Der Bürgermeister-Kandidat von SPD und Grünen hat im neuen „Traumlädchen“ der Kette über das Thema „gesellschaftliche Teilhabe durch Arbeit“ diskutiert und für ein solidarisches Miteinander plädiert. Im Anschluss veröffentlichte Marcel Kreutz ein umfangreiches Positionspapier zum Thema. Arbeit sei „mehr als Einkommen – sie ist Teilhabe, Würde und Zukunft“.

Wir veröffentlichen einen Beitrag des Teams von Marcel Kreutz

Die Veranstaltung „Chancen schaffen: Wege in Arbeit für alle“ lockte am Dienstagabend überraschend viele Interessierte ins „Traumlädchen“ der Kette e.V. Der Veranstaltungsraum war voll besetzt – ein deutliches Zeichen dafür, wie sehr das Thema gesellschaftliche Teilhabe durch Arbeit unter den Nägeln brennt.

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Eingeladen hatte Bürgermeisterkandidat Marcel Kreutz (SPD/Grüne), um mit Fachleuten aus der sozialen Arbeit, kommunalpolitisch Engagierten und betroffenen Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch zu kommen. Gemeinsam mit Julia Schramm und Beate Simons von der sozialen Einrichtung Die Kette e.V. wurde diskutiert, wie Wege in Arbeit insbesondere für Menschen mit besonderen Herausforderungen geschaffen werden können.

Beate Simons und Julia Schramm eröffneten die Veranstaltung mit Einblicken in ihre tägliche Arbeit. Sie schilderten eindrucksvoll, wie vielfältig und komplex die Lebenslagen vieler ihrer Klientinnen und Klienten sind – und wie schwer es ist, trotz guter Ansätze nachhaltige Integration in den Arbeitsmarkt zu erreichen.

Marcel Kreutz erweiterte die Perspektive um eine kommunalpolitische Dimension: „Arbeit ist mehr als Einkommen. Sie bedeutet Teilhabe, Selbstbestimmung und sozialen Zusammenhalt. Deshalb muss es unser Ziel sein, niemanden aufzugeben – auch wenn die Kommune für Arbeitsmaßnahmen formal nicht zuständig ist“, so Kreutz. In seinem Impuls machte er deutlich, dass er als Bürgermeister Verantwortung übernehmen möchte, um die bestehenden Angebote besser zu vernetzen und neue Wege für benachteiligte Gruppen zu schaffen.

Marcel Kreutz unterstützt den Vorschlag zur Einrichtung eines kommunalen „Bündnisses für Arbeit und Teilhabe“. Gleichzeitig sieht er die Stadtverwaltung weiter in der Verantwortung mit gutem Beispiel voranzugehen – etwa durch die Beschäftigung von Langzeitarbeitslosen in kommunalen Bereichen oder einem speziellen Ausbildungsprogramm für Jugendliche ohne Abschluss.

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Nicht die Parteien geben die Themen in diesem Wahlkampf vor, sondern die Wählerinnen und Wähler selbst: In der Umfrage „Deine Stimme, Deine Themen“ hatten wir gefragt, welche Themen Ihnen bei der Kommunalwahl am 14. September besonders wichtig sind und auf welche Fragen sie Antworten von der lokalen Politik verlangen. Daraus ergibt sich diese WahlAgenda für Bergisch Gladbach.

Die anschließende Diskussion war lebhaft und vielschichtig. Teilnehmende mit unterschiedlichstem Hintergrund – aus Sozialarbeit, Politik oder eigener Betroffenheit – brachten ihre Perspektiven ein. Dabei wurde deutlich: Die Probleme sind bekannt, die Lösungsansätze liegen auf dem Tisch – nun braucht es politischen Willen und verbindliche Kooperationen, um wirklich etwas zu bewegen.

„Wir brauchen ein solidarisches Bergisch Gladbach, das niemanden übersieht“, so das Fazit von Marcel Kreutz. Die große Resonanz und das engagierte Publikum zeigten, dass viele Menschen bereit sind, an diesem Ziel mitzuwirken.

