Das Kulturpilotprojekt „AtelierEtage“ wird am Wochenende im Feuerwehr-Gebäude auf dem Zanders-Areal eröffnet. Für den Stadtverbands Kultur und zehn engagierte Kunstschaffende wird damit ein lang gehegter Traum Wirklichkeit. Nachdem einige bauliche und bürokratische Hürden überwunden wurden. Ein Gespräch mit den Akteuren über Möglichkeiten, Zugeständnisse und Hoffnung.
Das riesige Gelände der ehemaligen Papierfabrik Zanders war bis vor einigen Monaten noch „für die Stadtbevölkerung Terra incognita“, sagt Heribert Bergermann. Er und Harald Mohr vertreten den Stadtverband Kultur und schwärmen für das Projekt – und vor allem für die damit verbundenen Chancen für Bergisch Gladbachs Kultur.
Der Einzug der Stadtbücherei ist bereits beschlossen, die alte Zentralwerkstatt wird zu einem soziokulturellen Zentrum, der Gleispark wird im Frühjahr eröffnet. „Das ist ein Traum; da wird die AtelierEtage mittendrin sein“, sagt Bergermann. An diesem Wochenende wird sie von Bürgermeister Frank Stein im Rahmen des Tags des offenen Denkmals offiziell eröffnet, für einen Besuch der AtelierEtage muss man sich vorab anmelden.
Das Werkstattgebäude F260, zwischen dem ehemaligen Kraftwerk und der künftigen Stadtbücherei, beherbergt im obersten Stockwerk die „AtelierEtage“. Sie misst etwa 830 Quadratmeter und steht nicht unter Denkmalschutz. Im Haus sind auch die Feuerwehr und mehrere Büros ansässig – Wasser- und Stromanschluss sind daher immerhin vorhanden.

Dennoch war der Weg zur AtelierEtage, trotz Unterstützung von Stadtverwaltung und Politik, alles andere als einfach. Für die neue Nutzung als Ateliers und Werkstätten war eine Baugenehmigung mit hohen Auflagen erforderlich. Vor allem beim Brandschutz mussten Nachbesserungen erfolgen: Feuermelder, Fluchtwege, Rauchabzug wurden angepasst.
Ein Traum mit Abstrichen
Eine Zulassung für öffentliche Veranstaltungen wurde dennoch nicht erteilt. „Das ist ein Handicap“, sagt Bergermann. Daher können auch zur Eröffnung nur angemeldete Gäste die AtelierEtage besichtigen – nacheinander und in kleinen Gruppen.

Man müsse bedenken, dass dies der Anfang eines Pilotprojekts ist, sagt Mohr. Das Zanders-Projektteam stehe dahinter, und man habe innerhalb der Stadt gemeinsam dafür gekämpft, dass diese Zwischennutzung zustande kommt. Auch Fachleute hätten geraten, möglichst früh eine Zwischennutzung zu ermöglichen, um Leben in die Gebäude zu bringen.
Am 30.7.25 war Bauabnahme, und am 1. August unterzeichneten die Kunstschaffenden ihre Mietverträge – zunächst auf zwei Jahre begrenzt. Immerhin konnte man den Künstlern preislich entgegenkommen – auch, weil der Strom pro Raum auf eine Steckdose begrenzt ist und die Räume im Winter nicht beheizt werden können.
„Insgesamt gab es viele Hindernisse. Wir sind im Team daran gewachsen“, sagt Künstlerin, Initiatorin und Koordinatorin Iris Stephan.
Iris Stephan und ihr Atelier. Fotos Thomas Merkenich
Wie alles begann…
Als Stephan 2021 gelesen hatte, dass das Werk insolvent ist und der Rückbau im Zuge des Insolvenzverfahrens beginnt, entwickelte sie ein Konzept zur künstlerischen Projektförderung für „Zanders – Kunst trifft Industriegeschichte“ und reichte es beim Kunstfonds ein.
Das Stipendium wurde bewilligt und die Anschubfinanzierung für ihr Kunstprojekt war gesichert. Das erleichterte die Überzeugungsarbeit. Binnen eines Jahres begann sie mit Recherchen, Materialsammlung und dem Bergen historischer Objekte der Papierfabrik, die sie künstlerisch verarbeite. Parallel führte sie einen Blog, in dem sie alles mit Fotos und Texten dokumentierte.
Bald brauchte sie einen Arbeitsraum vor Ort und zog zunächst mit ihrem Atelier in die untere Etage. Von da an verfolgte sie die Vision eines Atelierhauses, schrieb Konzepte und überzeugte Unterstützer.
Die Künstlergemeinschaft

