Jeden Mittwoch gibt es im „Mittendrin“ einen Mittagstisch, gekocht von Ehrenamtlichen, die einen großen Teil der Aufgaben übernehmen. Foto: Thomas Merkenich

Die Finanzierung der beliebten Seniorenbegegnungsstätte „Mittendrin“ im Zentrum von Bergisch Gladbach steht auf wackligen Füßen. Um die jährliche Unterfinanzierung zu überbrücken, startet die Caritas RheinBerg eine dreimonatige Spendenkampagne. Die Bethe-Stiftung unterstützt diese mit einer Verdopplungsaktion.

Es ist eine Krisenintervention in der Adventszeit: Um die Existenz der Begegnungsstätte „Mittendrin“ für die Zukunft zu sichern, startet der Caritasverband RheinBerg eine Spendenaktion. Die Bethe-Stiftung wird alle Spenden, die zwischen 1. Dezember 2025 und 28. Februar 2026 eingehen, bis zu einem Gesamtbetrag von 20.000 Euro verdoppeln.

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„Ich bin sehr zuversichtlich, dass diese Summe mindestens zusammenkommt“, verkündete Klaus Orth im Namen der Bethe-Stiftung, bei der Vorstellung der Aktion am Donnerstag im „Mittendrin“. „Wir schätzen die Arbeit des Mittendrin und seiner Bedeutung für die Stadtgesellschaft.“ Die öffentliche Unterstützung sei dringend nötig, denn die Einrichtung müsse unbedingt erhalten bleiben, sagte der ehemalige Bürgermeister Bergisch Gladbachs.

Hinweis der Redaktion: Die Verdopplungsaktion läuft vom 1. Dezember 2025 bis 28. Februar 2026. Die Spendenkontonummer lautet: DE76370502990311566343. Verwendungszweck: Bethe Verdoppelung Begegnungsstätte

Orth selbst sei schon einige Male bei Doppelkopfrunden im „Mittendrin“ gewesen. Einsamkeit entgegenzuwirken sei ein politisches Ziel – „In dieser Einrichtung macht sich das wirklich bemerkbar.“

Kurse sind alle ausgebucht

Das „Mittendrin“ in der Stadtmitte ist seit 2005 eine feste Institution für ältere Menschen in der Stadt. Die Angebote richten sich an Menschen ab 55 Jahren, die soziale Kontakte, Unterstützung und Begegnung suchen. Rund 10.000 Besucher:innen verzeichnete die Einrichtung im vergangenen Jahr. 

Neben gemeinsamem Kochen und Essen, Ausflügen, Spielrunden und Festen bietet das „Mittendrin“ Vorträge, Computerkurse und Handy-Beratungen an, um eine soziale und digitale Teilhabe zu ermöglichen. Gymnastik- und Gesundheits-Kurse sowie kulturelle Veranstaltungen stehen ebenfalls regelmäßig auf dem Programm.

„Alle unsere Kurse und Angebote sind fast immer ausgebucht. Häufig gibt es sogar eine Warteliste“, berichtete Martina Schültingkemper, Fachdienstleiterin Offene Altenarbeit der Caritas RheinBerg. 

Große Nachfrage, schwierige Finanzierung

Die Nachfrage bereitet den Verantwortlichen keine Sorge, sondern die Finanzierung, die für die Caritas von Anfang an, insbesondere jedoch in den vergangenen zwei Jahren eine Herausforderung sind, wie Raphaela Hänsch, Sprecherin des Vorstands der Caritas RheinBerg erläuterte.

Wie in vielen Bereichen seien auch die Kosten für den Betrieb der Begegnungsstätten überproportional gestiegen. Aufgrund der schwierigen Haushaltslage der Stadt habe diese die Förderung nicht erhöhen können. Um die Begegnungsstätte überhaupt erhalten zu können, mussten die Öffnungszeiten ab Januar 2025 deutlich verkürzt werden: Die hauptamtlichen Mitarbeiterinnen sind seitdem nur noch an drei statt fünf Tagen als Ansprechpartnerinnen vor Ort. Montags und freitags bleibt das Büro geschlossen.

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Sparzwang: Senioren sorgen sich um ihr „zweites Zuhause“

Die Seniorenbegegnungsstätte „Mittendrin“ ist ein Ort, an dem sich Menschen treffen, anfreunden und einander im Alter unterstützen. Die Kosten für den Betrieb sind stark gestiegen, mehr Geld gibt es von der Stadt aber nicht. Daher ist der Fortbestand – ebenso beim „Treffpunkt im Anna-Haus“ – gefährdet. In einem ersten Schritt kürzt die Caritas nun den Einsatz der hauptamtlichen Kräfte massiv. Kathy Stolzenbach und Thomas Merkenich haben sich vor Ort umgeschaut.

