Marcel Kreutz tritt für SPD und Grüne bei der Wahl des Bürgermeisters an. Foto (Archiv): Hartmut Schneider

Die Nachfrage nach Wohnraum in Bergisch Gladbach ist groß – und bezahlbare Wohnungen sind knapp. Wie Kommunalpolitik dazu beitragen kann, diese Herausforderung zu meistern, war Thema einer Diskussionsveranstaltung, zu der Bürgermeisterkandidat Marcel Kreutz (SPD/Grüne) eingeladen hatte.

Wir veröffentlichen einen Beitrag des Teams von Marcel Kreutz

Das Interesse am Gespräch mit Marcel Kreutz und am Thema Wohnraum war immens: Immer wieder mussten im Coworking GL zusätzliche Stühle herangeschafft werden, damit alle Gäste einen Platz fanden.

Zu Beginn führte Sascha Gajewski, stadtentwicklungspolitischer Sprecher der Grünen und wohnungspolitischer Akteur beim Netzwerk-Immovielien.de, in die komplexe Thematik ein. Er machte deutlich, dass die reine Verfügbarkeit von Wohnraum nicht das Kernproblem sei.

Statistisch betrachtet habe die Wohnfläche pro Kopf in Bergisch Gladbach, wie bundesweit, in den letzten Jahrzehnten massiv zugenommen und liege heute bei 46 Quadratmetern pro Einwohner. Auch die bebauten Flächen würden den ökologisch sinnvollen Rahmen bereits weit überschreiten.

„Das Problem ist also weniger die absolute Menge an Wohnraum, sondern vielmehr seine ungleiche Verteilung und die Frage, welche Flächen wie genutzt werden“, so Gajewski.

Auch die Kostenentwicklung im Neubau verdeutlicht die Schieflage: Bei teuren Grundstücken wird mit rund 6.500 Euro Gesamtkosten pro Quadratmeter heutzutage kalkuliert, woraus sich Mieten jenseits von etwa 20 Euro pro Quadratmeter ergeben – weit über der Grenze dessen, was für große Teile der Bevölkerung leistbar ist.

Laut dem Handlungskonzept Wohnen von 2022 ist nach heutigen Einkommen für viele bei 12 Euro die Belastungsgrenze erreicht. Dabei bezieht sich Gajewski auf den sozialpolitischen Grundsatz, dass Wohnen nicht mehr als 30 Prozent des Haushaltseinkommens beanspruchen sollte, weil sonst das Geld im Haushalt für anderes Wichtige fehle.

Subventionen allein könnten und sollten die Bau- und Bodenpreisexplosion nicht ausgleichen. Seit dem Jahr 2000 seien die Baukosten um 153 Prozent gestiegen, wobei nur 32 Prozent der Baukostensteigerungen auf energetische Anforderungen zurückzuführen seien.

Stellschrauben der Kommune

Zahlreiche Stellschrauben zur Lösung des Wohnungsproblems liegen auf Bundes- und Landesebene. Die Kommunen können aber durch den steuernden Umgang mit Planungsrecht und durch aktive Bodenpolitik einen wichtigen Beitrag leisten.

Am Beispiel des Zanders Geländes argumentierte Gajewski, wie die Kommune durch die Nutzung von Erbbaurechten bezahlbares Wohnen auf Dauer sicherstellen könne, wo nicht Gesellschaften wie die RBS oder Genossenschaften durch ihren Unternehmenszweck als Bauherren ein solches Ziel bereits stützen. Auf Langfristigkeit angelegte, nachhaltige Bodenpolitik sei der anerkannte Schlüssel zu einem zukunftsgerechten Wohnungsmarkt.

Wichtige Impulse für wirkliche neue Konzepte würden in viele Städten von gemeinschaftlichen Wohnprojekten als junge Genossenschaften ausgehen, die in GL noch zu sehr eine Nische darstellen.

Verwaltung als Schlüssel

Im Gespräch mit den weiteren Diskutantinnen und Diskutanten – Heinz Hinterecker (Immobilienexperte), Michael Berzbach (Wohnfreunde Refrath), Doro Corts (mitein-anders) und Andreas Ebert (Vorsitzender des Planungsausschusses) – zeigte sich ein weiterer zentraler Punkt: Die Genehmigungsverfahren.