Iris Stephan berichtet: Rund 40 Bewerbungen gingen im letzten Jahr für die neun Atelierplätze ein. Ausschlaggebend für die Auswahl waren Motivation und Professionalität sowie eine Ausgewogenheit im Alter und Geschlecht.
Die Ateliers sind zwischen 24 und 68 m² groß, ein Lastenaufzug erleichtert den Zugang mit sperrigen Kunstgegenständen. Die erste Gemeinschaftsaktion war die Renovierung – ein wichtiger Schritt, um als Ateliergemeinschaft zusammenzuwachsen.
Der Lastenaufzug ist für Personen gesperrt, Besucher:innen müssen die Treppe nutzen. Fotos: Thomas Merkenich
In der Gemeinschaftsküche erzählen einige der Kunstschaffenden von den Mühen des Umzugs und der Ungewissheit, wie es mit der AtelierEtage weitergehen wird und der Sorge, ob sie bleiben können. Die brasilianische Künstlerin Andréa Bryan berichtet, wie schwer es sei, in der Region ein bezahlbares Atelier zu finden. Umso erleichterter sei sie gewesen, als sie ausgewählt wurde. Sie kommt mit der S-Bahn oder dem Fahrrad von Köln. Für ihre Installationen brauche sie viel Platz – und den finde sie hier.
Die Künstler wünschen sich neben Heizung auch Möglichkeiten, Veranstaltungen auszurichten, da sie auf Publikum und Verkäufe angewiesen sind. Die Künstlerin Jutta Dunkel hofft auf mehr öffentliche Sichtbarkeit, etwa durch die Teilnahme an den Offenen Ateliers: „Wenn wir als Standort auftreten, werden wir anders wahrgenommen – und besucht.“

Dunkel arbeitet mit zarten Buntstiftlasuren, teils auf großformatigem Papier, das nur schwer zu transportieren ist. Sie sei froh über den Raum, da sie hier größere Werke umsetzen könne. Wichtig sei ihr vor allem ein gutes Miteinander und eine stimmige Atmosphäre.
Ninette Niemeyer ist Fotografin aus Nussbaum und hat den ehemaligen Büroraum zum Fotostudio umfunktioniert. An den Wänden hängen bereits Fotos von Wald und Tieren oder vom Hambacher Tagebau. Der zusätzliche, kleine Raum gegenüber, mit Fenster zum Flur, habe besondere Lichtverhältnisse und damit Bühnenbildqualität, sagt sie begeistert. Ihn nutzt sie zum Experimentieren. Hier in der AtelierEtage habe sie Platz zum Fotografieren, Handwerkern, Basteln und Ausprobieren.
Rainer Plum benötigt Raum für seine Lichtinstallationen mit Lasertechnik. Dafür hat er den Atellieraum mit Holzpaneelen verdunkelt. Hier kann er sich nun dauerhaft einrichten: mit verschiednen Lasermodulen, Projektoren, Nebelmaschine. Aber ansonsten hole er nicht viele Technik herein.
„Ich mag den weißen Raum, das hat etwas mit meinen Zeichnungen zu tun. Es sind Empfindungen, die sich in einer Linie niederschlagen,“ sagt Plum. Im Gang können Besuchende einige seiner Zeichnungen und „Fotografik“ entdecken, die parallel zur Arbeit mit den Lasern entstanden sind.
Heike Peppler sagt: „Ich brauche viel Platz, weil ich intuitiv, emotional und expressiv arbeite – zumeist mit Schüttungen oder mit dem Rakel. Ich muss um die Arbeit rundherum laufen können.“ Sie verarbeitet bevorzugt gefundene Dinge: Papier, Materialproben und Papierkästen. Aktuell kreiert sie Skulpturen aus Material, das aus der Autoindustrie stammt.
Sie habe ihre Ateliers immer nur vorübergehend nutzen können. „Das ist wohl unser Schicksal als Künstler“. Sie glaubt an die Gemeinschaft und betont: „Eine Gruppe gibt Dynamik. Das ist besser als alleine. Du kannst mehr bewegen.“

Emil Adam aus Köln 28 Jahre, ist der Jüngste der Ateliergruppe. Er bringt viele Erfahrungen ein – von „Shared-Atelier-Space“ bis zur Veranstaltungsorganisation. Doch auch er weiß, was es heißt, sich immer neu „in Provisorien einzuarbeiten” und zu versuchen, „einen eigenen Kulturort zu erschaffen“.
Dennoch, die Erfahrung mit dem Team stimme ihn zuversichtlich, dass das Gesagte auch umgesetzt wird. „Ich bin immer sehr engagiert darin, voranzutreiben, Räume zu erarbeiten, zu erkämpfen, so dass sie auch für andere zugänglich werden. Der Künstler baut multimediale, interaktive Skulpturen; zumeist mit Kinderspielzeug, schon um den Entdeckergeist der Betrachter anzusprechen.









Die Ateliers und Flure sind aufgeräumt, aber noch ist nicht alles fertig: Teile der Etage dürfen nicht betreten werden und sind abgesperrt. Fotos: Thomas Merkenich
Weitere Kunstschaffende der AtelierEtage sind Detlef Weigand, Manuele Klein, Thomas Steffens. Wer die Ateliers (über den Tag der Industriekultur hinaus, s.u.) besuchen möchte sollte Kontakte mit den Künstler:innen aufnehmen.

Ein Tag der Industriekultur – auf Zanders
Zum Tag des offenen Denkmals werden eine Reihe der Baudenkmäler auf dem Zanders-Gelände für Besuch geöffnet. Am Samstag wird zudem der Butscha-Platz mit prominenter Beteiligung aus der Ukraine eröffnet, zudem wird die neue AtelierEtage vorgestellt und über den aktuellen Stand der Zanders-Konversion informiert. Hier gibt es das gesamte Programm.
Infos und Kontakt zu den Kunstschaffenden:
www.ninetteniemeyer.de / www.rainerplum.com / www.manueleklein.de / Detlef Weigand/Youtube / www.andrea-bryan.de / www.thomas-steffens.com / www.juttadunkel.de / www.heikepeppler.com / www.emiladam.com / www.iris-stephan.de

















