An der einzigen Hauptschule in Bergisch Gladbach gibt es noch viele freie Plätze - zumindest in den Eingangsklassen. In den höheren Jahrgängen wechseln viele Schüler:innen von anderen Schulformen an die Hauptschule. Foto: Thomas Merkenich

Das offizielle Anmeldeverfahren für die weiterführenden Schulen in Bergisch Gladbach ist beendet. Die meisten Viertklässler:innen können nach den Sommerferien auf ihre gewünschte Schule wechseln. Die Zahl der Absagen ist im Vergleich zum Vorjahr allerdings gestiegen. Und an den Gesamtschulen übersteigt die Nachfrage das Angebot deutlich.

Die gute Nachricht nach dem Abschluss des Anmeldeverfahrens für die weiterführenden Schulen lautet: Es gibt genügend Plätze für alle Bergisch Gladbacher Viertklässler:innen. Die schlechten Nachrichten: In 74 Fällen erhielten Kinder eine Ablehnung von ihrer Wunschschule. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es 55.

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44 Schüler:innen konnten nicht an der gewünschten Schulform angenommen werden. Außerdem bekamen 7 Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf eine Absage. Diese Zahlen hat die Verwaltung im Vorfeld des Schulausschusses (29. April) veröffentlicht. 

Das Anmeldeprozedere für das Schuljahr 2026/27 war in zwei Verfahren unterteilt: Erst gab es ein separates, vorgezogenes Verfahren für die Schulform Gesamtschule. Anschließend folgten alle anderen weiterführenden Schulen in zwei Phasen.

Die Gesamtschulen

Im vorgezogenen Verfahren mussten die beiden Gesamtschulen insgesamt 44 Kinder ablehnen, davon vier mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Bis auf ein Kind handelt es sich dabei um Gladbacher Schüler:innen oder um sogenannte gemeindeeigene, die als solche zu behandeln sind (siehe dazu Hintergrund). Umgerechnet fehlen also rund 1,5 Schulklassen an der Schulform Gesamtschule. 

HintergrundGemeindefremde Kinder

… sind solche, die in einer Nachbarkommune wohnen und die gewünschte Schulform auch dort zur Verfügung haben. Gemeindeeigene hingegen sind dagegen solche Kinder, die in Bergisch Gladbach wohnen oder in deren Heimatkommune es die gewünschte Schulform nicht gibt. 

Ein Beispiel: Odenthaler Kinder gelten bei der Anmeldung an Bergisch Gladbacher Gymnasien und Realschulen als gemeindefremde Kinder, an Gesamtschulen oder der Hauptschule jedoch als gemeindeeigene Kinder.

Gemeindeeigene Kinder haben gegenüber gemeindefremden Kinder immer Vorrang. Schulen dürfen gemeindefremde Kinder nur dann aufnehmen, wenn nach der zweiten Anmeldephase alle gemeindeeigenen Kinder zum Zug gekommen sind und danach noch Kapazitäten frei sind. 

Die Integrierte Gesamtschule Paffrath (IGP) musste 30 Kinder ablehnen, davon drei mit sonderpädagogischem Förderbedarf sowie ein „gemeindefremdes“ Kind.

Die Nelson-Mandela-Gesamtschule (NMG) musste 14 Kinder ablehnen, davon ein Kind mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Das NMG hat Platz für 108 Fünftklässler:innen, davon 13 mit sonderpädagogischem Förderbedarf.

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Gesamtschulen lehnen 44 Kinder ab

Die Integrierte Gesamtschule Paffrath und die Nelson-Mandela-Gesamtschule konnten im vorgezogenen Anmeldeverfahren nicht alle Schüler:innen annehmen, die einen Platz haben wollten. Das betrifft auch etliche Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Sie müssen sich nun an einer anderen Schulform oder einer Schule außerhalb von Bergisch Gladbach anmelden.

Die Gymnasien

Nach der ersten Phase gab es an den fünf Gymnasien insgesamt noch 51 freie Plätze. Allerdings musste das Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium (DBG) bereits in dieser Phase 15 Gladbacher und gemeindeeigene Schüler:innen ablehnen. Auch das Otto-Hahn-Gymnasium (OHG) war bereits nach der ersten Phase ausgelastet – und musste 4 Schüler:innen eine Absage erteilen. Gemeindefremde Kinder, die grundsätzlich erst nach Abschluss der zweiten Phase berücksichtigt werden, konnten nicht aufgenommen werden.

