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Viele pflegebedürftigen Menschen werden zuhause von Angehörigen und Freunden betreut. Der Alltag dieser Pflegenden ist belastet, fordert heraus und bedeutet eine immens große Verantwortung. In ihrem Anspruch, die Pflegebedürftigen bestmöglich zu versorgen, vergessen die Pflegenden oft sich selbst. Für sie gibt es in Refrath jetzt eine neue Selbsthilfegruppe. Mit diesem Beitrag starten wir eine Serie über Selbsthilfegruppen in Rhein-Berg.

Beim Gesprächskreis zur Entlastung pflegender Angehörige stehen die Pflegenden mit ihren Sorgen und Nöten im Mittelpunkt. Der Erfahrungsaustausch mit Gleichgesinnten entlastet emotional und gibt Kraft. Diese Gruppe bietet eine kurze Auszeit vom anstrengenden Alltag und inspiriert wie diese kräftezehrende Situation erleichtert werden kann.

Am 4.12.2024 gründete sich der Gesprächskreis mit Unterstützung des Kontaktbüros Pflegeselbsthilfe Rheinisch-Bergischer Kreis, des Refrather Treffs und der Moderatorin Ronja Fischer in Refrath. Viele der ersten Teilnehmer:innen, fünf Frauen und ein Mann, begrüßten die Nähe zu ihrem Wohnort in Refrath. Die Anfahrt sei entsprechend kurz und man könne somit etwas an Zeit einsparen. Zeit, die zuhause für die Pflegebedürftigen benötigt wird. Die Selbsthilfegruppe ist aber für alle Pflegenden im Rheinisch-Bergischen Kreis offen.       

Auszeit vom Pflegealltag

Eine Moderatorin begleitet und leitet die Gruppe an, so dass sich die Teilnehmenden bei diesem Treffen um nichts kümmern müssen. Die Moderatorin Ronja Fischer kennt die Situation der Pflegenden aus eigener Erfahrung.

„Weil ich es selbst kenne, möchte ich hiermit dazu beitragen, dieses wertvolle Angebot zu ermöglichen,“ erklärt Fischer. Bei Kaffee und Plätzchen eine „warme“ und gemütliche Atmosphäre zu schaffen, in der sich die Betroffenen wohlfühlen, das ist das erklärte Ziel aller, die sich für diese neue Selbsthilfegruppe engagieren.

„Ich bin nicht alleine“

Angesichts ihres belastenden und anstrengenden Pflegealltags wünschten sich die Teilnehmer: innen des ersten Treffens nicht nur einem offenen und ehrlichen Austausch, sondern auch Tipps und Hinweise, wie unter anderem die als Herausforderung erlebte Pflege positiv zu bewältigen ist, wie Stress minimiert werden kann und welche Hilfsmöglichkeiten die Pflege erleichtern können.

Bei Bedarf werden auch Fachleute hinzugezogen. Momentan ist allerdings das gegenseitige Zuhören und viel Verständnis füreinander am Wichtigsten, damit sich ein Wirgefühl entwickeln kann. 

Gesprächskreis zur Entlastung pflegender Angehörige

Treffen an jeden ersten Mittwoch im Monat von 16.30 bis 18 Uhr
Die nächsten Termine 8. Januar, 5. Februar, 5. März, 2. April, 7. Mai

Um Anmeldung wird gebeten. Tel. 02204-87814

Die Selbsthilfegruppe wird ganzjährig angeboten.

c/o Refrather Treff
Steinbrecher Weg 2
51427 Bergisch Gladbach/Refrath

Es fällt allen leicht sich zu verstehen, denn alle kennen folgende Situationen aus eigener Erfahrung. Pflegende Angehörige plagt öfters ein schlechtes Gewissen. Widmet man sich dem Pflegebedürftigen, werden die anderen aus der Familie in dieser Zeit vernachlässigt. Man möchte eigentlich allen gleichermaßen gerecht werden und fühlt sich für alle verantwortlich. Es fällt dabei schwer, Nein zu sagen und freie Zeit für sich zu beanspruchen.

Alle wissen wie schnell in der Pflege körperliche und seelische Grenzen überschritten werden. Die zur Verfügung stehende Zeit ist immer zu knapp und die eigenen Kräfte reichen nie aus. Alle verlassen sich auf die pflegende Person, die sich dabei oft alleingelassen fühlt. Es ist hierbei schwer, sich und anderen die eigene Überforderung einzugestehen.

