Mit etwas Abstand zum Wahlabend haben wir uns die Ergebnisse der Bundestagswahl in Bergisch Gladbach genauer angeschaut, mit einem Fokus auf dem längeren Trend und den ganz lokalen Resultaten. Dabei zeigt sich eine klare Vorherrschaft der CDU, die sich nur in drei von 134 Wahlbezirken der SPD geschlagen geben muss. Und einmal der AfD.

Der Blick auf die langfristige Entwicklung der Zweitstimmen bei den Bundestagswahlen in Rhein-Berg bestätigt die ersten Analysen vom Wahlabend: Die CDU hat mit der Direktkandidatin Caroline Bosbach deutlich zugelegt, liegt über dem bundesweiten Wert – erreicht die alten Zeiten aber nicht mehr. Dazu ist das Feld inzwischen zu breit, die AfD auch hier vor Ort zu stark.

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Seit zehn Jahren legt die AfD (mit Ausnahme eines Dämpfers bei der vergangenen Wahl) kontinuierlich zu. Die rechtsextreme Partei liegt zwar noch auf Platz vier, rückt aber immer näher an Grüne und SPD heran.

Die Grünen haben einen Rückschlag erlitten, befinden sich aber noch auf einem für ihre Verhältnisse hohen Plateau - wohingegen die SPD ihre langfristige Talfahrt fortsetzt.

Eindrücke vom Wahlabend im Kreishaus, mit Caroline Bosbach, Hinrich Schipper und Maik Außendorf. Fotos: Thomas Merkenich

Die FDP, die bei den beiden vorhergehenden Wahlen mit Christian Lindner als Zugpferd noch deutlich zweistellig war, fällt hinter die Linke zurück, die ihren Anteil auf sehr niedrigem Niveau verdoppeln konnte.

Unter dem Strich ist das Lager links der Mitte gegenüber der letzten Wahl geschwächt, das Spektrum rechts davon gestärkt. Wobei sich die CDU auch in Rhein-Berg deutlich von der rechtsextremen AfD abgrenzt, von einem Rechtsruck kann also nicht gesprochen werden.

Lassen sich darauf Schlüsse für die nächsten Wahlen, die Kommunalwahl im September 2025 ablesen? Unsere Grafik über alle Wahlen seit 2013 hinweg deutet darauf hin, dass der allgemeine Trend für eine starke CDU sowie erstarkende AfD spricht.

Die Wahlen des Bürgermeisters und auch des Stadtrats, des Landrats und Kreistags sind allerdings noch stärker auf Personen bezogen als beim Bundestag, daher sind konkretere Aussagen kaum möglich. Zumal die Kommunalwahl nun doch nicht mit der Bundestagswahl zusammenfällt und damit nicht so stark im Sog der Bundespolitik steht.

Hinweis der Redaktion: Infos zum Verlauf des Wahlabends und Kurzinterviews mit Caroline Bosbach, Maik Außendorf, Hinrich Schipper und Herbert Reul finden Sie in unserem Liveblog.

Wer war stärker als die eigene Partei?

Beim Vergleich von Erst- und Zweistimme fällt auf, dass die CDU zwar in beiden Fällen deutlich zugelegt hat, Caroline Bosbach aber noch einmal 8 Prozentpunkte besser abschnitt als ihre eigene Partei in Rhein-Berg (die wiederum 5 Prozentpunkte über dem Bundesschnitt liegt).

Auch Maik Außendorf (Grüne) und Tomás M. Santillán schnitten etwas besser als ihre Parteien ab, Hinrich Schipper (SPD) lieferte das identische Ergebnis ab und AfD-Kandidat Harald Weyel blieb leicht hinter dem Ergebnis der Partei zurück.

Auch Christian Lindner erreichte das ohnehin schwache Ergebnis der Liberalen nicht, die drei weiteren Kandidaten spielen in der Endabrechnung keine Rolle.

Bergisch Gladbach hebt sich kaum ab

In der Stadt Bergisch Gladbach weicht das Zweitstimmen-Ergebnis kaum vom Kreis ab - die Grünen sind etwas stärker, die AfD ist etwas schwächer.

Interessant ist hier die Gewinn- und Verlustrechnung (siehe unten): CDU und AfD legen annähernd gleich stark zu (was bei der AfD zu einer Verdopplung der Anteile führt), die Linke kann fast mithalten.

Größter Verlierer (noch hinter der SPD) sind die „Sonstigen“. Die kommen dennoch auf insgesamt 12,4 Prozent - denn dort befindet sich inzwischen auch die FDP (mit immerhin noch 5,45 Prozent in GL), das BSW mit 3,4 Prozent, die Tierschutzpartei mit 1,01 Prozent, Volt mit 0,95 Prozent und erst dahinter die Freien Wähler mit 0,4 Prozent. Ein Prozent entspricht rund 700 Wähler:innen.

