Fußballplatz, Biergarten, Jugendzentrum und Fitnessstudio unter freiem Himmel: Der Gleispark auf dem Zanders-Gelände hält viele Möglichkeiten für alle Altersklassen bereit. Am Samstag wird die neue Grün-, Sport- und Erholungsfläche feierlich eröffnet. Ein wichtiger Schritt auf dem Weg vom Industrie-Areal zu einem offenen Stadtquartier.
Noch versperren Bauzäune den Blick. Sportgeräte, Klettergerüst, Wege, Bänke und Halfpipe können nur aus der Entfernung betrachtet werden. Noch ist der Gleispark eingezäunt und in der Hand von Stadtplaner:innen und Bauarbeitern. Doch ab Samstag können die Bürger:innen das Gelände erobern: Um 11 Uhr wird der Bereich zwischen der Straße Gohrsmühle und dem eigentlichen Industriegelände von Bürgermeister Marcel Kreutz eröffnet.
Bergisch Gladbach erhält mit dem Gleispark nicht nur eine neue öffentliche Grünfläche, mit direkter Anbindung an das Stadtzentrum. Gleichzeitig ist die Eröffnung ein wichtiger Schritt in der Umwandlung des ehemaligen Fabrikgeländes zu einem lebendigen Stadtquartier. Und eine weitere Möglichkeit für die Menschen der Stadt, einen Teil des 36 Hektar großen Areals zu nutzen.

Ein Park für alle
Ein kurzer Rückblick: Im April 2021 hatte die Papierfabrik Zanders ihren Betrieb endgültig eingestellt. Im Mai 2024 wurde das Gelände der Stadt offiziell durch den Insolvenzverwalter übergeben und die „Main Street“ für den Fußgänger- und Radverkehr geöffnet. Zuletzt fanden in der ehemaligen Zentralwerkstatt erste Veranstaltungen wie ein Weihnachtsmarkt und Karnevalsfeiern statt.
Das neue Zanders-Quartier wird langsam erkennbar
Häuser werden Stein auf Stein gebaut, bei Megaprojekten wie dem Umbau der Papierfabrik Zanders wird Plan auf Plan getürmt. Nach dem Strukturplan haben Projektteam, Stadt und Planungsbüro jetzt den Entwicklungsplan vorgelegt. Der lässt die künftige Struktur und Gestalt des neuen Stadtviertels schon ganz gut erkennen – aber viele konkrete Fragen offen.
In den vergangenen Wochen und Monaten wurde nach und nach hinter den Bauzäunen sichtbar, was bald für die Bürger:innen erlebbar wird. Nicht alle ließen sich von den Barrieren abschrecken, wie Stadtplaner Milan Prinz bei einem Rundgang über das Gelände berichtet. Der Bouleplatz soll bereits heimlich genutzt worden sein.
Prinz lächelt. Manche Menschen können es offenbar nicht abwarten. Und letztlich ist es genau die Absicht der Planer:innen, dass viele Menschen kommen, verweilen, die Angebote nutzen. Daher werden sämtliche Zäune bis zur Eröffnung entfernt und der Gleispark Tag und Nacht für alle zugänglich sein.
Industriegeschichte bleibt erhalten

Von Anfang an sei der Plan gewesen, dass die Transformation des Industriegeländes mit einem Park für die Öffentlichkeit beginnen solle, einem „Kuchenstück in Richtung Stadt“, wie Stadtplanerin Sophie Korst es nennt. Ideen aus einer Bürgerbeteiligung flossen in die Planungen mit ein.
Benannt ist der Gleispark nach der geschwungenen Form der historischen Gleisharfe, über die einst Gütertransporte für Zanders das Gelände erreichten. Viele Zeugnisse aus der Historie der Papierfabrik bleiben erhalten und werden weiter genutzt. „Die Schienen erzählen Industriegeschichte, auch die alten Hallen und Gebäude, die alle ihre eigene Funktion haben“, sagt Prinz.
Gleise werden zu Spazierwegen
Nur wenige Schienen wurden verfüllt und laden zum Flanieren durch die Grünfläche ein. Der „Papierweg“ aus hellem Beton symbolisiert die Anlieferung von den Zellstoffen, der dunklere, mit Backsteinen gepflasterte, ist der „Weg der Kohle“. Sie verlaufen in den alten Gleisen über den Gohrsmühlenplatz durch das historische Eisenbahntor in den Park hinein.
Die Wege sind barrierearm, also etwa auch für Menschen mit Rollstuhl, Rollator und Kinderwagen nutzbar. Zwei der drei Hauptzugänge zum Park sind über Rampen erreichbar, einzig vom Parkplatz aus führen wenige Treppenstufen hinein.
Nachhaltige Materialien waren den Planer:innen wichtig: Vieles wurde aus Holz gebaut – neben den Klettergerüsten und Spielelementen für Kinder die Parkbänke und weitere Sitzmöbel, Hochbeete und die Verkleidung der Mülleimer
Fitnessstudio an der frischen Luft
Der Park und seine Angebote richten sich an alle Altersklassen. Aber: „Es war uns wichtig, einen Schwerpunkt auf Kinder und Jugendliche setzen, weil die jüngere Generation häufig hintenanstehen. Im Gleispark stehen sie und ihre Interessen ganz weit vorne“, erklärt Prinz.
Und sie wurden in die Planungen mit einbezogen: Statt – wie ursprünglich geplant – mehrere kleine Rampen aufzubauen, sprachen sich jugendliche Skater:innen für eine große Halfpipe aus, weil es die sonst in Bergisch Gladbach nicht gebe.
Außerdem gibt es Tischtennisplatten und ein Outdoor-Gym: Ein Plan mit entsprechenden Fitnessübungen hängt neben den Geräten. Vor den ehemaligen Lagerhallen wurde ein ein Multifunktions-Sportfeld mit Basketballkörben und Fußballtoren errichtet. „Die Nutzer:innen müssen sich dann nur über die jeweilige Sportart einigen“, sagt Prinz.
Eine Calisthenics-Anlage befindet sich neben Sportfeld: Beim Training an diesen Sportelementen wird das eigene Körpergewicht genutzt. Blickfang ist ein umgebauter Seecontainer in leuchtendem Gelb. Es findet sich auch in dem zu einem mobilen Spielplatz umgebauten Container.
Die Farbgestaltung
Ansonsten sind die prägenden Farben Rot und Grün: So sind etwa die Fitnessgeräte in demselben Grün der denkmalgeschützten feuerlosen Dampfspeicherlokomotive „Emma“, die von 1912 bis 1986 über das Firmengelände fuhr. Das Rot der anderen Sportgeräte und des Sportfelds spielt auf die rote Farbe vieler Backsteinwände auf dem Zanders-Gelände an.

