Einmal pro Woche kommt das Caya-Mobil künftig nach Bergisch Gladbach, um Wohnungslose und Menschen ohne Krankenversicherung medizinisch zu versorgen. Foto: Stadt GL

Der gemeinnützige Verein Caya bietet für Bedürftige und Menschen ohne Krankenversicherung eine regelmäßige und kostenlose medizinische Versorgung in Bergisch Gladbach an. Einmal pro Woche behandeln Ärzt:innen aus der Region Patient:innen ehrenamtlich in der Innenstadt.

Wohnungslose, sozial Benachteiligte und Menschen ohne Krankenversicherung werden ab Juni regelmäßig in Bergisch Gladbach kostenlos medizinisch versorgt. Einmal wöchentlich kommt das „Caya-Mobil“ in die Innenstadt – ein Bus, der wie eine vollwertige Hausarztpraxis ausgestattet ist und in dem niedergelassene Ärzt:innen aus der Region Patient:innen behandeln.

Betrieben wird die mobile Praxis vom gemeinnützigen Verein Caya e.V. („Come as you are“) aus Köln-Mülheim. „Unser Ziel ist es, medizinische Versorgung dorthin zu bringen, wo sie dringend gebraucht wird – unkompliziert, respektvoll und ohne bürokratische Hürden“, sagte der Vereinsvorsitzende Mark Oette bei der Vorstellung des Caya-Mobils am Mittwoch. 

Von der Suppenküche in die Praxis

Künftig wird der Caya-Praxisbus jeden Mittwoch von 13 bis 16 Uhr vor der Suppenküche der Gemeinde St. Laurentius (Laurentiusstraße 12) stehen. Die Zeit überschneidet sich bewusst mit der der Essensausgabe, um möglichst viele Menschen zu erreichen. Nach der Essensausgabe können die Gäste die Räume der Suppenküche als Aufenthalts- und Warteraum nutzen, bis sie in der Praxis behandelt werden. 

Bislang bietet der Verein seine medizinische Versorgung täglich in einer Container-Praxis in Köln-Mülheim an. Dort versorgt das Team aus ehrenamtlich tätigen Ärzt:innen und medizinischen Fachangestellten rund 600 Stammpatient:innen. Mit dem Caya-Mobil startet in Bergisch Gladbach ein „Pionierprojekt“, wie Andreas Teipel erklärte.

Teipel gehört zu den Caya-Gründungsmitgliedern und arbeitet als Arzt in einer Praxis am Marien-Krankenhaus. „Ich bin schon lange in der medizinischen Versorgung von wohnungslosen Menschen tätig.“ Im Laufe der Zeit habe er Kontakt zur Stadtverwaltung, zum Gesundheitsamt, zum Verein Platte e.V. und weiteren Akteur:innen aufgenommen, um den Bedarf für eine mobile Praxis auszuloten. „Überall habe ich offene Türen eingerannt“, erinnert sich Teipel.

Lebenserwartung von 47 Jahren

In Bergisch Gladbach gebe es genügend Menschen, die eine medizinische Versorgung brauchen, aber keine Krankenversicherung haben, berichtete der Platte-Vorsitzende Ali Misini. „Wir werden immer wieder darauf angesprochen.“ Nach Schätzungen der Platte und der Diakonie gibt es zwischen 200 und 250 Menschen, die das Hilfsangebot in Anspruch nehmen. 

Das Team der ehrenamtlichen Ärzt:innen. Foto: Redaktion

Warum es einen Praxis-Bus braucht? „Viele obdachlose Menschen schämen sich, zum Arzt zu gehen, weil sie sich im Hinblick auf ihr Äußeres und ihren Geruch als nicht wartezimmerfähig fühlen“, erklärte Teipel. Die durchschnittliche Lebenserwartung von Wohnungslosen betrage 47 Jahre. „Das ist erschreckend, das wollen wir verbessern.“ 

Der Mülheimer Verein kooperiert für sein Angebot bewusst mit der Laurentiusgemeinde, der Stadt und Institutionen wie der Platte und der Tafel. „Wenn wir uns mit unserem Mobil einfach auf den Marktplatz stellen würden, käme vermutlich niemand. Wir brauchen ein breites Netzwerk vor Ort“, so Teipel.

