Lidia Neudorf (linke) und Sarah Schwope sind die Gründerinnen von Schere Stein Papierflieger. Foto: Thomas Merkenich

Begegnungsstätte und Coworking-Space mit Kinderbetreuung: Das und noch einiges mehr verbirgt sich hinter der gemeinnützigen Einrichtung „Schere Stein Papierflieger“ in Gronau. Die beiden Gründerinnen Sarah Schwope und Lidia Neudorf möchten in ihrem Ladenlokal Menschen miteinander vernetzen und soziale Unterstützungsangebote machen.

Sie wollen neue Wege der Quartiersarbeit gehen und einen Ort für Begegnung schaffen. Einen Ort, der lebt, an dem Kinder genauso willkommen sind wie Erwachsene. Um ihre Vision zu verwirklichen, haben Sarah Schwope und Lidia Neudorf die gemeinnützige Einrichtung „Schere Stein Papierflieger“ in Gronau gegründet.

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Das Ladenlokal an der Mülheimer Straße steht für alle Menschen offen. „Unser Ziel ist es, Menschen zusammenbringen, und Gemeinschaft erlebbar machen“, erklärt Lidia Neudorf.

„Schere Stein Papierflieger“ bietet verschiedene soziale Dienste an: Nachhilfe (für Schüler:innen der Klassen 1 bis 10), einen wöchentlichen Treff für Eltern kleiner Kinder, Sport-Gruppen sowie ein Coworking-Space mit integrierter Kinderbetreuung – alles kostenlos, finanziert durch Spenden. Weitere Angebote sind in Planung. 

Die Idee entstand im gemeinsamen Urlaub

„Wir möchten Menschen stärker miteinander vernetzen und das soziale Miteinander fördern“, sagt Sarah Schwope. Die beiden Frauen arbeiten seit vielen Jahren beruflich mit Kindern, Jugendlichen und benachteiligten Menschen und sind beide Mütter von kleinen Kindern. In einem gemeinsamen Urlaub in Litauen entstand die Idee für „Schere Stein Papierflieger“. 

Foto: Thomas Merkenich

Dort entdeckten sie Ladenlokale mit Schaufenstern voller Spielsachen, wo Eltern ihre Kinder stundenweise (gegen Bezahlung) betreuen lassen können oder wo Familien mit ihren Kindern Zeit verbringen können – ähnlich wie ein Indoor-Spielplatz.

„Die Auflagen sind nicht so hoch wie bei uns. Die Mitarbeitenden müssen beispielsweise keine Erzieher sein“, erinnert sich Schwope. „Meine Kinder haben es dort geliebt.“

Hilfsangebote für benachteiligte Menschen

Die beiden Frauen beschlossen, etwas Ähnliches zu gründen. Neben einem Kinderspielraum wollten sie Arbeitsplätze für Berufstätige zur Verfügung stellen und vor allem eine Begegnungsstätte schaffen und dort mit Hilfsangeboten und sozialen Diensten auch benachteiligte Menschen erreichen.

„Ich möchte damit meinen Kindern ein Vorbild sein. Sie sollen sehen, dass es auch Menschen gibt, denen es nicht so gut geht“, erläutert Schwope.

Die 41-Jährige wuchs als eine von drei Geschwistern mit einer alleinerziehenden Mutter auf, die als Krankenschwester arbeitete. „Meine Mutter hatte wenig Geld, aber hat uns so viel ermöglicht. Außerdem haben mich viele Menschen unterstützt und gefördert“, erinnert sich Schwope. Unter anderem ihre Französisch-Lehrerin, die maßgeblich dazu beigetragen habe, dass sie ihr Psychologie-Studium in Frankreich absolvieren konnte.

„Ich befinde mich heute in einer guten Situation, nun möchte ich anderen Kindern und Jugendlichen etwas ermöglichen und Perspektiven bieten“, sagt Schwope. Die gebürtige Bergisch Gladbacherin lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen in Leverkusen.

