Am Wochenende öffnet der kleine Skulpturengarten der Ateliergemeinschaft Maxrath-Zieriacks in Sand. Die Ateliers im Weiler Halfen Dombach sind offen für Besucher, Gespräche und Rundgänge – ein neuer Ort für Kultur im Grünen entsteht. Eine kleine Preview und ein Ausblick auf die weitreichenden Pläne der Initiatorinnen.
Das Atelierhaus am Halfen Dombach 1 liegt idyllisch am Feldweg, umgeben von Wiesen und Kühen. Drei Künstlerinnen und ein Künstler haben sich im denkmalgeschützten Fachwerkhaus aus dem 17. Jahrhundert eingemietet und möchten hier einen gemeinsamen Kulturstandort etablieren. Die Steinbildhauerinnen und Initiatorinnen Petra Zieriacks und Brigitte Maxrath-Enger führen durch das historische Gelände.
Alles begann 2017 mit der gemeinsamen Begeisterung für Steinbildhauerei, erzählen die beiden Künstlerinnen. Initial war eine berufsbegleitende Weiterbildung in Alfter und die Referentin Frieda Berger, die Eigentümerin des Hauses. Ab 2019, nach zweijährigem Leerstand, richteten die Bildhauerinnen ihre Außenarbeitsplätze für die Steinbildhauerei dort ein.
Als der Pächter des Grundstücks verstarb, wurde es vom Sander Kaufmann Markus Hetzenegger gekauft. Seit Januar 2024 sind sie Mieterinnen und damit „Hüterinnen des Hauses“, lachen die beiden Künstlerinnen.

Schließlich sei die Vision vom Skulpturengarten entstanden. Der alte Gemüsegarten war verwildert und die beiden Künstlerinnen haben liebevoll kleine Ecken mit Kräutern und Wildblumen geschaffen – Raum für Natur und für ihre Skulpturen.
Zieriacks und Maxrath-Enger sehen sich als Mitglieder einer Künstler:innengemeinschaft, die hier gemeinsam arbeitet und Projekte trägt, als Kulturschaffende mit dem gemeinsamen Ziel, einen Ort der Begegnung zu schaffen, an dem sich Menschen erfreuen können.
Offene Kunsträume und Künstlerresidenz
Bisher wurden alle Projekte ohne Förderung und auf Eigeninitiative umgesetzt. Zwei Atelierräume sind untervermietet, ein weiterer ist noch frei. Auch zwei Außenarbeitsplätze für Bildhauer werden vergeben.
Das Dachgeschoss dient als Künstlerresidenz, zuletzt für die georgische Künstlerin Lana Bliadze. Die Gemeinschaft stellte das Arbeitsstudio kostenfrei zur Verfügung, die zusätzlichen Kosten für Lebensunterhalt, Flug, Krankenversicherung und Ausstellung beliefen sich auf insgesamt etwa 2000 Euro. Weil das nicht allein zu stemmen war, wurde mit der offenen Kunstwerkstatt Köln Süd e.V. kooperiert, erklärt Maxrath-Enger, die Koordinatorin des Vereins ist.
Es gibt bereits jetzt viele Bewerberinnen und Bewerber aus dem In- und Ausland. Wenn sich genügend Sponsoren finden, würden sie im nächsten Jahr die Artist in Residenz gern wieder International ausschreiben.
Es soll regelmäßige Veranstaltungen für beispielsweise Musik- und Filmvorführungen geben. Es gibt bereits einige Kooperationen, die die Räume temporär anmieten: Workshops, die sich in diesem idyllischen Ambiente Inspiration holen; Einzelpersonen oder auch Meditationsgruppen. Dieser Ort sei „ein Kraftort“, man sei offen für alle Arten von Anfragen, betonen die Künstlerinnen.



