Katrin Leber und Melanie Egenberger arbeiten mit Menschen am Rande der Gesellschaft – mit Drogensüchtigen, Wohnungslosen, Prostituierten. Die beiden Streetworkerinnen hören zu und beraten, verteilen Pflegeartikel und Spritzbesteck. Wir haben sie auf ihrer Runde durch die Bergisch Gladbacher Innenstadt begleitet. Die künftige Finanzierung des Projekts ist nicht gesichert.

Bei ihrer Arbeit in Bergisch Gladbachs Zentrum schauen die zwei Streetworkerinnen in Abgründe, die viele nicht sehen, sich nicht einmal vorstellen können. Katrin Leber und Melanie Egenberger treffen Drogenabhängige, Alkoholsüchtige, Prostituierte, Wohnungslose, psychisch Kranke. Vor allem aber begegnen sie Menschen. 

Es sind Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben, sozial isoliert, mit dem Lebensmittelpunkt Straße, die mal hier und mal dort schlafen. In Notunterkünften, in Zelten im Wald, auf Parkbänken, bei Bekannten. Menschen ohne Job, ohne Wohnung, ohne Perspektive. Die beiden Frauen unterhalten sich mit ihnen, hören ihre Nöte und Sorgen, ihre Lebens- und Leidensgeschichten. 

Unsere Klienten sind gesellschaftlich geächtet, viele haben Angst vor ihnen.Katrin Leber

Dafür gehen sie an Orte, die andere meiden. „Unsere Klienten sind gesellschaftlich geächtet, viele haben Angst vor ihnen“, sagt Katrin Leber. Sie und ihre Kollegin Melanie Egenberger sprechen von „unseren Jungs und Mädels“. Angst hätten sie noch an keinem einzigen Tag gehabt. 

Die Streetworkerinnen verstehen sich als Brückenbauerinnen. Sie knüpfen Kontakte und bauen Beziehungen auf, um Menschen zu erreichen, denen Gemeinschaft, soziale Strukturen und Vertrauen teils seit Jahren und Jahrzehnten fehlen. Und die die bestehenden Hilfsangebote und -systeme nicht erreichen.

„Daher gehen wir zu ihnen“, erklärt Leber. Streetwork ist ein aufsuchendes Angebot. An drei Tagen in der Woche sind Egenberger, Leber und Hundedame Xuxes in der Innenstadt unterwegs und suchen die Szene-Treffpunkte auf. 

Hund als Geheimwaffe

Xuxes ist bei den Rundgängen der Streetworkerinnen mit dabei. Foto: Thomas Merkenich

Katrin Leber ist Gesundheits- und Krankenpflegerin mit dem Schwerpunkt Psychiatrie und Wundmanagement. Vor ihrem Job als Streetworkerin hat die 41-Jährige viele Jahre in der geschlossenen Psychiatrie gearbeitet.

Melanie Egenberger ist Sozialarbeiterin und war vorher im ambulant betreuten Wohnen für Menschen mit psychischen Erkrankungen tätig. 

Xuxes ist ein Podenco Maneto und „Quereinsteigerin in der Streetwork. In erster Karriere war sie Kaninchenjägerin in Andalusien“, erklärt Besitzerin Leber. „Xuxes ist unsere Geheimwaffe. Wer sich mit uns nicht auseinandersetzen will, den erreichen wir mit dem Hund.“ Viele ihrer Klient:innen haben selbst Hunde.

Heute starten Leber und Egenberger ihren Rundgang am Parkdeck Schnabelsmühle. Dort, am oberen Ende, stehen zwei barackenartige Unterstände, von Bauzäunen umrahmt und mit Planen von der Öffentlichkeit abgeschirmt. Die Stadt hat diesen Platz im Oktober 2021 als weiteren Aufenthaltsort eingerichtet (nach dem sogenannten Erstplatz über dem Info-Kiosk am Charly-Vollmann-Platz).

Als sich die Streetworkerinnen und Xuxes nähern, kommen etliche Männer und einige Frauen aus verschiedenen Ecken des Platzes heran. „Wie geht es dir? Was macht dein Hund?“, fragt Katrin Leber. „Was hast du zu erzählen? Wir haben uns ewig nicht gesehen.“ Die Stimmung ist entspannt. Die Frauen werden fröhlich begrüßt und umringt, Podenco Xuxes gestreichelt.

