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Gut zwölf Jahre nach der Umgestaltung der Gladbacher Fußgängerzone wagt die Stadt zum ersten Mal einen deutlichen Eingriff: Drei Viertel der Bäume wurden aus ihren viel zu kleinen Einfassungen befreit und erhalten großzügige Beete. Damit ist ein großer Teil der Stolperfallen verschwunden. Aber auch die Möglichkeit, sein Rad anzuschließen.

Die Pflastersteine in der Fußgängerzone sind seit vielen Jahren beschädigt, die Wurzeln der nicht richtig gepflanzten Bäume hatten die Steine an vielen Stellen angehoben und gefährliche Stolperfallen produziert. Die Stadtverwaltung hatte Warnbaken aufgestellt, am Problem aber nichts geändert – weil sich der Haftungsstreit mit der Baufirma hinzieht.

Doch jetzt, unmittelbar vor dem Stadtfest und der Kommunalwahl hat sich das Bild komplett verändert. 15 der rund 20 Bäume entlang der Hauptstraße zwischen RheinBerg Galerie und Stadtbücherei wurden aus ihrem Steingefängnis befreit. Mitarbeiter des städtischen Bauhofs haben die Pflastersteine sauber herausgesägt und damit die Baumscheiben von knapp einen auf etwa sieben Quadratmeter vergrößert.

Damit sind die Aufwölbungen nahezu komplett verschwunden. Die Ecken wurden mit Findlingen markiert, die neu entstandenen Beete ansehnlich bepflanzt. Für die Marktstände, die häufig in die Fußgängerzone ausweichen, ist dennoch genug Platz.

Die Bügel vor und hinter den Bäumen, die bislang von Radfahrer:innen gerne genutzt wurden, sind jedoch nicht mehr zugänglich. Schilder weisen darauf hin, dass nun keine Räder mehr angeschlossen werden dürfen – weil die dann mitten im Beet stehen würden. Allerdings waren die Bügel dafür nie gedacht, sondern dienen dem Schutz der Bäume. Sie sind fest mit den Pflanzkästen im Boden verbunden, können daher nicht versetzt werden.

Bauhof unterwegs „wo es klappert“

Der zuständige Beigeordnete Ragnar Migenda hatte dieses plötzliche pragmatische Engagement im Verkehrsausschuss heruntergespielt. Nur auf Nachfrage erklärte er, dass der Bauhof halt überall unterwegs sei, „wo es klappert“. In diesem Fall handele es sich um eine reine Gefahrenabwehr – und auf keinen Fall um eine grundsätzliche Maßnahme.

Das muss er so sagen, denn zum einen besitzt der 2012 tätige Architekt immer noch das Urheberrecht für seinen Entwurf, Änderungen sind eigentlich nur mit seiner Genehmigung möglich. Eine Praxis, über die sich die Stadt allerdings schon einmal hinwegsetzte, als sie die ebenso teuren wie untauglichen Mülleimer durch normale Plastikboxen ergänzte.

Der alte Zustand, Die Stolperfallen sind jetzt weg, der Mülleimer steht noch. Foto: Redaktion

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Zum anderen hält der Rechtsstreit mit der Baufirma über die Frage, ob das Pflaster falsch verlegt oder aber durch unsachgemäße Reinigung zerstört worden ist, noch immer an. Migenda deutete zwar an, dass er in dieser Sache demnächst eine Entscheidung erwartet, darf und will aber keine Fakten schaffen, die sich zu Ungunsten der Stadt auswirken könnten.

Für die inzwischen komplett in Auflösung befindliche Pflasterung der Buchmühlenstraße zwischen VHS und Forumpark konnte Migenda daher keine Lösung anbieten. Der Bauhof arbeite zwar bis zum Anschlag und befestige die Steine immer wieder, das hält aber offenbar nur wenige Tage. Die Straße für eine Sanierung ausgerechnet jetzt zu sperren, könne keiner wollen, so Migenda.

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. Bin gespannt, wie sich das “fest eingeplant” der Fahrradständer verwirklichen wird, vor allem, wann!

    1. Die Frage ist mehr: Warum so plötzlich sind das KEINE Fahrradbügel?

      Nach 12 Jahren fällt der Stadt ein, dass die Fahrradbügel, die es überall gibt (vor der Stadtbücherei, neben der Rhein-Berg-Galerie, ab Thalia Richtung Zanders usw.) alle gleich aussehen und nur vor den Bäumen sind es keine? Lächerlich!

      Diese Bügel waren immer dauerhaft besetzt. Aufgrund der Dauerbesetztung habe ich sogar eine Beschwerde eingereicht. Wenn sie nie für Fahrräder gedacht waren, warum hat die Stadt 12 Jahre lang nicht reagiert? Es wird immer erzählt, dass möglichst viele mit Fahrrad zur Stadt fahren sollen. Ganz schwache Leistung der Stadt Bergisch Gladbach. Der (noch) amtierende Bürgermeister hat doch seine Stimmen vor 5 Jahren auch u. a. wegen der Fahrradinfrastrukturverbesserung bekommen. Daraus wurde gar nichts! Ich bin enttäuscht und bin eine Wechselwählerin, falls einer meint, dass ich hier einer Partei o. ä. gehören sollte.