„Für das Jahr 2027 muss ein neuer Vertrag mit der Stadt gemacht werden. Über die genauen Bedingungen werden wir im kommenden Jahr verhandeln“, sagte Hänsch. „Die Spendengelder brauchen wir als Überbrückung, damit wir nicht schließen müssen, bis der Vertrag verlängert wird.“ Aktuell betrage die Unterfinanzierung etwa 30.000 Euro pro Jahr. 

2013 stand das „Mittendrin“ laut Hänsch schon einmal „auf der Kippe“. Auch damals habe es eine Verdopplungsaktion mit der Bethe-Stiftung gegeben. Die aktuelle Aktion laufe unter dem Motto: „Einen Walzer tanzt du nicht allein – gemeinsam, für Begegnung mit Herz“.

Über die Bethe-Stiftung

Die Bethe-Stiftung wurde 1996 von Roswitha und Erich Bethe gegründet. Seitdem unterstützt sie Projekte in Bergisch Gladbach, NRW und bundesweit. Die Bethe-Stiftung verfügt über ein Stiftungskapital von über 10 Millionen Euro.Insgesamt hat sie bislang rund 30 Millionen Euro ausgeschüttet.

Förderschwerpunkte liegen in den Bereichen Kinderschutz, Kinderhospizarbeit, Erinnerungskultur und Obdachlosigkeit. Gleichzeitig unterstützt sie aus lokaler Verbundenheit Projekte in Bergisch Gladbach, wie die Begegnungsstätte „Mittendrin“, die bereits 2013 schon einmal durch eine Verdopplungsaktion gestärkt wurde.

Besucher:innen, Mitarbeitende und Ehrenamtler:innen der Seniorenbegegnungsstätten haben sich für die Spendenverdopplungsaktion einige Veranstaltungen und Aktionen überlegt, weitere sind geplant. 

  • 2., 9. und 16.12.: wöchentlicher Kuchenverkauf im „Mittendrin“
  •  10.12. Weihnachtsmarkt Bergisch Gladbach Sozialstand
  • 11.12. Weihnachtsfeier im „Mittendrin“ mit großer Tombola
  • Januar: Trödelmarkt im „Mittendrin“ (Termin wird noch bekannt gegeben)
  • 18.-26.1.2026 Ausstellung & Konzert & Lesung im Altenberger Dom „Das Leuchten des Alters“
  • Februar: Wöchentlicher Kuchenverkauf
  • Februar: Karnevalsaktion im „Mittendrin“ (Termin wird noch bekannt gegeben)

Ganz frisch aus dem Druck ist der Kalender „Das Leuchten des Alters“: Er zeigt die Porträts aus der gleichnamigen Ausstellung, die der Fotograf Johannes Bichmann von Menschen angefertigt hat, die die Caritas-Begegnungsstätten „Mittendrin“ und „Treffpunkt Annahaus“ besuchen.

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„Das Leuchten des Alters“: Ausstellung porträtiert Senior:innen aus GL

Der Fotograf Johannes Bichmann hat Besucher:innen der Bergisch Gladbacher Seniorenbegegnungsstätten porträtiert. Um den Menschen die anfängliche Scheu vor der Kamera zu nehmen, nutzt der 38-Jährige eine eigenwillige Methode. Die beeindruckenden Ergebnisse sind in der Wanderausstellung „Das Leuchten des Alters“ zu sehen.

Den Kalender gibt es in den Begegnungsstätten und weiteren Caritas-Einrichtungen sowie am Sozialstand auf dem Bergisch Gladbacher Weihnachtsmarkt – gegen eine freiwillige Spende. Auch dieses Geld kommt der Arbeit des „Mittendrin“ zugute. 

Begegnungsstätte Mittendrin
Hauptstraße 249
51465 Bergisch Gladbach
02202/ 189060
Öffnungszeiten Büro:
Di 9-14 Uhr, Mi 10-15 Uhr, Do. 9-14 Uhr

„Es gibt ein starkes Engagement und den großen Wunsch, etwas dazu beizutragen, damit die Begegnungsstätte erhalten bleiben kann“, berichtete Caritas-Fachbereichsleiter Kay Funk. Die Begegnungsstätte werde vor allem durch das Ehrenamt getragen, etwas Hauptamt – konkret zwei festangestellte Mitarbeiterinnen – sei aber auch nötig, etwa um die 40 ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen zu koordinieren und das Angebot zu organisieren.

Ehrenamtler:innen wie Gisela Biesenbach sorgen dafür, dass das „Mittendrin“ eine so breite Palette an Kursen, Veranstaltungen und Ausflügen anbieten kann. Biesenbach engagiert sich seit 14 Jahren in der Begegnungsstätte. Sie hilft beim Frühstückstreff, der Doppelkopfrunde und „bei allem, was so anfällt“, wie sie sagt. Und das möchte sich auch in der Zukunft weiterhin tun.


Das aktuelle Programm der Begegnungsstätten finden Sie immer im Bürgerportal sowie auf der Website der Caritas (download, ganz unten).

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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