Kinderärztin Dr. med Uta Römer. Foto: privat

Kinder sind neugierig und entdecken ihre Umgebung spielerisch, oft mit Mund und Händen. Gerade kleine, glänzende Gegenstände wie Knopfbatterien wirken besonders anziehend. Doch leider stellt das Verschlucken einer solchen Batterie eine erhebliche Gefahr dar. Kinderärztin Dr. Uta Römer erklärt, was in dem Fall zu tun ist – und wie Eltern vorbeugen können.

Knopfbatterien sind kleine, flache, runde Batterien, die in vielen Alltagsgegenständen wie Fernbedienungen, Spielzeugen, Uhren oder Hörgeräten verwendet werden. Sieben bis 25 Prozent der verschluckten Fremdkörper bei Kindern sind Batterien.

Das relative Risiko einer schweren Schädigung hat sich Berichten zufolge in den letzten 20 Jahren versiebenfacht. Das höchste Risiko besteht für Kinder unter sechs Jahren, insbesondere bei Einjährigen.

Was macht Knopfbatterien so gefährlich?

Wenn ein Kind eine Knopfbatterie verschluckt, kann diese in der Speiseröhre stecken bleiben und schwere Verletzungen verursachen. Durch Kontakt mit Körperflüssigkeiten entsteht ein Stromfluss, bei dem sich an der Batterieoberfläche Hydroxid-Ionen bilden, die sonst zum Beispiel in Rohrreiniger verwendet werden.

Diese führen innerhalb kürzester Zeit zu tiefen Verätzungen und Schädigungen des Gewebes. Bereits nach zwei Stunden können erhebliche Verletzungen auftreten.

Welche Symptome können auftreten?

Leider bemerken Eltern häufig nicht sofort, dass eine Knopfbatterie verschluckt wurde, da die Symptome unspezifisch sind und leicht mit anderen Erkrankungen verwechselt werden können. Mögliche Symptome sind:

  • starkes Speicheln
  • Husten oder Würgen
  • Schluckbeschwerden oder Schmerzen beim Schlucken
  • Erbrechen
  • Appetitlosigkeit und Nahrungsverweigerung
  • Fieber oder allgemeines Unwohlsein

In manchen Fällen treten jedoch anfangs kaum Symptome auf, weshalb ein Verdacht auf Verschlucken immer ernst genommen werden sollte.

Was tun, wenn eine Knopfbatterie verschluckt wurde?

Beim geringsten Verdacht, dass Ihr Kind eine Knopfbatterie verschluckt haben könnte, ist sofortige ärztliche Hilfe nötig! Gehen Sie umgehend in eine Klinik oder verständigen Sie den Rettungsdienst.

Bis ärztliche Hilfe eintrifft, kann Kindern ab einem Jahr Honig gegeben werden (2 Teelöffel alle 10 Minuten), um die Speiseröhre zu schützen. Säuglinge unter einem Jahr dürfen keinen Honig erhalten. Geben Sie Ihrem Kind keine anderen Getränke oder Speisen und versuchen Sie keinesfalls, Erbrechen herbeizuführen. Dies könnte zusätzliche Verletzungen verursachen.

Die Diagnose erfolgt dann meist mit einer Röntgenaufnahme. Besteht eine längere Vorgeschichte (z.B. >12 Stunden seit Verschlucken) oder der Verdacht auf Gewebs- und Gefäßverletzungen, sollte vor der endoskopischen Entfernung der Batterie eine CT-Untersuchung erfolgen, um das Ausmaß der Gewebeschäden zu beurteilen. Ein MRT darf erst nach Entfernung der Batterie erfolgen.


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Therapeutische Schritte

  • Sofortige endoskopische Entfernung der Batterie aus der Speiseröhre, unabhängig davon, ob das Kind zuvor gegessen hat.
  • Schleimhautuntersuchung zur Bestimmung des Ausmaßes der Verletzung, ihrer Tiefe sowie Lage und Richtung des Minuspols (dieser verursacht die meisten Schäden).
  • Bei Schleimhautschäden: Einlage einer nasogastralen Sonde, um die Durchgängigkeit der Speiseröhre sicherzustellen und Flüssigkeit bzw. Nahrung zuzuführen; das Kind sollte bis zur Stabilisierung nichts essen.
  • Bei schweren Schäden: Durchführung einer MRT-Bildgebung nach Entfernung der Batterie und chirurgische Konsultation.

Mögliche Komplikationen

Wenn eine Knopfbatterie zu lange im Körper verbleibt, können schwerwiegende Schäden entstehen, darunter:

  • Verätzungen und Gewebsnekrosen in der Speiseröhre
  • Innere Blutungen
  • Bildung von Engstellen (Stenosen)
  • Schädigungen umliegender Organe (z.B. Luftröhre, Stimmbänder oder Blutgefäße)
  • Fortlaufendes Absterben der Speiseröhre und des umliegenden Gewebes, die zu einer Fistelbildung führen kann

Daher gilt: Jede Minute zählt!

Wie kann ich vorbeugen?

Als Eltern können Sie einige wichtige Maßnahmen treffen, um solche Unfälle so gut es geht zu vermeiden:

  • Halten Sie Batterien stets außer Reichweite von Kindern.
  • Batterieverpackungen (besonders bereits geöffnete) mit starkem Klebeband sichern und außerhalb der Reich- und Sichtweite von Kindern aufbewahren.
  • Kontrollieren Sie regelmäßig Spielzeuge und Alltagsgeräte auf defekte Batteriefächer und tauschen Sie diese rechtzeitig aus.
  • Batteriefächer von Geräten mit kindersicheren Verschlüssen versehen und zusätzlich mit starkem Klebeband sichern.
  • Kaufen Sie Batterien mit bitterem Beigeschmack, um das Risiko eines Verschluckens zu reduzieren.

Merke: 60 % der verschluckten Knopfbatterien werden von Kindern direkt aus dem Gerät oder Spielzeug entnommen, 30 % liegen lose herum und 8 % stammen direkt aus der Batterieverpackung.

Fazit

Das Verschlucken von Knopfbatterien ist ein ernstzunehmender Notfall, bei dem schnelles Handeln entscheidend ist. Informieren Sie sich und Ihr Umfeld über diese Gefahrenquelle und seien Sie aufmerksam.

Ihre Dr. med. Uta Römer und das gesamte Praxisteam

Weitere Informationen finden Sie auf Kinderärzte-im-Netz, beim Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und kindergesundheit.de. Hier geht es zur Webseite meiner Gemeinschaftspraxis für Kinder- und Jugendmedizin in Refrath.


Haben Sie selbst eine Frage an unsere Expertinnen im Familienrat? Dann schreiben Sie uns bitte: redaktion@in-gl.de

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Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin. Sie hat eine Praxis in Refrath.

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