Im Anschluss an die Diskussionsrunde hat Marcel Kreutz folgendes Positionspapier veröffentlicht:

Chancen schaffen: Wege in Arbeit für alle

Arbeit ist mehr als Einkommen – sie ist Teilhabe, Würde und Zukunft.

Arbeit bedeutet nicht nur wirtschaftliche Existenzsicherung – sie stiftet Sinn, soziale Zugehörigkeit und ermöglicht gesellschaftliche Teilhabe. Wenn Menschen dauerhaft keine Chance auf Erwerbsarbeit haben, droht ihnen gesellschaftliche Ausgrenzung. Die Folgen dieser Ausgrenzung – Armut, Bildungsbenachteiligung, Vereinsamung oder auch psychische Erkrankungen – werden vor Ort sichtbar und spürbar. Auch wenn die rechtlichen Zuständigkeiten für Arbeitsförderung überwiegend beim Bund und Land liegen, gilt: Die sozialen Folgen betreffen unsere Stadt – und damit tragen wir Verantwortung.

Die Realität in Bergisch Gladbach:

  • Menschen mit komplexen Problemlagen finden oft keinen Zugang zum Arbeitsmarkt.
  • Zahlreiche Förderprogramme nach dem Sozialgesetzbuch (SGB II, III, IX und XII) existieren, arbeiten jedoch oft unabgestimmt nebeneinander.
  • Übergänge aus Schule, Maßnahme oder Arbeitsgelegenheit in reguläre Arbeit gelingen zu selten.
  • Menschen mit Zuwanderungsgeschichte oder ohne formale Bildungsabschlüsse haben strukturelle Nachteile.

Meine Haltung: Niemand darf verloren gehen.

Als Bürgermeister will ich Arbeit für alle als kommunales Ziel mitverantworten. Denn auch wenn die Kommune nicht zuständig ist, kann sie koordinieren, vernetzen und motivieren. Das Ziel ist klar: Alle Menschen in unserer Stadt sollen eine Chance auf Arbeit haben – und damit auf Teilhabe und Selbstbestimmung.

Drei Wege, wie wir Chancen schaffen können:

Netzwerke schaffen statt Nebeneinander

  • Einrichtung eines kommunalen „Bündnisses für Arbeit und Teilhabe“ mit allen relevanten Akteuren: Jobcenter, Agentur für Arbeit, Bildungsträger, Kammern, Wohlfahrtsverbände, Betriebe, Migrantenselbstorganisationen, Schulen.
  • Aufbau eines kommunalen Fachstellen-Teams „Übergänge und Teilhabe“, das Fälle mit besonderem Unterstützungsbedarf begleitet.
  • enge Zusammenarbeit mit dem kommunalen Integrationszentrums
  • Bessere Datenlage und Transparenz durch regelmäßige kommunale Arbeitsmarktberichte.

Zugangshürden abbauen – individuelle Unterstützung ermöglichen

  • Unterstützung beim Spracherwerb, bei Mobilität, Kinderbetreuung und digitalen Kompetenzen.
  • Kooperation mit Unternehmen, um niedrigschwellige Einstiegsmodelle zu fördern: Praktika, betriebliche Lernorte, soziale Beschäftigungsmodelle.
  • Aufbau eines kommunalen Beschäftigungsfonds zur Co-Finanzierung gemeinwohlorientierter Arbeitsplätze für besonders benachteiligte Gruppen.