  2. Trotz alledem eine schöne Lösung!
    Es wäre schön, wenn es tatsächlich zusätzliche Fahrrad-Abstellplätze in der Innenstadt gäbe und wenn die Hundebesitzer die Kothaufen ihrer Hunde entsorgen und nicht in den neuen Beeten liegen lassen! Ekelig und respektlos!

    1. Die fehlenden Fahrradständer werden moniert, seit die Fußgängerzone neu gepflastert wurde. 10 Jahre Warten auf Kleinstmaßnahmen – soviel zum Thema “starke Fahrradlobby” und “die Stadt macht alles für den Radverkehr”.

      Hundehaufen…vielleicht sollten sie einfach untergegraben werden? Ist auch nur Dünger, wenn auch kein guter. Im Wald sind Kotbeutel ein weitaus größeres Ärgernis als ‘Haufen’.

  3. Die neu angelegten Baumscheiben sind für die bisherige Ödnis in der Fussgängerzone wirklich eine Bereicherung!
    Sie werden jedoch auch bereits ordentlich als Hundeklo missbraucht.
    Das fiel mir auch erst auf, nachdem ich sah, wie ein Vater versuchte, sein Kleinkind mit Tempotüchern von stinkendem “Papp” zu befreien nachdem es dort in so einen Haufen hineingeraten war.

    1. Gut, dass die meisten Hundebesitzer verantwortungsvoll genug sind, die Hinterlassenschaften ihrer Begleiuter zu entfernen. Vor denen, die es nicht sind, ist allerdings kein Fleckchen Erde sicher – das war also zu erwarten.

  4. „Einfach mal kreativ sein: ein paar Bügel auf und an die Steine montieren (dafür gibt es super Dübel), zwischen die Steine einen Staketenzaun (nicht höher als die Steine) und fertig!“
    Andere Vorschläge?
    Danke!

  5. Ist der Fahrradgemeinde endlich aufgestoßen, welch Geistes Kind Herr Migenda ist? Er gibt mit den durch seine Entscheidungen erfolgten “Verbesserungen” im Stadtverkehr an, ignoriert aber die Bevölkerung und Anrainer bestimmter Straßen, drückt seine Meinung und seine Vorstellungen den Bürger:innen auf und interessiert sich nicht für Folgeschäden, die seinen ach so tollen Maßnahmen oft folgen und entscheidet oft gegen die Bevölkerung.

    Die Fußgängerzone in GL, die Laurentiustraße, die Fahrradstreifen auf der Kölner Str., die Buddestraße, die zur Fahrradstraßen werdenden, nie vorher problematischen kleinen Straßen und, und, und.

    Die Fahrradlobby ist zu groß. Die Radfahrer, die vernünftige Verbesserungen für Radfahrer wollen, soltten dieser Lobby viel stärker Paroli bieten.

  6. Man könnte ja auch mal das positive sehen…das es jetzt (vernünftig) Platz gibt für die Bäume.
    Aber immer drauf hauen ist ja bequemer.
    Finde auch nicht alles gut, ja, man hätte von Anfang an so planen können. Aber immerhin wird ja auch mal was geändert.
    Schönes WE

  7. Genau die gleichen Baumschutzbügel stehen auch vor der Stadtbücherei, obwohl es dort keine Bäume gibt.

  8. Um auch mal was Positives zu sagen: Die Bäume haben jetzt – endlich – mehr Platz.
    Warum das 10 Jahre gedauert hat, wo Fahrräder jetzt angeschlossen werden sollen, wann die restlichen Probleme der Fußgängerzone behoben werden – eine Antwort darauf werden wir wohl nicht bekommen. Gladbach halt.

  9. Ich habe schon in einem Kommentar Anfang Februar 23 auf die Schäden an der neuen Pflasterung Buchmühlenstraße hingewiesen.
    Herr Migenda, Ihre Aussage, der Bauhof arbeite bis zum Anschlage um die Steine immer wieder zu befestigen, geschenkt. Sie beschäftigen den Bauhof, wie man hier sagt „für die Katz“ um nicht zu sagen Sie verschwenden Geld.
    Spätestens seit Anfang 23 war genug Zeit, die Pflasterung aufzunehmen (ohne Gedränge) und so einzubauen, wie es auch im Fahrbereich in Bensberg auf der Schlossstraße passiert.
    Und zu den nutzlosen Bügeln: Wegflexen statt Schilder.

  10. Da die Bäume jetzt standhaft geworden sind, könnte man die Schutzbügel jetzt umsetzen und zwar an den neuen Rand der Beete und künftig als Fahrradständer “zweckentfremden”.

    1. Dann lieber ganz entfernen und etwas Vernünftiges aufstellen. Wie schon gesagt, sind „Haarnadeln“ besser geeignet. Sie nehmen pro Abstellplatz relativ wenig Platz weg und man kann problemlos alle Fahrradtypen daran festmachen.

