Die fünf Bürgermeister:innen der Stadt Bergisch Gladbach: Josef Willnecker, Anna Maria Scherer, Marcel Kreutz, Corvin Kochan, Brigitta Opiela. Foto: Redaktion

Bei seiner ersten Sitzung hat der Stadtrat nicht nur drei stellvertretende Bürgermeister gewählt, sondern auf Vorschlag von CDU, SPD und Grünen erstmals vier. Angesichts knapper Kassen hat das einige Fragen aufgeworfen. Hier kommen die Antworten.

Ein hauptamtlicher Bürgermeister hat in NRW diverse Vertretungen: Als Chef der Verwaltung vertritt ihn der 1. Beigeordnete in allen dienstlichen Angelegenheiten, in Bergisch Gladbach ist das weiterhin Ragnar Migenda.

+ Anzeige +

Darüber hinaus gibt es für repräsentative Aufgaben die ehrenamtlichen Stellvertretenden Bürgermeister:innen. Die meisten Städte haben davon zwei, manche drei – die Millionenstadt Köln sogar vier. Und auch Bergisch Gladbach leistet sich in der neuen Ratsperiode vier Stellvertreter:innen.

Kurz & knapp

Aufgrund der Mehrheitsverhältnisse hätten der CDU zwei Posten zugestanden, den Grünen keiner. Damit diese dennoch zum Zuge kamen, wurde die Gesamtzahl erhöht. Das kostet die Stadt im Jahr gut 9000 Euro.

Auf Antrag von CDU, SPD und Grünen hatte der Rat in seiner ersten Sitzung zunächst die Aufstockung von drei auf vier beschlossen, mit sehr großer Mehrheit. Nur die AfD stimmte dagegen, sie forderte eine Reduzierung auf zwei.

In geheimer Wahl wurde dann mit 63 zu 7 Stimmen folgende Liste gebilligt:

  • 1. Brigitta Opiela (CDU)
  • 2. Corvin Kochan (SPD)
  • 3. Anna Maria Scheerer (Grüne)
  • 4. Josef Willnecker (CDU)

Warum wurden vier Personen gewählt?

Für die Antwort muss man ein wenig ausholen. Vergeben werden die Posten auf Basis eines kompliziert wirkenden Verfahrens, des d’Hondt’schen Höchstzahlverfahren. Und zwar in einem Wahlgang. Dadurch werden die Mehrheitsverhältnisse demokratisch sauber abgebildet, mit einer leichten Bevorteilung der großen Parteien.

Hintergrund: Das D’Hondt-Verfahren

… ist ein mathematisches Verfahren, mit dem Sitze verhältnismäßig nach Stimmen verteilt werden. Jede Partei bekommt dafür ihre Stimmenzahl nacheinander durch 1, 2, 3, 4 und so weiter geteilt. Die entstehenden Werte werden sortiert.

Konkret sehen die Stimmenverhältnisse im Bergisch Gladbacher Rat aus, wie in der ersten Zeile aufgelistet. In den Zeilen danach folgen die Anteile, geteilt durch zwei bzw. drei.

Nun erhalten die höchsten Werte nach und nach die verfügbaren Sitze. Eine Partei bekommt also so viele Sitze, wie oft ihre geteilten Stimmenwerte zu den höchsten gehören. Dadurch profitieren größere Parteien etwas stärker, zu Lasten der etwas kleineren. Die Sitzverteilung bleibt trotzdem verhältnismäßig zu den erzielten Stimmen.

Daraus ergab sich in diesem Fall, dass die CDU den Zugriff auf den 1. Posten hat, die SPD auf den 2. und erneut die CDU auf den dritten. Bündnis 90/Die Grünen kommen erst beim 4. Posten zum Zug.

Berücksichtigt man zudem die zwei Stimmen der FDP, die sich der CDU angeschlossen hatten, verändert sich das Ergebnis nicht.

Daraus ergibt sich, dass der CDU mit ihren 27 Mandaten der erste und dritte Posten zusteht, der zweite der SPD und erst der vierte den Grünen. Wäre es also bei drei Stellvertretenden geblieben, wären die Grünen leer ausgegangen.