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„Tafel-Kunden sollen sich nicht schämen“ 

Überfluss auf der einen, Bedürftigkeit auf der anderen Seite: Bei der Bergisch Gladbacher Tafel setzen sich Ehrenamtliche und „Bufdis“ täglich dafür ein, diese beiden Gegensätze miteinander in Einklang miteinander zu bringen. Wir haben sie bei der Abholung, Sortierung und Ausgabe der Lebensmittel begleitet – und einen Einblick in das komplexe System erhalten.

Obdachlos: „Ohne die Leute von der Platte wären wir verloren“

Der Kältebus der Platte steuert in den Wintermonaten zweimal in der Woche den Bergisch Gladbacher Busbahnhof an. Ehrenamtliche wie Mauro und Ludger verteilen heiße Getränke, frische Backwaren und haltbare Lebensmittel an Bedürftige. Längst zählen nicht mehr nur Obdachlose zu den Schützlingen des Vereins.

Bürgermeister Marcel Kreutz dankte dem Caya-Team für sein Engagement: „Wir erreichen damit Menschen, die oft keinen Zugang zum regulären Gesundheitssystem haben.“ Das Angebot der mobilen Praxis sei ein gelebtes Beispiel dafür, dass Menschen sich umeinander kümmern, „das macht unsere Stadt wärmer“. Kreutz sei stolz darauf, dass Bergisch Gladbach die erste Stadt außerhalb von Köln sei, in der das Caya-Mobil zum Einsatz kommt.

Ehrenamtlicher Einsatz

Die Ärzt:innen arbeiten alle ehrenamtlich. Der Caya-Verein trägt sämtliche Kosten rund um den Betrieb des Caya-Mobils – einschließlich medizinischer Ausstattung, kostenloser Medikamentenabgabe, Fahrtkosten, Reinigung und Unterstellmöglichkeiten. Die Stadt Bergisch Gladbach beteiligt sich symbolisch an den Kosten mit einem Zuschuss von 100 Euro pro Einsatz, was rund 400 Euro monatlich entspricht. 

Der Caya-Bus bietet sämtliche medizinische Leistungen wie eine reguläre Hausarztpraxis – von der Wundversorgung über Ultraschall, EKG, Blutabnahme und Impfungen. Neben einer Akutversorgung behandeln die Ärzt:innen auch chronische Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes und verschreiben Medikamente. 

Vorsichtshalber ist der Bus mit einem Notfallknopf ausgestattet, der bei Bedarf einen stillen Alarm auslöst: Dann blinken außen am Fahrzeug rote Lampen und der Aufruf, die Polizei zu verständigen. „Viele unserer Patient:innen haben psychische Probleme, da kann es auch mal zu kritischen Situationen kommen“, sagte Oette, der seit 35 Jahren als Chefarzt im Kölner Severinsklösterchen arbeitet. „Aber im Vergleich zur Notaufnahme im Krankenhaus kommt ein solcher Notfall deutlich seltener vor“


Der Caya-Verein sucht dringend Verstärkung für den Praxisbus: Neben einem Fahrer (nötig ist ein Führerschein Klasse B) wird noch eine medizinische Fachangestellte benötigt. Der Job ist ehrenamtlich oder als bezahlte Teilzeitstelle möglich. Kontakt: info@caya-koeln.de

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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  1. Ich persönlich freue mich sehr, dass Caya ( come as you are) mit einer mobilen Ärztepraxis nach BGL kommt.
    Ich selbst bin im Vorstand der Arche für Obdachlose in Köln / Mühlheim und wir arbeiten seit Jahren sehr gut mit Caya ( kleinste Praxis in Köln) zusammen.
    Ein tolles ehrenamtliches Team mit engagierten Ärztinnen und Ärzte die sich einsetzen für wohnungslose, nicht krankenversicherte , sozial benachteiligte.
    Unentgeltlich, unbürokratisch und unkompliziert.
    Lg Brigitta Opiela