Die Wahlbeteiligung in Bergisch Gladbach lag bei 85 Prozent und damit sehr hoch.

Großes Gefälle in den Stadtteilen

Innerhalb der Stadt gibt es bei den Zweitstimmen ein Ost-West-Gefälle. Im Osten, ganz besonders in Bärbroich, Herrenstrunden und Teilen von Herkenrath, ist die CDU sehr stark, und noch einmal mehr bei den Briefwählern: Auf 49 Prozent kommt sie im Briefwahlbezirk Romaney-Ost/Herkenrath/Herrenstrunden.

Dagegen liegt die CDU in Gronau-West, Hand-Ost und Bockenberg unter 20 Prozent. Nur in diesen drei Wahlbezirken ist die SPD stärker als die CDU. Die „Hochburgen“ der SPD mit rund 25 Prozent Stimmanteil liegen in Paffrath, Hand und im westlichen Teil der Stadtmitte sowie Bockenberg.

Hinweis der Redaktion: Sie können ihren eigenen Stadtteil in der Tabelle suchen bzw. die Liste selbst über die Tabellenköpfe neu sortieren. Dabei ist zu beachten, dass die Wahlbezirke und die dazu gehörenden Briefwahlbezirke separat ausgezählt worden sind - und geografisch nicht immer zusammengehören - daher lassen sich die Ergebnisse nicht zusammenziehen. Eine Zuordnung der Briefwahlbezirke zu den Stadtteilen finden Sie hier. Die offiziellen Wahlergebnisse für Bergisch Gladbach gibt es auf dieser Seite.

Die Grünen kommen nur in einem einzigen Bezirk, dem Briefwahlkreis 18-2 Refrath Kippekausen, ganz knapp an die CDU heran (28,5 zu 28,8 Prozent), sind mit über 20 Prozent aber in ganz Refrath überdurchschnittlich stark. Mit unter 10 Prozent relativ schwach sind sie in Bockenberg, Hand-West, Stadtmitte-West und Heidkamp-Nord.

Die Linke ist in Gronau-West am stärksten, kommt hier auf 17,8 Prozent der Stimmen (liegt aber hinter der AfD, siehe unten). Am schwächsten ist sie dort, wo die CDU stark ist.

Die AfD ist mit 25 Prozent in Heidkamp-Nord/Ost am stärksten und zieht dort sogar an der CDU (23,8 Prozent) vorbei. 9 Prozent gehen an die Linke, weitere satte 15 Prozent an die „Sonstigen“ (darunter BSW mit 6,9 Prozent).

Knapp mehr als 20 Prozent erreicht die AfD zudem in Hand-Ost, Stadtmitte-Nord/Romaney und Gronau/Ost.

Gronau-West hat ein besonderes Wahlergebnis vorzuweisen: Hier liegen vier Parteien zwischen 18 und 20 Prozent fast gleichauf. Auch die Sonstigen sind stark, wozu das BSW mit 6,5 Prozent beiträgt:

Aber ganz egal, wer bei den Zweistimmen die Nase vorne hatte, bei den Erststimmen gab es über das gesamte Stadtgebiet hinweg (fast) nur eine Siegerin: Caroline Bosbach liegt überall und zum Teil mit mehr als 40 Prozentpunkten Distanz sehr deutlich vor ihren sieben Konkurrenten.

Mit einer einzigen Ausnahme: in Bensberg-Süd/Bockenberg liegt Hinrich Schipper mit 1,1 Prozentpunkten Vorsprung vor der CDU-Kandidatin.

Hinrich Schipper gratulierte Carolin Bosbach am Wahlabend zum Sieg. Foto: Thomas Merkenich

Regionale Besonderheiten

Auch in allen Gemeinden des Rheinisch-Bergischen Kreises liegt Caroline Bosbach mit großem Abstand auf Platz eins, überall führt die CDU deutlich - aber bei fast allen Parteien gibt es lokale Hochburgen.

Die CDU ist mit 39 Prozent am stärksten in Odenthal und Kürten, dagegen in Burscheid, Rösrath, Bergisch Gladbach und Leichlingen mit Werten zwischen 31 und 33 Prozent deutlich schwächer. So sieht es auch bei den Erststimmen aus - in Odenthal kommt Bosbach auf 48 Prozent.

Die SPD schneidet in Bergisch Gladbach und Leichlingen sowie Rösrath relativ gut ab (19 Prozent).

