Die fünf Initiatorinnen der Kidical Mass 2020 in Kürten mit dem ADFC-Vorsitzenden Bernhard Werheid im Jahr 2020. Foto: ADFC

Seit vielen Jahren begleitet der ADFC die Bemühungen der Kommunen um sichere Radwege entlang der Landstraßen. Ein zähes Unterfangen – bei dem jetzt ein Teilerfolg erzielt wurde: Der Radweg zwischen Herkenrath über Spitze nach Schanze wird gebaut, der erste Bauabschnitt startet im Frühjahr 2026. Zu verdanken ist das auch engagierten Schüler:innen aus Herkenrath und der Kidical Mass.

Wir veröffentlichen einen Beitrag des ADFC

Bereits früh hat die Bezirksregierung Köln einen eigenen Arbeitskreis eingerichtet, um den Bedarf und die Forderungen nach Radwegebau in der Region transparent zu machen. Unter dem Titel „Priorisierung des Radwegebau an bestehenden Landesstraßen“ wird seit Jahren eine Liste geführt, die von Straßen.NRW betreut wird. Sie umfasst nicht nur die Landstraßen in den Kreisen Rhein-Berg, Oberberg und Rhein-Sieg, sondern auch Abschnitte in Köln (rechtsrheinisch) und Solingen – ein ausgesprochen großes Gebiet.

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Geplant war ursprünglich, dass jährlich ein Projekt umgesetzt wird. Bei 12 priorisierten und mehr als 50 weiteren, aber noch nicht eingeordneten Projekten, zeigt sich schnell: In diesem Schneckentempo würden sichere Radwege an Landstraßen erst für kommende Generationen entstehen.

Der ADFC kritisierte damals deutlich, dass die Landesregierung NRW die Mittel für den Radwegebau massiv aufstocken müsse, um die Mobilitätswende wirklich voranzubringen.

Beispiel L 289: Schanze – Herkenrath

Besonders eindrücklich zeigte sich die Problematik an der L 289 zwischen Schanze und Herkenrath. Mitglieder aus Wipperfürth machten den ADFC auf die gefährliche Situation aufmerksam: Die kurvenreiche Strecke wird stark von Pkw und Lkw genutzt, da sie eine Verbindung von der B 506 über Spitze und Herkenrath zum A 4-Anschluss in Moitzfeld darstellt.

Bernhard Werheid und Dr. Bernd Beckermann vom ADFC-Kreisvorstand RheinBerg-Oberberg recherchierten den Planungsstand bei der zuständigen Regionalniederlassung von Straßen.NRW. Ergebnis:

  • Für ein 1,4 km langes Teilstück zwischen Spitze und Siefer Hof lag 2016 der Vorentwurf bereits vor. Es war als Unfallhäufungsstelle eingestuft („Unfallsignifikanz: auffällig“ / „Gefährdungspotential: hoch“).
  • Der Baubeginn hing jedoch von Grundstücksankäufen ab – ein „Bauernaufstand“ und ein anschließendes Planfeststellungsverfahren verzögerten das Projekt erheblich.

Eine Verlängerung des Radweges um weitere 1,8 km bis Schanze war zwar in Planung, stand jedoch nur auf Priorität 5 – ein Zeitrahmen bis frühestens 2022.

Schon 2016 zeichnete sich also klar ab: Ohne mehr Geld bleiben Radwege ein Nadelöhr der Verkehrspolitik.

Aufstieg in der Prioritätenliste – dank Kidical Mass

In den Folgejahren schafften es gleich drei Projekte aus dem Rheinisch-Bergischen Kreis nach ganz oben:

  • Prio 1: L 289 BG-Herkenrath/Kürten-Spitze – Neubau Rad-/Gehweg
  • Prio 2: L 289 Kürten/Spitze-Schanze – Ausbau mit Neubau Rad-/Gehweg
  • Prio 3: L 284 Stadtgrenze Overath – Hoffnungstal

Ein neuer Impuls kam 2020: Mit der bundesweiten „Kidical Mass“ gingen erstmals zehntausende Kinder, Jugendliche und Familien für sichere Radwege auf die Straße. In über 80 Städten forderten sie eine kinderfreundliche Verkehrspolitik.

Auch im Bergischen Land wuchs der Druck: Schülerinnen des Herkenrather Gymnasiums – Kati, Julia, Neela, Lotta und Lisa – organisierten eine eigene Aktion. Ihr Ziel: ein Schulradweg zwischen Spitze und Herkenrath. Mit Unterstützung des ADFC sammelten sie über 350 Unterschriften. Ein starkes Zeichen für das Engagement junger Menschen, die ihre Mobilität selbst in die Hand nehmen wollten.

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Und nun, fast zehn Jahre nach den ersten Recherchen des ADFC, kommt die gute Nachricht: Der Radweg an der L 289 wird gebaut.

Die Mitteilung des Landesbetriebes Straßen.NRW bestätigt den Start für die Abschnitte Herkenrath – Spitze und Spitze – Schanze. Damit wird eine der gefährlichsten Verbindungen für Radfahrende endlich entschärft – ein Gewinn für Sicherheit, Schulwege und die gesamte Region.

Der erste Bauabschnitt von Herkenrath nach Spitze soll demnach bereits im Frühjahr 2026 beginnen. Für den zweiten Abschnitt bis Schanze ist zunächst ein aufwendiges Planfeststellungsverfahren notwendig.

Der ADFC ist ein Verband von RadlerInnen, die das Ziel verfolgen, den Verkehr fahrrad- und fußgängerfreundlicher zu gestalten. Neben seinem Engagement für eine umweltbewusste und damit nachhaltige Mobilität berät der ADFC in allen Fragen rund ums Fahrrad. Eine Vielzahl von geführten Radtouren lässt...

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  1. Moment – das mit den Baumfällungen ist hoffentlich nicht ernst gemeint…oder?
    (Hier das Meme aus Star Wars einfügen)
    Es scheint mir selbstverständlich, dass der Radweg *außerhalb* der Baumreihe angelegt wird – das macht es auch sehr viel sicherer für Radfahrende!

      1. Danke für die Info und den Link – ich wunderte mich schon…!

        (lol, Stadtanzünder mal wieder: “wird für einen Radweg gerodet”…)

    1. Ja, echt blöd. Dabei hätte man doch einfach eine Fahrspur sperren können und schöne Einbahnstraßenregelungen treffen können. Dann müssten für den Radweg keine Bäume weichen.

    2. Und Sie wissen genau von wem, dass der Radweg unnötig ist? Haben Sie Schüler_innen gefragt, die dort gerne fahren würden es aber aktuell nicht tun, weil die Strecke momentan viel zu gefährlich ist?

    3. Total blöd auch, dass die ursprüngliche Allee, die über die Jahre viel Substanz verloren hat, in diesen Projekt mit der Neupflanzung von 67 Bäumen – so straßen.nrw – sozusagen wieder hergestellt wird.