unserer Schule rauszulassen und nicht den Parkplatz oberhalb der Schule zu befahren, weil das fast täglich zu gefährlichen Situation führt.
      Ich ernte im günstigsten Fall Desinteresse, im ungünstigen Fall unfreundliche Pöbeleien von einigen Eltern. Das funktioniert immer nur dann eine Weile, wenn ich mal das Ordnungsamt bestellt habe, damit die Kolleg:innen von dort den Eltern ins Gewissen reden.

      1. Guten Abend Herr Schmitter, danke für Ihren Einsatz.Ich gebe Ihnen ja Recht in dem Punkt, dass es leider einige unbelehrbare Menschen gibt und das Sie sich dafür noch Pöbeleien aussetzen müssen ist ein Unding was ein gewisses Grundproblem unseres gesellschaftlichen „Miteinander“ aufzeigt.

        Ich würde mir mehr Rücksichtnahme und Verständnis miteinander wünschen und da sehe ich die Aufgabe nicht nur bei Schulleitungen, OGS und Lehrpersonal /oder dem Ordnungsamt, hier sollte eine Schulgemeinde miteinander einen Konsens finden und Verständnis aufbringen für die Schüler/Eltern welche Angst vor dem PKW Verkehr haben und denjenigen welche darauf angewiesen sind die Kinder zur Schule mit dem PKW zu bringen.

        Ich sehe das ja genauso, dass es einige vermeidbare Situationen gibt, es gibt aber auch einige gute Gründe weshalb manche mit dem Auto fahren (weitere Geschwisterkinder in Kita, andere Schule, berufliche Gründe, Kinder die nicht gehen wollen usw.). Daher bin ich für noch mehr Aufklärung und ein mehr an miteinander. Viele Grüße

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        Hinweis der Redaktion: Robert Martin Kraus ist Ratsmitglied und vertritt die CDU.

    3. Guten Tag Herr Kraus,

      ich beantworte gern Ihre Fragen und gebe noch ein paar Kommentare dazu ab.

      „Wie habe ich es geschafft, wie schaffen es meine Kinder?“ Zu Ihrer Schulzeit gab es das Problem noch nicht. Ihre Kinder haben es unnötigerweise schwerer als Sie.

      „Das Problem geht doch einzig und allein von den Eltern der Kinder aus, welche die Kinder direkt vor die Schule mit dem PKW bringen.“ Das ist nur teilweise richtig. Fakt ist, dass die Stadt mit dem Mittel der Schulstraße den Schlüssel zur Lösung des Problems in den Händen hält. Leider wurde dieses Mittel noch nicht angewendet, so dass man der Stadt eine Teilverantwortung für das Problem anlasten könnte.

      „Warum kann man denn hier nicht an die Eigenverantwortung der Fahrer*innen mit Nachdruck appellieren?“ Hier ist empirisch hinreichend gut abgesichert, dass dies ein sinnloses Reden gegen Wände ist.

      „sondern ruft staatliche Einrichtungen zum bürokratischen Vorgehen auf und schafft damit wieder mehr Bürokratie und kosten ? “ Weil es die Aufgabe des Staates ist, seine Bürger vor Gefahren zu schützen. Wenn die Schulstraßen in ganz NRW auch nur ein totes Kind in 10 Jahren verhindern würden, wären die Kosten gut angelegt.

      „Wir haben in Bergisch Gladbach doch in den letzten Jahren den Schulexpress […] angelegt, nach meiner Wahrnehmung funktioniert dies.“ Diese Wahrnehmung muss ich leider als vollkommen falsch bezeichnen. Der Schulexpress wird nach meiner Beobachtung und nach Aussage anderer Personen, die den Verkehr intensiv beobachten, nicht wirklich angenommen. Auch erscheint mir Ihre Aussage unlogisch, weil Sie ja selbst ein Problem anerkennen. Der Schulexpress kann das Problem nicht lösen.