Zu vergeben waren aber nicht nur diese Positionen, sondern auch die wichtigen Ausschussvorsitze. Daher hatten CDU, SPD und Grüne im Vorfeld ein Gesamtpaket geschnürt, das später vom gesamten Stadtrat einstimmig bestätigt wurde.

Im Zuge dieser Verhandlungen haben die Grünen offenbar ihren Anspruch auf eine stellvertretende Bürgermeisterin durchgesetzt, und im Gegenzug die Aufstockung auf vier Bürgermeister akzeptiert. Theoretisch hätte auch die CDU auf einen (zweiten) Stellvertretenden verzichten können, aber warum hätte sie das tun sollen?

Das bestätigt indirekt auch Theresia Meinhardt, Ko-Fraktionsvorsitzende der Grünen: „Wir haben uns alle Bedürfnisse aller Gruppen und Fraktionen versucht anzusehen und einen guten Kompromiss zu finden. Es ging um Ausschussgrößen, Anzahl der sachkundigen Bürger*innen, Mitgliedschaften etc.“

Im Detail: Die Ausschussvorsitzenden

Als Ausschussvorsitzenden wurden auf Basis des gleichen Verfahren fünf Mitglieder der CDU, zwei der SPD, zwei der Grünen und eins der AfD gewählt:

  • Ausschuss für Finanzen, Beteiligungen und Liegenschaften: Hans Josef Haasbach (CDU)
  • Ausschuss für Soziales, Wohnungswesen, Demografie und Gleichstellung: Sara Shakil (SPD)
  • Ausschuss für Anregungen und Beschwerden: Dirk Steinbüchel (Grüne)
  • Rechnungsprüfungsausschuss: Harald Henkel (CDU)
  • Ausschuss für Bildung, Kultur und Sport: Frank Reiländer (CDU)
  • Ausschuss für Schule und Gebäudewirtschaft: Anna Steinmetzer (Grüne)
  • Stadtentwicklungs- und Planungsausschuss: Andreas Ebert (SPD)
  • Ausschuss für Mobilität und Verkehrsflächen: Lutz Schade (CDU)
  • Ausschuss für Infrastruktur, Umwelt, Sicherheit und Ordnung: Hermann-Josef Wagner (CDU)
  • Wahlprüfungsausschuss: Günter Schöpf (AfD)

Michael Metten, Fraktionschef der CDU sagt: „Es ist nach meiner Auffassung wichtig, dass alle großen Fraktionen auch in dieser repräsentativen Funktion vertreten sind, daher war dies ein Kompromiss.“

Wofür werden vier Stellvertretende gebraucht?

Auch Klaus Waldschmidt, Vorsitzender der SPD-Fraktion, bestätigt den Kompromiss, fügt aber ein weiteres Argument hinzu: „Bei den Vereinbarungen handelt es sich um ein Gesamtpaket. In Anbetracht des hohen bürgerschaftlichen Engagements in unserer Stadt, das sich in vielen Vereinen und ehrenamtlichen Initiativen widerspiegelt, besteht eine große Nachfrage, bei Stadtteilfesten, Jubiläen, Versammlungen und ähnlichen Veranstaltungen stellvertretende Bürgermeisterinnen und Bürgermeister als Repräsentanten der Stadt einzuladen.“

„Darüber, dass die vier stellvertretenden Bürgermeister*innen nichts zu tun hätten, mache ich mir keine Sorgen. Es war in den letzten Jahren eher zuviel“, ergänzt Meinhardt.

Und Metten: „Nach Auskunft der Verwaltung waren die drei stellvertretenden Bürgermeister bisher terminlich schon sehr gut ausgelastet. Da sich der Kreis der stellvertretenden Bürgermeister nun auch noch deutlich verjüngt hat und berufsbedingt nicht immer alle Termine wahrgenommen werden können, ist es sinnvoll, die Aufgaben auf mehrere Schultern zu verteilen.“

Immerhin: Die stellvertretenden Bürgermeister:innen werden auch bei Trauungen als Standesbeamte eingesetzt.

Was kostet der zusätzliche Bürgermeister?