Wer an ein Gymnasium wollte und in der ersten Phase leer ausgegangen war, konnte sich an einem der drei übrigen Gymnasien anmelden. Nach Abschluss der zweiten Phase gab es dort noch insgesamt 51 freie Plätze, die sich wie folgt verteilen: 2 am Nicolaus-Cusanus-Gymnasium (NCG), 8 am Gymnasium Herkenrath und 31 am Albertus-Magnus-Gymnasium (AMG).

Das Abertus-Magnus-Gymnasium in Bensberg. Foto: Thomas Merkenich

Das AMG wird wegen der niedrigeren Anmeldezahlen im kommenden Schuljahr dreizügig, also nur drei 5. Klassen (statt wie bisher vier) bilden, wie Schulleiter Rolf Faymonville auf Nachfrage mitteilt. Alle Bergisch Gladbacher Kinder konnten demnach aufgenommen werden.

Traditionell ist das AMG aber auch Wunschschule für viele Schüler:innen aus Köln, Rösrath und Overath. In diesem Jahr hätte es aber deutlich weniger Anmeldungen aus den Nachbargemeinden gegeben, „weil die ungeklärte Bausituation viele abschreckt“, so Faymonville. Zudem seien Standort sowie Aussehen und Ausstattung der geplanten Rotationsschule „den Menschen noch nicht vermittelbar“.

„Nichts verunsichert Menschen mehr als ungeklärten Ausgangslagen und offene Zukunftsfragen“, ergänzt der Schulleiter. Das könne auch nicht „durch überzeugende pädagogische Konzepte, oder den „attraktiven Erweiterungsbau für G9 ausgeglichen werden. Daher muss die Stadt endlich Klarheit schaffen, wie es mit der Sanierung des AMG weitergeht“, fordert Faymonville.

Mittelfristig soll das AMG komplett saniert werden; dafür soll die gesamte Schulgemeinschaft in eine geplante Rotationsschule in Heidkamp ausweichen.

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Die Realschulen

Nach der ersten Phase verzeichneten die vier Realschulen insgesamt noch 44 freie Plätze. Allerdings musste die Johannes-Gutenberg-Realschule (JGR) bereits 8 Ablehnungen verschicken und die Otto-Hahn-Realschule (OHR) 13, darunter 3 mit sonderpädagogischem Förderbedarf.

Nach Abschluss der zweiten Phase melden die Realschulen insgesamt noch 18 freie Plätze: 13 an der Realschule Im Kleefeld sowie 5 an der Realschule Herkenrath.

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Die Hauptschule

Die stadtweit einzige Hauptschule Im Kleefeld könnte noch 62 Kinder aufnehmen. Bisher verzeichnet sie 23 Anmeldungen, darunter 4 Schüler:innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Ein Kind mit Förderbedarf wurde abgelehnt.

Die Erfahrung der Vorjahre zeigt laut Schulleiterin Sabine Hantel, dass bis zu den Sommerferien noch Anmeldungen erfolgen. In den Vorjahren startete die Hauptschule mit den Fünftklässlern einzügig und wechselte ab der siebten Klasse in die Zwei- oder Dreizügigkeit. 

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Der Elternwille

Da in NRW der Elternwille bei der Schulwahl entscheidet, melden einige Eltern ihre Kinder trotz Hauptschul-Empfehlung oder (eingeschränkter) Realschulempfehlung an einem Gymnasium oder einer Realschule an. Spätestens nach der Erprobungsphase (also nach der 6. Klasse) – wechseln viele dieser Schüler:innen dann auf die Hauptschule bzw. die Realschule.

Diese Erfahrung macht auch Felix Bertenrath, Schulleiter der OHR und Sprecher der weiterführenden Schulen in Bergisch Gladbach. Im aktuellen Schuljahr habe die Realschule bereits drei Fünftklässler aufgenommen, die vom Gymnasium gewechselt sind. „Das war auch in den vergangenen Jahren ähnlich“, so Bertenrath. 