      „Ich finde es nicht sinnvoll wenn wir öffentliche Straßen zeitweise ihrer Nutzung entziehen und Anlieger diese nicht befahren dürfen” Diese Aussage ist falsch, weil die Straßen ja öffentlich genutzt werden. Es wird die Nutzung für den PKW Verkehr beschränkt, es findet aber sehr wohl Verkehr darauf statt.

      „um ein Risiko zu senken welches hauptsächlich von den Eltern/Erziehungsberechtigten ausgeht deren Kinder dann so „geschützt“ werden sollen. „ Diese Aussage verkürzt die Tatsache, dass auch zu Fuß zur Schule gehende Kinder durch das Problem gefährdet werden.

      „Viel mehr sollte überdacht werden ob die Fahrraderziehung nicht schon in der 2. oder 3. Klasse vorgenommen werden kann“ Das ist zum einen wegen der mangelhaften Radweginfrastruktur kein guter Vorschlag. Außerdem löst es das Problem nicht, welches auch an weiterführenden Schulen besteht. Diese werden von Kindern mit Fahrraderziehung besucht.

      1. Guten Abend Her Christian-Andreas, nein ich würde behaupten „es ist heute nicht gefährlicher“ als vor 5, 10 oder 38 Jahren.

        Ich sehe das der Schulexpress angenommen wird und in Teilen funktioniert, so hat wohl jeder seine Sichtweise.
        Das Straßen teilweise für ihre vorgesehenen Nutzung entzogen werden ist keine falsche Aussage sondern ein Fakt.
        Die Radwegeinfrastruktur ist keineswegs überall mangelhaft, für Refrath haben wir viele Radwege auf dem Bordstein, weiter gibt es viele Tempo 30 Zonen und beruhigte Bereiche, auch dürfen Kinder bis zum 10. Lebensjahr auf dem Gehweg fahren. Es ist also nicht ganz so übel wie beschrieben.

        Die beschriebenen Eltern welche ihre Kinder mit dem Auto zur fahren, sind aber auch Eltern welche vielleicht mehr oder weniger gute Gründe haben die Kleinen so zur Schule zu fahren. Ich denke keiner dieser Eltern hat die Absicht eine Gefahr für andere darzustellen!

        Und was das staatliche Eingreifen betrifft, hier hat der Staat ein großes Maß an Zurückhaltung in die Allgemeine Handlungsfreiheit gemäß Art. 2 GG zu berücksichtigen. Weiter würde ich auch ein Vorgehen nur für 3 / 4 Schulen problematisch halten, entweder an allen Standorten die gleichen Maßnahmen oder halt nicht, denn wieso sollten z.B die Nutzer/Schüler der Concordia Straße anders behandelt werden als z.B die an der Mülheimer Straße?

        Daher bitte die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen beachten und miteinander nach vorne kommen und nicht Gegeneinander, dies hilft unseren Kindern am besten!
        Viele Grüße

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        Hinweis der Redaktion: Robert Martin Kraus ist Ratsmitglied und vertritt die CDU.

      2. Hallo Herr Kraus,

        schön, dass Sie antworten. Allerdings darf Ihre Antwort so nicht stehen bleiben. Gehen wir die Schwachpunkte mal durch:

        „„es ist heute nicht gefährlicher“ als vor 5, 10 oder 38 Jahren“ Das hat hier niemand behauptet. Es geht um das Elterntaxiproblem, bitte bleiben Sie beim Thema. Zu Ihrer Grundschulzeit vor 38 Jahren (?) gab es dieses Problem nicht. Die Frage könnte also lauten, wie die Generation Ihrer Eltern das geschafft hat.

        “Ich sehe das der Schulexpress angenommen wird und in Teilen funktioniert, so hat wohl jeder seine Sichtweise.“ Hier muss man feststellen, dass Ihre Sichtweise nachprüfbar falsch ist. Würde der Schulexpress funktionieren, gäbe es das Problem nicht.

        „Das Straßen teilweise für ihre vorgesehenen Nutzung entzogen werden ist keine falsche Aussage sondern ein Fakt.“ Das Wort teilweise fehlt in Ihrem ersten Kommentar, insofern ist Ihre Aussage sehr wohl falsch. Auch die Wortwahl („von vorgesehener Nutzung entzogen“) ist meiner Meinung nach schlecht, weil wir von einer zeitlich eng begrenzten Einschränkung der PKW-Nutzung sprechen und es darüber hinaus für Anwohner Ausnahmen gibt.