      1. Mir war an einer möglichst kostenneutralen Lösung mit den vorhandenen Mitteln gelegen.
        Ansonsten empfehle ich die in der Nähe gelegene Fahrradstation am Bahnhof.

  11. Wären die 30 Bügel an den 15 Bäumen Parkplätze für PKW gewesen…
    Wer eigentlich unterstellt dieser Stadtverwaltung noch immer, sie würde den Radverkehr fördern?

  12. Nachdem die „damaligen Bäumchen“ jetzt Bäume geworden sind hätte man – wenn Sie schon nicht als Fahrradständer dienen sollten – besser entfernen sollen. Die „Lachnummer“ mit den „laminierten Verbotsschildern“ (keine Fahrräder abstellen) ist wirklich „lächerlich“ und zeigt „die Lustlosigkeit“ derer die für so etwas zuständig sind.
    Zum Thema Lustlosigkeit noch etwas was bezeichnend ist: Lose Steine in der Fußgängerzone werden neuerdings mit „Teer/Bitumen“ verfüllt. An Häßlichkeit nicht zu überbieten. So hat es mit der „alten Pflasterung vor 20 Jahren“ auch angefangen, lieblos, Argumente liefernd wieder erneuern zu müssen. Klar, bei dieser „Methode“ muss man sich weniger bücken….
    Kann man die Steine nicht 1:1 austauschen…
    Michael Metten hat bestimmt noch eine Charge der „Betonklötze“ rumliegen…
    Jetzt kommt bestimmt der Kommentar: Musste aus Gefahrenabwehr schnell gehandelt werden….
    Das ist ja das Problem in dieser Stadt: alles sieht irgendwie nach Gefahrenabwehr aus….,
    also vielfach lieblos und traurig…..

  13. Es bleiben jetzt aber nicht ernsthaft dauerhaft diese hässlichen “Rad abstellen verboten”-Schilder da hängen? Das ganze Konzept ist ein Trauerspiel. Im Sommer auf der einen Seite Schatten auf der anderen ballernde Sonne.

  14. wieso braucht es erst 12 Jahre, um festzustellen, was die Planung bereits früher berücksichtigen hätte müssen. Es ist doch aus vielen anderen Beispielen bekannt und wahrlich keine Raketenwissenschaft, dass Bäume aufgrund ihrer Wurzelung einen bestimmten Platz benötigen. Die jetzigte Lösung ist zweckmäßiger aber auch nicht schöner.
    Wenn die Stadt außerdem will, dass die Menschen mit dem Rad zum Arbeiten, Einkaufen, Verweilen in die Stadt kommen, dann wird es Zeit sich auch mit der notwendigen Infrastruktur für das gesicherte Abstellen der Räder zu bemühen. Ein paar Bügel neben der Rhein-Berg-Passage reichen da wo möglich nicht aus. Wo bitte ist der Ideenreichtum derer, die sich ansonsten für Fahrradstraßen und sonstiges Aussprechen?
    Schauen Sie mal über die Landesgrenzen hinaus in die Niederlande oder nach Frankreich (z.B. nach Colmar), um zu erkennen, dass Innenstadtplanung ästhetisch und zweckmäßig sein kann. Bergisch Gladbach Downtown hat hier noch viel Luft nach oben…..meine Meinung.

  15. Guten morgen zusammen. Und wohin mit den Fahrräder wenn man sie nicht mehr anschließen kann. Zu Stoßzeiten gibt es kaum Möglichkeiten sein EBike ordentlich abzuschießen. Aber als Fahrradfahrer möchte ich auch beruhigt in der City meine Einkäufe erledigen ohne Angst zu haben das das Fahrrad dann nicht mehr da ist.. Darüber wurde wahrscheinlich beim Begrünen der Baumscheiben nicht gedacht.
    Fahrradständer sind in Bergisch Gladbach zu wenig oder zu weit weg vom Geschehen…Sehr schade zumal die Stadt eigentlich Fahrräder in den Vordergrund nimmt( Fahrrad Straße, Fahrradwege) nur keine Fahrradständer ausreichend in der City. Darüber sollte noch mal überlegt werden

    1. Das waren immer schon Baumschutzbügel, nie Fahrradanschlussbügel. Leider wurden sie zweckentfremdet.

      1. Es wäre also die passende Gelegenheit, eine Reihe von „Haarnadeln“ aufzustellen, die haben sich überall bewährt, wo sie an anderer Stelle stehen.

  16. Tatsächlich muss ich sagen, dass es besser aussieht, wenn den Bäumen mehr Platz gegeben wird, das ist dann irgendwie nicht mehr so eintönig grau.

    Diese komplette Flächenversiegelung ist auch irgendwie deprimierend, um ehrlich zu sein; Mehr Farbe würde der Fußgängerzone wohl generell gut tun.

    Ich hoffe, dass andere Projekte in der Zukunft nachhaltiger und generell angenehmer sind, gerade wenn es um Zanders oder die relativ große Fläche vom Bahnhof und drum herum geht.