Die Pfadfinder hatten vor der Ratssitzung vor dem Rathaus demonstriert. Foto: Thomas Merkenich

Die Pfadfinder vom Stamm Folke Bernadotte kämpfen weiter dafür, das Q1-Gebäude am Quirlsberg zu erhalten und auch künftig für Jugendarbeit zu nutzen. Sie wehren sich gegen den Umzug in einen Neubau und die Verlagerung des Jugendzentrums auf das Zandersgelände. Dafür haben sie ein Bürgerbegehren gestartet.

Wir veröffentlichen einen Beitrag des Pfadfinderstamms Folke Bernadotte

„Jeder heute bei der Jugend gesparte Cent wird uns Allen in der Zukunft viel Geld kosten.“ 
Der Pfadfinderstamm Folke Bernadotte sowie weitere Unterstützer*innen starten ein Bürgerbegehren für den Erhalt des Standorts Quirlsberg für die Kinder- und Jugendarbeit. Das Ziel dabei ist es, die Bürger*innen der Stadt selbst über die Zukunft der über 1200qm Fläche entscheiden zu lassen.

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Zu diesem Schritt sieht sich der Pfadfinderstamm gezwungen, da trotz intensiver Gespräche mit der Politik und Verwaltung die Sorgen darüber, dass ein neu angedachter Standort nicht reichen wird, nicht gehört wurden. Ebenso wurde im Vorfeld durch den Pfadfinderstamm viel Initiative und Ideen zur Rettung des Gebäudes eingebracht.

Bürger entscheiden lassen

Allerdings fühlen die Pfadfinder sich nicht ernstgenommen und ihre Ideen durch Politik und Verwaltung nicht berücksichtigt. „Die Entscheidung war vor den entsprechenden Ratssitzungen längst getroffen worden. In den Aussprachen wurde versucht das Thema schnell abzuhaken und auf unsere Bedenken wurde gar nicht eingegangen. Es wirkt nicht so, als ob den entsprechenden Parteien die Kinder- und Jugendarbeit viel wert wäre,“ so Stammesführer Janis Reinhold.

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Stadtrat, lang und relevant: Das Q1, der Haushalt und die Sache mit der AfD

Mehr als sechs Stunden hat der Stadtrat getagt. Der Vorschlag der Verwaltung zur Abwicklung des Jugendzentrums Q1 war rasch bestätigt. Lange wurde über de Haushalts 2026 geredet und entschieden. Bei der Reduzierung der Grundsteuer-Erhöhung stimmten CDU, SPD und Grüne noch gemeinsam, dann brach der Graben auf: Schritt für Schritt setzte sich die CDU mit ihren Sparvorschlägen durch, gegen Appelle der Stadtverwaltung und mit den Stimmen von AfD und Bürgerpartei.

Wenn solche Entscheidungen ohne große Transparenz geschaffen werden, schadet das unserer Demokratie, so der Stamm. Deswegen regt der Stamm an, das Instrument der direkten Demokratie zu nutzen. „Wir sind der Meinung, dass die Bürger*innen mehr verstehen, wie wichtig die Kinder- und Jugendarbeit ist und entsprechend eine bessere Entscheidung treffen werden,“ so Reinhold.

Unklare Zukunft des Gebäudes

Für die Stadt sei es ein fatales Zeichen, wenn der Platz für die Jugendarbeit um knapp 1000qm in der Innenstadt schrumpfen würde. Dabei wäre eine funktionierende und mit guten Ressourcen ausgestattete Kinder- und Jugendarbeit essenziell, um zu verhindern, dass mehr Jugendliche in die falschen Kreise geraten oder keinen Anschluss mehr finden. Wer Kindern allerdings die Räume nimmt und sie an den Rand der Innenstadt drängen will, sollte damit rechnen, dass dies der Stadt schaden wird!

Weiter fehlt bis heute immer noch jeglicher Plan, was mit dem aktuellen Gebäude passieren soll. In den Kostenrechnungen der Stadtverwaltung sind auch keinerlei Folgekosten für das aktuelle Gebäude benannt. Im schlimmsten Fall eines Abrisses würden hier auch nicht geringe Kosten entstehen.

Einen weiteren Leerstand eines großen Gebäudes in der Innenstadt will sicherlich auch niemand. Dazu bestehen auch weiterhin Ungewissheiten darüber, ob das Jugendzentrum Q1 seine wichtige, aktuelle Arbeit so weiterführen kann, wenn es auf dem Zandersgelände weniger Platz bekommen sollte. 