        „für Refrath haben wir viele Radwege auf dem Bordstein“ Auch in Refrath gibt es das Problem. Warum wird zu Schulbeginn eine Kreuzung vor einer Refrather Grundschule durch die Polizei täglich beobachtet? Fragen Sie doch mal bei den Polizisten nach, ob der Schulexpress funktioniert. Da die Polizei ohnehin vor Ort ist, wäre die Durchsetzung einer Schulstraße hier einfach und auch Ihr Kostenargument würde sich relativieren.

        „mehr oder weniger gute Gründe haben die Kleinen so zur Schule zu fahren“ Es sind mit Faulheit und Bequemlichkeit eher weniger gute Gründe. Selbst der ADAC rät von Elterntaxis ab.
        „Ich denke keiner dieser Eltern hat die Absicht eine Gefahr für andere darzustellen!“ Das denke ich auch. Trotzdem stellt das Verhalten dieser Eltern eine Gefahr dar.

        „hier hat der Staat ein großes Maß an Zurückhaltung in die Allgemeine Handlungsfreiheit gemäß Art. 2 GG zu berücksichtigen.“ Hier zitieren sie das Grundgesetz falsch. Zur Verhältnismäßigkeit steht nichts in Artikel 2. Artikel 2 garantiert die Freiheit und schränkt sie gleichzeitig sinnvoll ein. Außerdem garantiert er das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Um diese Dinge zu schützen sind Schulstraßen verhältnismäßig. Ein Grundrecht auf uneingeschränkte PKW-Nutzung lässt sich aus dem Grundgesetz nicht ableiten und es gibt ein solches Recht auch nicht.

        „wieso sollten z.B die Nutzer/Schüler der Concordia Straße anders behandelt werden als z.B die an der Mülheimer Straße?“ Soll etwa die Gleichheit dadurch erreicht werden, dass es für alle so schlecht bleibt wie es ist? Das wäre meiner Meinung nach eine extreme Forderung nach Gleichmacherei, die ich eher im extrem linken politischen Umfeld vermutet hätte. Meines Wissens nach sind sie CDU-Ratsherr und ein Mann der Mitte? Oder fordern Sie Schulstraßen für alle Schulen?

  7. Ein sehr vernünftiger Vorschlag, den man generell auf alle Straßen an Schulen ausweiten sollte. Auch an der GGS Bensberg war die Situation immer schlimm. Die wiederkehrenden Ermahnungen auf ausnahmslos jedem Elternabend und die zahlreichen Aktionen mit dem Ziel, die Eltern zur Rücksichtnahme anzuhalten, hatten allenfalls kurzfristig mäßigem Erfolg, nach ein bis zwei Wochen war alles wieder vergessen.
    Ob eine Sperrung – vermutlich eher durch ein Verkehrsschild als durch Barrieren? – die Autofahrer dann aber wirklich davon abhält, in die Schulstraßen einzufahren, ist eine andere Frage. Die zunehmende Ignoranz gegenüber Verbotsschildern ließ sich zuletzt in der Schlossstraße sehr gut beobachten. Wichtig wäre also, dass entsprechende Verbote konsequent durchgesetzt werden – nicht nur mit Ermahnungen und gutem Zureden, sondern auch durch effektive Strafen. Eltern sind eben nicht weniger schwer erziehbar als Kinder.

  8. Kinder sollten zu Selbstständigkeit erzogen werden.
    Dazu gehört auch dass sie lernen mit Gefahrensituationen umgehen zu können, das sie solche zeitig erkennen.
    Wenn immer in Watte gepackt von der Mama in die Schule gefahren wird lernt das Kind nix.