Kommunale Vorbildrolle stärken

  • Die Stadt selbst wird Arbeitgeberin mit Verantwortung: Beschäftigung von Langzeitarbeitslosen im kommunalen Bereich. Weitere Unterstützung von GL Service, die bereits heute wichtige Aufgaben übernimmt (z. B. Grünpflege, Hausmeisterdienste).
  • Entwicklung eines kommunalen Ausbildungsprogramms für Jugendliche ohne Abschluss oder mit besonderem Förderbedarf.
  • Ziel: Kein Schulabgänger ohne Anschluss! Zusammenarbeit von Jugendhilfe, Schulen und Arbeitsagentur für reibungslose Übergänge.
  • niederschwellige Arbeitsangebote für Langzeitarbeitslose in Kitas ( z.B. Alltags Helferinnen  – und in der Pflege  
  • Arbeitsplätze in Großküchen für die Schul- und Kitaverpflegung 
  • mehr Arbeitsplätze für Menschen mit Förderbedarf und Handicap
  • mehr Einrichtungen von psychosozialen Diensten, Psychologen und Therapeuten

Zusammenhalt ermöglicht Perspektiven

Wir müssen in Bergisch Gladbach zusammenhalten – gerade in Zeiten sozialer Spaltung. Deshalb setze ich mich als Bürgermeister dafür ein, dass niemand übersehen oder aufgegeben wird. Gemeinsam mit starken Partnern können wir Wege in die Arbeit schaffen, die Chancen geben – und Hoffnung machen.

Lassen Sie uns anfangen. Für eine Stadt, in der jeder zählt.


Kreutz im Bürgergespräch:
„Gutes und bezahlbares Wohnen in GL

Bürgermeisterkandidat Marcel Kreutz lädt am Donnerstag, 21. August 2025, um 19 Uhr ins Coworking GL, Hauptstraße 257, zu einer öffentlichen Diskussionsrunde ein.

Unter dem Titel „Gutes und bezahlbares Wohnen in Bergisch Gladbach“ diskutiert er mit Fachleuten über mögliche kommunalpolitische Lösungen.

Sascha Gajewski (Grüne/Netzwerk-Immobilien.de) wird mit einem Impulsvortrag in das Thema einführen, Doro Corts (mitein-anders), Michael Berzbach(Wohnfreunde Refrath) und Andreas Ebert (Vorsitzender Planungsausschuss) werden ergänzen.

Die Veranstaltung ist offen für alle Interessierten. Der Eintritt ist frei.

Hier werden gemeinsame Pressemitteilung von Bündnis 90 / Die Grünen und der SPD in Bergisch Gladbach veröffentlicht.

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  1. Warum wird die Grüne eigentlich vor der SPD genannt? Ist es nicht der SPD Kandidat, der von den Grünen unterstützt wird?

    Wobei “grüne SPD” es auch sehr gut beschreibt, nachdem man die Arbeiter als Wahlvolk aus den Augen verloren hat.

