Ein Roman über eine fragile Freundschaft und eine karge Insel, ein süchtig machender Roman über Kunstgeschichte und ein spannendes Kinderbuch über Arthur Conan Doyle.

Carys Davies: Ein klarer Tag

Im Jahr 1843 setzt ein kleines Ruderboot den verarmten Geistlichen John Ferguson auf einer abgelegenen Shetlandinsel im Nordmeer ab. Im Auftrag des Gutsbesitzers Henry Lowrie soll er den letzten verbliebenen Bewohner überzeugen, seine Heimat zu verlassen und ihn nach Aberdeen bringen. Das Land soll rentabler genutzt werden und die Ansiedlung von 1500 Schafen Lowrie noch reicher machen. 

Obwohl sich seine Frau Mary große Sorgen macht und moralische Zweifel geäußert hat, hat der gutgläubige Pfarrer der schottischen Freikirche dieses gefährliche, aber lukrative Angebot angenommen. Aber schon kurz nach der Ankunft stürzt er von den felsigen Klippen und wird bewusstlos. Als er wieder aufwacht, findet er sich in der Hütte von Ivar wieder – dem Mann, den er von der Insel vertreiben soll. Der schweigsame Schafbauer pflegt und versorgt den fremden Gast, ohne etwas von den Gründen seines Aufenthalts zu ahnen.

Da Ivar nur einen unbekannten Dialekt spricht, können sich die zwei Männer kaum verständigen. Trotzdem entsteht eine vorsichtige Annäherung, die Johns Bedenken mit jedem Tag wachsen lassen. Bald schon wird er vom inneren, emotionalen Konflikt zermürbt. Der Zeitpunkt, an dem er und Ivar abgeholt werden sollen, rückt immer näher.

Carys Davies: Ein klarer Tag.
Luchterhand 2024, € 24,00.
Übersetzt von Eva Bonné
Das Buch in unserem Onlineshop

„Ein klarer Tag“ ist das richtige Buch für ein ungemütliches Winterwochenende. Auf nur knapp 200 Seiten schafft es die Autorin Carys Davies mit ihrer dichten und schnörkellosen Sprache die besondere Atmosphäre auf der kargen Insel einzufangen. Mit viel Gespür für Details beschreibt sie bildhaft die raue Schönheit der Natur und den ruhigen, einsamen Lebensrhythmus mit ihr. Bis zum Schluss bleibt es ungewiss, ob die die fragile Freundschaft ihrer Figuren bestehen kann. 

(Viviana Domokos)

Thomas Schlesser: Monas Augen

Der Kunsthistoriker Schlesser schoss in seiner Heimat Frankreich mit seinem Romandebüt sofort von Null auf Platz 1 der Bestsellerliste. Die Geschichte liest sich nicht nur wie eine unterhaltsame Einführung in die Kunstgeschichte. Sondern sie zeigt auch, wie Kunst ein Leben positiv beeinflussen, wenn nicht sogar zur Heilung einer Erkrankung beitragen kann. 

Mona ist 10 Jahre alt, lebenslustig, voller Energie und Neugierde. Sie wächst behütet in einem intakten Umfeld auf. Doch von einem Tag auf den anderen ändert sich alles. Ihr wird plötzlich schwarz vor Augen, sie kann nicht mehr sehen. Dieser Zustand hält eine gute Stunde an.

Die sofort konsultierten Ärzte können keine Ursache finden und empfehlen den besorgten Eltern, einen Kinderpsychiater aufzusuchen. Doch das Ereignis bleibt wie ein Damoklesschwert über Mona hängen. Denn, sollte es sich wiederholen, würde die Erblindung endgültig sein.

Jetzt kommt Henry, Monas Großvater, ins Spiel. Die Eltern bitten ihn, sie zu den Therapiesitzungen  zu begleiten. Henry, der nicht viel davon hält, stimmt zwar zu, hat aber bereits andere Ideen im Sinn. So beginnt eine Tour durch verschiedene Pariser Museen.

Jeden Mittwoch treffen sich Großvater und Enkelin, um angeblich zum „Psychiater“ zu gehen. Tatsächlich steht jede Woche ein anderes Kunstwerk auf dem Plan. Zuerst ist für Mona alles einfach nur neu und aufregend, aber schnell findet sie Gefallen an der bildenden Kunst und ihre Begeisterung wächst von Woche zu Woche.

Die Erklärungen ihres Großvaters zu den einzelnen Werken fallen bei ihr auf fruchtbaren Boden. Sie lernt schnell in den Bildern zu lesen. Ihre Augen werden zu 100 Prozent gefordert und trainiert. Das ist Teil des Plans, der andere besteht darin die Kunstwerke zu verstehen, Kraft daraus zu schöpfen und sie für immer vor dem inneren Auge zu haben, falls es doch zum Schlimmsten kommen sollte.