  9. Ich bin sehr froh über diese Anregungen aus der Elternschaft für sichere Schulwege.
    Sofern der Ausschuss für Anregungen und Beschwerden dieses Begehren an den Fachausschuss für Mobilität und Verkehrsflächen weiterreicht, bin ich gespannt, ob sich auch weitere Eltern und Schulen mit ähnlichen Bedenken zur Sicherheit unserer Schulkinder auf dem Weg zur Schule bei den Ratsfraktionen melden werden.

  10. Für die GGS Hand wäre die St. Konrad Straße viel wichtiger! Da ist es so eng dass die “besorgten Eltern” über den Bürgersteig fahren und die Anwohner so zugeparkt werden das niemand mehr raus- oder reinfahren kann.

    1. Die St. Konrad-Straße ist tatsächlich auch ein Problem! Als Mama eines GGS-Kindes finde ich aber: Wir sollten nicht unterschiedliche Gefahrenzonen gegeneinander ausspielen nach dem Motto: “Wo ist es am schlimmsten?” Die Situation an der St. Konrad-Straße ist noch kniffliger als am Heimstättenweg, da dort ja auch Lehrkräfte reinfahren müssen. Deshalb steht sie (noch) nicht mit auf der Liste unserer Anregungen. Man sollte eigentlich alle drei Straßen zusammen betrachten: Im Grafeld, St. Konrad-Str. und Heimstättenweg, oder?

    2. Wer mal mittwochs bei Regen gegen viertel vor acht das Grafeld raufläuft, wird den Wahnsinn am eigenen Leib erfahren. Dann kommt die Müllabfuhr über den Berg und das Chaos ist perfekt. Die Elterntaxis fahren dann reihenweise über den Bürgersteig, ob dort Kinder laufen oder nicht. Oder sie wenden rückwärts in Schülergruppen hinein. Oder hupen, wenn die Kinder die Straße zu langsam queren. Und zur Krönung fühlen sie sich auch noch im Recht, Zitat einer SUW Fahrerin vom letzten Mittwoch: “Ich kann doch nicht stehenbleiben und warten bis die Müllabfuhr weg ist, dann staut es sich ja hinter mir.”
      Schön, dass die Stadt Schilder aufstellen und gucken will, ich kann nur hoffen, dass sie endlich mal richtig gucken und ihrer Pflicht zum Schutz der zu Fuß gehenden Kinder nachkommen. Alles andere wäre unverantwortlich, das Prinzip Hoffnugn funktioniert hier nicht.

  11. Als Betroffener Vater begrüße ich diese Initiative sehr, möchte allerdings noch ergänzen, dass auch die KGS Hand einen Antrag auf Umwandlung der Sackgasse St-Konrad Straße in eine Schulstraße gestellt hat. Da GGS- und KGS-Hand einen gemeinsamen Schulhof haben erscheint es uns notwendig, den Komplex Heimstättenweg, St-Konrad und im Grafeld gemeinsam an zu gehen, da es sonst nur zu einer Verschiebung des Problems kommt. Mit freundlichem Gruß, J. Hermes.

    1. Ich sehe es wie du, Jonas, dass an der KGS/GGS Hand die gesamte Verkehrssituation neu geregelt werden muss. Allerdings will die Stadt zunächst an der Straße “Im Grafeld” Halteverbotsschilder anbringen, beobachten ob das etwas bringt und wahrscheinlich erst dann weitere Schritte einleiten. Darauf wollten wir in Sachen Heimstättenweg nicht warten und haben deshalb die Anregung eingebracht. Tipp für alle GGS-Eltern: Mein Kind läuft jetzt nicht mehr den kompletten Heimstättenweg sondern den kleinen Fußweg von der Handstraße – der ist viel sicherer!

    2. Als betroffener Anwohner im Heimstättenweg kann ich dem nur zustimmen.
      Mich wundert es wirklich, das hier noch keine schlimmen (gerade morgens und in der jetzigen Jahreszeit) Unfälle beim morgendlichen Ein -und Ausfahren aus dem Heimstättenweg passiert sind – Hoffentlich hält das noch lange vor.

    3. Erschließt sich mir auch nicht, warum ein einziger Weg zum Schulkomplex Hand rausgesucht wird jetzt …