Postämter im klassischen Sinne gibt es seit Jahrzehnten nicht mehr. Die Deutsche Post lagert das Brief- und Paketgeschäft immer mehr in Kioske, Tankstellen und Schreibwarenläden aus. Daher ist auch „die Post“ am Trotzenburgplatz schon lange keine „Post“ mehr, sondern eine Bank. Seine Pakete kann man dort jetzt auch nicht mehr abholen.

Immer mal wieder berichten Leserinnen und Leser dem Bürgerportal ihre Erfahrungen mit „der Post“ in der Innenstadt: Sie stehen während der regulären Öffnungszeiten vor verschlossener Tür, berichten von kurzfristigen Schließungen, die mit einem Zettel an der Scheibe angekündigt werden. „Was ist eigentlich mit der Post in Bergisch Gladbach los?“, fragen einige. 

Wir begeben uns auf Spurensuche. Von außen scheint in der Hauptstraße 162a, am Trotzenburgplatz, alles wie immer: Das leuchtende Gelb ist von weitem zu erkennen, links und rechts neben dem Eingang stehen zwei gelbe Briefkästen mit dem Post-Horn. 

Verkürzte Öffnungszeiten

Ein Zettel im Eingangsbereich weist die seit Anfang Januar geltenden Öffnungszeiten aus: Montag bis Freitag von 9.30 bis 13 Uhr sowie von 14 bis 18 Uhr, Samstag von 9.30 bis 13 Uhr. In der Filiale informiert ein Schild über „Getrennte Schalter für Postbank und Deutsche Post“. Der Pfeil nach rechts weist zum Schalter der Postbank, der nach links zu „Deutsche Post“ und DHL.

Tatsächlich aber gibt es an dieser Stelle, wo sich früher das Hauptpostamt von Bergisch Gladbach befand, gar keine Post mehr. Das Gebäude ist schon seit vielen Jahren eine Filiale der Postbank, wie auch auf dem Schild über der Eingangstür zu lesen ist.

Vielen Menschen (und auch mir) ist das vermutlich nicht aufgefallen. Denn wenn sie postalische Angelegenheiten haben, können sie die auch weiterhin dort erledigen: Briefmarken kaufen, Briefe frankieren lassen, Pakete aufgeben.

Foto: Thomas Merkenich

Allerdings gibt es auch Dinge, die dort nicht gehen. Ein Leser berichtet: „Ich hatte einen Brief meiner Weihnachtspost wieder in meinem Briefkasten gefunden, weil er angeblich falsch frankiert war (zu wenig Porto). Sowohl Maße als auch Gewicht stimmten aber.“ Das wollte er bei der „Post“ in der Hauptstraße reklamieren. Vergeblich: „Dort sagte man mir, dass ich mal auf das Schild über dem Eingang sehen sollte.“

Dem Leser wurde mitgeteilt, es handele sich um eine Postbank mit angegliederter Post-Filiale, man könne keine Reklamationen annehmen. „Ich solle mich deshalb an die Post/DHL wenden.“ Dieser Aufwand, sich auf die Suche nach der „Post“ zu begeben, war dem Mann dann aber „für 95 Cent“ zu groß. Er gab auf.

Tatsächlich ist eine Kontaktaufnahme mit „der Post“ nur über die Website, ein Web-Formular oder telefonisch möglich.

Einkaufszentrum statt Postamt

Mir selbst passierte es, dass ich eine gelbe DHL-Benachrichtigung im Briefkasten fand: Ein Paket, das nicht zugestellt werden konnte, liege in der „Deutsche Post Filiale 610“ in der Hauptstraße zur Abholung bereit. 

Am nächsten Tag fuhr ich also zur „Post“. Dachte ich zumindest. Denn das, was ich dafür hielt, ist eben nur die Postbank, unter der Adresse Hauptstraße 162A. Ich hatte nicht auf die Hausnummer auf der DHL-Benachrichtigung geachtet. Mein Paket sollte laut Zettel in der Hauptstraße 131 liegen. 

Ein Blick auf den Stadtplan verriet mir, dass sich besagte „Deutsche Post Filiale 610“ in der RheinBerg Galerie befindet, genauer gesagt im Untergeschoss bei „Lotto Tabak Presse Tayfour“. Tatsächlich bekam ich dort mein Paket ausgehändigt. Der freundliche Mann in dem kleinen Laden musste es allerdings einige Zeit inmitten vieler weiterer Päckchen suchen. 

Wie ich auf Nachfrage von einem Postboten erfuhr, bringen er und seine Kolleg:innen Pakete, die sie nicht zustellen können, nicht mehr zum ehemaligen Hauptpostamt, sondern in besagte Filiale in der RheinBerg Galerie.

Fun Fact am Rande: Dort, wo sich heute der Eingang Haupteingang zur RheinBerg Galerie befindet, wurde 1891 das erste Postamt gebaut.

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Grundsätzlich ist es keine neue Entwicklung, dass die ehemalige Deutsche Post, inzwischen DHL Group, Standorte schließt bzw. an die Postbank und sogenannte Partnerfilialen auslagert: Kioske, Schreibwarenläden, Tankstellen und Supermärkte bieten überall in Deutschland die Dienstleistungen der Post an. 

Von der Deutschen Post zur Postbank

Wann genau die ehemalige Post-Filiale in der Fußgängerzone zur Postbank wurde, lässt sich auch nach einiger Recherche nicht herausfinden. Eine Sprecherin der DHL Group teilt auf Nachfrage mit, „leider keine Aussagen zur Postbank treffen zu können, da die Postbank nicht zur DHL Group gehört“. Sie verweist an die Pressestelle der Postbank. 