  2. Herr Kreutz betont selbst, dass die Kommune gar nicht zuständig ist für Arbeitsförderung – diese liegt klar beim Bund und den Ländern. Trotzdem will er „koordinieren, vernetzen und motivieren“. Das klingt engagiert, doch in der Praxis bedeutet es: Er wäre auf den guten Willen und die Ressourcen anderer Behörden angewiesen. Ohne gesetzliche Handhabe kann GL weder Förderprogramme neu gestalten noch verbindlich auf Arbeitsagenturen oder Jobcenter einwirken. Oft bleibt bei solchen „Bündnissen“ nur Symbolpolitik: viele Runden Tische, wenig konkrete Jobs.
    Netzwerke funktionieren nur mäßig
    Ein „kommunales Bündnis für Arbeit“ klingt neu, existiert aber in ähnlicher Form schon in vielen Städten – oft als Arbeitskreise, Integrationsräte oder „Runde Tische“. Das Problem: Die Akteure arbeiten nebeneinander, weil ihre Förderlogiken und Finanzierungstöpfe nicht zusammenpassen. Solange das föderale System diese Trennung nicht aufbricht, prallen solche Netzwerke oft auf die harte Realität von Zuständigkeitsgerangel und Daten-Schutzmauern.
    Datenschutz und Bürokratie
    „Bessere Datenlage“ – in Deutschland? Schon der Austausch einfacher Infos zwischen Jobcenter, Schule und Jugendamt scheitert regelmäßig an Datenschutzvorgaben. Arbeitsmarktberichte könnten zwar erstellt werden, aber oft fehlen verlässliche Datenquellen oder die Genehmigung, diese zu verknüpfen.
    Individuelle Unterstützung – wer bezahlt das?
    Spracherwerb, Mobilität, Kinderbetreuung, digitale Kompetenzen – alles sinnvoll. Aber: Der kommunale Haushalt ist in vielen Städten bereits angespannt. Ohne klare Zusage, woher das Geld kommt, laufen solche Pläne auf punktuelle Projekte hinaus, die nach Förderende versanden. Besonders der „kommunale Beschäftigungsfonds“ klingt ambitioniert – er würde dauerhaft Millionen kosten.
    Unternehmen ins Boot holen?
    Niedrigschwellige Einstiegsmodelle sind für Betriebe oft ein Minusgeschäft, selbst mit Zuschüssen. Viele Unternehmen haben weder die Kapazitäten noch das Interesse, Menschen mit komplexem Unterstützungsbedarf einzuarbeiten. Die Realität: Die Wirtschaft sucht Fachkräfte, nicht Langzeitarbeitslose mit multiplen Problemen.
    Kommunale Vorbildrolle?
    Mehr Langzeitarbeitslose im Rathaus oder städtischen Betrieben zu beschäftigen klingt vorbildlich, stößt aber schnell an tarifliche, rechtliche und organisatorische Grenzen. Ähnlich beim Ausbildungsprogramm: Ohne garantierte Übernahme oder klare Karriereperspektive enden solche Projekte oft in befristeten Maßnahmen ohne langfristigen Effekt.
    Soziale Berufe als Auffangbecken für Gescheiterte?
    Alltagshelfer in Kitas, Küchenjobs in Schulen, Tätigkeiten in der Pflege – das wirkt wie eine einfache Lösung. Aber: Diese Bereiche sind bereits überlastet und stark reguliert. Unqualifizierte Kräfte müssen eingearbeitet und beaufsichtigt werden, was Fachkräfte zusätzlich belastet. Zudem besteht die Gefahr, Langzeitarbeitslose in schlecht bezahlte Hilfstätigkeiten zu drängen, ohne echten Aufstiegspfad.
    Psychosoziale Dienste – Woher sollen die Kapazitäten kommen?
    Mehr Psychologen und Therapeuten sind dringend nötig – nur: Der Fachkräftemangel in diesem Bereich ist dramatisch. Selbst wenn die Stadt Stellen finanziert, fehlen die Bewerber. Der Ausbau dieser Infrastruktur ist ein landesweites Problem, das eine Kommune allein kaum lösen kann.
    Wie es im Wahlkampf so ist.
    Marcel Kreutz beschreibt eine Vision, die viele unterschreiben würden – Arbeit als Teilhabe, niemand darf verloren gehen. Doch in der Verwaltungsrealität drohen seine Pläne an Zuständigkeitsgrenzen, Datenschutz, Finanzierungslücken und Fachkräftemangel zu scheitern. Am Ende könnten viel Papier, Sitzungen und Pilotprojekte bleiben – aber nur wenige nachhaltige Jobs für die Menschen, um die es eigentlich geht.

  3. “dass er als Bürgermeister Verantwortung übernehmen möchte, um die bestehenden Angebote besser zu vernetzen und neue Wege für benachteiligte Gruppen zu schaffen.”
    … die nächsten 15 Koordinatoren-Stellen im nächsten Haushalt ;)

    Vielleicht sollten wir den Mindestlohn noch höher treiben, damit es nicht ausgebildete noch einfacher haben, einen Job zu erhalten. Oder vielleicht die Steuern bei Mindestlohn erhöhen, damit noch weniger Abstand zum Bürgergeld übrig bleibt.

    Gibt es eigentlich eine Stelle, wo sich Arbeitssuchende melden können, um Eimer und Zange zu erhalten, damit man in der Freizeit die Stadt sauber halten kann?