Auch die Grünen sind in Bergisch Gladbach (17 Prozent) und mit leichten Abstrichen auch in Rösrath stark; besonders schwach in Wermelskirchen, Kürten und Burscheid (12 - 13 Prozent). Die Werte des Direktkandidaten Maik Außendorf liegen weit auseinander - in Bergisch Gladbach liegt er über 16 Prozent, in Kürten und Wermelskirchen unter 11 Prozent.

Die AfD hat in Burscheid (17 Prozent) den größten Rückhalt, vor Wermelskirchen, Kürten Overath und Leichlingen. Mit 11 Prozent holte sie die wenigsten Stimmen in Bergisch Gladbach (11 Prozent)

Die FDP liegt nur in Kürten unter 5 Prozent, kommt in Odenthal, Rösrath und Wermelskirchen aber über 6 Prozent.


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Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. Dankeschön an alle Wahlhelferinnen und Wahlhelfer für die sehr gute Arbeit am Sonntag! Auch allen Wählern für die hohe Wahlbeteiligung! Der Redaktion danke sehr für diese Aufarbeitung der Wahlergebnisse.

    MfG
    Robert Martin Kraus
    Mitglied des Rates für Refrath/Lustheide CDU-Fraktion Bergisch Gladbach

  2. Die aktuelle Wahlergebnisanalyse verdeutlicht, dass sich die politischen Lager in Bergisch Gladbach polarisiert gegenüberstehen. CDU, AfD und FDP bilden mit zusammen 49,5 % das größere rechte-konservative-liberale Bündnis, das bereits auf Bundesebene durch gemeinsame Abstimmungen hervorgetreten ist. Demgegenüber stehen SPD, Grüne und Die Linke mit 43,62 %, während sonstige Parteien 6,92 % der Stimmen erhielten. Der knappe Unterschied von rund 5,5 % zwischen den Lagern unterstreicht die rechts ausgeglichene Verteilung – ein Hinweis darauf, dass die einstige Dominanz der CDU und ihres Amigo-Netzwerks gebrochen ist und neue Koalitionsoptionen denkbar werden.

    Für die Kommunalwahl im September 2025 bleibt jedoch vieles offen. Ein entscheidender Faktor werden die Kandidat:innen sein. So hatte Caroline Bosbach doch maßgeblich zum jetzigen CDU-Erfolg beigetragen hat. Ob das Herr Felsch (CDU/FDP Bürgermeisterkanidat) wiederholen kann?

    Zudem könnten folgende Aspekte die Dynamik beeinflussen:
    – Niedrigere Wahlbeteiligung: Historisch schwächere Teilnahme an Kommunalwahlen könnte das Ergebnis verändern.
    – Splitterparteien: Gruppen wie die rechte „Bürgerpartei GL“ oder ultrarechte „Bergische Mitte“ oder die “Freien Wähler” könnten Stimmen abgreifen und die Balance verschieben.
    – Bundespolitik: Die CDU-Bundesregierung könnte je nach Performance lokale Wählertrends prägen.
    – Oppositionsrolle der Grünen: Nach Rückschlägen auf Bundesebene dürften sie sich lokal neu positionieren, gestärkt durch Mitgliederzuwachs. Das könnte zu einer deutliche Stärkung führen.

    Die Linke: Aufwind mit offenen Fragen

    Mit 7,26 % hat Die Linke eine starke Basis, um im September mit Fraktionsstärke in den Stadtrat zurückzukehren. Die Verdopplung der Ortsmitglieder und die Diskussion, dass Die Linke eine weibliche Bürgermeisterkandidatin aufstellt, signalisieren Ambitionen. Doch ob SPD und Grüne eine Zusammenarbeit anstreben oder andere Konstellationen entstehen, bleibt ungewiss.

    Die politische Landschaft ist im Umbruch. Die CDU muss nur mit ihren unbekannten Lokalpolitikern kämpfen, während progressive Kräfte versuchen, ihre Fragmentierung zu überwinden.

    Klar ist: Nach der Wahl ist vor der Wahl – und in Bergisch Gladbach dürfte der Kampf um jede Stimme neu entfacht werden.

    Tomás M. Santillán – Die Linke

    1. Nur eine Anmerkung: Die politischen Lager standen einander eigentlich immer polarisiert gegenüber, denken Sie nur an die Wahlkämpfe und Debatten der 70er und 80er Jahre. Das ist weder etwas Neues noch etwas grundsätzlich Schlechtes – immerhin befinden sich politische Konzepte immer im Wettstreit, der auch sehr engagiert geführt werden kann.

      Der Unterschied gegenüber früheren Jahren besteht in der vergleichsweise hohen Zahl der parlamentarisch vertretenen Parteien und in der Stärkung der Ränder.

  3. An das Bürgerportal
    Sehr gute Information und Zahlen zur Bundestagswahl.
    Sehr gut aufgeschlüsselt.
    Sehr interessant zu lesen