Zur Sache: Das „Streetwork – präventive Hilfen“

Das Projekt „Streetwork – präventive Hilfen“ ist ein kreisweites Angebot des Netzwerks Wohnungsnot RheinBerg in Trägerschaft des Diakonischen Werk Köln und Region gGmbH. Es existiert seit 2019. Ursprünglich war es ein städtisches Projekt, seit 2023 ist es ein kreisweites Angebot.

Die beiden Streetworkerinnen haben je eine halbe Stelle. Die Personalkosten teilen sich der Rheinisch-Bergische Kreis und der Landschaftsverband Rheinland (LVR) jeweils zur Hälfte. Die Stadt Bergisch Gladbach beteiligt sich mit 5000 Euro an den Sachkosten. Alle Kosten darüber hinaus trägt das Diakonische Werk.

Die Streetworkerinnen sind in allen acht Kommunen des Kreises im Einsatz, steuern mit ihrem Beratungsmobil Notunterkünfte an, begleiten ihre Klient:innen zu Ämtern, Behörden, Gerichtsterminen. 

Im Hilfeverbund des Netzwerks Wohnungsnot RheinBerg ist die Streetwork der niedrigschwelligste Baustein.Weitere Angebote sind Fachberatung, Tagestreff, Ambulant Betreutes Wohnen, Hilfe zur Arbeit und die Landesinitiative „Endlich ein Zuhause“.

Melanie Egenberger öffnet einen Trolley und verteilt Taschentücher-Packungen, Müsliriegel und Spritzbesteck. „Schicke Frise, warst du beim Friseur?“, fragt die 46-Jährige und dann: „Was brauchst du? Nadeln? Welche Länge?“

Die Streetworkerinnen haben Nadeln in verschiedenen Längen und Dicken sowie weitere sogenannte Konsumutensilien wie Alufolie und steriles Wasser dabei. An heißen Tagen verteilen sie Wasserflaschen und Sonnencreme.

An bestehende Hilfesysteme anbinden

Die Streetworkerinnen haben sich über die Zeit ein Vertrauensverhältnis zu ihren Klienten aufgebaut. „Unser Vorteil: Wir kommen nicht in Uniform wie die Polizei oder das Ordnungsamt. Und wir müssen nicht streng sein“, sagt Melanie Egenberger. Ihr Ziel ist es, die Menschen aus der „Straßenszene“ schrittweise an bestehende Hilfesysteme anzubinden.

Sie kennen fast alle Klienten mit Namen. Die meisten stammen aus Bergisch Gladbach und Umgebung, sind hier aufgewachsen und zur Schule gegangen. „Einige waren hier in einer der Suchtkliniken und sind anschließend hier hängen geblieben“, weiß Katrin Leber. Zusätzlich kämen seit etwa einem Jahr vermehrt Menschen aus Köln, „wegen der dortigen Vertreibungspolitik der Szene“.

Geduldeter Konsum

17 Menschen treffen wir an diesem Tag auf dem Parkdeck, davon drei Frauen. Sie sitzen auf Bierbänken und aus Paletten gebauten Möbeln, trinken, rauchen und spritzen sich verschiedene Drogen. Polizei und Ordnungsamt dulden den Konsum, solange er im Verborgenen an diesem Ort und nicht in der Öffentlichkeit stattfindet.

Nachdem die Streetworkerinnen uns vorgestellt haben, dürfen wir einen Blick hinter die Unterstände werfen. Einige der Anwesenden unterhalten sich mit uns, nachdem die erste Skepsis verflogen ist. 

„Es ist sauwichtig, dass Katrin und Melanie kommen. Sie sind die Einzigen, die sich für uns interessieren“, sagt Bernd. Er ist seit „20 oder 30 Jahren abhängig, mit Clean-Phasen zwischendurch“. Momentan nimmt er am Methadon-Programm teil.

Hinweis der Redaktion: Alle Namen der Klienten haben wir für diesen Artikel geändert.

