Auch das Mahnmal vor dem Bensberger Schloss geht auf eine Forderung der OHG-Schüler:innen zurück. Foto: Stadt Bergisch Gladbach

In der Schlossstraße in Bensberg werden am Freitag zwei Stolpersteine verlegt, die an die Ermordung von zwei Kriegsgefangenen erinnern. Das Gedenken an Konstantin Wladimirow und Walery Winogradow geht auf die Arbeiten von Schüler:innen des Otto-Hahn-Gymnasiums zurück. Ein weiterer Gedenksteine wird in Refrath eingelassen.

Wir veröffentlichen einen Beitrag des Otto-Hahn-Gymnasiums

Am Freitag um 9 Uhr werden vor dem Kino an der Schlossstraße zwei Stolpersteine eingelassen. Ab 11 Uhr präsentieren Schüler:innen im Otto Hahn-Gymnasium eine Ausstellung zu ihren Rechercheergebnissen. Sie hatten sich intensiv mit den Biografien der beiden ermordeten jungen ukrainischen Männer, Konstantin Wladimirow und Walery Winogradow, auseinandergesetzt. Sie waren aus ihrer Heimat verschleppt, zur Arbeit gezwungen und kurz vor Kriegsende in Bensberg getötet worden.

Hinweis der Redaktion: Ebenfalls am Freitag, um 10 Uhr, wird ein weitere Stolperstein an der Kreativitätsschule in Refrath installiert. Dieser Stolperstein erinnert an Anna Maria Herbrands und ihr Schicksal während der Zeit des Nationalsozialismus. 

Seit zwei Jahren beschäftigen sich die Schüler:innen des OHG mit der Geschichte des Schlosses Bensberg und seiner Rolle zwischen 1933 und 1945. Für ihr Engagement wurden sie 2024 mit dem Heimatpreis der Stadt Bergisch Gladbach ausgezeichnet. Aus ihrer Forschungsarbeit entstanden 2025 außerdem zwei Stelen im Schlosspark, die an die NAPOLA Bensberg sowie das Außenlager des KZ Buchenwald im Schloss Bensberg erinnern.

Mehr zum Thema

Gedenken an die NAPOLA im Schloss: „Jahre später trage ich hier das Erbe“

Seit gestern weisen zwei Stelen auf einen schwarzen Fleck in der Geschichte des Bensberger Schlosses hin: Hier hatten die Nazis eine ihrer „Nationalpolitischen Lehranstalten“ unterhalten, Jugendliche zum Hass erzogen und zwei Zwangsarbeiter ermordet. Eine Geschichte, die Schüler:innen des OHG ausgegraben und aufgearbeitete hatten. Und den Impuls für die Mahnmale gegeben hatten.

Während der NS-Zeit diente das Schloss unter anderem als Nationalpolitische Erziehungsanstalt (NAPOLA), also als Eliteinternat zur Erziehung des sogenannten „arischen Nachwuchses“. Außerdem war es Außenlager des KZ Buchenwald und Kommandozentrale der örtlichen NSDAP Kader.

Bei ihren Recherchen im Stadtarchiv stieß der Projektkurs auf die Spuren eines bis heute kaum bekannten Kriegsverbrechens. Laut Eintragung im Sterbebuch wurden Konstantin Wladimirow und Walery Winogradow am 22. März 1945 im Schlosspark Bensberg „erschossen“.

Die Schüler:innen wollten wissen, wer diese beiden Männer waren, wie sie nach Bensberg kamen, für wen sie arbeiten mussten und warum ihr Tod nie richtig aufgeklärt wurde. Dafür sichteten sie Unterlagen im Stadtarchiv, arbeiteten mit Handakten früherer Forschungen, forderten Originalbelege aus dem Bundesarchiv an und wandten sich an das NS-Dokumentationszentrum Köln.

Das sind ihre Rechercheergebnisse:

Nach dem bisherigen Stand der Recherchen waren Konstantin Wladimirow und Walery Winogradow zwangsrekrutierte sogenannte „Ostarbeiter“ aus der heutigen Ukraine, die damals von deutschen Truppen besetzt war. Am 18. November 1944 wurden sie von Köln nach Bensberg verlegt. Dort mussten sie für das Tiefbauamt der Stadt Bensberg Zwangsarbeit leisten, unter anderem beim Bau von Verteidigungsanlagen. Untergebracht waren sie in einem Massenlager auf dem Gelände der Gaststätte Rheinischer Hof an der heutigen Schloßstraße 46–50.