4400 Unterschriften nötig

Um die Entscheidung über die Zukunft den Bürger*innen statt dem Stadtrat zu ermöglichen, braucht es knapp 4400 Unterschriften von Bergisch Gladbacher Bürger*innen. Der Pfadfinderstamm Folke Bernadotte ruft dazu auf, sich bei der Unterschriftensammlung zu beteiligen und gerne auch in der eigenen Nachbarschaft selbst Initiative zu ergreifen, sobald diese starten. 

Sollte die Hürde der Unterschriften erreicht werden und der Stadtrat das Bürgerbegehren erneut ablehnen, wird es eine Befragung aller Bürger*innen geben, wobei das Ergebnis bindend für den Stadtrat und die Stadtverwaltung ist.

Der Antrag zum Bürgerbegehren im Ratsinformationssystem

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  1. Wie schön, dass es endlich losgeht.

    @Janis: Wird es die Unterschriftenlisten auch online zum selbstständigen Ausdrucken geben, sodass man euch die gefüllten Listen zukommen lassen kann?

  2. Wer jetzt noch über Geld spricht, hat das eigentliche Thema noch nicht erfasst… Es wird ernst! Aus jungen Menschen, werden Wähler!
    Die gesamtgesellschaftliche Aufgabe besteht vor allem nicht nur darin, Pfadfindern ein geeignetes Dach über dem Kopf zu bieten, sondern die unverzeihlichen Fehler, die nach der Wende im Osten dazu geführt hatten, dass extrem rechtsnationale Jugendorganisationen, wie „Junge Nationaldemokraten“, „Die Junge Rechte“, „Republikanische Jugend“ nicht auch bei uns ausbreiten. Jedem, der jetzt noch annimmt, dass das im Zusammenhang mit der Schließung des Q1 kein Thema ist, sollte sich einmal kundig machen. Meine Empfehlung:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Heimattreue_Deutsche_Jugend

    So etwas entsteht doch nicht von selbst…. Die Schließung von Jugendzentren in den Neuen Bundesländern hatte nach der Wende ein Vakuum erschaffen. Junge Menschen brauchen eigene Übungsfelder für Sozialverhalten. Diese Notwendigkeit hatten die Rechtspopulisten erkannt und greifen mit Erfolg auf die verführerischen Methoden der HJ zurück. Ich weiß, wovon ich rede, mein eigener Vater war in den 1940er Jahren dort Hundertschaftführer…
    Gott sei Dank gibt es diese unerträglichen Wahlerfolge der AfD in Sachsen Anhalt und MV, welche ja auch bis dato niemand für möglich gehalten hätte. Das mag zynisch klingen. Aber die Rechtsverschiebung in unserem Lande ist nun keine Fiktion mehr, sondern ein Fakt, dem wir uns stellen müssen.
    Damit wären wir wieder beim Thema “Schließung von Q1”. Die Gesellschaft sollte kämpfen, nicht die Pfadfinder!!! Wir Restdemokraten sollten sehr sehr dankbar sein, diese überaus engagierten Pfadfinder zu haben und keine Kosten und Mühen scheuen, für deren Erhalt zu sorgen. Es ist vor allem kein kein Luxus, genau an dieser Stelle unsere kostbare Demokratie zu sichern.
    Tja, und von den gängigen Wohlstandsbedrohungen der Jugend, wie Drogen- und Kriminalität, war hier noch nicht einmal die Rede.

    MfG Dieter Richter (76), Bergisch

  3. Anmerkung an die @Redaktion:

    Wenn die Antragsteller 4.400 gültige Unterschriften vorlegen, muss sich der Stadtrat damit befassen und kann einen Beschluss fassen. Sollte der Stadtrat das Begehren ablehnen, können die Antragsteller ein Bürgerentscheid verlangen. Bei einem Bürgerentscheid geht es nicht um eine einfache “Befragung”, sondern um einen verbindliche Abstimmung mit “Ja” und “Nein”.

    Ein solcher formaler Bürgerentscheid in NRW ist für die Stadt absolut bindend, wenn das erforderliche Quorum und die Stimmenmehrheit erreicht wurden. Er kann die Beschlusslage des Stadtrats brechen.

    Umsetzungspflicht: Die Stadtverwaltung und der Bürgermeister sind gesetzlich dazu verpflichtet, das Ergebnis des Bürgerentscheids genau wie einen Beschluss des Stadtrates umzusetzen.