Die durchschnittliche Lebenserwartung von Wohnungslosen hat Bernd mit seinen 48 Jahren bereits überschritten: Diese beträgt laut dem gemeinnützigen Verein Caya, der Wohnungslose kostenlos medizinisch versorgt, 47 Jahre.

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Der gemeinnützige Verein Caya bietet für Bedürftige und Menschen ohne Krankenversicherung eine regelmäßige und kostenlose medizinische Versorgung in Bergisch Gladbach an. Einmal pro Woche behandeln Ärzt:innen aus der Region Patient:innen ehrenamtlich in der Innenstadt.

Mit 62 liegt Ambrosius, wie er sich selbst nennt, weit darüber. Er kommt gebürtig aus Bergisch Gladbach. Er habe schon alles ausprobiert, wie die meisten hier. Kokain, Crack, schließlich Heroin. Mit 27 zum ersten Mal. Es sind ähnliche Geschichten, die wir in den folgenden Stunden hören.

Die Streetworkerinnen verabschieden sich, setzen ihre Tour in Richtung Villa Zanders fort. Die Grünanlagen und die Parkbänke rund um das Kunstmuseum sind ein weiterer Szenetreff und Teil der festen Route. 

Offene Beine versorgen

Eine hagere Person mit langen dunklen Haaren nähert sich. Sie zittert, dunkle Schatten unter ihren Augen ziehen sich über das ausgemergelte Gesicht. Erst nach einem zweiten Blick erkennt Katrin Leber Lucy „Du bist aber schmal geworden, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben“, sagt sie. 

Lucy nickt, sinkt auf den Boden. Katrin Leber setzt sich neben sie, reicht ihr eine Packung Taschentücher und einen Müsliriegel. Die beiden unterhalten sich eine Weile, Lucy weint. Sie war sechs Wochen lang zur Entgiftung in der Klinik in Bergisch Gladbach und ist nun rückfällig geworden. 

„Hast du Verbandsmaterial dabei?“, fragt Lucy und zeigt ihre beiden offenen Beine. Beim Blick auf die Wunden sagt Katrin Leber: „Das würde ich lieber unter sauberen Bedingungen machen.“ Sie lädt Lucy ein, später in den Tagestreff an der oberen Hauptstraße zu kommen. „Heute gibt es Waffeln.“ 

Der Tagestreff in den Räumen des Netzwerks Wohnungsnot RheinBerg dient als Anlaufstelle für Menschen, deren Lebensmittelpunkt die Straße ist und die von Armut betroffen sind. Hier können sie sich zu festgelegten Zeiten aufhalten, etwas Warmes essen und trinken, duschen, schlafen, Wäsche waschen, das Internet nutzen, Verbände wechseln und Wunden versorgen lassen, bekommen bei Bedarf Kleidung oder Hygieneartikel. Jeden Montag backen die Streetworkerinnen Waffeln.

Scham und Verachtung

An der Villa Zanders unterhalten wir uns mit Dirk. Seine Sucht begleitet ihn seit seiner Jugend, wie er sagt. „Mit dem Kiffen hat es angefangen, inzwischen bin ich bei Heroin angekommen.“ Der 46-Jährige ist gelernter Industriemechaniker. Seit zwei Monaten lebe er mit seinem Hund in einem Zelt. Vorher habe er mit seiner Freundin zusammengewohnt. „Wir sind beide rückfällig geworden“, danach habe alles seinen Lauf genommen: Jobs verloren, Mietschulden, Freundin weg, Wohnung weg. 

Geblieben ist eine große Scham: „Meine Mutter soll mich so nicht sehen. Sich vor Rewe zu setzen und zu betteln – das macht man nicht gern.“ Aber er müsse Geld organisieren, für seine Sucht und Hundefutter. Die Verachtung der Menschen bekomme er häufig zu spüren. „Der arme Hund“, höre er manchmal. „Den Menschen daneben sehen viele nicht.“  

Tagsüber verbringe er viel Zeit mit den anderen aus der Szene, „wir unterstützen uns gegenseitig. Der Zusammenhalt ist wichtig“. Später wird Dirk noch in den Tagestreff kommen, um eine Suppe zu essen und ein paar Kleidungsstücke aus der kleinen Kleiderkammer zu holen.