Die Künstlergemeinschaft
Der Stein, der direkt am Eingang steht, ist als Kunst für den öffentlichen Raum geschaffen worden: „Ein Stein, auf die man sich setzen und miteinander reden kann“, erklärt Zieriacks.
Brigitte Maxrath-Enger erzählt von Wanderern oder Kindern des Waldkindergartens; „das ist einfach schön zu sehen; damit kann man Impulse setzen, sich aufeinander beziehen, ins Gespräch kommen“, sagt Maxrath-Enger, ehemalige Berufsschullehrerin. Die Steine stammen teils von gemeinsamen Studienreisen nach Neuseeland und Norwegen.
Brigitte Maxrath-Enger ist fasziniert von der Kruste eines Granitgesteins aus Lavik in Norwegen, Stellen, die sie bewusst belassen hat, andere Stellen hat sie geschliffen, geschlagen und mit anderen Techniken bearbeitet. In einen der etwa 2,5 Milliarden Jahre alten Steine hat sie eine Eisenstange eingepasst und ihn „Emotions“ genannt.





Petra Zieriacks ist Kinderärztin mit einer Praxis in der Gladbacher Innenstadt. Sie liebt Findlinge und ihre Eigenarten, die man beim bildhauerischen Bearbeiten entdeckt: „Es ist wie Geschenke auspacken“. Für die Skulptur „Orpheus und Euridike“, ließ sie sich vom gleichnamigen Stück einer Aufführung von Pina Bausch inspirieren.
Annett Coumont schwärmt vom Wanderweg mit ihrem Lieblingsplatz mit einer Schaukel. Das Haus ist ihr vom dortigen Blick aufs Tal vertraut; „ein toller Ort, mitten im Naturschutzgebiet“. Die Aquarellkünstlerin malt bergische Landschaften wie die Saaler Mühle aber auch Moore, wie das Hochmoor in Dünnwald – konkret und naturalistisch. „Ich male das, was ich sehe“, sagt die Naturschützerin. Mit Erfolg: Sie nimmt an internationalen Wettbewerben teil und wurde mit dem Preis der IWS, der International Watercolor Society ausgezeichnet.

Andreas Veitschegger kann aus seinem Atelierfenster einen Blick auf grasende Kühe genießen. In Münster studierte er visuelle Kommunikation und Grafik-Design mit Schwerpunkt Illustration. Er nimmt regelmäßig am Deutschen Karikaturenpreis und Cartoonpreis teil; sein aktuelles Projekt ist die Graphic-Novel ENDEBAUM.
Er gründete die internationale Jugendkunstgruppe Bergisch Gladbach und arbeitet mit jungen Künstler*innen aus der Ukraine. An den beiden Eröffnungstagen wird er einen Cartoon-Workshop für Kinder und Jugendliche anbieten.

Ateliergemeinschaft Halfen Dombach
Halfen Dombach 1
51465 Bergisch Gladbach
Eröffnung: 6. / 7.9. 2025, 10 bis 18 Uhr
Die Künstlerinnen und Künstler sind anwesend. Es werden außerdem Kurzvideos gezeigt. Die Veranstaltung findet auch bei schlechtem Wetter statt. Die künstlerischen Arbeiten können käuflich erworben werden.
Comic-Workshop für Kinder und Jugendliche: 14-18 Uhr
Musikalische Begleitung durch ein Hornduo der Rheinischen Musikschule sowie Getränke und kulinarische Kleinigkeiten.
Ab den Eröffnungstagen ist der Skulpturenpark nach Terminvereinbarung für Besucher*innen zugänglich. Weitere Informationen und Kontaktmöglichkeiten finden Interessierte auf der Website.
Künstler*innen-Webseiten:
Brigitte Maxrath-Enger, Petra Zieriacks, Annett Coumont, Andreas Veitschegger
Anfahrt / Parken: Aktuell ist eine Sperrung der Herkenrather Str. bis Häuser Dombach“ bis 15.9. Anfahrt ist bis Baustelle über Kürtener Straße möglich.
Der Feldweg führt zum Halfen Dombach (Verlängerung „Häuser Dombach“. Dort gibt es Parkplätze). Vor Ort sind wenige Parkplätze vorhanden.

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