Die Stadt Bergisch Gladbach tritt Sorgen aus der Anwohnerschaft entgegen, beim Abriss des ehemaligen Industriekomplexes an der Sander Straße könnten angrenzende Häuser gefährdet werden. Derzeit beseitigt der bisherige Eigentümer alle Gebäude und Schadstoffe – erst dann könne die Stadt prüfen, ob sich das Steinhaus-Grundstück für eine Schule eigne.

Im vergangenen Jahr hatte die Stadt Bergisch Gladbach das brachliegende Industrieareal der Firma Steinhaus im unteren Teil der Sander Straße gekauft, im Dezember begann der Abriss der zum Teil 80 Jahren alten Gebäude. Für den Rückbau und eine Altlastbeseitigung sei der bisherige Eigentümer verantwortlich, betonte die Stadt am Montag in einer Mitteilung.

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Das Bürgerportal hatte im Dezember berichtet, dass die Stadt das in der östlichen Innenstadt gelegene 1,5 Hektar große Areal aufgekauft hatte, um eine weitere Option für einen Schulstandort zu erhalten.

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Stadt kauft Steinhaus-Areal für weitere Grundschule

Ab 1945 wurden auf dem Gelände eines ehemaligen Steinbruchs an der Sander Straße Siebe für die Industrie produziert, bis die Steinhaus GmbH die Produktion in Bergisch Gladbach vor einigen Jahren einstellte. Nun hat die Stadt Bergisch Gladbach das Grundstück gekauft, für den Bau einer weiteren Schule. Der Abriss der Industriebauten in der Innenstadt hat bereits begonnen.

Der „Übergang von Besitz, Nutzen und Lasten“ erfolge erst nach vollständiger Zahlung des Kaufpreises – und die sei „vertragsgemäß an die Übergabe eines freigeräumten und altlastenfreien Grundstücks gebunden“, stellt die Stadt jetzt heraus. Auf Nachfrage macht sie klar, dass sie zwar nicht zuständig sei, nun aber auf die Unruhe in der Anwohnerschaft reagiert und am Wochenende Informationen vor Ort verteilt habe.

Darin bekräftigt die Stadt, dass die Standsicherheit der Hänge rund um den ehemaligen Steinbruch sowie der Schutz angrenzender Grundstücke und Verkehrsflächen beachtet werde. Teilrückbauten zur Sicherung des Bestandshanges seien genehmigt, weitere Rückbaumaßnahmen ordnungsgemäß angezeigt und sämtliche Arbeiten fachgutachterlich begleitet worden.

Ob das Gelände tatsächlich für den Bau einer Schule sachlich und rechtlich geeignet sei, müsse noch geprüft werden. Grundsätzlich darf in dem Bereich nach Paragraph 34 des Baugesetzbuchs gebaut werden; die Neubauten müssen sich am umgebenden Altbestand orientieren. Ein eigener Bebauungsplan sei für das Projekt derzeit nicht vorgesehen, so die Stadt.

Die Sicherheitsvorkehrungen im Details

Nach Angaben der Stadt wurden im Vorfeld der Abbrucharbeiten Vorerkundungen durchgeführt und ein geotechnischer Bericht erstellt. Zudem sei die Standsicherheit durch einen qualifizierten Tragwerksplaner beurteilt und ein Abbruchkonzept erarbeitet worden. Die beauftragten Fachbüros seien fortlaufend eingebunden.

Die Einhaltung der im Kaufvertrag festgelegten Anforderungen – insbesondere zu Rückbau, Verfüllung, Verdichtung und Bodenqualität – werde kontrolliert und dokumentiert. Sollte sich im weiteren Verfahren ein zusätzlicher Bedarf an Sicherungsmaßnahmen ergeben, werde dieser fachlich geprüft und entsprechend berücksichtigt.

Zur Sache: Schule 21

Die Stadt ist seit Jahren auf der Suche nach einem Standort für eine weitere Grundschule, die sogenannte Schule 21. Nachdem sich das Weigt-Gelände am Rande des Zanders-Areals als ungeeignet erwies und auch Wachendorff vorerst nicht zur Verfügung steht, hatte die Stadt das ehemalige Industrieareal gefunden und gekauft.

Die Verwaltung sprach im Dezember von einem möglichen „Interim für den Bereich Zanders / Stadtmitte / Gronau“. Vor allem für Gronau ist die Stadt nach wie vor auf der Suche nach einer langfristigen Lösung für die Grundschulkinder.

Ursprünglich sollte ein Interimsbau für die neue GS 21 schon Ende 2026 fertiggestellt werden, bevor eine langfristige Lösung in Sicht kommt.

Zur Geschichte: Vom Steinbruch zum Steinhaus

Seit 1945 hatte die Giesen + Co. GmbH an der Sander Straße für das Unternehmen Steinhaus Siebe produziert, 1953 hatte das Steinhaus den Betrieb übernommen und ausgebaut. 50 Jahre später wurde die Produktion dort zunehmend schwieriger, weil die Wohnbebauung immer enger an den Betrieb heranrückte, Nachtarbeit nicht möglich war. Da die Stadt keine Ersatzflächen anbieten konnte, zog das Werk schließlich mit rund 80 Arbeitsplätzen nach Leverkusen-Manfort.

Steinhaus verkaufte das Areal 2020 an einen Immobilienentwickler aus Rösrath, der seine Pläne für eine Wohnbebauung aber offenbar nicht umsetzen konnte – und es an die Stadt Bergisch Gladbach veräußerte.

Zunächst müsse das Grundstück von Gutachtern untersucht werden, darauf könne eine erste Planung aufbauen und anschließend baurechtlich geprüft werden. Auch mögliche Auswirkungen auf Nachbargrundstücke, Verkehrsflächen und das Quartier insgesamt würden sorgfältig geprüft.

Die Stadt nehme die Fragen und Hinweise aus der Anwohnerschaft ernst, heißt es in der Mitteilung: „Über die nächsten Planungsschritte sowie Möglichkeiten zur Beteiligung der Öffentlichkeit wird die Stadt informieren, sobald belastbare Planungsstände vorliegen“, sagt die zuständige Fachbereichsleiterin Alexandra Meuthen. Ein konstruktiver und dialogorientierter Austausch mit den Anliegerinnen und Anliegern sei ausdrücklich vorgesehen.

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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  1. Auch in Sand lässt sich aktuell eine katastrophale Baustellenplanung beobachten: mehrere Kleinbaustellen mit Ampeln, andere ohne, teils ohne Geschwindigkeitssenkungen, dazu Ampelumbau – eine Auszeichnung kann man für diese Planung sicher nicht erwarten.