Marcel Kreutz im Bürgermeister-Büro. Foto: Thomas Merkenich

Für die Abgeordneten aus Land- und Bundestag und auch für die meisten Bürgermeister ist es Routine: Sie laden ihre Bürgerinnen und Bürger regelmäßig zu offenen Sprechstunden ein. Im Büro oder auch auf dem Marktplatz. Bergisch Gladbachs Bürgermeister Marcel Kreutz geht andere Wege.

Marcel Kreutz ist ein offener, kommunikativer Typ. Doch wer nach Terminen für Sprechstunden mit Bergisch Gladbachs Bürgermeister sucht, wird nicht fündig. Gibt es die bekannten Bürgermeister-Sprechstunden nicht mehr, haben uns Leserinnen und Leser gefragt.

Das ist tatsächlich der Fall, bestätigt Marcel Kreutz in einer schriftlichen Antwort auf unsere Anfrage – seit seinem Amtsantritt vor gut einem Jahr haben keine klassischen offenen Bürgersprechstunden stattgefunden.

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Unter Vorgänger Frank Stein hatte es sie noch gegeben, immer wieder hatte er sich auch an einer Bierzeltgarnitur auf dem Marktplatz zum Gespräch angeboten. Doch auch dieses Format sei zuletzt, ebenso wie die klassische Bürgersprechstunde, nur noch „begrenzt“ angenommen worden, erläutert Kreutz. Offenbar biete das Format nicht für alle Zielgruppen den passenden Zugang.

Doch ganz unabhängig vom Format sei der persönliche Austausch mit den Bürgern ein zentraler Bestandteil seiner Amtsführung, betont der Bürgermeister. Er setze aber stärker darauf, unterschiedliche Bevölkerungsgruppen dort anzusprechen, wo sie tatsächlich erreicht werden können, und nutze dafür jeweils passende Gesprächs- und Beteiligungsformate.

Konzept für neues Gesprächsangebot wird erarbeitet

Ein Beispiel sei der Austausch mit jungen Menschen: Schulklassen besuchen den Bürgermeister im Rathaus, zudem gehe er selbst in die Schulen. Dort könnten Schülerinnen und Schüler ihre Fragen und Anliegen unmittelbar an ihn richten.

Hinzu kommen Beteiligungsformate wie die Kinderratssitzung und die Kinder- und Jugendbefragung. Und natürlich der Austausch mit Vereinen und Initiativen, dem Seniorenbeirat, Unternehmen sowie bei Veranstaltungen und Terminen in den Stadtteilen.

Dennoch arbeite das Bürgermeisterbüro jetzt an einem neuen Konzept, wie diese bestehenden Möglichkeiten um ein niedrigschwelliges und offenes Gesprächsangebot ergänzt werden können. Entscheidend sei dabei, ein Format zu finden, das möglichst viele unterschiedliche Menschen tatsächlich erreiche.

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. Und die Mitarbeiter, die die Tell-Me-App Meldungen bearbeiten scheinen sich das als Vorbild zu nehmen. Da bekommt man auch keine Reaktion der Stadt.

    Schade, eigentlich ein schönes Programm, um ein kleine Probleme hinzuweisen.

    Vielleicht könnte die Redaktion mal Statistiken anfragen.

    – Wieviele Meldungen gab es?
    – wieviele Mehrfachmeldungen?
    – Wieviele wünschten ein Antwort?
    – Wieviele erhielten eine Antwort?
    – Wieviele Sachverhalte wurden bearbeiten
    – etc.

  2. Keine Ɓürgersprechstunden mehr – super Idee. Die SPD auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit. Weiter so Herr Kreutz. Der Wähler wird für Sie erst 5 Wochen vor der nächsten Wahl wieder interessant. Aber das funktioniert nicht mehr. Ein damals in Bergisch Gladbach fast unbekannter Lutz Urbach wurde seinerzeit Bürgermeister weil er auf jedem Markt- und Sportplatz, in jedem Festzelt mit den Leuten gesprochen hat. Und auch der braune Mob hat es in Sachsen-Anhalt vorgemacht. Siegmund war an jeder Ecke präsent. Und hier in Bergisch Gladbach sucht der Bürgermeister neue Konzepte. Nützt die Ressourcen besser für sinnvolle Dinge und sprecht einfach regelmäßig mit den Leuten.