Mit dem Erbe der Mutter Idee verwirklicht

Beruflich war sie lange in der Kinder- und Jugendhilfe, in der ambulanten Eingliederungshilfe und in der Erwachsenenbildung tätig. 2017 gründete sie in Köln eine Firma, die unter anderem Eingliederungshilfe für Menschen mit psychischen oder Suchterkrankungen leistet.

Vor zwei Jahren ist Schwopes Mutter gestorben. „Das hat viel mit mir gemacht. Ich habe mir Fragen gestellt, unter anderem auch, was ich in meinem Leben noch erreichen will.“ 2024 gönnte sich Schwope ein berufliches Sabbatjahr.

Und beschloss, mit dem Erbe ihrer Mutter ein gemeinnütziges Projekt ins Leben zu rufen. „Meine Mutter hat in einer psychosomatischen Klinik gearbeitet und sich auch privat für viele Menschen in schwierigen Lebenslagen eingesetzt“, erklärt Schwope ihre Motivation.

Sie holte ihre Freundin Lidia Neudorf mit ins Boot: Kennengelernt hatten sich die beiden Frauen, weil Neudorf Erzieherin in der Kita von Schwopes Kindern war. Inzwischen ist die 34-Jährige selbst Mutter eines dreijährigen Sohnes und verantwortet in Teilzeit den Bereich Schulbegleitung in der von Schwope gegründeten Firma.

Menschen unterstützen und begleiten

Neudorf stammt aus Kasachstan. Als Zehnjährige kam sie mit ihren Eltern und zwei Brüdern nach Deutschland. „Meine Eltern mussten sich erst einmal in einem für sie fremden Land zurechtfinden. Zum Glück hatte ich Menschen, die mich gefördert haben, auch beim Deutsch lernen“, sagt Neudorf. Mit „Schere Stein Papierflieger“ möchte sie nun andere Menschen unterstützen und in ihren individuellen Lebenssituationen begleiten.

Sarah Schwope und Lidia Neudorf stellen ihre Idee und die Angebote von „Schere, Stein, Papierflieger“ am Donnerstag, 3. Juli, um 16 Uhr in ihren Räumen in Gronau vor.

Schere, Stein, Papierflieger gGmbH
Mülheimer Straße 60
51469 Bergisch Gladbach
Telefon: 0155/ 62457508
E-Mail: info@sspapierflieger.de
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 10 bis 18 Uhr
www.sspapierflieger.de

In dem Ladenlokal an der Mülheimer Straße neben einem mongolischen Restaurant war ursprünglich eine Annahmestelle eines Sportwetten-Anbieters. „Die Räume waren sehr düster und dunkel“, erinnert sich Schwope an den ersten Eindruck. Der Vermieter war so angetan von der gemeinnützigen Idee, dass er alle nötigen Umbaumaßnahmen übernommen hat. Eine solche Investition wäre für die Gründerinnen riskant gewesen. 

Coworking-Space mit Kinderbetreuung

Entstanden ist ein einladender, heller und moderner großer Raum mit Theke, Café-Tischen, Pflanzen und Arbeitsplätzen mit Trennwänden. Abgeschirmt hinter großen Zimmerpflanzen gibt es eine Stillecke mit einem gemütlichen gelben Sessel.

In einem separaten Raum bietet ein Kinder-Spieleparadies mit Rutsche, Klettergerüst, höhlenartigen Sitzecken, Kuscheltieren, Büchern und Spielen viel Platz zum Spielen und Toben. Durch ein Fenster zum Coworking-Space haben arbeitende Eltern ihre Kinder im Blick. Die Toiletten inklusive Wickelmöglichkeit und -Ausstattung sind kind- und behindertengerecht.

Eröffnung feierte „Schere Stein Papierflieger“ Ende März. Das Angebot spreche sich erst allmählich herum. Nun gelte es, die Zielgruppen besser zu erreichen – etwa über Kitas, Schulen und andere Institutionen.