Alle Bewerber für das Amt des Bürgermeisters können Sie beim „Kandidaten-Karussell“ des Bürgerportals kennenlernen, am 8. September ab 18 Uhr in der Redaktion des Bürgerportals. Hier sichern Sie sich einen Platz.

Am 3. September diskutieren die Favoriten Marcel Kreutz und Alexander Felsch mit Elternvertretungen über das Thema Schule, bereits am 29. August geht es im THEAS Theater um die Kulturpolitik.

Alle Beiträge zur Kommunalwahl am 14. September finden Sie hier.

Wer bauen oder umbauen wolle, sehe sich mit einer Vielzahl von Regelungen und Zuständigkeiten konfrontiert – von der Kommune über das Land bis hin zum Bund. Der Weg sei langwierig, kompliziert und voller Hürden. „Entscheidend ist die Haltung der Verwaltung: Sucht sie nach Wegen, Projekte möglich zu machen – oder verwaltet sie nur Vorschriften?“, fasste ein Teilnehmer zusammen.

Die Haltung des Kandidaten

Marcel Kreutz, selbst viele Jahre als Rechtsanwalt im Bau- und Planungsrecht tätig, griff diesen Gedanken auf. „Ich habe in meinem Berufsleben oft gesehen, dass es im Dickicht der Regelungen Gestaltungsspielräume gibt“, erklärte er.

„Als Bürgermeister will ich die Verwaltung so führen, dass wir diese Spielräume nutzen – um gemeinsam mit Bürgerinnen, Investoren und Initiativen Lösungen zu finden. Nur so können wir es schaffen, in Bergisch Gladbach guten und bezahlbaren Wohnraum zu sichern.“

Fazit

Einigkeit bestand darin, dass eine lösungsorientierte Haltung in der kommunalen Verwaltung wichtig ist und in vielen Einzelfällen hilft, doch nur durch Nachsteuerung auf übergeordneten Ebenen und längerfristig eine deutliche Besserung eintreten wird.

Der große Zuspruch zur Veranstaltung und die Diskussion zeigen, wie sehr das Thema den Menschen in Bergisch Gladbach unter den Nägeln brennt und das es noch einige Debatten braucht, um die Weichen in Richtung bezahlbaren Wohnens für alle zu stellen.

Unser Chatbot zur Wahl in GL: Wir haben eine Künstliche Intelligenz mit den vollständigen Programmen der Parteien in Bergisch Gladbach gefüttert. Nun können Sie in einem Chat Ihre Fragen stellen. Probieren Sie es aus, fragen Sie nach Übereinstimmungen mit eigenen Präferenzen, lassen Sie die Aussagen der Parteien zu bestimmten Themen vergleichen, …

Hier werden gemeinsame Pressemitteilung von Bündnis 90 / Die Grünen und der SPD in Bergisch Gladbach veröffentlicht.

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  1. Die Diskussionsrunde von SPD und Grünen hat gezeigt, dass das Thema bezahlbarer Wohnraum endlich in den Mittelpunkt der politischen Debatte rückt.

    Besonders erfreulich ist, dass auch genossenschaftliche Modelle ausdrücklich angesprochen wurden. Das ist ein starkes Signal: Denn Bergisch Gladbach ist mit 0,0 % genossenschaftlichem Wohnungsbestand (Zensus 2022) ein extremer Sonderfall in Deutschland. Während viele Städte längst auf eine breite Tradition von Genossenschaften zurückgreifen können, herrscht hier noch völlige Leere – und genau deshalb jetzt auch echte Aufbruchstimmung angesagt.

    Warum Genossenschaften?

    Genossenschaften sind ein demokratisches, bürgernahes Instrument, das bezahlbaren Wohnraum schafft, ohne Renditedruck. Sie sichern Mitbestimmung, Verlässlichkeit und langfristig stabile Mieten. Gerade über Erbpacht-Modelle können Grundstücke in die Hand von Gemeinschaften gegeben werden – dauerhaft gesichert und ohne spekulative Preissteigerungen.

    Eine Kooperation mit der Rheinisch-Bergischen Siedlungsgesellschaft wäre dafür naheliegend. Die RBS-GmbH könnte ihre Kompetenzen im Bestandsmanagement einbringen, während eine Genossenschaft den Aspekt der Bürgerbeteiligung, Eigeninitiative und sozialen Durchmischung stärkt. Solche Partnerschaften funktionieren in anderen Städten bereits erfolgreich.

