Mit den Seifenkisten ging es über das Kopfsteinpflaster bergab. Fotos: Familie Esser

Seifenkisten-Rennen waren nach dem Zweiten Weltkrieg beliebt – und fanden auch ihren Weg ins Bergische: Im Mai 1949 wurde das erste Seifenkisten-Rennen in Bensberg veranstaltet, moderiert von Theo Konrad Esser, der mit seinen Lautsprechern auch für die Beschallung sorgte. Seine Tochter Heidi Esser stellt uns einige Fotos aus ihrem Familienalbum zur Verfügung

Pfeilschnell sausten die selbstgebauten Gefährte den Berg hinab, vorbei an den Zuschauern entlang der Strecke. Sie war 600 Meter lang und führte „Vom Schloss ins Tal“. So steht es auf dem vergilbten Programmheft für das erste Bensberger Seifenkisten-Rennen am 29. Mai 1949. 

„Sensationell war das, wie diese kleinen Männer in ihren fliegenden Kisten mit Karacho die Schlossstraße hinunter gebrettert sind“, erinnert sich Heidi Esser, damals ein junges Kind, heute nach eigener Aussage „in den Achtzigern“. Einige Fotos aus ihrem Familienalbum dokumentieren das Ereignis.

Heidi Esser ist die Tochter von Theo Konrad Esser, den meisten nur als T.K. Esser bekannt, der das Seifenkistenrennen moderierte. 1948 oder 1949 habe ihr Vater sein Geschäft „Esser Radio“ in Bergisch Gladbach eröffnet, erzählt Heidi Esser. Er baute Antennen, reparierte Radios und machte sich einen Namen als Tonmann und Live-Reporter. 

T.K. Esser mit seinem Ton-Wagen. Foto: Familie Esser

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Theo Konrad Esser sorgte Anfang der 1950er Jahre mit seinem selbst gebauten „Ton-Wagen“ für die erste Beschallung eines Karnevalszugs in Bergisch Gladbach. Seine Tochter Heidi Esser erinnert sich gern an diese Zeit zurück und stellt einige alte Fotos aus ihrem Familienalbum zur Verfügung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg sei ihr Vater der erste und einzige Besitzer eines „Ton-Wagens“ in Bergisch Gladbach gewesen. Mit diesem selbstgebauten Gefährt beschallte T.K. Esser einen der ersten Gladbacher Karnevalszüge nach dem Krieg. Außerdem wurde er mit seinen Lautsprecher-Anlagen für viele Veranstaltungen gebucht.

Darunter eben besagtes Seifenkistenrennen. Die Seifenkisten waren allesamt Unikate mit unterschiedlich großen Rädern. „Die waren alle Marke Eigenbau und aus Holz oder alten Blechteilen zusammengezimmert. Die Reifen stammten von Tretrollern, Fahrrädern oder Kinderwagen“, sagt Heidi Esser.

Der Start erfolgte von einer eigens gebauten Holz-Rampe. „Die hatte eine eingebaute Stopp-Klappe, damit keine der Kisten zu früh losrollte. Die Vorrichtung wurde gelöst, wenn es losging“, erinnert sich Heidi Esser. 

Auf den Fotos ist zu sehen, wie die Wagen eine Allee mit Kopfsteinpflaster hinabrollen. „Pass Opp“ ist auf der Rückseite eines Gefährts zu lesen – möglicherweise als Warnung für etwaige Drängler zu verstehen.

Dutzende Menschen stehen links und rechts der Strecke. Die Fahrbahn ist nass, die Zuschauer:innen schützen sich mit aufgespannten Schirmen, Regenmänteln und Hüten vor dem Regen. Einige Rennfahrer:innen tragen Fliegermützen und -brillen. 

„Pass Opp“ ist auf dem Heck einer Seifenkiste zu lesen. Fotos: Familie Esser

Heidi Esser ist es nun gelungen, über das Internet an ein originales Programmheft des „Seifenkisten-Rennen für die Jugend“ zu gelangen. „Ich bin so froh, darüber, dass ich das nun habe. Ich konnte meinen Vater nicht mehr dazu befragen.“ Demnach nahmen 200 Rennfahrer im Alter von 10 bis 18 Jahren daran teil. 

Den Startschuss setzte Bensbergs Bürgermeister Jean Werheit. Die Strecke führte unterhalb des Schlosses über die Bergisch Gladbacher Straße bis zur Straßenbahn auf der Kölner Straße. (Die Straßenführung war damals noch eine andere als heute.)

Rennen in mehreren Klassen

Das Programmheft erläutert das Prozedere: Die Rennen wurden in den Klassen A (10 bis 14 Jahre) und B (14 bis 18 Jahre) gefahren, in Vor-, Zwischen- und Endläufen mit jeweils fünf bis sechs Seifenkosten: Die Sieger der Vorläufe kamen in die Zwischenläufe, die Gewinner der Zwischenläufe traten in den Endläufen gegeneinander an. 

„Die Rennen gingen über mehrere Stunden“, sagt Heidi Esser. Das erklärt auch, warum das Wetter auf den Fotos unterschiedlich ist. Beim Start scheint die Sonne, auf anderen Bildern ist die Straße nass. 

Das Programmheft war mit einer Warnung versehen: „Achtung! Im Interesse der ‚Rennfahrer‘, und vor allem um Unfälle zu vermieden, werden die Zuschauer, besonders Erwachsene gebeten, die Rennstrecke freizuhalten. Kinder sind an der Hand zu halten und Hunde an der Leine zu führen.“ 

An einer anderen Stelle heißt es: „Die Versicherung für die Teilnehmer und Zuschauer hat die Agrippina-Versicherung übernommen.“ Informationen über etwaige Unfälle oder Verletzungen sind keine überliefert. „Die Strecke wurde im Verlauf flacher, im Ziel wurden die Seifenkisten von Strohballen gebremst“, berichtet Heidi Esser. 

Botschafter des Motorsports

Der Eintritt betrug 50 Pfennig, darin inbegriffen war die Teilnahme an einer Verlosung: Die Programmhefte waren an einer Ecke nummeriert. Mit den abgerissenen Nummern konnten die Zuschauer:innen Preise gewinnen. Welche genau, geht aus dem Programmheft nicht hervor. Gestiftet wurden diese unter anderem von der Deutschen Shell AG, Klosterfrau, der Westdeutschen Kaufhof A.G. Auch das Geschäft von T.K.Esser wird als Stifter genannt. 

Für ihren Vater war das Seifenkistenrennen der Auftakt einer langen Karriere: Später moderierte er Motorrad-Rennen, „wurde zum Botschafter für den Motorsport und zur Stimme des Nürburgrings“, so Heidi Esser. Von den 60er Jahren bis zu seinem Tod 1984 war T.K. Esser für die Beschallung bei Motorsport-Events auf dem Nürburgring verantwortlich.

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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