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Monat für Monat berücksichtigt die Bundesagentur für Arbeit einen Teil der über 58-jährigen faktisch Arbeitslosen nicht in der Arbeitslosenstatistik. Ältere Hartz IV-Empfänger haben ein überdurchschnittlich hohes Risiko einer langfristigen Hilfebedürftigkeit. Erwerbsfähige Leistungsberechtigte über 50 Jahre werden aber seltener arbeitsmarktpolitisch gefördert. Das sind die alarmierenden Ergebnisse des aktuellen „Arbeitslosenreports NRW“, den die Wohlfahrtsverbände NRW vorlegen.

399 Arbeitslose in RheinBerg fallen aus der Statistik

Diese Entwicklung bildet sich auch im Rheinisch-Bergischen Kreis ab. Auch bei uns werden aufgrund gesetzlicher Vorgaben 399 ältere Arbeitslose über 58 Jahre statistisch nicht zu den Arbeitslosen gezählt, weil sie in den letzten 12 Monaten kein Jobangebot erhalten haben oder Arbeitslosengeld bzw. Hartz IV-Leistungen unter erleichterten Bedingungen beziehen.

Genauso skandalös ist, dass ältere Hartz IV-Empfänger am stärksten von Langzeitleistungsbezug betroffen sind, aber kaum arbeitsmarktpolitische Förderung erhalten.

Im Rheinisch-Bergischer Kreis sind im April 2014 zwar 2.582 Langzeitleistungsbezieher über 50 Jahre registriert, allerdings liegt die Aktivierungsquote nur bei 4,2 Prozent. Das heißt, nur jeder 24 erwerbsfähige Leistungsberechtigte über 50 Jahre in unserer Region erhält die Möglichkeit an einer arbeitsfördernden Maßnahme teilzunehmen.

„Die in unzähligen Sonntagsreden hochgeschätzte berufliche Kompetenz und Erfahrung gerade bei älteren erwerbsfähigen Arbeitslosen wird durch die Ergebnisse des aktuellen Arbeitslosenreports ad absurdum geführt“, kritisiert der Vorsitzende der AG Freien Wohlfahrtspflege Rheinisch-Bergischer Kreis, Reinhold Feistl. „Dies ist für arbeitsmarktpolitische Förderungen auch für Menschen über 50, und wir erwarten eine transparente Darstellung ihrer Situation in unserem Kreis.“

399 Ältere im Rheinisch-Bergischen Kreis zählen nicht als arbeitslos

Im August 2014 registrierte die Bundesagentur für Arbeit (BA) für NRW 772.668 Arbeitslose. Diesem Zahl bildet das Ausmaß der Arbeitslosigkeit jedoch nicht vollständig ab, denn etwa 180.000 faktisch Arbeitslose gingen nicht in die Statistik ein. Darunter sind rund 50.000 über 58-Jährige, die länger als zwölf Monate kein Jobangebot erhalten haben oder Arbeitslosengeld bzw. Hartz IV-Leistungen unter erleichterten Bedingungen beziehen. Diese erfasst die BA in der Unterbeschäftigungsstatistik und korrigiert so die monatlich verkündete Arbeitslosenzahl auch bei uns nach unten.

Zahl der Hartz-IV-Bezieher steigt in RheinBerg überdurchschnittlich schnell

Im März 2014 gab es in NRW über 775.000 Hartz IV-Bezieher, die in den vergangenen 24 Monaten mindestens 21 Monate hilfebedürftig waren. Fast 238.000 von ihnen waren älter als 50 Jahre. Die Zahl der älteren Langzeitleistungsbezieher ist im Vergleich zum Vorjahresmonat außerdem um fast 3.000 Personen, also um 1,2 Prozent gestiegen. Im Rheinisch-Bergischen Kreis verzeichnen wir einen Anstieg von 1,93 Prozent. 