Die ehrenamtlichen Bürgermeister erhalten wie alle Ratsmitglieder eine monatliche Aufwandsentschädigung von 395,40 Euro (Teilpauschale, plus Sitzungsgelder).

Hinzu kommt ab dem 2. Vertreter ein Aufschlag von 150 Prozent auf die Vollpauschale in Höhe von 509,80 Euro, also 764,70 Euro.

Auf das Jahr hochgerechnet schlägt die Entscheidung, einen vierten Stellvertretenden Bürgermeister zu bestellen, mit 9176,40 Euro zu Buche.

Hintergrund: Voll- und Teilpauschale

Laut Verordnung über die Entschädigung der Mitglieder kommunaler Vertretungen und deren Ausschüsse (EntschVO NRW) können die Kommunen zwischen zwei verschiedenen pauschalen wählen:

In Bergisch Gladbach erhalten die Ratsmitglieder die Teilpauschale in Höhe von 395,4 Euro und zusätzlich ein Sitzungsgeld von 26 Euro.

Die Alternative wäre eine Vollpauschale in Höhe von 509,80 Euro, dann fallen die Sitzungsgelder weg. Diese Vollpauschale wird in Bergisch Gladbach angelegt, um die zusätzliche Aufwandsentschädigung der ehrenamtlichen stellvertretenden Bürgermeister zu berechnen. Der erste Stellvertreter erhält den 3-fachen Satz, die weiteren den 1,5-fachen Satz.

Die aktuelle Sätze für NRW sind in diesem Runderlass festgelegt.

Grundsätzlich muss, das sieht das freiwillige Haushaltssicherungskonzept der Stadt vor, jede neue Ausgabe durch eine Einsparung an anderer Stelle ausgeglichen werden.

Dieser Punkt, antwortet CDU-Fraktionschef Metten auf eine entsprechende Frage, werde in den anstehenden Haushaltsberatungen berücksichtigt.

Hinweis der Redaktion: Mit der Höhe der Aufwandsentschädigungen in der ehrenamtlichen kommunalen Politik hatten wir uns schon 2016 befasst. Die Beträge haben sich ein wenig verändert, die Verhältnisse sind weitgehend unverändert.

Mehr zum Thema

Soviel Geld erhalten unsere Lokalpolitiker

Die etablierten Parteien im Stadtrat werfen Linken und Bürgerpartei vor, die Stadt abzuzocken. Tatsächlich zahlt die Stadt eine hohe Summe an die Kommunalpolitiker aus. Davon bleibt aber meistens wenig übrig. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Hinweis der Redaktion: In einer ersten Fassung hatten wir nicht darauf hingewiesen, dass für die Berechnung des Zuschlags für den 4. Bürgermeister die Vollpauschale in Höhe von 509,80 Euro zugrunde gelegt wird. Wir haben das jetzt deutlich gemacht.


Sie finden diesen Artikel gut? Sie sind mit unserer Arbeit zufrieden? Dann können Sie uns gerne mit einem Einmalbeitrag unterstützen. Das Geld geht direkt in die journalistische Arbeit.

Oder Sie werden Mitglied im Freundeskreis, erhalten exklusive Vorteile und sichern das Bürgerportal nachhaltig.


Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

11

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Für eine Stadt der Größenordnung von Bergisch Gladbach sollten zwei Stellvertretende Bürgermeister ausreichend sein. Aber es geht ja anscheinend trotz prekärer Kassenlage um die gute Versorgung der Spezis. Zitat: “Wir haben uns alle Bedürfnisse aller Gruppen und Fraktionen versucht anzusehen um einen guten Kompromiss zu finden.“ Es ist einfach nicht an der Zeit alle Bedürfnisse zu befriedigen wenn die steuerzahlenden Bürger sich einschränken müssen. Ich vermisse eine erkennbare Haltung mit Vorbildfunktion zu zeitgemäßen Sparnotwendigkeiten.