„Wir haben ein tolles Netzwerk an Freunden und Bekannten, die sich ehrenamtlich einbringen, weil sie die Idee der Einrichtung unterstützen möchten“, berichtet Schwope. Einige bieten Nachhilfe oder Workshops an, andere kümmerten sich um Social Media oder die Buchhaltung. 

Ein Ort für kreative Ideen

„Hier soll auch ein Ort für kreative Ideen entstehen. Jede und jeder kann sich einbringen. Es ist ein Geben und Nehmen und wir sehen uns als Gemeinschaftsprojekt“, ergänzt Neudorf. Weitere Ehrenamtler:innen seien willkommen – „sie können sich so engagieren, wie es ihnen zeitlich passt und natürlich auch eigene Kinder mitbringen“.

Die gemeinnützige Einrichtung finanziert sich durch Spenden, alle Angebote sind grundsätzlich kostenlos. „Wir glauben daran, dass diejenigen, die etwas geben können, das auch tun“, erläutert Schwope. Alle Einnahmen – etwa durch den Verkauf von Shirts, Pullis oder Kaffeebechern mit dem „Schere Stein Papierflieger“-Logo – fließen in die Einrichtung und die Projekte.

Außerhalb der Öffnungszeiten (am Wochenende und nach 18 Uhr) stellt „Schere Stein Papierflieger“ seine Räume für Kindergeburtstage, Familienfeiern oder Fortbildungen gegen eine Gebühr zur Verfügung. 

Wir brennen für dieses ProjektSarah Schwope

Das Erbe reicht den Gründerinnen zufolge, um die Kosten für Miete und Personal für zwei Jahre zu finanzieren. Der einzige Festangestellte ist Schwopes Bruder, „den habe ich aus der Gastro abgeworben“, sagt Schwope. „Er ist während der Öffnungszeiten immer da und der Mann für alles. Wir haben die gleiche Mutter – für ihn ist es daher auch ein Herzensprojekt.“ 

Im Gespräch betonen Schwope und Neudorf: „Wir brennen für dieses Projekt.“ Das klingt nicht abgedroschen, sondern glaubwürdig und überzeugend. Die Begeisterung ist in jedem ihrer Sätze spürbar. 

Die Welt im Kleinen verändern

Der Name ist eine Anlehnung auf das bekannte Kinderspiel „Schere, Stein, Papier“ (oder „Schnick Schnack Schnuck“). „Weil es den Namen aber schon gibt, haben wir ihn abgewandelt. Papierflieger lieben Kinder, fast jeder kann sie basteln“, erklärt Neudorf.

Die Schere sei zudem ein Symbol für die „Schere zwischen Arm und Reich, die immer größer wird. Den Stein wollen wir mit unserem Projekt ins Rollen bringen“ und der Papierflieger stehe für „die Ideen, die hier entstehen, und in die Welt hinausfliegen“.

„Wir werden nicht die Welt verändern. Aber wir können im Kleinen, in unserem Umfeld, etwas bewegen“, ist Schwope überzeugt. „Ich möchte etwas schaffen, auf das ich an meinem Lebensende stolz bin.“


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ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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  1. Wie schön, das liest sich wie genau der Ort, den es in der Stadt braucht – ein Ort für alle, für Begegnung, Austausch und Hilfsangebote!

    Ich freue mich schon, bald mal vorbeizuschauen!

  2. „’Schere Stein Papierflieger’ ist mehr als ein Ort – es ist ein Aufbruchssignal! Das Projekt macht Mut und beweist: Bürgerbeteiligung funktioniert, wenn Menschen ihre Ideen teilen und sich mit Leidenschaft einbringen. Immer mehr Engagierte – von den Initiatorinnen bis hin zum unterstützenden Vermieter – zeigen, wie viel Kraft im gemeinschaftlichen Handeln steckt.“

  3. Was für eine wunderbare Idee! Wie selbstlos, das eigene Erbe in so ein inspirierende Einrichtung zu stecken. Ich bin total begeistert und wünsche euch ganz viel Erfolg!