Notfallpieper am Hosenbund

Rund 150 Euro brauche ein Heroinsüchtiger pro Tag, erläutert Melanie Egenberger. Häufig sei es nicht primär die Drogensucht, sondern hätten schwere Schicksalsschläge ihre Klienten aus der Bahn geworfen – Trennung, Jobverlust, eine schwere Krankheit, der Tod eines nahestehenden Menschen. „Das kann jeden treffen.“

Anstatt andere zu bewerten und zu verurteilen, sollte man sich lieber einmal fragen: „Was ist wohl passiert, dass es überhaupt dazu kommt, dass sich jemand auf die Straße setzt und um Geld bettelt?“

Die beiden Streetworkerinnen sind gute 1,60 Meter groß und haben eine schlanke Statur. Sie tragen einen Notfallpieper am Hosenbund – eine Sicherheitsvorgabe des Arbeitgebers. Auf Knopfdruck oder wenn die Trägerin liegt, alarmiert der Pieper Rettungsdienst und Polizei. „Das ist bisher nicht vorgekommen“, sagt Katrin Leber. 

Es hängt auch viel mit der eigenen inneren Haltung zusammen. Das strahlt man auch nach außen ab“, ist Melanie Egenberger überzeugt. „Ich behandle Menschen so, wie ich auch gern behandelt werden möchte.“

Katrin Leber nickt. „Ich mag Menschen und mache keinen Unterschied, ob jemand Millionär oder Wohnungsloser ist. Ich begegne ihnen offen und mit Respekt“, sagt Katrin Leber. Das habe eine deeskalierende Wirkung. 

Zusammenarbeit mit der Polizei

Das Diensthandy klingelt. „Das war Uli. Wir sollen in den Rosengarten kommen“, berichtet Katrin Leber kurz darauf. „Uli“ ist Bezirkspolizist Ulrich Gürster. Er möchte den Streetworkerinnen einen polizeibekannten und alkoholsüchtigen Mann vorstellen, der in die Notunterkunft am Ahornweg ziehen soll.

„Das ist einmalig, wie in Bergisch Gladbach Polizei, Ordnungsamt und Streetworker zusammenarbeiten. Wir haben hier ein gutes und enges Netzwerk“, sagt Katrin Leber.

Bezirkspolizist Gürster ist voll des Lobes für die Streetworkerinnen: „Ihre Arbeit ist unverzichtbar. Für uns als Polizei ist der Austausch mit den Streetworkerinnen sehr wichtig.“ Sie kümmerten sich nicht nur „um die Ärmsten der Armen“, sondern trügen dazu bei, dass es weniger Konflikte im offenen Raum gebe.

Das Klientel

Das Projekt „Streetwork – präventive Hilfen“ richtet sich an Menschen der „Straßenszene“, die sozial ausgeschlossen leben und ihren Lebensmittelpunkt überwiegend im öffentlichen Raum haben. 

Die „Straßenszene“ im Rheinisch-Bergischen Kreis umfasst nach Einschätzung der Streetworkerinnen 150 bis 160 Personen. Davon sind rund 80 Prozent männlich und im Durchschnitt zwischen 20 und 50 Jahre alt

Die meisten haben eine Unterkunft, etwa wechselnde Schlafgelegenheiten bei Bekannten oder sind in kommunalen Notunterkünften untergebracht.

Beratungen und Hilfen

Im Jahr 2025 führten die Streetworkerinnen 1573 Beratungsgespräche (etwa zu Themen wie Wohnen, Sucht, Entgiftung). Sie leisteten 2170 mal lebenspraktische Hilfen. Dazu zählen Grundversorgung wie Hygiene, Kleidung und Essen, aber auch Spritzentausch oder Wundversorgung. 

146 Vermittlungen fanden statt: an Wohnungsnotfallhilfen, an die Schuldnerberatung, medizinische oder therapeutische Hilfen. In 56 Fällen begleiteten die Streetworkerinnen ihre Klient:innen zu Ämtern, Ärzt:innen, Kliniken, Gerichten, Polizei etc. 

