Nik aus Bergisch Gladbach wurde zur Strafe für drei Tage vom Unterricht ausgeschlossen. Diese Zeit hat der Schüler genutzt, um ein Buch zu schreiben – mithilfe von Künstlicher Intelligenz. Seine Forderungen nach einem Schul-Update und klare Regeln im Umgang mit KI stoßen auch an seiner Schule auf reges Interesse.

Drei Tage schulfrei könnte man dafür nutzen, um Playstation zu zocken. Oder Serien zu schauen. Oder ein Buch zu schreiben. Für letzteres hat sich der 14-jährige Nik entschieden. Er besucht eine Realschule in Bergisch Gladbach und hat nun ein Buch veröffentlicht. Es trägt den provokanten Titel „Wozu noch Schule, wenn es KI gibt?“ Darin erklärt er, warum Schule aus seiner Sicht ein „Update“ braucht.

Weil Nik wiederholt im Unterricht gestört und KI für seine Hausaufgaben genutzt hatte, wurde er für drei Tage vom Unterricht suspendiert. Zusammen mit seinem Vater überlegte er, was er Sinnvolles aus dieser Zeit machen könnte – als Wiedergutmachung und Denkanstoß. 

„Wir unterhielten uns über Künstliche Intelligenz und da kam uns die Idee“, berichtet Niks Vater Tim Strücker, selbst Buchautor. Es sollte kein Lehrer-Bashing sein – auch darum wird der Name der Schule im Buch nicht genannt.

Das Leben außerhalb der Schule läuft anders. Da nutzen alle KI und weitere ToolsNik

Nik beschreibt aus Schülerperspektive, warum sich Schule oft „falsch“ anfühlt, als ginge es vor allem ums Funktionieren und weniger ums Verstehen. „Wir müssen stillsitzen, mitschreiben, Hausaufgaben abgeben, Tests schreiben, bekommen Noten. Das Leben außerhalb der Schule läuft aber anders. Da nutzen alle KI und weitere Tools“, sagt Nik.

In seinem Buch erklärt der 14-Jährige, was Schule seiner Auffassung nach verpasst – und macht konkrete Vorschläge für Unterricht im KI-Zeitalter. „KI ist nicht nur ein Spicker. Es ist ein Werkzeug, das das Lernen komplett verändert. Aber die Schule geht nicht mit der Zeit mit“, sagt Nik. 

Privat nutzt der 14-Jährige KI wie ChatGPT häufig im Alltag, etwa um sich Dinge erklären zu lassen oder um sich über ein bestimmtes Thema zu informieren. Auch in seinem Freundes- und Bekanntenkreis nutzten alle Künstliche Intelligenz. „Ich finde das praktisch, es ist wie ein Tutor in der Hosentasche“, sagt Nik. Man könne damit Fehler finden, Texte verbessern und vieles mehr. 

Risiken der Künstlichen Intelligenz

KI birgt aber auch Gefahren und Risiken, wie der 14-Jährige in seinem Buch schreibt. „Man darf nicht alles glauben, was die KI sagt. Texte können super schlau klingen, obwohl sie falsch sind.“ Seiner Auffassung nach sollte Schule unter anderem vermitteln, wie man KI sinnvoll einsetzt und wie man prüft, ob etwas stimmt oder nicht. „Es braucht klare Regeln statt reiner Verbote.“

Das Buch-Cover hat Nik mithilfe von KI erstellt.

In seinem Buch beschreibt Nik eine motivierende Lernmethode („Lernen wie ein Game“), die wie ein Computerspiel aufgebaut ist, mit verschiedenen Levels, schnellem Feedback und sichtbarem Fortschritt.

Auch Hausaufgaben und Prüfungen bräuchten ein zeitgemäßeres „Update“, fordert Nik. Sie sollten Denken, Verständnis und Begründungen testen und nicht. nur das bloße Auswendiglernen.

In den drei Tagen der Suspendierung und dem Wochenende danach hat Nik das Buch gemeinsam mit seinem Vater verfasst – mithilfe von KI, ebenso wie das Titelbild. Als das Buch erschienen ist, hat der 14-Jährige es seiner Klassenlehrerin geschenkt. „Sie hat mir erst nicht geglaubt, dass ich das selbst geschrieben habe“, berichtet Nik.

Nachdem sie es gelesen hat, sei das Feedback positiv ausgefallen. „Ich sollte häufiger suspendiert werden, wenn dann so etwas dabei herauskommt, meinte sie lachend.“ Auch Mitschüler:innen und weitere Lehrer:innen hätten das Buch bestellt und gelesen. „Ich soll es sogar in einer Lehrerkonferenz an meiner Schule vorstellen.“ Das Thema trifft offenbar einen Nerv – und sorgt für Diskussionsstoff.


„Wozu noch Schule, wenn es KI gibt? Warum Schule ein Update braucht – und was danach kommt“
111 Seiten, als Taschenbuch und eBook erhältlich
ISBN: 979-8250849234

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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  1. Dass Schule dringend ein Update braucht, war auch schon vor 2023 und dem Aufkommen von KI klar. Dass jetzt ein 14jähriger Realschüler in nur 3 Tagen ein Buch schreiben kann, zeigt, wie sehr das Schulsystem abgehängt wurde.

    Und ich meine damit nicht, dass jetzt alle nur KI lernen sollten. Ich halte es für wichtig, dass wir weiterhin den Kindern beibringen, wie sie Dinge selbst machen können. Irgendwann fällt vielleicht mal der Strom aus und dann wäre es unpraktisch, wenn niemand mehr ohne KI weiß, wie er nach Hause kommt.