Nach einem Jahr ist die Reise zu den schönsten Kunstwerken unserer Zeit, so der Untertitel des Buches, zu Ende. Ist der Plan dann aufgegangen?  

Thomas Schlesser: Monas Augen
Piper Verlag 2024, € 26,00.
Übersetzt von Nicola Denis
Das Buch in unserem Onlineshop

Ein Buch, das Spaß macht und gleichzeitig bildet, geht das? Auf jeden Fall. Der Autor hat es bewiesen, indem er gekonnt den Spagat zwischen Unterhaltungs- und Bildungsliteratur schafft. Meisterhaft verbindet er Kunstgeschichte, Historie, Geographie und Zeitgeschehen miteinander ohne je staubtrocken oder gar dozierend rüberzukommen.

Wer sich schon immer für Kunstgeschichte begeistert hat, wird dieses Buch lieben. Wer aber bisher nur wenig mit bildender Kunst zu tun hatte, wird begeistert sein und süchtig danach werden. Der Roman ist für Leser*innen von 16 bis 99 Jahre geeignet und nahezu das perfekte Weihnachtsgeschenk. Dieser Roman ist ein Highlight in diesem Winter. Er macht graue Tage bunter und wärmt von innen.

(Sylvia Jongebloed)

Ali Standish: Baskerville Hall – Das geheimnisvolle Internat der besonderen Talente 

Arthur Conan Doyle ist der älteste Sohn einer recht mittellosen Familie. Obwohl er sehr wissbegierig und schlau ist, hat er gerade beschlossen nicht mehr weiter zur Schule zu gehen, um der Familie mit einer bezahlten Arbeit zu helfen. Sein Vater hat sich in seiner eigenen Welt verkrochen, seine Mutter kümmert sich um seine drei jüngeren Schwestern.

Die fabelhafte Geschichte beginnt, als Arthur auf der Straße geistesgegenwärtig ein Kind im Kinderwagen rettet und dabei Hilfe von einem Mann bekommt, den er in seinem Stadtteil noch nie gesehen hat.

Am nächsten Morgen erhält er einen geheimnisvollen Brief. In diesem wird er informiert, dass er für das nächste Schuljahr in Baskerville Hall angenommen wurde, einer ganz besonderen Schule. Und dabei hatte er noch nie von dieser Schule gehört, geschweige denn sich dort beworben. Für seine Eltern ist es keine Frage, dass ihr Sohn dorthin gehen muss.

Ali Standish: Baskerville Hall – Das geheimnisvolle Internat der besonderen Talente.
Hanser 2024, € 17,00.
Übersetzt von Jessika Komina, Sandra Knuffinke
Ab 10 Jahre 
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Und so startet Arthur ein unfassbar spannendes Abenteuer. Nicht nur dass er mit einem Zeppelin und vom Schulleiter höchstpersönlich abgeholt wird, er begegnet einer ganzen Menge sehr besonderer Personen. Und zum ersten Mal in seinem Leben trifft er Menschen, die wirkliche Freunde werden könnten. So sehr Arthur auch von der neuen Schule begeistert ist, hat er aber auch das sichere Gefühl, dass hier geheimnisvolle Dinge vor sich gehen, die irgendetwas mit ihm zu tun haben.

„Baskerville Hall“ ist ein spannender Roman für Leser und Leserinnen ab 10 Jahren. Temporeich und mitreißend erzählt Ali Standish eine fantasievolle Kombination aus Internatsgeschichte und Detektivroman, die zwar viele bekannte Namen enthält, aber völlig neu ist. 

Eine wunderbare Geschichte zum Miträtseln, Luftanhalten und unter der Decke weiterlesen.

(Pia Patt)

Viel Spaß beim Lesen, Ihre Pia Patt und Birgit Lingmann

Pia Patt führt die Buchhandlung Funk inzwischen alleine, Birgit Lingmann gehört weiterhin zum Team

Die Buchhandlung Funk existiert seit vielen Jahrzehnten in Bensberg und ist seitdem Bestandteil des kulturellen Lebens von Bergisch Gladbach. Mehr als zehn Jahre waren Pia Patt und Birgit Lingmann (geborene Jongebloed) bereits in der Buchhandlung Funk beschäftigt, als sie im Oktober 2015 das Geschäft von Almut Al-Yaqout übernahmen. Seit Sommer 2023 führt Pia Patt die Buchhandlung alleine. Birgit Lingmann hat sich aus gesundheitlichen Gründen ein Stück weit zurück gezogen, arbeitet aber weiterhin im „funky“-Team mit.

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Pia Patt, geboren 1974 in Köln, verheiratet, 2 Katzen, wohnt in Lindlar. Sie wurde in der Buchhandlung Funk zur Buchhändlerin ausgebildet und interessiert sich besonders für Kinderbücher, Krimis, und Belletristik. Wenn sie nicht gerade liest, kümmert sie sich um ihren Garten oder feilt an ihren...

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