Ein geschützter Raum für alle Themen

Doch hier inmitten von Gleichgesinnten erleben die Gruppenmitglieder, dass sie nicht alleine sind und dass andere einen verstehen. Das tut so gut und macht Mut. Hier in der Selbsthilfegruppe kann über alles geredet werden und zwar ohne zu bewerten und ohne Ratschläge zu geben. Die Selbsthilfegruppe bietet einen geschützten Raum, den die Betroffenen gerne für sich nutzen und auf den sie sich freuen. 

Hintergrund: Hilfe zur Selbsthilfe

Erkrankungen, Beeinträchtigungen und seelische Krisen belasten das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen sehr. In diesen schweren Zeiten tut ein Austausch in einer mitfühlenden Gemeinschaft gut. In einer Selbsthilfegruppe steht man sich bei und setzt sich für andere ein. Selbsthilfegruppen bilden „ein starkes Netz aus Verständnis, Hoffnung und gegenseitigem Trost, wobei jede Begegnung, jede geteilte Erfahrung und jedes offene Wort den Betroffenen Kraft gibt“, so die Selbsthilfekontaktstelle in Bergisch Gladbach.

Selbsthilfegruppen ergänzen ambulante, stationäre und rehabilitative Versorgungen und entlasten somit unser Gesundheitswesen. Das ehrenamtliche Engagement der Menschen, die eine SHG miteinander gestalten, ist beispielhaft.

Teilnehmen und teilen, miteinander und füreinander, gemeinsam informieren, dies macht die gesellschaftlich wertvolle Arbeit aller Selbsthilfegruppen aus. 

Annette Voigt, Gründerin der SHG „mein Darm und ich“, stellt einige der Gruppen in unserer Serie vor – die damit einen guten Überblick über die Selbsthilfegruppen im Rheinisch Bergischen Kreis bietet. 

Manche in der Gruppe pflegen hochbetagte Eltern und sind selbst bereits im Rentenalter. Wie schön wäre es jetzt zu verreisen, wo die Kinder doch aus dem Haus sind. An eine Reise ist jedoch bei der Pflege der Eltern nicht zu denken. Von den eigenen Beschwerden mal ganz abgesehen.

Und so machen die Pflegenden weiter und weiter und vergessen sich dabei selbst. Es ist ein Dilemma, ein innerer Zwiespalt, in dem sich die Betroffenen befinden. Die Notwendigkeit der Selbstfürsorge und die Beschäftigung mit inneren Prozessen (beispielsweise ein schlechtes Gewissen zu haben oder ein viel zu hoher Anspruch an sich selbst) wird also noch öfters in dieser Gruppe Thema sein.

„Mit der Zeit werden die Betroffenen erkennen, die richtige Balance zwischen Verantwortung gegenüber dem Pflegebedürftigen und sich selbst und den eigenen Kräften zu finden“, hofft Fischer. 

Fester Ablauf, faires Miteinander

„Bereits am ersten Abend war ein großes Vertrauen da und alle waren gleich bereit Sorgen und Probleme zu offenbaren“, resümiert die Moderatorin. Vertrauen entsteht auch, indem das Besprochene in der Gruppe bleibt und nichts nach außen dringt.

Dieses faire Miteinander ist Teil eines strukturierten Gesprächsablaufs, zu dem auch gehört, dass alle reihum zu Wort kommen. Alle, die beim Auftakt der Gruppe im Dezember dabei waren, hat es gefallen und alle möchten zum nächsten Treffen am 8. Januar wiederkommen. Der Gesprächskreis ist für alle Interessierten offen, um Anmeldung wird gebeten (Details: siehe oben).

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  1. Guten Morgen,
    eigendlich eine tolle Sache, austauschen mit Menschen die in der gleichen Situation sind. Allerdings liest es sich so, als ob es an Pflege an/bei Erwachsene gerichtet ist. Das ist nicht unbedingt einfacher, allerdings hat man mehr Möglichkeiten zur Auszeit (Kurzzeitpflege). Vielleicht sollte man erwähnen ob/das es auch für Eltern ist, die pflegebedürftige Kinder haben. Einen Spagat machen zwischen Familie, Therapien, Haushalt, Schule/Kindergarten und vll auch noch Beruf