    Zweijährige Sperrfrist: Der Stadtrat darf das Ergebnis des Bürgerentscheids vor Ablauf von zwei Jahren nicht einfach wieder ändern. Eine Änderung oder Aufhebung innerhalb dieser zwei Jahre ist rechtlich nur durch einen neuen Bürgerentscheid möglich

    Der Bürgerentscheid braucht neben einer Mehrheit für das Ziel der Antragsteller:innen (Zustimmung oder Ablehnung) auch ein Quorum dieser Stimmen.

    Diese Quorum „Ja“ oder “Nein”-Stimmen müssen je nach Einwohnerzahl der Stadt einen bestimmten Prozentsatz aller Stimmberechtigten ab 16 Jahre ausmachen. Bei rund 88.400 Stimmberechtigten müssten bei einem Bürgerentscheid in Bergisch Gladbach folglich mindestens rund 13.260 Bürger mit der gewinnenden Option (z. B. „Ja“ oder “Nein”) stimmen, damit das Quorum erfüllt und die Entscheidung für die Stadtverwaltung bindend ist.

    Es geht also nicht nur eine einfache “Befragung” der Bürger:innen (wie sie schreiben), sondern ein demokratischer Beschluss der Stadt.

    Das ganze ist eine große Herausforderung und die Gemeindeordnung und Ausführungsgesetzt haben dafür hohe Hürden gesetzt. Ich werde das unterstützen, selbst sammeln und hoffe aber immer noch, dass der Stadtrat am 13.10.2026 eine Diskussion entwickelt, in der er am Ende den Antragstellern zustimmt. Sollte er das jetzt nicht tun, hat er noch die Gelegenheit, wenn die 4.400 Unterschriften vorgelegt werden.

    Bis dahin wird es eine breite Debatte in der Stadtgesellschaft geben, der wir alle gut zuhören und uns beteiligen sollten.

    Danke an die Pfadfinder für ihren großartigen Einsatz.

  4. Hallo zusammen,

    für alle die nach den Unterschriften fragen:
    Die Möglichkeit zu unterschreiben wird es voraussichtlich erst geben, wenn der Stadtrat das Bürgerbegehren formell genehmigt hat, dann werden wir euch aber auf jeden Fall nochmal informieren!

    Leider müssen die Unterschriften, da es das Gesetz nicht anders hergibt, auf Papier passen (im unterschied zu einer normalen Petition)

    Vielen Dank schon Mal für euer ganzes Interesse!

    1. Hinweise zu Onlinepetition:

      Die Verwaltung hat die Zulässigkeit des Bürgerbegehrens bestätigt und es ist davon auszugehen, dass der Stadtrat dieser eindeutigen Rechtsauffassung folgen wird.

      Diese Online-Unterschrift bei “openpetition.de” ist wichtig, aber sie erfüllt nicht die formalen Kriterien für eine Bürgerbegehren, mit dem der Stadtrat sich gesetzlich befassen muss und bei Ablehnung in der Rechtfolge ein Bürgerentscheid folgen kann.

      Um genau das zu erreichen ist in NRW das klassische Sammeln von Unterschriften notwendig, denn es aktuell nicht rein digital möglich. Die gesetzlichen Regelungen der Gemeindeordnung NRW (GO NRW) fordern das Einreichen von physischen Unterschriftenlisten auf Papier.

      Wer also das Bürgerbegehren unterstützen will, kann die Online-Petition natürlich unterschreiben, sie und er müssen aber später auch eine Unterschrift auf Papier abgeben! Vergessen sie das bitte nicht und sagen es auch anderen weiter!

      Ich werde das in jedem Fall tun und selbst Unterschriften sammeln, sobald die Unterschriftenlisten freigegeben sind.


      Tomás M. Santillán – Mitglied des Stadtrats Bergisch Gladbach Die Linke

  5. sehr sehr sehr gut
    Dankeschön!!
    VIEL GUTES GELINGEN
    & ERFOLG
    ERHALT DES GEBÄUDES
    und eures Platzes darin!
    ahey

    Wo kann ich unterschreiben?
    diese Frage hab’ ich auch

  6. Richtig so. Das Q1 ohne gleichwertigen Ersatz aufzugeben wäre fatal für die Jugend in Bergisch Gladbach! Danke an die Pfadpfinder für das Engagement von jemandem, der vor ca. 25 Jahren ohne eine derartige Einrichtung höchstwahrscheinlich keinen “regulierten” Anlaufpunkt in der Innenstadt gehabt hätte und sich jetzt einen für seine Kinder wünscht, wenn diese mal soweit sind!