Bürgermeister Marcel Kreutz mit dem scheidenden ZEG-Chef Oliver Brügge (l.) und dessen kommissarischen Nachfolger Udo Krause. Foto: Redaktion

Vor 16 Monaten war Oliver Brügge als Geschäftsführer der neuen Zanders Entwicklungsgesellschaft auch dafür angetreten, die Vergabe von Grundstücken auf dem Zanders-Areal an Investoren und Projektentwickler in Gang zu bringen. Jetzt gibt er diesen Posten ab, zieht Bilanz und meldet das konkrete Interesse eines ersten Investors.

Bürgermeister Marcel Kreutz hat Oliver Brügge an seinem letzten Tag im Amt des Geschäftsführers der Zanders Entwicklungsgesellschaft (ZEG) verabschiedet und seine Verdienste bei der Etablierung der neuen städtischen Gesellschaft gewürdigt. Brügge sei maßgeblich für den organisatorischen Aufbau und die inhaltliche Ausrichtung der Gesellschaft verantwortlich und habe zentrale Grundlagen für die Vermarktung des Areals gelegt, sagte Kreutz bei einem Pressegespräch.

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Brügge hatte im September 2025 frühzeitig angekündigt, sein Amt aus privaten Gründen Ende April abzugeben. Die Nachfolge sei bereits geregelt, sagte Kreutz. Zunächst übernimmt Vize Udo Krause (der das Projekt vom ersten Tag an begleitet hat) kommissarisch die Geschäftsführung der ZEG – bevor in einigen Monaten eine neue Person antrete. Diese sei schon gefunden worden, bekräftigte der Bürgermeister.

Potenzieller Investor für Gewerbe und Gastronomie

Brügge wies in seiner Bilanz auf wichtige Vorarbeiten für die Vermarktung der Flächen hin, die nicht für öffentliche Zwecke benötigt werden. Das wirtschaftliche Umfeld sei in den vergangenen Jahre allerdings schwierig gewesen, daher sei das Interesse von Projektentwicklern und Investoren bislang verhalten.

Immerhin gebe es einen potenziellen Investor, der sich seit einigen Monaten sehr intensiv mit einem Projektbaustein beschäftige, mit dem Ziel, dort Gewerbe und Gastronomie anzusiedeln. Mehr Details könne er dazu noch nicht sagen.

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Das neue Zanders-Quartier wird langsam erkennbar

Häuser werden Stein auf Stein gebaut, bei Megaprojekten wie dem Umbau der Papierfabrik Zanders wird Plan auf Plan getürmt. Nach dem Strukturplan haben Projektteam, Stadt und Planungsbüro jetzt den Entwicklungsplan vorgelegt. Der lässt die künftige Struktur und Gestalt des neuen Stadtviertels schon ganz gut erkennen – aber viele konkrete Fragen offen.

Grundsätzlich bewegt sich die ZEG bei ihren Vermarktungsaktivitäten sehr diskret. So sei für die Fachmesse ExpoReal ein erstes Projekt-Exposé erstellt und bei potenziellen Investoren getestet, aber nicht öffentlich gemacht worden. Das gelte auch für eine erste Karte, auf der die tatsächlich für die Vermarktung verfügbaren Baufelder eingezeichnet sind, berichtete Brügge.

Der Grund für diese Nicht-Öffentlichkeit ist zum einen die Rücksicht auf die Investoren, die eine hohe Vertraulichkeit erwarten. Zudem müssten aber viele Fragen noch zwischen der ZEG und der Stadtverwaltung koordiniert sowie mit dem Stadtrat ausdiskutiert werden. „Vieles ist schon da, was Sie nicht sehen – weil wir noch Zeit brauchen, es zu koordinieren“, sagte Brügge im Pressegespräch.

