In ganz Bergisch Gladbach erhielten die Finalisten für die Stichwahl um das Bürgermeisteramt fast exakt gleich viele Stimmen, mit einem hauchdünnen Vorsprung für Marcel Kreutz. In immerhin 15 Wahlbezirken lag der Kandidat für SPD und Grüne vorne, zum Teil deutlich. Alexander Felsch (CDU/FDP) gewann zehn Bezirke. Auch ein Blick auf die Wahlbeteiligung lohnt sich.

Wir listen die Ergebnisse der Stichwahl für die 26 Wahlbezirke in der folgenden Tabelle auf. Sie können die Ergebnisse für die beiden Kandidaten sortieren, mit einem Klick auf den jeweiligen Namen.

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Dabei zeigt sich, dass Marcel Kreutz in 15 der 26 Bezirke gewonnen hat. Dazu zählen echte Hochburgen wie Hand-Ost mit 61 Prozent, Gronau-West (58) und Stadtmitte West (58). Im Wahllokal 7-2 in Hand-Ost kam er bei der Urnenwahl sogar auf 74 Prozent.

Das Ergebnis für Hand-Ost.

Alexander Felsch konnte nur zehn Bezirke für sich entscheiden, seine drei Hochburgen mit ähnlich hohen Werten wie Kreutz sind Schildgen, Bärbroich/Ehrenfeld /Herkenrath-Ost. Im letztgenannten Wahlbezirk holte Felsch im Wahllokal 25-2 mit 64 Prozent sein bestes Ergebnis an der Urne.

Das Ergebnis in Schildgen

Das Kunststück, jedem der beiden Kandidaten exakt die gleiche Stimmenzahl zu geben, gelang Paffrath-Nord/Nussbaum, dort erhielten Kreutz wie Felsch jeweils 712 Stimmen. Damit ist das Ergebnis noch knapper als in der Gesamtstadt (50,41 zu 49,59 Prozent), wo die Konkurrenten um 322 Stimmen auseinander lagen.

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Auch die Wahlbeteiligung war in den Bezirken sehr unterschiedlich. Hebborn, Katterbach-Ost/Paffrath-West und Moitzfeld kamen auf knapp über 50 Prozent.

In Hand-Ost und Gronau-Ost/Heidkamp-West blieb die Wahlbeteiligung dagegen knapp unter 35 Prozent. Auch in Bensberg-Süd/Bockenberg, Gronau-West und Paffrath-Süd lag sie unter 40 Prozent.

Dabei fällt auf, dass in acht der zehn Bezirke mit unterdurchschnittlicher Wahlbeteiligung Kreutz gewann. Felsch konnte dagegen sieben der zehn Bezirke mit der höchsten Wahlbeteiligung gewinnen.

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. Ganz klar: Es liegt an der Topographie. Die flachen Stadtteile haben Marcel Kreutz gewählt, die hügeligen Alexander Felsch (obwohl der gar keine Seilbahnen versprochen hat). Einzige Ausnahmen sind Katterbach und Sand.

    Danke für die genaue Auflistung!

  2. Meine Mutter hat mit 88 noch gewählt. Ich vermute CDU. Mit Mutmaßungen über das Alter sollte man zurückhaltend umgehen.

    1. Vermutlich haben viele in dem Alter CDU gewählt. Logik, das Wissen um korrupte Politiker:innen in der Partei und gesunder Menschenverstand kommen einfach nicht gegen alte Gewohnheiten an.

  3. Hoffentlich sind sich alle des kleinen Abstandes bewusst und bevorzugen pragmatische Lösungen der Probleme.

  4. Es lohnt tatsächlich, sich über geringe Wahlbeteiligungen Gedanken zu machen. Sie schnell und einfach mit Politikverdrossenheit abzutun, halte ich für zu kurz gesprungen.

    Kann es vielleicht sein, dass die Meinungsbildungsprozesse durch die Politik selbst eher klein gehalten werden? Werden die Wahlberechtigten nicht erst im im Wahlkampf – der ja nichts anderes ist, als eine auf Emotionalität basierende Reklameveranstaltung -, auf politisches “Denken” und Entscheiden getrimmt? Und im Rest der Legislaturperioden bleiben sie dann Außen vor…

    Dann gibt es noch ein große Anzahl Menschen in existentiell schwierigen Lebenslagen, bei denen “alles Andere” in den Hintergrund gerückt ist. Wo die Politik eh bereits versagt hat, bei Pflege und im Gesundheitswesen, in der Klimapolitik. Wo das Bewusstsein vorherrscht, dass Wahlen nichts verbessern können. Wie kommt es, dass qualitativ hochwertige “Handarbeit” der Regierenden im Laufe der Jahre kaum noch erkennbar ist?

    Trotz alledem, Resignation darf nicht zur allgemeinen Bewusstseinshaltung führen, denn darin besteht die Zukunft der stets agilen Demokratiefeinde.

    Wichtiges Werkzeug für den Demokratieerhalt ist und bleibt eine gut funktionierende und vor allem freie Tagespresse. Nicht zu vergessen Menschen, die bereit sind mehr zu tun, als nur zu Konsumieren.

    MfG Dieter Richter, Bergisch Gladbach

  5. Ein Gladbacher als Bürgermeister ist sicher mal was anderes. Es müssen nur alle Parteien, jetzt mitgestalten. Eine Trotzhaltung der CDU und/oder der anderen kleineren Parteien hilft nicht die Gladbacher Probleme zu lösen.