Ein Sprecher der Postbank kann allerdings ebenfalls nicht weiterhelfen. „Ich habe dazu keine Informationen. Das ist zu lange her“, sagt er. Es habe in der Vergangenheit viele Umstrukturierungen gegeben, Eigentumsverhältnisse hätten sich verändert. 

Bank mit Postservice

„Seit den 1990er Jahren gibt es so gut wie keine Postfilialen im eigentlichen Sinne mehr,“ erklärt der Postbank-Sprecher. Die Postbank und andere Partnerfilialen wie Kioske hätten nach und nach die postalischen Dienstleistungen übernommen. „Die Postbank – die zur Deutschen Bank gehört – macht genau das. Wir sind eine Bank und bieten zusätzlich einen Postservice an.“

„Vermutlich zwischen den Jahren 2000 und 2010“ sei auch in der Bergisch Gladbacher Fußgängerzone die Umwandlung von der Filiale der Deutschen Post zur Postbank erfolgt, so der Sprecher. Vermutlich trifft das auf die früheren Standorte in Refrath und Bensberg zu, die es ebenfalls schon lange nicht mehr gibt. In Refrath wurde die Postbank-Filiale 2018 geschlossen. 

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Das Postverteilzentrum befindet sich inzwischen in der Senefelder Straße. Stadt mit dem Rad sind die meisten Brief- und Paketboten mit dem Auto unterwegs. Foto: Thomas Merkenich

Zwölf Postfilialen in Bergisch Gladbach

Die DHL-Sprecherin versichert dennoch: „Zur postalischen Versorgung in Bergisch Gladbach können wir sagen, dass diese sichergestellt ist.“ Sie verweist dabei auf den Standortfinder von Deutscher Post und DHL.

Die Anzahl und die Verteilung von Post-Filialen sind gesetzlich festgelegt: Bundesweit muss es mindestens 12.000 Filialen geben. In Gemeinden mit mehr als 2000 Einwohnern muss mindestens eine Filiale vorhanden sein, ab 4000 Einwohnern muss eine Filiale in zusammenhängend bebauten Gebieten in maximal 2000 Meter erreichbar sein, teilt die Bundesnetzagentur mit. 

In ländlichen Regionen übernehmen Automaten immer häufiger den Service. Denn seit Anfang 2025 können Automaten als Filialen gelten, wenn die Bundesnetzagentur das genehmigt. Bis Ende Januar 2026 hat sie das an 104 Standorten getan. Knapp ein Viertel davon befinden sich in Nordrhein-Westfalen, darunter etwa in Overath-Heiligenhaus und in Kürten-Biesfeld.

Erst verschwinden also die Postämter, dann die Filialen mit Menschen. Und am Ende bleiben nur noch Automaten? Bislang zumindest gibt es in Bergisch Gladbach keine Automaten anstelle von Filialen – sondern nur zusätzliche Paketautomaten vor einigen Supermärkten.

Die Anzahl der Filialen im Stadtgebiet hat im Zehn-Jahres-Vergleich nur leicht abgenommen: Wie die Bundesnetzagentur auf Nachfrage mitteilt, gab es Ende 2025 in Bergisch Gladbach 12 Filialen, Ende 2015 waren es 14.

Zusatzgeschäft für Kioske

Nicht nur in Deutschland werden immer weniger Briefe verschickt: In Dänemark hat die Post Ende 2025 ihr Briefgeschäft beendet und die Briefzustellung eingestellt. Doch die Anzahl der Pakete wächst.

Für einen Kioskbesitzer in der Innenstadt war es daher nur logisch, auch als DHL-Paketshop zu fungieren. 20 Cent erhält er für die Annahme eines Päckchens, 40 Cent für ein Paket. Für die Lagerung und Ausgabe von Paketen an Kund:innen, die zu Hause nicht angetroffen wurden, sind es – je nach Größe – 20 oder 30 Cent. 

„Reich wird man dadurch nicht, aber die Menge macht es am Ende“, sagt der Kioskbesitzer. Genug Platz, um die Päckchen zu lagern, habe er jedenfalls. Er hofft vor allem darauf, dass diese Menschen auch etwas bei ihm einkaufen, wenn sie ein Paket abholen oder aufgeben. Es ist also vor allem eine Maßnahme, um (neue) Kund:innen zu gewinnen. 

Noch könne er nicht sagen, ob diese Rechnung aufgeht. Er ist neu im Post- und Paket-Geschäft. Zumindest was die Öffnungszeiten angeht, können die Kund:innen bei ihm – wie bei den meisten Kiosken – mehr erwarten als bei der (ehemaligen) Post.

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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  1. Wenn es denn wenigstens noch Postbank-Filialen in Bergisch Gladbach gäbe. Klar, die gibt es: für mehr als 100.000 Einwohner genau eine. Und für dieselbe Zahl von Einwohnern auch genau einen Geldautomaten – den von der Deutschen Bank, den Postbank-Kunden freundlicherweise mitbenutzen dürfen, derzeit m.W. noch kostenlos.

    Abgesehen davon bekommt man Bargeld an Ladenkassen, aber eben nur bis 200 Euro. Wer mehr will, muss bei der Postbank einen sogenannten Bargeld-Code generieren, gegen den er bei einer Handvoll Einzelhändlern bis zu knapp 1000 Euro bekommt. Dort kann man auch Bargeld einzahlen – allerdings kostet das anders als in der Filiale eine satte Gebühr von 1,5%. Und den Code gibt es natürlich auch nur dann, wenn man die Postbank-App auf einem Smartphone installiert und die Funktion darin freischaltet.

    Alles in allem bietet die Postbank heute nur noch die Leistungen einer Direktbank (wenn überhaupt), kassiert aber gerne die Gebühren einer Filialbank. Das ist keine Bank mehr für Bürgerinnen und Bürger, sondern nur noch eine für ihre Aktionäre.