Trixini als „Magier mit dem blauen Stein", Auftritt im Puppenpavillon. Foto: Gerd J. Pohl

Trixini als „Magier mit dem blauen Stein”, Auftritt im Puppenpavillon. Foto: Gerd J. Pohl

Seine zahlreichen magischen Vorstellungen in Bensberg gehörten zu den erfolgreichsten, die der Puppenpavillon je erlebt hat. Unvergessen auch die Lesung aus seinem Buch “Die ökumenischen Hunde” in der Gnadenkirche. Nun ist Trixini alias Hansjörg Kidler mit 81 Jahren gestorben. Am Nachmittag des 22. August 2015 schloss er für immer die Augen.

Trixinis oder Hansjörg Kindlers Wirkungsbereich mit nur einem Wort zu beschreiben, war immer schon unmöglich. Dafür war sein Leben von Jugend an zu vielseitig, hatte zu viele Seitenäste und Verzweigungen. Er war katholischer und später altkatholischer Priester, Esperantist, Buchautor, Tagebuchschreiber, Lyriker, Satiriker, Zauberkünstler, Botschafter seiner Allgäuer Wahlheimat – und natürlich Puppenspieler.

Geboren wurde Hansjörg Kindler am 3. September 1933 in Villingen. Schon früh nahm ihn das Puppenspiel gefangen. Bereits im Alter von 18 Jahren verfasste Hansjörg Kindler – noch als Schüler auf Schloss Salem und unter seinem bürgerlichen Namen – seinen “Wegweiser zum Handpuppenspiel” und schloss sich nach seiner Schulzeit der Hohnsteiner Bühne von Friedrich Arndt an, wo er lehrreiche Monate verbrachte.

Doch sein beruflicher Weg sollte ihn zunächst wieder wegführen von den Puppen: Hansjörg Kindler studierte katholische Theologie und wurde zum Priester geweiht. In der Zeit seines Priestertums entwickelte er eine intensive Liebe zur Kunst der Zauberei und erlangte unter dem Bühnennamen Trixini weltweite Bekanntheit.

Die Liebe zu einer Frau führte ihn weg von der katholischen zur altkatholischen Kirche. Und da er als altkatholischer Geistlicher neben seiner priesterlichen Tätigkeit auch noch einen weltlichen Beruf ausüben musste, kehrte er zum Puppenspiel zurück und eröffnete in Paderborn sein eigenes Theater mit festem Haus.

Aber die Leitung dieses Theaters war viel mehr als ein “Brotberuf” und eine reine Notwendigkeit – das Puppenspiel und auch die Magie wurden Teil seiner Arbeit im Dienste der Menschen, Teil seines seelsorglichen Wirkens. Mit seinen von Fritz Herbert Bross gestalteten Figuren und seinen oft detailreichen Bühnenbildern entfernte er sich zwar vom Hohnsteiner Stil, behielt den für die Hohnsteiner so typischen Duktus aber bei.

13 Jahre lang führte er sein Theater in Paderborn, dann siedelte er nach Rieden am Forggensee um, von wo aus er als Puppenspieler und “Magier mit dem blauen Stein” kreuz und quer durch den deutschen Sprachraum reiste und darüber hinaus überall dort ein gern gesehener Gast war, wo die von ihm so geliebte Plansprache Esperanto gepflegt wurde.

Trixini im PuK (Museum für Puppentheaterkultur, Bad Kreuznach) inmitten der Puppen der Hohnsteiner Bühne Friedrich Arndt. Foto: Gerd J. Pohl

Trixini im PuK (Museum für Puppentheaterkultur, Bad Kreuznach) inmitten der Puppen der Hohnsteiner Bühne Friedrich Arndt. Foto: Gerd J. Pohl

Fast nebenbei schrieb er eine Fülle von Büchern, von denen “Der Magier mit dem Stein”, “Die ökumenischen Hunde” und “Der Zopf des Fräulein Li” sicherlich die erfolgreichsten waren. Zuletzt schrieb er mit den “Hohnsteiner Puppenspieler-Geschichten” noch Anekdoten aus seiner Lehrzeit auf und setzte seinem Meister Friedrich Arndt ein kleines, sehr persönliches Denkmal. Sein Stück “Kasper und die Wunderblume” erschien außerdem als Hörspiel.

Die Puppen legte Trixini bereits 2010 aus der Hand, als Zauberkünstler war er aber weiterhin aktiv, bis ihm eine schwere Krebserkrankung seine intensiven Auftritte – selbst für Kleinkinder spielte er bis zu anderthalb Stunden – unmöglich machte.

Trixini inmitten seiner eigenen Puppen. Foto: unbekannt; Archiv Piccolo Puppenspiele

Trixini inmitten seiner eigenen Puppen. Foto: unbekannt; Archiv Piccolo Puppenspiele

Der Abschied vom Leben fiel ihm nicht leicht, aber vor dem Tod selbst hatte der überzeugte Christ keine Furcht, eher im Gegenteil: “Ich bin mal gespannt, ob das alles so stimmt, wie ich es immer gepredigt habe”, scherzte er noch kurz vor seinem Tod am Telefon. Am Nachmittag des 22. August nun ist Trixini in einem Hospiz in Kempten gestorben.

Seine Bross-Puppen sind im Bensberger Puppenpavillon und bei den Piccolo Puppenspielen weiterhin im Einsatz, sein Nachlass als Zauberkünstler ging an das Magicum-Museum nach Berlin. In seinen Büchern und in den Erinnerungen unzähliger Zuschauer wird er weiterleben, in den Herzen derer, die ihn näher kennen durften, sowieso.

„Mit zauberhaften Grüßen” unterzeichnete er seine Autogramme und oft auch seine persönlichen Briefe. Einen zauberhaften Dank rufe ich ihm hinterher.

*21.10.1970. Puppenspieler, Schauspieler, Autor, Regisseur und Rezitator. Seit 2009 Intendant des Theaters im Puppenpavillon in Bergisch Gladbach (Bensberg). Rheinisch-katholisch, Nichtraucher, Kölschtrinker.

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