Der umgebaute Container soll flexibel genutzt werden, erläutert Thomas Muth, der bei der Stadt für sozialräumliche Netzwerkarbeit zuständig ist und gemeinsam mit Eva Lammert aus dem Fachbereich Jugend und Soziales den Gleispark inhaltlich mitgestaltet.
Verschiedene Akteure wie die Jugendzentren, das Mehrgenerationenhaus und die Fachstelle Älterwerden (ehemals Seniorenbüro) machen Angebote und setzen Impulse. „Unser Ziel ist es, den Park mit Leben zu füllen“, so Muth. An drei festen Tagen in der Woche werden die Jugendzentren Cross, Q1 und das Café Leichtsinn Angebote und Programm für Kinder und Jugendliche bieten.
Sport-Angebote
Der TV Herkenrath und die Bergischen Löwen bieten Sport-Kurse aus den Bereichen Fußball, Basketball und Fitness. „Das werden offene Angebote sein, die kostenlos und ohne Anmeldung genutzt werden können“, kündigt Lammert an.

Das Gasthaus Paas wird mit einem Foodtruck vor Ort sein und in einem Pop-up Biergarten – bei entsprechendem Wetter – Getränke und Speisen servieren. Dort sollen auch kulturelle Veranstaltungen, ein Tanz-Café und Zumbakurse etabliert werden, berichtet Robert Metzen von der städtischen Liegenschaftsverwaltung, der sich um das gastronomische Angebot im Gleispark kümmert.
Manche Details erschließen sich erst auf den zweiten Blick: Die Solarleuchten im Park-Areal sind im gleichen Design gehalten wie Stelen, die einmal das Vordach der Lagerhallen gestützt haben.
Das ehemalige Wiegehäuschen wird als Lager für die Gastronomie genutzt. „Wir planen einen Graffiti-Workshop mit dem Jugendzentrum Fresh, um es bunter zu gestalten“, kündigt Lammers an.
Am Samstag wird der Gleispark um 11 Uhr von Bürgermeister Marcel Kreutz eröffnet. Programm: Eröffnung des Gleisparks
Um 12 Uhr gibt die Kölner Band Pelemele ein Konzert.
Von 12.30 bis 16 Uhr stehen Spiel, Spaß und Action mit Riesenkicker, Boxen und Bogenschießen auf dem Programm.
Von 13.30 bis 16 Uhr stellt das Fachbüro Albert Speer + Partner (AS+P) im Forum-Gebäude die nächsten Entwicklungsschritte auf Zanders vor. Mitarbeitende der Projektgruppe beantworten Fragen und geben Einblicke in zentrale Aspekte der Entwicklungsplanung.
Ab 16.00 Uhr startet im Gleispark eine Zumba-Tanzstunde mit Mitgliedern der Tanzschule Tanzwerk.
Das Gasthaus Paas ist ab 11 Uhr mit einem Foodtruck vor Ort und bietet Getränke und Speisen an.
Noch ist nicht alles fertig. Pflanzen, Wildblumenwiesen und Rasenflächen müssen wachsen, es soll noch grüner werden im Laufe der Zeit. Am Container wird noch gewerkelt, er wird am Samstag noch nicht eröffnet. Künftig dient er den Akteuren der Kinder- und Jugendarbeit als Anlaufstelle.

Bei schlechtem Wetter kann er beispielsweise von kleinen Gruppen für kreative Angebote genutzt werden. Im oberen Stockwerk sind ein Besprechungsraum und eine Terrasse geplant.
Der Gleispark sei zunächst als temporärer Park angelegt, erläutert Prinz. Je nachdem, was auf dem Zanders-Gelände entstehen wird, könne dieser auch wieder abgebaut werden. „Wenn er gut angenommen wird, kann er aber auch bleiben.“ Das bleibt zu hoffen.
Gestaltet wurde der Gleispark von der Mola Landschaftsarchitektur GmbH aus Düsseldorf. Finanziert wurde die Umgestaltung aus städtebaulichen Fördermitteln des Landes NRW. Am Samstag geht die neue Projekt-Homepage online und informiert über Veranstaltungen und Angebote.
Entdecken Sie das Zanders-Areal aus der Luft und am Boden
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