Die fünf Initiatorinnen mit dem ADFC-Vorsitzenden Bernhard Werheid

Mehr als 200 Kinder, Eltern, Großeltern und Freunde sind am Sonntag von Kürten-Spitzen nach Herkenrath geradelt. Um für einen sicheren Rad-Schulweg zu demonstrieren. Dahinter steht eine Initiative von fünf jungen Schülerinnen.

Das war ein superschönes und gelungenes Event – die am Sonntag veranstaltete „Kidical Mass” von Spitze nach Herkenrath. Kinder, Eltern, Großeltern, Freunde und sonstige Unterstützer hatten bei bestem Wetter Mega-Spaß bei ihrer Fahrrad-Demo.

Die Initiatorinnen der Kidical Mass sind Kati, Julia, Neela, Lotta und Lisa. Vor Kurzem wandten sich die 10 bis 11 Jahre alten Schülerinnen des Herkenrather Gymnasiums entschlossen an den Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) und baten um Unterstützung bei der Durchführung der Kinder-Fahrrad-Demo.

Dabei geht es ihnen konkret um die Einrichtung eines bisher zwischen Spitze und Herkenrath fehlenden Schul-Radweges. Dafür haben Sie eine Unterschriften-Aktion gestartet, bei der sie über 450 Unterschriften sammeln konnten. Eine beachtliche Zahl!

Sammel- und Startpunkt der Kidical Mass war der Parkplatz neben der Bergischen Wurstbraterei an der Hauptkreuzung in Spitze. Nach einer kurzen Begrüßungsrede des Vorstandsvorsitzenden des ADFC RheinBerg-Oberberg, Bernhard Werheid, setzte sich der Fahrradtross um 11 Uhr auf der L 289 Richtung Herkenrath in Bewegung.

Die Polizei kümmerte sich um die Straßensperrung, so dass die Aktion ohne Einschränkungen durchgeführt werden konnte. Coole Fahrradmusik und schönstes Klingeling sorgte für Superstimmung bei den mindestens 200 Teilnehmer*innen.

Endpunkt der 3,8 km langen Fahrrad-Demo war das Herkenrather Gymnasium, wo sich alle Teilnehmer fröhlich-angeregt versammelten. Dort wurden die fünf Initiatorinnen noch einmal ausgiebig von einem jungen Medien-Team für den ADFC interviewt.

Frank Stein im Gespräch mit den Initiatorinnen der Fahrraddemo

Frank Stein, der frisch gewählte zukünftige Bürgermeister von Bergisch Gladbach, trat ebenfalls in einen regen Austausch mit den Schülerinnen, lobte die Aktion und nahm wohlwollend die gesammelten Unterschriften entgegen. Der Kürtener Bürgermeister Willi Heider konnte leider nicht teilnehmen, eine Übergabe der Unterschriften ist aber für kommenden Donnerstag geplant.

Was ist  KIDICAL MASS?

Kidical Mass ist eine Familien-Fahrrad-Demo, die am vergangenen Wochenende (19./20.09.2020) zum ersten Mal bundesweit durchgeführt wurde.

Unter dem Motto „Platz da für Kinder“ oder „Kinder aufs Rad“ fuhren zehntausende Kinder, Jugendliche und Familien auf Rädern durch über 100 Städte und forderten eine neue und kinderfreundliche Verkehrspolitik. Kinder wollen sich selbständig auf gut ausgebauten und sicheren Fahrradwegen in den Städten fortbewegen können.

Da dies meist nicht der Fall ist, wurde die Initiative „Kidical Mass Köln“ ins Leben gerufen. Unterstützt und organisiert wird sie vom Aktionsbündnis  ADFC, Campact, Changing Cities, Greenpeace, RADKOMM, VCD sowie mehr als 120 regionalen Initiativen.  

Studie bestätigt Willen zur Verkehrswende

Ein großer Bewusstseinswandel in Sachen Verkehrswende scheint sich aber gerade bei der deutschen Bevölkerung zu vollziehen. Die folgenden Zahlen stammen aus einer aktuellen INFAS-Studie, die der ADFC in Auftrag gegeben hat und bestätigen diesen Trend:  99 Prozent der Bundesbürger finden, dass Maßnahmen erforderlich sind, damit mehr Kinder mit dem Rad zur Schule fahren. Dies ist eine überwältigende Mehrheit!