    1. Für mich war Lutz Urbach bei seiner Kandidatur ein Gladbacher. Er hat sich noch im Wahlkampf mit Bergisch Gladbach identifiziert, ist mit seiner Familie in der Wahlkampfzeit nach Bergisch Gladbach gezogen, er und seine Familie waren sofort in Vereinen vor Ort engagiert. Bereits zuvor hatte er Freunde und Bekannte im Fußballverein in Bergisch Gladbach.

  6. Schon traurig, dass die Wahlbeteiligung so eklatant niedrig ist. Die Politikverdrossenheit wird gefühlt von Wahl zu Wahl größer. Im Vergleich zur Kommunalwahl wurden bei der Stichwahl 13.231 Wahlberechtigte weniger verzeichnet ihr Kreuz zu setzen. Das entspricht in etwa der Zahl derer, die sich um ersten Wahlgang für eine andere Partei als die CDU, SPD, Grüne entschieden haben (13.676). Beide Kandidaten konnten also kaum Stimmen aus den anderen Lagern für sich mobilisieren.

    1. Hallo Bienenfreund,
      für mich ist es nachvollziehbar keine Stimme bei einer Stichwahl abzugeben. Beim Landrat habe ich das auch so für mich entschieden. Ansonsten hätte ich doch entweder dem einen oder anderen Kandidaten gezeigt, dass ich ihn unterstütze. Beim Bürgermeister habe ich meine Stimme abgegeben. Das heißt, ich habe beim Landrat ganz bewußt nicht gewählt. Bei mir hatte es also nichts mit Politikverdrossenheit zu tun. Und vermutlich haben das viele so gemacht.

      1. Hallo Herr Nüm,
        mir hat man in der Schule beigebracht, dass es dann besser wäre, eine ungültige Stimme abzugeben als gar keine, auch wenn dies auf die Sitzverteilung oder dem Zweikampf keinen Einfluss gehabt hätte.

      2. Hallo Christian Lesnik,
        so habe ich es auch gemacht. Ich habe den Stimmzettel leer in den Briefwahlumschlag (blau) gesteckt. Somit war meine Stimme ungültig abgegeben. Aber ich habe nicht – wie von Bienenfreund angemerkt – ein Kreuz gemacht.

      3. Hallo Sam Urai,
        weder einem Kandidaten der Linken, der AfD oder der Bürgerpartei hätte ich meine Stimme gegeben. Dann hätte ich dem Gegenkandidaten – egal ob CDU, SPD, Die Grünen, Volt, Freie Wähler – meine Stimme gegeben.

    2. Schäme mich ein wenig. Ich wusste nicht, daß es eine gab. Obwohl ich ein paar Tage im Krankenhaus war, hätte ich wählen können. So habe ich dieses Portal zu spät entdeckt.

  7. Bei der Wahlbeteiligung fällt weiter auf, dass diese in tendenziell eher weniger wohlhabenden Stadtteilen geringer ist als in tendenziell eher wohlhabenden Stadtteilen oder tendenziell eher ländlichen Stadtteilen. Ein gutes CDU Ergebnis korreliert also mit einer hohen Wahlbeteiligung, die Kausalität könnte aber eine andere sein. Ich gehe davona aus, dass die CDU ihr Wählerpotential weitestgehend ausgeschöpft hat. Eine (sehr wünschenwerte!) Steigerung der Wahlbeteiligung hätte der CDU nicht genutzt.

      1. Meine Mutter hat mit 88 noch gewählt. Ich vermute CDU. Mit Mutmaßungen über das Alter sollte man zurückhaltend umgehen.

      1. “Hat vielleicht etwas mit Bildung zu tun ;)”
        Ich würde eher auf “Vernachlässigung” oder “Geringschätzung” von Bevölkerungsteilen tippen.

      2. Die dann nicht wählen gehen, weil die Politiker eh machen, was sie wollen? ;)
        Ich glaube die Parteien können froh sein, dass diese Menschen dann nicht gehen, weil davon einige AfD wählen würden, siehe SternTV-Doku vor ein paar Tagen.

      3. Herr Sam Ursai, jeder der NICHT wählen geht und somit auch keine demokratische Partei wählt, spielt doch sicherlich auch der rechtsextremen, migrantenfeindlichen und den gewaltbereiten Teilen der AfD in die Hände oder sehen Sie das anders?
        D.h. willkommene Wähler sind =》 Afd-Wähler + Nichts-Wähler

    1. Wenn wir tatsächlich weniger wohlhabende Stadtteile haben, dann sollte die Stadt sich mal zuallererst um die dort lebenden Menschen kümmern.
      Z.B. Aufenthaltsorte/Bildungs-/Hausaufgabenhilfe/Freizeitangebote für die dort wohnenden Kinder und Jugendlichen schaffen oder zumindest durch Ansprache aufzeigen, wo solche Orte/Veranstaltungen sind, dass es sie überhaupt gibt und wie sie dorthin kommen können.
      Meinetwegen mit einem gemeinsamen, warmen Mittagessen damit mehr Kinder kommen.
      Gleichzeitig würde man damit sicherlich auch manche (überforderte = gestresste) Eltern/Mütter dieser Kinder entlasten und hätte die seltene Gelegenheit, mit ihnen ins Gespräch zu kommen.