Ein Leitbild für „Zanders“ fehlt noch

Zum Beispiel müsse geklärt werden, ob die Grundstücke tatsächlich verkauft oder nur in Erbpacht vergeben werden sollen. Zudem müsse ein Leitbild für „Zanders“ entwickelt werden, in dem festgelegt wird, was in den nächsten 20 bis 25 Jahren auf dem Areal in welcher Qualität realisiert werden soll. Insgesamt sind es zwar 35 Hektar – „aber alles wird hier nicht gehen“, sagte Brügge.

Die Politik hatte 2023 festgelegt, dass auf Zanders Wohnungen für rund 3000 Menschen und rund 3000 Arbeitsplätze entstehen sollen. Die jetzt vorgelegte Entwicklungsplanung habe bestätigt, dass dieses Ziel grundsätzlich auch zu erreichen sei. Neben Wohnen und Gewerbe sei aber eben auch Gastronomie, Freizeit, Kultur und Einzelhandel in dem neuen Stadtteil geplant.

Klar sei, das bekräftigten sowohl Brügge als auch Krause, dass es auf Zanders neben inhabergeführten Boutiquen auch einen größeren Lebensmittelmarkt („Nahversorger“) geben muss. Eine Einzelhandelsstrategie für das Areal sei bereits entwickelt worden, die nun mit den Akteuren in der Innenstadt im Rahmen eines neuen Einzelhandelskonzepts verhandelt werden müsse. Zanders und City sollten sich dabei keine Konkurrenz machen, sondern müssten miteinander verzahnt werden.

Von der Vision zum Plan

Das riesige Projekt der Konversion der ehemaligen Zanders-Papierfabrik zu einem neuen urbanen Stadtviertel besteht aus einer dichten Abfolge von Planungsetappen. Auf eine erste Vision folgten ein Strukturplan und ein Strukturatlas. Seit einem Jahr arbeitet das Büro Albert Speer und Partner an einer Entwicklungsplanung. Dabei sei die ursprüngliche Vision geprüft, bestätigt und verfeinert worden, erläutert Udo Krause. Im nächsten Jahr soll das Büro eine Konzeptin für das Gesamtgelände und für die Verzahnung mit der Innenstadt entwerfen.

Dabei handele es sich aber nicht um einen Masterplan oder eine Entwurfsplanung, sondern eben nur um Leitplanken.

Gerade aus Sicht der Vermarktung sei es sehr wichtig, nicht zu viel festzulegen, betont Oliver Brügge. Nur dann bleibe genügend Flexibilität für künftige private Projekte.

Die nächsten konkreten öffentlichen Schritte stehen nun an: Parallel zur Beratung und Entscheidung über die Entwicklungsplanung im Stadtplanungausschuss (30.4.) und im Stadtrat (12.5.) wird am 9. Mai der Gleispark eröffnet. Ein wichtiger Schritt, betonte Bürgermeister Kreutz, weil sich das Areal dann auch für Jugendliche und damit für eine weitere wichtige Zielgruppe öffne.

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Gleispark auf dem Zanders-Gelände wird eröffnet

Beim Bürgerforum auf dem ehemaligen Fabrikgelände eröffnet Bürgermeister Marcel Kreutz am 9. Mai den neu gestalteten Gleispark, eine öffentliche Grünfläche für Spiel, Sport und Erholung. Außerdem stellt das Projektteam die neuesten Planungen für das Zanders-Areal vor.

Gleichzeitig soll die neue Webseite zanders.de an den Start gehen, die sowohl für die Öffentlichkeit als auch für Investoren Informationen bündeln soll.

Noch in diesem Jahr soll der Abriss von Gebäuden jüngeren Datums starten, um die historischen Gebäude im Herzen des Zanders-Areals freizustellen, das sogenannte Z-Ensemble. Anfang 2027 sollen diese jetzt zum Teil verdeckten Gebäude deutlich sichtbar hervortreten – und auch damit die Fantasie von Investoren und Projektentwicklern befeuern.

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Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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