  2. Rechnen sie nach: Durch die Vergrößerung der Ausschüsse von bisher 11 bzw. 17 auf künftig 21 Mitglieder entstehen voraussichtlich rund 30 zusätzliche Sitze. Bei durchschnittlich 1,5 Sitzungen pro Monat und einer Entschädigung von etwa 45 Euro pro Teilnahme (einschließlich Fahrtkosten, Sitzungsgeld, Verdienstausfall, Kinderbetreuung usw.) ergeben sich folgende Mehrkosten:

    30 Sitze × 1,5 Sitzungen × 45 Euro = 2.025 Euro pro Monat
    2.025 Euro × 12 Monate = 24.300 Euro pro Jahr

    Hinzu kommen die Kosten für eine neue stellv. Bürgermeister. Diese Berechnung ist daher eher zurückhaltend, da interfraktionelle Arbeitskreise (AKs) in der Schätzung noch nicht berücksichtigt sind. Ein zusätzlicher finanzieller Aufwand von mindestens 25.000 Euro jährlich ist daher eine sehr konservative Annahme. Fragen sie mal beim Bürgermeister nach.

  3. Der Stadtrat hat zusätzliche Posten und zahlreiche neue Ausschusssitze durch Vergrößerung auf 21 Sitze geschaffen, was jährliche Mehrkosten von rund 25.000 Euro verursacht. Trotz öffentlicher Bekenntnisse zur Sparsamkeit entsteht der Eindruck einer Postenvergabe und Versorgung nach Parteibuch – ein Beispiel für „Wasser predigen und Wein trinken“. Wer bezahlt am Ende die Rechnung?

    1. Vielleicht sollten Sie – wer auch immer sich hinter Ihrem Pseudonym versteckt – auch den Grund der Vergrößerung benennen. So sind nämlich auch die kleinen Gruppen und Fraktionen in den Ausschüssen vertreten. Sollte also im Sinne der Demokratie sein.
      Wie kommen Sie darauf, dass man sich mit Aufwandsentschädigungen versorgen kann?
      Es steht übrigens jeder Bürgerin und jedem Bürger frei, sich selbst politisch zu engagieren.

  4. “Die ehrenamtlichen Bürgermeister erhalten wie alle Ratsmitglieder eine monatliche Aufwandsentschädigung von 395,40 Euro. Hinzu kommt ab dem 2. Vertreter ein Aufschlag von 150 Prozent, also 764,70 Euro. Auf das Jahr hochgerechnet schlägt die Entscheidung, einen vierten Stellvertretenden Bürgermeister zu bestellen, mit 9176,40 Euro zu Buche.”

    Was stimmt hier nicht? die 150% oder die 764,70 und 9.176,40 EUR?

    Sie sollten hier schon zwischen Teil- und Vollpauschale unterscheiden und der Hinweis, dass der 1. Stellvertretende BM den 3-fachen Satz bekommt (1500€) wäre auch ein netter Hinweis für die Bürger.

    1. Danke für den Hinweis. In der Tat haben wir nicht ausgewiesen, dass bei der Aufwandsentschädigung für Ehrenamtliche Bürgermeister die Vollpauschale zugrunde gelegt wird.

      Der Vierte Bürgermeister erhält als Ratsmitglied Aufwandsentschädigung von 395,40 Euro. Das ist die Teilpauschale, weil noch Sitzungsgelder (je 26 Euro) hinzukommen.

      Für die Funktion als Stellvertretender Bürgermeister erhält er eine zusätzliche Entschädigung in Höhe von 150 Prozent der Vollpauschlale, also 1,5 x 509,80 Euro = 764,70 Euro und damit gut 9000 Euro im Jahr.

      Wir haben das im Text deutlich gemacht.

  5. Wenn man pleite ist sollte man auch nicht 9000 € zusätzlich ausgeben. Jetzt hat GL genauso viele Stellvertretende Bürgermeister wie Köln. Lächerlich, aber die Grünen mussten ja unbedingt bedacht werden….

    1. Ohne die grüne Vize-BM wären es, rechnet man Marcel Kreutz hinzu, 2 BM der SPD und 2 der CDU. Warum sind es also die Grünen, die “ja unbedingt bedacht werden” – es sieht eher danach aus, als ob SPD oder CDU auf den Vize hätten verzichten sollen.