Ausschnitt aus dem Nutzungskonzept der Entwicklungsplanung. Illustration: Albert Speer und Partner / Stadt GL

Häuser werden Stein auf Stein gebaut, bei Megaprojekten wie dem Umbau der Papierfabrik Zanders wird Plan auf Plan getürmt. Nach dem Strukturplan haben Projektteam, Stadt und Planungsbüro jetzt den Entwicklungsplan vorgelegt. Der lässt die künftige Struktur und Gestalt des neuen Stadtviertels schon ganz gut erkennen – aber viele konkrete Fragen offen.

Am Dienstagabend tagt der Aufsichtsrat der Zanders-Entwicklungsgesellschaft, Ende April berät der Stadtentwicklungs- und Planungsausschuss, Mitte Mai entscheidet der Stadtrat über die sogenannte Entwicklungsplanung für das 36 Hektar große Zanders-Areal im Herzen von Bergisch Gladbach. Auf dem Weg zum Tag X, an dem tatsächlich die Bagger rollen und Wohnungen, Büros, Geschäfte, Bildungs- und Kultureinrichtungen entstehen, ist das zwar nur ein weiterer Zwischenschritt – aber ein wichtiger.

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War der Strukturplan von 2022 noch eine Vision, so sei der Entwicklungsplan nun ein „fachlich überprüftes Gesamtkonzept mit räumlichen und programmatischen Leitlinien“, erläutert die Stadt in ihrer Vorlage für den Stadtrat. Er lege für alle weiteren Schritte die zentralen Grundlagen fest: Quartiersstruktur, Nutzungen, Mobilität, Freiräume und der Umgang mit den Bestandsgebäuden.

Allerdings handele es sich weiterhin nur um „Leitplanken“ – denn nach wie vor wolle die Stadt bewusst auf detaillierte Festlegungen zu einzelnen Gebäuden verzichten. Damit genügend Flexibilität bleibe, „um auf neue Erkenntnisse aus Gutachten, auf technische Anforderungen, wirtschaftliche Entwicklungen und konkrete Projekte reagieren zu können“. 

Das hatte Oliver Brügge, Geschäftsführer der Zanders-Entwicklungsgesellschaft vor einem Jahr noch anders dargestellt. Damals hatte er angekündigt, mit dem Entwicklungsplan u.a. folgende Fragen zu beantworten:

  • Städtebauliche Kalkulation: Was kostet die Entwicklung der Stadt? 
  • Differenziertes Nutzungskonzept: Wofür soll jedes einzelne Gebäude, jede einzelne Etage genutzt werden? 
  • Welche Baufelder und Grundstücke sollen privaten Investoren angeboten werden? 
  • In welchen Phasen und welcher Reihenfolge sollen diese Baufelder erschlossen und damit baureif gemacht werden?

In der jetzt veröffentlichten Beschlussvorlage und einer 16-seitigen Zusammenfassung der Entwicklungsplanung (siehe Dokumentation unten) lassen sich die Antworten nicht finden. Öffentlich nicht bekannt ist auch, wer die Nachfolge von Brügge antritt, der im September 2025 angekündigt hatte, Bergisch Gladbach im Juli 2026 aus privaten Gründen wieder zu verlassen.

Stattdessen umfasst die Entwicklungsplanung vier Ebenen:

  • die (seit langem bekannten) programmatischen Leitplanken,
  • einen räumlichen „Leitplankenplan“ als Rahmen,
  • einen illustrativen Entwurf, der einen möglichen Umsetzungsweg darstellt,
  • Teilkonzepte, die wesentliche städtebaulichen Aussagen konkretisieren. 

Interessant ist zunächst der vom Planungsbüro Albert Speer und Partner erarbeitete räumliche Entwicklungsplan – weil er ausweist, welche Gebäude erhalten bleiben sollen (und welche nicht) und wo welche Schwerpunkte gelegt werden sollen.