    1. “Siegmund war an jeder Ecke präsent”
      Ja, aber der hat vermutlich auch keine anderweitigen Aufgaben mit regelmässigen Arbeitszeiten gehabt.
      Wovon der die ganze Zeit gelebt hat, wer den Spritt für ihn und seine Moppet-Fans bezahlt hat und den ernährt und frisiert hat, will ich garnicht wissen, aber mit Sicherheit nicht die Bürger.

    2. Schon bemerkenswert, wie hier der Eindruck erweckt wird, Herr Kreutz würde sich nur fünf Wochen vor der Wahl für die Bürger interessieren. Wer ihn auf Festen und Veranstaltungen in Bergisch Gladbach erlebt, weiß, dass das mit der Realität wenig zu tun hat. Er ist dort regelmäßig präsent und ansprechbar.

      Man kann über Bürgersprechstunden diskutieren – aber so zu tun, als würde der Bürgermeister den Kontakt zu den Menschen meiden, ist schlicht daneben. Bürgernähe bemisst sich nicht an einem festen Termin im Kalender, sondern daran, ob jemand den Menschen im Alltag tatsächlich begegnet.

      Und wer dafür ausgerechnet den „braunen Mob“ als Erfolgsbeispiel anführt, sollte vielleicht noch einmal darüber nachdenken, welche Vergleiche er bemüht, um seinen politischen Punkt zu machen.

      Kritik ist legitim. Aber ein bisschen mehr Realitätssinn wäre hilfreich.

  3. Sorry, also hilfloser als mit ” die klassische Bürgersprechstunde, sei nur noch „begrenzt“ angenommen worden” kann man das ja nicht begründen. Ja mit altem Denken geht das auch nicht mehr, das gilt für Berlin und auch für Bergisch Gladbach. Statt in die nun angestrebte “Flucht ins seichte Wasser anzutreten” = Diskussionen in Schulen (prima Nichtwähler !, Kinderratssitzungen!,Karneval!, Vereinen oder Seniorenclubs ) sollte man bei den etablierten Parteien einmal wach werden und das Gespräch mit dem mündigen Wähler suchen, sollte herausgefunden werden, wo der Schuh im lokalen Bereich und im Gesamten drückt.

    Will der Herr Bürgermeister warten, bis dass das ihm die AfD vormacht? Will der Bürgermeister so weiter machen, “wie der Herr, so’s Gescherr” – sprich wie die Bundesregierung, wo nichts in die Pötte kommt.

    Wenn die Basis unserer etablierten Parteien, wie in BG, auch schon eingeschlafen sind, braucht sich keiner mehr zu wundern, wenn die Demokratie als “Selbstläufer” den Bach herunter geht. Die Zustimmungs-Verluste von CDU und SPD (da beinahe bis zum Rausruf) machen das deutlich – sie schaffen mit ihrem engstirnigem Unvermögen unsere Demokratie ab

    Und die AFD oder sonstigen Parteien lachen sich ins Fäustchen und tun so, als sei es ihr Erfolg. Armes Deutschland, arme Bundesrepublik – denke ich an sie in der Nacht, bin ich – wie ehedem Heinrich Heine schrieb – um den Schlaf gebracht.

  4. Das passt dazu dass man die Posts der Stadt Bergisch Gladbach auch nicht mehr in den sozialen Medien kommentieren kann.

    BERGISCH GLADBACH – DAS Q steht für Qualität

    1. Um die verschiedenen Plattformen zu moderieren, braucht es am Ende Personal. Einsparungen beim Personal und Reduzierung von Standards bleiben eben nicht folgenlos.

  5. BÜHNE frei: Was für ein besonderer Sonntagvormittag. Das Bürgerportal stellte im Theas Theater Bürger:innen vor, die sich auf eine ganz besondere Art in Bergisch Gladbach engagieren.
    Eine gute Idee danach ins Gespräch zu kommen, bei Kaffee oder einer Erfrischung.

    Danke Bürgerportal