Wichtige Originaldokumente vom Todestag, darunter offenbar der damalige Polizeibericht, sind verschwunden oder wurden vernichtet. Die beiden jungen Männer wurden erst nach Kriegsende auf dem Bensberger Friedhof beigesetzt.

Lange Zeit stützte sich die Darstellung des Tathergangs vor allem auf ein Dokument vom 24. Januar 1948. Darin heißt es, Konstantin Wladimirow und Walery Winogradow seien vom „Gaustab“ beim Weindiebstahl im Schloss ertappt und anschließend „auf der Flucht“ von auswärtiger Hitlerjugend erschossen worden.

Im Zuge seiner Forschungsarbeit stellte der Projektkurs jedoch fest, dass diese Darstellung problematisch ist. Der Vermerk wurde unvollständig zitiert und enthält keine belastbaren Belege. Außerdem entstand er in einem Zusammenhang, in dem der erste Nachkriegsbürgermeister der Stadt Bensberg den damaligen Bensberger NSDAP-Ortsgruppenleiter Max Müller von einer Mitverantwortung freisprechen wollte.

Im Archiv des NS-Dokumentationszentrums Köln stießen die Schüler:innen zudem auf eine weitere, bislang kaum bekannte Zeugenaussage zum Tathergang. Darin schildert der ehemalige Zwangsarbeiter Semjon Gryzak den Ablauf anders: Die jungen Männer seien beim Weintrinken im Schloss von Lehrern der NAPOLA entdeckt, anschließend in den Schlosspark gebracht und dort erschossen worden.

Damit bleiben wichtige Fragen offen: War der Tod der beiden jungen Männer eine Exekution? Wer war beteiligt? Und warum wurde die Tat nie strafrechtlich verfolgt?

Die Stolpersteine werden am 12. Juni 2026 um 9 Uhr auf der Schloßstraße 46–50 in Bensberg verlegt. Ab 11 Uhr präsentieren die Schüler:innen im Otto-Hahn-Gymnasium, Saaler Mühle 8, eine Ausstellung zu ihren Rechercheergebnissen. Die Schüler:innen laden alle Interessierten herzlich ein, ander Verlegung teilzunehmen und die Ausstellung zu besuchen.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

6

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Kleine Korrektur am Rande: Bensberg war 1945 noch Gemeinde und keine Stadt. Die Stadtrechte hat sie erst 1947 erhalten.

    Ansonsten: Tolle Aktion der Schüler (w/m/d)!

  2. Respekt vor dieser Recherchearbeit.

    Wir haben uns schlaugemacht im NS-Dokumentationszetrum Köln, in den Gedenkstätten/Konzentrationslagern Bergen-Belsen, Mittelbau Dora, und vor kurzem auch in Buchenwald.

    Insbesondere Schülerklassen sind dort immer anzutreffen, aber merkwürdigerweise jedoch, warum auch immer, nur wenige/keine Erwachsenen(-gruppen).
    Ich finde, denen würde es auch nicht schlecht stehen, sich mal mehr mit diesem Thema 1933- 1945 zu befassen anstelle gebetsmühlenartig nur ihre Nachkriegs-Wiederaufbau-Erzählungen von sich aufopfernden Trümmerfrauen usw. zu wiederholen bzw. so wie sie es selbst erzählt bekamen, an Kinder und Enkel weiterzugeben.

  3. diese Ausstellung und all die Arbeiten welche die SchülerInnen zusammengetragen haben ist sehr empfehlenswert.
    Ich war dort (?) letztes Jahr, oder schon im Jahr zuvor(?), als es nur einen Tag an der Schule gab wo die Ausstellung öffentlich war. sehr beeindruckend und bewegend.
    In der Folge ihrer Arbeiten wurde dann im Schlosspark eine Gedenktafel aufgestellt, sowie vor dem Schloss auch. gute sichtbare würdigende Erinnerung. Vielen Dank dafür. auch an die Stadt und die Schlosseigentümer
    jetzt sogar noch Weiteres mit Stolpersteinen

  4. Die Methodik, dass sich Schülerinnen und Schüler einem konkreten Projekt aus der unmittelbaren Umgebung, hier der NAPOLA im Schloß Bensberg und einem Mord an zwei ukrainischen Zwangsarbeitern, wahrscheinlich begangen durch fanatisierte Mitglieder der Hitlerjugend, studienmäßig widmen, ist sehr zu begrüßen. Authentischer kann Geschichtsunterricht nicht sein.