Ursula Clemens-Schierbaum eröffnet die Jahresausstellung in ihrer Galerie Partout® Kunstgeschichte & Kunstkabinett – und erzählt über ihren Anspruch an einen Jahresabschluss. Der Künstler Friedrich Förder spricht über seine neuesten Werke „Frieden“ und „Freundschaft“.
Text: Antje Schlenker-Kortum, Fotos: Thomas Merkenich
Ein persönlicher Wunsch ist für die Herkenrather Galeristin Ursula Clemens-Schierbaum jetzt schon in Erfüllung gegangen: Ihre Stammkünstler haben neue, spannende Werke in die Jahresausstellung mitgebracht. Also hat sie die neuen Werke bewusst gemischt mit älteren Werken der Sammlung.
Im Gegensatz zu einer Themen- oder Einzelausstellung gilt bei „Kunst zum Jahreswechsel“ ein anderer Fokus: Es geht darum, viele unterschiedliche Positionen im Rahmen einer Jahresausstellung zu präsentieren – harmonisch und gleichberechtigt nebeneinander; das sei ihr Anspruch, erzählt Clemens-Schierbaum.

Die Kunst zum Jahreswechsel ist auch ein Abschluss und Vorgeschmack für das nächste Jahr – für das Publikum, für die Sammler und nicht zuletzt für die Kunstschaffenden. Der Grafiker Friedrich Förder besucht die Ausstellung – kurz vor der Vernissage, um das Ergebnis zu begutachten. Der 1935 geborene Grafiker hat sich nach besten Kräften eingebracht, wie die anderen Künstler auch, merkt die Galeristin an. Das sei eine besondere Qualität der Zusammenarbeit, die nicht unbedingt selbstverständlich ist, sagt die Galeristin.
Förder staunt über die neuen Werke der Künstlerkollegen und Kolleginnen. Er steht lange vor den neuen Arbeit von Eneka Rasquin, die eigentlich bekannt ist, für ihre Malerei von Architektur und Landschaft – hier hat sie stilistisch völlig anders gearbeitet – im Pop Art–Stil und mit Markern gemalt – erstmals ausgestellt, sagt Clemens-Schierbaum.
Frieden, Freundschaft, Suggestionen
Auch Friedrich Förder hat viele neue Arbeiten im letzten Jahr erschaffen und in einem eigenen, kleinen Raum zusammengestellt. „Friede“, lautet der Titel eines kaminroten Drucks – ein Holzschnitt mit stilisierten Kerzen; schräg gegenüberhängend der dazugehörige Druckstock: ein Wandobjekt mit roter Druckfarbe und den aus Fichtenholz ausgeschnittenen Lettern.
Das sei nicht seine erste Arbeit zu einem politischen Thema, erzählt Förder. Aber „Frieden” beschreibe auch eine persönliche Stimmung, die in die Jahreszeit passe.
Außerdem zu sehen: ein großer farbiger Holzschnitt mit dem Titel „Freundschaft“. Er sei in einem Alter, in dem man viele Freunde verliert, sagt Förder. Dieses Werk sei seine Art, das zu verarbeiten und darüber nachzudenken, was sind echte Freunde, denen man sich öffnen kann, und was sind Freunde, die man am Stammtisch trifft.
Die Grafik erinnert an Karneval, sie zeigt einen Hund, eine Katze. Dazu hat er ganz persönliche Geschichten. In Kombination mit dem Titel berühren sie ganz eigene Gefühle und Erinnerungen beim Betrachter.
Kunst zum Jahreswechsel
bis 25.1.2025
Partout® Kunstgeschichte & Kunstkabinett
Strassen 85, 51429 Bergisch Gladbach
Öffnungszeiten: di, do, fr 16-19 h, sa 11-13 h
und nach Vereinbarung
02204 42 52 38
instagram: @partout.kunstgeschichte
www.partout-kunstgeschichte.de
Titel können Suggestionen lenken, daher arbeiten viele Künstler mit dem Titel „ohne Titel“. Clemens-Schierbaum ist promovierte Kunstwissenschaftlerin; sie mag Titel, die zum Kunstverständnis beitragen. Landartkünstlerin Veronika Moos beispielsweise habe sehr poetische Titel, die dem Foto, als einziges Überbleibsel einer vergänglichen Landart, eine weitere Betrachtungsebene geben, erklärt Clemens-Schierbaum.
Bekanntes in einem anderen Licht sehen
Auch Michael Broermann verdichtet: Er hat eine Porträtserie von bekannten Künstlern geschaffen. Genannt hat er sie „Meisterklasse“, was in diesem Kontext eine Hommage an jeden einzelnen darstellt und in der Menge ein erweiterbares Meisterklassenbild erschafft.
Rolf Jahn hat einen Kaffeesack mit seiner ureigenen Symbolsprache bearbeitet. Auf einem Rahmen aufgezogen wird er zur Leinwand. In der Galerie Partout hängt das Objekt freischwebend, die Sonne scheint hindurch und es wird zum Lichtobjekt.
Die Galeristin kennt ihre Galerieräume im Industrieflair, die einen einzigartigen, suggestiven Gedankenraum bilden. So können die massiven Bronzeskulpturen von Else Giesberg ganz selbstbewusst im alten Maschinenraum stehen. Während die Räume zur Straße kleine Skulpturen von Petra Giesberg zeigen: zarte Figürchen, die sich im Schaufenster tummeln.

Auch die Bananen von Thomas Baumgärtel entfalten ihre humorvolle Wirkung – eben weil sie „Beuysbanane“ heißen und neben dem grauen Filzhut auf Filz gesprayt sind. Es gibt einige ungewöhnliche Designobjekte wie zum Beispiel den Excentertisch – gemacht aus einer Straßenlaterne – von dem Künstler Paul Busch, der aus Rheinland-Pfalz kommt.

Auch Masaki Hagino ist mit neuen Gemälden und seinen beliebten Waldserien dabei. Ein tiefer, mehrschichtiger Wald – daneben der temperamentvoll gewachsene Wald von Bettina Mauel – diese Kombination suggeriert eine bergisch-winterliche Stimmung.
Auch die großen, sternförmigen Objekte von Götz Sambale, die oft in Kirchen ausgestellt wurden, sowie seine Bronzekönige wirken in der aktuellen Ausstellung christlich weihnachtlich – aber eben nur sehr subtil.
Noch ein Grund, demnächst im Partout Kunstkabinett persönlich vorbeizuschauen: Einige der ausgestellten Werke tragen Nummern. Sie gehören zum traditionell gestalteten Adventskalender: Jede Zahl ein Werk. Die jeweilige Kunst kann an diesem einen Tag mit einem besonderen Rabatt erworben werden. Mehr Infos finden sich auf der Homepage.

Weitere Bilder finden Sie in der Dia-Show:
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