Ziele des Streetwork-Projekts

Niedrigschwellig Kontakte aufbauen, um Zugang zu bestehenden Hilfs- und Unterstützungsangeboten zu schaffen bzw. dorthin zu begleiten, Stabilisierung von individuellen Lebenslagen

Menschen der Straßenszene leiden häufig unter gesundheitlichen Problemen. Zu den häufigsten zählen infektiöse (Haut-)Erkrankungen, Verletzungen, Wundinfektionen, Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen, psychische Probleme und psychiatrische Erkrankungen (z.B. Psychosen) sowie Drogen- und Alkoholsucht

Sie gehen regelmäßig die einschlägigen Szene-Treffpunkte ab (dazu zählen unter anderem der Infokiosk am Charly-Vollmann-Platz, Forum- und Buchmühlenpark, Busbahnhof und Konrad-Adenauer-Platz), sammeln gebrauchte Spitzen und entsorgen sie fachgerecht in einem Spritzenabwurfbehälter, damit sich daran niemand verletzt. 

Foto: Thomas Merkenich

Nach ihrem Rundgang durch die Innenstadt werden die Streetworkerinnen und Xuxes bereits im Tagestreff erwartet. Es herrscht reger Betriebe. An einem großen Tisch im vorderen Bereich des Gastraums sitzen mehrere Männer und spielen Uno. „Das ist unser Stammtisch“, sagt Katrin Leber. 

„Es kommen fast immer die Gleichen“, sagt die Streetworkerin. „Für viele ist das ihr Wohnzimmer.“ Bei Regen und kalten Temperaturen sei es proppenvoll, heute erinnert die Szenerie eher an eine WG-Küche.

Ein Mann liegt auf einem Sofa und döst, an der Theke schlürft ein anderer eine Tütensuppe. Melanie Egenberger steht hinter der Theke und gießt Wasser aus dem Wasserkocher auf Tütensuppen und wärmt Doseneintöpfe in der Mikrowelle auf. 

Melanie Egenberger wärmt Dosensuppen in der Mikrowelle auf. Foto: Thomas Merkenich

Sozialer Austausch

Suppen, Eintöpfe, Tee und Wasser sind für die Besucher:innen kostenlos, für Kaffee oder die Nutzung der Waschmaschine zahlen sie geringe Beträge. An der Theke schütten die Besucher:innen den Streetworkerinnen ihr Herz aus. Tom hat Stress mit den Behörden, muss wieder vor Gericht. 

„Der Austausch und die Gespräche sind wichtig für mich“, sagt Rolf. Er kommt regelmäßig, mindestens zweimal in der Woche, um zu duschen, Wäsche zu waschen. „Und man kann sich eine Meldeadresse einrichten, die braucht man für das Bürgergeld und andere Behördensachen.“

Katrin Leber wechselt einen Verband. Foto: Thomas Merkenich

Seit einem Jahr lebt er auf der Straße, erst in verlassenen Häusern, momentan im Zelt. „In der Notunterkunft gab es Stress, da wurde ich rausgeschmissen“, sagt der 36-Jährige. 

Der gelernte Zimmermann ist mit 16 Vater geworden, hat viele Firmen in der Region durch, „aber da gab es auch immer Stress“, sagt er fast schüchtern, ohne näher ins Detail zu gehen.

Katrin Leber wechselt ihm einen Verband am Fuß. Später, wenn der Tagestreff schließt, geht er mit den Anderen in den Buchmühlenpark und dann zur Essensausgabe der Platte. „Ansonsten hat man keinen richtigen Alltag und keine Struktur.“ 

Katrin Leber und Melanie Egenberger lieben ihren Job. Trotz aller Abgründe, in die sie tagtäglich blicken. Sorge bereitet den beiden Streetworkerinnen, dass die Finanzierung ihrer Arbeit nur bis Ende des Jahres gesichert ist und das Angebot möglicherweise den Sparbemühungen zum Opfer fallen könnte. Die Kreisverwaltung bestätigt auf Anfrage, dass eine Fortführung offen sei und der Kreistag darüber entscheiden müsse, ob das Angebot weiter finanziert werde.


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ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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