Deutsche Meister: Das Bundesligateam aus Bergisch Gladbach mit Martin Horn, Nick Polychronopoulos, Thomas Horcher, Jens Eggers und Torbjörn Blomdahl.

Deutsche Meister: Das Bundesligateam mit Martin Horn, Nick Polychronopoulos, Thomas Horcher, Jens Eggers und Torbjörn Blomdahl.

Treffen sich der Weltmeister, der Weltcup- Champion und eine Handvoll Top-20-Spieler im Keller der Integrierten Gesamtschule Paffrath …

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Kaum jemand hat mitbekommen, dass sich ausgerechnet im Keller der IGP die Weltelite im Dreiband- Billard duelliert. Zwei Dutzend Zuschauer haben sich an diesem Abend ins Clubheim verlaufen. Sie erleben, wie der Bergisch Gladbacher BC den amtierenden Deutschen Meister aus Ravensburg 6:2 abserviert. „Wir wollen Meister werden“, sagt BGBC-Akteur Thomas Horcher.

Und tatsächlich, wenige Tage nach unserem Besuch im Keller der IGP reichte dem Bergisch Gladbacher Billard-Club 1926 e.V. der erste Matchball gegen BC München zum Titelgewinn in der 1. Dreiband-Bundesliga. Damit gelang dem Team um Thomas Horcher nach drei Vizemeisterschaften in Folge und dem Pokalgewinn zu Beginn der Saison sogar das „Double“. (Mehr zur Meisterschaft.)

Hinweis der Redaktion: Dieser Beitrag erschien zuerst im Bergischen Boten, wir bringen eine aktualisierte Version.

Beim Dreiband, das zur Spielvariante Karambolage-Billard zählt, wird mit nur drei Bällen gespielt. Die Tischplatte aus Schiefer oder Marmor hat keine Löcher. Stattdessen muss der weiße Ball bei jedem Stoß die beiden anderen Bälle sowie drei Banden berühren. Ein Spieler ist so lange an der Reihe wie ihm dies fehlerfrei gelingt.

Ein Ausdauersport für Konzentrationsgrößen

Billard ist – Achtung! – ein Ausdauersport. „Der Kopf bleibt nur wach, solange der Körper mitspielt. Ohne Kondition geht die Feinmotorik im Laufe einer Partie verloren“, erklärt Thomas Horcher.  Zwei bis drei Stunden beharken sich zwei Kontrahenten am Tisch. Wer an der Reihe ist, steht permanent unter Zeitdruck.

Thomas Horcher, BGBC

Thomas Horcher

Horcher rechnet vor: „In etwa zehn Sekunden sollte die Entscheidung gefallen sein, wie man den Stoß ausführen will. Zehn Sekunden, um die Lage der Bälle für den Folgestoß zu berücksichtigen, 15 für das Ansetzen und Ausrichten des Queue. Bleiben fünf für den eigentlichen Stoß, bis die erlaubte Zeit von 40 Sekunden abgelaufen ist.“

Geht der im Schnelldurchlauf geschmiedete Plan auf, gibt es einen Punkt und die Stoppuhr zählt die 40 Sekunden sofort erneut herunter. Weltmeister Torbjörn Blomdahl vom BGBC benötigt nur wenige Anläufe („Aufnahmen“), um die 40 Punkte für einen Sieg zu erreichen. Er gewann 43 Weltcupturniere und wurde mit der Nationalmannschaft Schwedens neunmal Weltmeister.

Durch die Verschärfung der Zeitregel wurde der Spielerkreis noch elitärer. Spitzenspieler betreiben ein- bis zweimal wöchentlich einen Ausgleichssport, um den Anforderungen gerecht zu werden. Konstanz, Ausdauer und Präzision machen den Unterschied aus.

„Bei den Koreanern sitzt jeder Stoß wie in Stein gemeißelt“, schwärmt Thomas Horcher. Korea ist mit vielen Spielern in die Top 20 vorgestoßen und überholte sogar die traditionell stärkste Billardnation Belgien.

Dreiband-Billiard Cup beim Bergisch Gladbacher BC

Hier können Sie Billiard live erleben:
7. – 8. Mai: 2. German Grand Prix Biathlon, Facebook
20.- 22. Mai: Offenes Poolbilliard-Turnier „Blues Brothers Open”, Facebook
6. – 7. August: Bergisch Gladbacher Dreiband Cup, Facebook

Die Bundesliga sei auf höchstem Niveau angekommen, sagt Horcher. Die deutschen Spieler noch nicht. Dass das Potenzial vorhanden ist, beweist sein Teamkollege Martin Horn. Den spanischen Weltcup-Sieger Daniel Sanchez Galvez fegte er deutlich (40:10) von der Platte. Mit Christine Schuh weiß der Bergisch Gladbacher BC zudem die beste deutsche Spielerin in seinen Reihen.

Vollprofi Horn spielt regelmäßig in fünf Ländern

Martin Horn ist einer der wenigen Vollprofis. Außer für Bergisch Gladbach spielt der 44-jährige Essener montags in der belgischen, donnerstags in der französischen, sonntags in der niederländischen, sowie in der spanischen Liga. Seit über 20 Jahren verbringt er jedes Jahr 40 Wochenenden am Billardtisch.

Sein Vater spielte in der Kreisliga. Im Ruhrpott, wo die Vereinsdichte wesentlich höher ist als im Rheinland. „In einer Spelunke habe ich als Elfjähriger angefangen“, schmunzelt Horn. Nach dem Abitur gehörte er 16 Jahre zur Sportfördergruppe der Bundeswehr. Auf Studium oder Ausbildung hat er verzichtet. „Ich habe meine Vereine immer so ausgesucht, dass ich um den Titel mitspielen kann“, sagt er. „Und danach, wo es mir Spaß macht. Man verdient als Profi nicht so viel wie man möchte.“

„Martin ist ein sehr analytischer Spieler“, erklärt Thomas Horcher. Jemand, der die Laufwege der Bälle ausrechnet. Ein Torbjörn Blomdahl spielt dagegen rein nach Gefühl.

Mit dem Nachwuchs gibt es Probleme, ausgerechnet in einer Schule

„Schon eine, um einen Zentimeter versetzte Position des Balls kann aus einem einfachen einen brutal schweren Stoß machen“, so Horcher. Das ist einerseits anspruchsvoll, andererseits stellen sich Erfolgserlebnisse nicht so schnell ein wie beim populäreren Pool-Billard.

Nachwuchs will sich beim BGBC auch deshalb nicht so recht einstellen, obwohl sich das Clubheim direkt unterhalb einer Gesamtschule befindet. Die Crux: Derzeit besitzt noch kein Vereinsmitglied eine Übungsleiterlizenz.

Mehr Informationen:
Website des BGBC
Der BGBC auf Facebook

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Dieser Beitrag erschien zuerst im Bergischen Boten, wir bringen eine aktualisierte Version. Der Bergische Bote ist ein Kooperationspartner des Bürgerportals.

ist verantwortlicher Redakteur beim Bergischen Boten. (Jahrgang 1982) ist verantwortlicher Redakteur beim Bergischen Boten. Er hat an der Deutschen Sporthochschule Köln sein Diplom in Sportwissenschaft mit dem Schwerpunkt Medien & Kommunikation gemacht.

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