Die wichtigsten Forderungen sind:

  • breitere und vom Autoverkehr getrennte Radwege (71%)
  • Einrichtung von Fahrradstraßen mit Vorrang für Radfahrer und Tempo 30 für Autofahrer (54%)

Der ADFC unterstützt diese Forderungen und ist für den BESCHLEUNIGTEN  Ausbau der Schulradwegenetze.

„Elterntaxi“ ist eine Notlösung 

Der Aussage „Für Kinder ist es das Beste, wenn sie möglichst eigenständig zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Schule kommen“ stimmten 80 Prozent der Bevölkerung zu. Andere Studien belegen, dass jedoch über 40 Prozent der Kinder mit dem Auto zur Schule gebracht werden.

Geringerer Zeitaufwand und mangelnde Sicherheit der Schulwege sind die Hauptargumanete für das Elterntaxi. Dazu der ADFC-Bundesgeschäftsführer Burkhardt Stork: „Es muss Verkehrs- und Bildungspolitik alarmieren, dass Eltern hier wider besseren Wissens handeln.

ÖPNV-Angbot muss dringend verbessert werden

Eine ebenfalls deutliche Mehrheit (71 Prozent) vermutet, dass auch mehr Eltern ihre Kinder mit Bus und Bahn zur Schule fahren lassen würden, wenn die ÖPNV-Verbindungen besser wären. Zum ÖPNV-Ausbau ist die Zustimmung im ländlichen Raum mit 74 Prozent besonders hoch – gegenüber 68 Prozent in der Großstadt.

Die Wahlergebnisse der Kommunalwahl in Bergisch Gladbach zeigen ebenfalls, dass die Mehrheit der Bürger eine Verkehrswende will.

ADFC

Der ADFC ist ein Verband von RadlerInnen, die das Ziel verfolgen, den Verkehr fahrrad- und fußgängerfreundlicher zu gestalten. Neben seinem Engagement für eine umweltbewusste und damit nachhaltige Mobilität berät der ADFC in allen Fragen rund ums Fahrrad. Eine Vielzahl von geführten Radtouren läßt...

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2 Kommentare

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  1. ….wenn ich das hier lese Bürgermeister Willi Heider hatte keine Zeit. Den interessiert sowas doch gar nicht. Ich meine er hätte das ganze als Kampagne des ADFC gegen die Gemeinde Kürten betitelt.
    Eine Ignoranz ohne Gleichen.
    Ich hoffe den Bürgern in Kürten ist bewusst, das z.B. noch kein Geld für den Digitalpakt beantragt wurde. In Bergisch Gladbach ist das kein Thema.

    Ausserdem wurde auch verpasst Sanierungsgelder für die Gesamtschule Kürten
    beim Bund zu beantragen.
    Dieses Versäumnis wird die Bürger in Kürten noch teuer zu stehen kommen.

    Denn das muss jetzt alles die Gemeinde alleine stemmen. Und das legt die Gemeinde mit Sicherheit auf die Erhöhung der Grundsteuer um.
    Das ist dann nach dem Splash eine weitere Belastung der Bürger, die absolut unnötig und auf jeden Fall vermeidbar gewesen wäre.
    Aber Hauptsache Herr Heider bekommt eine zweite Amtszeit.

    Viel Spass

  2. Tolle Aktion, danke an die Schülerinnen!
    Es fehlen weniger als 1000 m Radweg an der L 289…aber dieser kurze Abschnitt hat es in sich: Extrem stark befahren (auch LKW), schmale Fahrbahn, viele Raser. Wahrlich kein Vergnügen, auch als routinierter Radfahrer – ich kann gut nachvollziehen, dass Eltern ihre Kinder dort nicht dem morgendlichen Berufsverkehr aussetzen wollen!
    Seit Jahren steht dieser Abschnitt auf der Prioritätenliste von bzw. für Straßen NRW ganz oben (auf Bezirksebene) – aber es passiert nichts. Könnten nicht Landrat und Bürgermeister gemeinsam Druck machen, wenn GL schon keinen Landtagsabgeordneten hat?

    Nicht ganz so gefährlich, aber nicht minder überfällig: Die Sanierung des Radwegs Herkenrath-Moitzfeld an der L 289. Hier müsste an 4 oder 5 Stellen der Asphalt geebnet bzw. erneuert werden – eigentlich eine recht kleine Maßnahme, aber auch darauf warten die Schüler*innen (und alle Anderen) seit vielen Jahren. Mindestens ein Senior ist bereits schwer gestürzt, lag im Krankenhaus – wieviele Verletzte noch, bis endlich etwas passiert?