Es folgt ein „illustrativer Entwurf“ – doch auch hier mahnen die Planer zur Vorsicht. Er zeige lediglich auf, wie eine mögliche Ausgestaltung der Baufelder aussehen könne. Er stelle  eine „gangbare städtebauliche Zielkonfiguration“ dar, lasse aber offen, wie stark die Baufelder verdichtet werden sollen.

Die Wohnhäuser für die rund 3000 künftigen Bewohner:innen des Areals sollen v.a. im Westen und Osten gebaut, im Norden das Zentrum für die berufliche Bildung angesiedelt und in den zentralen Bereichen Büros, Geschäfte und Begegnungsorte eingerichtet werden.

Das wird im schematisch dargestellten Nutzungskonzept deutlicher sichtbar. Hier tauchen nun auch ein Supermarkt („Nahversorger“), eine Schule und eine Kita auf. Kultur könnte (über die Zentralwerkstatt und Bibliothek hinaus) auch im ehemaligen Kraftwerk stattfinden. Auch hier gibt es eine vorsichtige Einschränkung: Diese Einrichtungen sollen den neu entstehenden Bedarf bedienen – und keinesfalls der Innenstadt den Rang ablaufen.

Nach wie vor gilt die Leitlinie, den Verkehr und vor allem die Autos weitgehend außen vor zu lassen, in modernen Parkhäusern, den sogenannten Mobility-Hubs.

Alle Illustrationen enthalten weitläufige grüne Flächen, das wird durch das Freiraumkonzept untermauert – in dem die freigelegte Strunde eine wichtige Rolle spielt.

Was kommt nach der Entwicklungsplanung (vorausgesetzt, sie wird vom Stadtrat bestätigt)? Die Schaffung von Planungsrecht, ein Vermarktungskonzept, die städtebauliche Kalkulation sowie weitere Studien und Fachgutachten (u.a. verkehrliche Erschließung, technische Ver- und Entsorgungsinfrastrukturen, Freiraum, Altlasten, Klima und Artenschutz), beschreibt die Stadt den weiteren Prozess.

Und schließt mit einem vielversprechenden Ausblick: „Mit dem Übergang von der Entwicklungsplanung zur Bauleitplanung beginnt die Phase, in der Konzepte Realität werden.“ 

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Dokumentation

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. Es ist schon bemerkenswert, dass im aktuellen Bericht zum Zanders-Quartier die Jugendarbeit offenbar überhaupt keine Rolle mehr spielt.

    Noch vor wenigen Wochen wurde das Q1 zumindest als Teil der Planungen erwähnt – wenn auch stark verkleinert. Jetzt taucht es nicht einmal mehr auf. Das wirft die Frage auf, welchen Stellenwert Jugendarbeit in dieser Stadtentwicklung tatsächlich hat.

    Während für Wohnen, Gewerbe und städtebauliche Visionen offensichtlich klare Konzepte existieren, scheint für Kinder und Jugendliche nur eine vage Perspektive übrig zu bleiben – irgendwann, irgendwo, irgendwie.

    Dabei geht es hier nicht um ein „nice to have“, sondern um einen funktionierenden, zentralen Treffpunkt, der über Jahre gewachsen ist.

    Der Eindruck drängt sich auf, dass die Jugendarbeit im Zuge der großen Pläne rund um Zanders schlicht mitgedacht wird, solange es passt – und sonst eben nicht.

    Wenn man ein neues Quartier wirklich für alle entwickeln will, dann gehört die Perspektive junger Menschen von Anfang an sichtbar dazu – und nicht als Randnotiz am Ende.

  2. Verschwinden die Alten Stadthäuser gerade schon aus den Plänen bevor überhaupt entschieden wurde?
    Die aktuellen Darstellungen zeigen bereits ein mögliches Hochhaus mit rund 40 Metern Höhe (ca. 10–12 Geschosse, in der Studie als „X“ gekennzeichnet).
    Doch genau diese Entscheidung sollte eigentlich erst ein Masterplan klären.