Ältere Arbeitslose werden in RheinBerg unterdurchschnittlich häufig gefördert

Ältere Hartz IV-Empfänger erhalten kaum arbeitsmarktpolitische Förderung. Das belegen die Aktivierungsquoten der Bundesagentur für Arbeit, die aufzeigen, wie viele der potentiell förderbaren Personen tatsächlich an entsprechenden Maßnahmen teilnahmen: NRW-weit lag im April 2014 die Aktivierungsquote von Hartz IV-Empfängern über 50 Jahre bei 5,9 Prozent, das entspricht jeder siebzehnten grundsätzlich förderfähigen Person dieser Altersgruppe. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Aktivierungsquote der über 50-Jährigen um 0,5 Prozentpunkte gesunken.

Im Rheinisch-Bergischen Kreis wurde im April 2014 nur noch jeder 24 erwerbsfähige Leistungsberechtigte über 50 Jahren durch eine Maßnahme gefördert (Aktivierungsquote 4,2 Prozent).

Hintergrund: „Arbeitslosenreport NRW

Die Wohlfahrtsverbände in NRW veröffentlichen mehrmals jährlich den „Arbeitslosenreport NRW“. Darin enthalten sind aktuelle Zahlen und Analysen für Nordrhein-Westfalen; Basis sind Daten der offiziellen Arbeitsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit. Jede Ausgabe widmet sich einem Schwerpunktthema. Hinzu kommen Kennzahlen zu Unterbeschäftigung, Langzeitarbeitslosigkeit und SBGII-Hilfequoten, um längerfristige Entwicklungen sichtbar zu machen. Der Arbeitslosenreport NRW sowie übersichtliche Datenblätter mit regionalen Zahlen können im Internet unter www.arbeitslosenreport-nrw.de heruntergeladen werden.

Der Arbeitslosenreport NRW ist ein Kooperationsprojekt der Freien Wohlfahrtspflege NRW mit dem Institut für Bildungs- und Sozialpolitik (IBUS) der Hochschule Koblenz. Ziel der regelmäßigen Veröffentlichung ist es, den öffentlichen Fokus auf das Thema Arbeitslosigkeit als wesentliche Ursache von Armut und sozialer Ausgrenzung zu lenken, die offizielle Arbeitsmarkt-Berichterstattung kritisch zu hinterfragen und dabei insbesondere die Situation in Nordrhein-Westfalen zu beleuchten.

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2 Kommentare

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  1. Politik wartet auf ” Sozialverträgliches Ableben ” der alten Generation, daher wird diese Gruppe “Mensch” nicht mehr in der Arbeitslosenstatistik geführt. 399 Ältere im Rheinisch-Bergischen Kreis zählen nicht mehr.

  2. Herr Reinhold Feistl von der AG der Freien Wohlfahrtspflege Rheinisch-Bergischer Kreis benennt einen Zustand, der von mir und der Linken nicht nur im Kreisgebiet bereits seit Jahren kritisiert wird. Aber nicht nur mit dem Verschweigen der älteren Arbeitslosen wird die Statistik regelmäßig schön gerechnet. Auch Arbeitslose, die in Fördermaßnahmen, Praktika, Arbeitsgelegenheiten (z.B. 1€-Jobs) geparkt sind oder gar die Unverschämtheit besitzen und krank werden, fallen aus der Arbeitslosenstatistik heraus. Ja sogar diejenigen, die zwar eine Arbeit zur Bestreitung ihres Lebensunterhaltes und dem ihrer Familie benötigen, die aber um wenigstens nicht ganz tatenlos dazustehen in Mini-Jobs arbeiten (auch wenn sie von dem erhaltenen Lohn nur einen Bruchteil behalten dürfen) werden herausgerechnet.
    Und das Perfide an diesem Stück systemgewordenen Wahnsinn zeigt sich auch hier genauso wie bei den älteren Arbeitslosen: Bist du erst einmal aus der statistischen Zählung entfernt, gibt es auch keinerlei Vermittlungsbemühungen mehr von Seiten der Behörde. Bei den Älteren freilich setzt dieses System bereits vorher ein: Man versucht von Seiten der Behörde erst gar nicht mehr zu vermitteln, nur um dann feststellen zu können, dass diese Personen daruafhin länger als zwölf Monate kein Jobangebot mehr erhalten haben und man sie offiziell aus der Statistik und damit den Vermittlungsbemühungen streichen kann.