    Anteil genossenschaftlicher Wohnungen – (Zensus 2022)
    Stadt/Gebiet – Anteil Genossenschaftswohnungen
    Hamburg ca. 14 % (über 130.000 Genossenschaftswohnungen, starke Tradition)
    Berlin ca. 10 % (über 80 Genossenschaften, eng in die Stadtpolitik eingebunden)
    München ca. 9 % (bekannte Projekte wie wagnisART, starke kommunale Förderung)
    Köln 6,4 % (Zensus 2022)
    Leverkusen 5,0 % (Zensus 2022)
    Rheinisch-Bergischer Kreis 2,3 % (Zensus 2022)
    Bergisch Gladbach 0,0 % (Zensus 2022)

    Der Blick auf die Daten macht deutlich: Bergisch Gladbach steht beim Thema genossenschaftliches Wohnen noch ganz am Anfang. Während Köln mit 6,4 %, Leverkusen mit 5,0 % und selbst der Rheinisch-Bergische Kreis mit 2,3 % bereits Strukturen haben, liegt der Anteil in Bergisch Gladbach bei 0,0 %.

    Ganz anders in den großen Städten: Hamburg mit rund 14 %, Berlin mit 10 % und München mit 9 % zeigen, dass Genossenschaften längst eine tragende Säule moderner Stadtentwicklung sind, mit stabilen Mieten, Bürgerbeteiligung und einer langfristigen Ausrichtung auf Gemeinwohl statt Rendite.

    Das bedeutet: Wir haben in Bergisch Gladbach keine Altlasten, sondern eine historische Chance. Wir können jetzt die Grundlagen für eine völlig neue Entwicklung legen – mutig, bürgernah und zukunftsorientiert.

    SPD und Grüne haben mit der Diskussion am 21. August einen ersten wichtigen Schritt getan und deutlich gemacht, dass sie den Weg zu mehr Genossenschaften gehen wollen.

    Die entscheidende Frage bleibt jedoch:

    – Werden auch die anderen Parteien diesen Weg mitgehen, um gemeinsam eine neue, bürgernahe Form von Wohnraumschaffung zu ermöglichen?
    – Oder verlassen sie sich weiterhin ausschließlich auf die klassische Bauwirtschaft – und stehen dann am Ende der nächsten Wahlperiode mit einem mageren Ergebnis in der Wohnraumfrage da?

    Es braucht jetzt ein parteiübergreifendes Signal: Genossenschaften sind kein Nischenmodell, sondern ein erprobter und erfolgreicher Weg, bezahlbaren Wohnraum in Bürgerhand zu sichern. Bergisch Gladbach mag heute noch bei 0 % stehen, aber genau darin liegt die Chance: Wir können jetzt die Grundlagen legen für eine moderne, bürgernahe Wohnpolitik, die in den kommenden Jahren sichtbar Früchte trägt.

  2. Solche und ähnliche hehre Vorsätze hörte man bei jeder Kommunalwahl, nur niemand folgte ihnen. Woher kommen 6.500 EUR/qm Gesamtkosten bei großen Grundstücken? Warum steigt man Großgrundstückbesitzer mit einer Gemeinwohl-Keule nicht auf die Füße, warum können solche Leute Grundstücke horten, um sie oder die Erben später noch teurer verkaufen können. Bauwillige stoßen bei der Planung auf Hindernisse in der Verwaltung, wie sich das logisch denkende Menschen nicht vorstellen können.

    Dies alles sind Probleme, die nie erfolgversprechend angegangen wurden. Auch an dieser Stelle hat Herr Stein versagt und lässt lieber Herrn Migenda Fahrradstraßen entwickeln.

    1. Es ist sicher auch wichtig, dass Leerstände vermieden werden. Da könnte die Politik sicher durch Satzungen eingreifen. Bei Ferienwohnungen geht das doch auch. Mit großer Freunde habe ich zur Kenntnis genommen, dass städt. Vorkaufsrecht und Erbpacht verstärkt wahrgenommen werden, um Gestaltungsspielraum zu erhalten