    Aber statt die Kinder irgendwelche im Alltag völlig unnützen Details aus dem gallischen Krieg von vor 2000 Jahren auswendig lernen zu lassen, sie Shakespeare interpretieren zu lassen oder tote Sprachen wie Latein krampfhaft aufrecht zu erhalten (Lateinübersetzungen sind wohl so ziemlich das Erste, was KI ab jetzt 10x besser machen kann), wäre es sinnvoll, den Umgang mit Social Media und Künstlicher Intelligenz in die Lehrpläne aufzunehmen. Und zwar ab nächstem Jahr und nicht erst in 20 Jahren, wenn die alten Damen und Herren in den Gremien durch jüngere ersetzt wurden.
    Aber das wird wohl eine ferne Hoffnung bleiben, schließlich gilt inzwischen in Deutschland konsequent #deutschlandtempo

    Sorry, aber ich bin gerade von einer dreiwöchigen Asienreise zurückgekommen (u.a. Singapur), und wenn man sieht, was dort möglich ist und passiert, dann fühlt man sich nach der Landung in Frankfurt wie im Eingangsbereich zu einem Museum.

  2. Herr Dan M., die Gesamtschule versucht gerade nicht, alle Schüler auf ein einziges Niveau zu bringen. Deshalb gibt es dort eine starke Differenzierung und sehr unterschiedliche Abschlüsse, vom Hauptschulabschluss bis hin zum
    Abitur. Ich habe als Lehrer, der in den 60er Jahren studiert hat, also sozusagen ein pädagogisches Fossil, schon zahlreiche unterschiedliche Methoden gelernt, die leider zwischendurch teilweise – auch von Hochschule bzw. Universität- vergessen wurden. Und in meiner 40jährigen Zeit als Lehrer habe ich an unzähligen Fortbildungen teilgenommen, gute und manchmal auch nicht so gute. Ob unser Schulsystem wirklich veraltet ist, möchte ich zumindest in Frage stellen. Leider wird viel Kreativität von der Schulbehörde behindert oder verhindert. Und m.E. das Schlimmste: das Schulsystem und die pädagogische “Sprache” sind von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich, so dass man von einem deutschen Schulsystem eigentlich gar nicht sprechen kann.

  3. Es ist wohl gemeinhin bekannt, dass unser aktuelles Schulsystem veraltet und leider sehr unflexibel ist. Es wird pauschal versucht sämtliche Schüler einer Schulform auf dasselbe Niveau zu bringen – was aufgrund unterschiedlicher Talente, Begabungen, Interessen und Voraussetzung einfach unmöglich ist. Die Methoden haben sich vielleicht vereinzelt verändert, aber der Stoff und die Maßstäbe der Bewertung sind unverändert.
    Da wirft die KI nun lediglich ein weiteres Werkzeug in den Ring, welches im Schulalltag unterschätzt und vernachlässigt wird.

  4. Erstmal toll und herzlichen Glückwunsch, dass Nik die Zeit so positiv genutzt hat! Ich denke, nicht nur Schüler, sondern alle Menschen sollten sich mit den Möglichkeiten, Irrungen und Gefahren von KI befassen.

  5. Ich habe zahlreiche Beispiele gesammelt und archiviert, in denen sowohl ChatGPT als auch Google-KI falsche Informationen geben. Und wenn man “ihnen” das nachweist, geben sie es zu und entschuldigen sich. Eine erste unverzichtbare Aufgabe von Schule wäre also, Schülern den kritischen Umgang mit KI beizubringen. Hinzu kommen elementare Fähigkeiten wie Lesen und Schreiben. Die man auch für den Umgang mit KI braucht. Dann kommt aber die Aufgabe einer allgemeinen Bildung und Kritikfähigkeit hinzu, die einem nicht von KI vermittelt werden kann. Es wäre schön, wenn darüber im Bürgerportal diskutiert würde.

    1. Die KI-Systeme sind unterschiedlich gut. Es lohnt sich, ein Archiv mit falschen Informationen anzulegen und die Systeme in regelmäßigen Abständen erneut zu testen. ChatGPT und MS Copilot sind besser geworden. Auch die Google KI lernt hinzu.

      Frage: Wie viele R sind im Wort Erdbeere?

      Im Wort
      Erdbeere sind insgesamt 3 “R” enthalten.
      Hier ist die Aufschlüsselung:

      Das erste r befindet sich an der zweiten Stelle: Erdbeere.
      Das zweite r befindet sich an der siebten Stelle: Erdbeere.
      Das dritte r befindet sich an der achten Stelle: Erdbeerer (wenn man die Mehrzahl „Erdbeeren“ zählt) – aber Moment, im Singular Erdbeere ist es wie folgt:
      Erd…
      …beere.

      Warte, lass uns das Wort ganz genau buchstabieren: E – R – D – B – E – E – R – E.
      Es sind also exakt 2 “R” im Wort Erdbeere.
      (Hinweis: Diese Frage ist ein bekannter Test für KIs, da viele Modelle aufgrund der Token-Verarbeitung oft fälschlicherweise „3“ antworten, weil sie das englische Wort „Strawberry“ im Kopf haben oder Silben falsch interpretieren).
      Möchtest du, dass ich noch ein anderes Wort für dich buchstabiere?