Karte weiterführende Schulen Bergisch Gladbach

Wenn Eltern ihr Kind mit einer Hauptschul-Empfehlung an der OHR anmelden wollen oder mit einer Realschul-Empfehlung am benachbarten Otto-Hahn-Gymnasium, führen die Schulleitungen gesetzlich verpflichtete Gespräche mit Eltern und Schüler:innen. „Man redet sich dabei oft den Mund fusselig“, berichtet Bertenrath. 

Schwache Schüler:innen mit Hauptschulempfehlung würden an der Hauptschule sehr gut gefördert. „Die Anmeldungen dort müssen wieder steigen. Die Systeme Gesamtschule und Realschule verkraften nur eine begrenzte Zahl von Schülerinnen und Schülern mit Hauptschulempfehlung.“ 

Auch nach der 7. und 8. Klasse wollen oder müssen viele Schüler zu den Realschulen wechseln. Im Sommer 2025 wollten Bertenrath zufolge mehr als 100 Schüler:innen zu den vier Bergisch Gladbacher Realschulen wechseln.

Mehr Plätze als Anmeldungen

Künftige Fünftklässler, die jetzt noch nicht angemeldet sind, können weiterhin an den Schulen aufgenommen werden, die noch freie Kapazitäten haben. Sie nehmen laut Verwaltung jedoch nicht mehr am Auswahlverfahren teil.

Insgesamt gibt es noch 131 freie Plätze an der Hauptschule, zwei Realschulen und drei Gymnasien. Wie viele Kinder aus Bergisch Gladbach an Schulen in Nachbarstädten und -gemeinden angemeldet wurden, weiß die Stadt nicht.

Auswahlverfahren

Grundsätzlich haben gemeindeeigene Schüler:innen Vorrang gegenüber gemeindefremden Kindern. Wenn es mehr Anmeldungen als Plätze gibt, entscheidet laut Schulverwaltung jede Schulleitung selbst über das Auswahlverfahren. Dabei müssen sie sich allerdings nach einem Kriterienkatalog des Landes NRW richten. Diese sind: 

  • Geschwisterkind
  • Ausgewogenes Verhältnis von Mädchen und Jungen
  • Ausgewogenes Verhältnis unterschiedlicher Muttersprachen
  • Schulweg
  • Härtefallregelung
  • Losverfahren

Welche Kriterien die Schulleitungen in welcher Reihenfolge anwenden, bleibt ihnen überlassen. Die meisten weiterführenden Schulen wenden laut Verwaltung das Losverfahren an, weil es die größte Rechtssicherheit biete.

An der OHR werden Bertenrath zufolge zuerst Härtefälle und dann Geschwisterkinder berücksichtigt. Die übrigen Plätze würden im Losverfahren vergeben. 

Eine Besonderheit gibt es laut Schulverwaltung bei den Gesamtschulen, die eine heterogene Schülerschaft aufweisen: Entsprechend werden aus zwei Gruppen eine gleichmäßige Anzahl von leistungsstarken und leistungsschwächeren Schüler:innen ausgewählt bzw. gelost.

So lief es im Vorjahr

Im vergangenen Jahr hatten laut Stadt alle Gladbacher Schüler:innen einen Platz an der gewünschten Schulform erhalten – und meistens auch an der Wunschschule. Das Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium (DBG) hatte bereits in der ersten Anmelderunde 48 gemeindeeigene Kinder ablehnen müssen und die IGP 7.

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So unterschiedlich sind die weiterführenden Schulen ausgelastet

Im Vorfeld war die Aufregung rund um die Anmeldung für die weiterführenden Schulen groß. Die im laufenden Prozess veröffentlichten ersten Zahlen erhitzten die Gemüter zusätzlich. Nun ist das offizielle Verfahren beendet. Neben den Bergisch Gladbacher Schüler:innen konnten auch viele Kinder aus Nachbarkommunen aufgenommen werden. Damit sind einige Schulen voll, andere haben noch viele freie Plätze.

Die übrigen vier Gymnasien verzeichnete nach der ersten Runde teilweise noch große freie Kapazitäten. Nach der zweiten Runde gab es 2025 lediglich am Gymnasium Herkenrath und am Albertus-Magnus-Gymnasium noch jeweils 5 freie Plätze. 

An der NMG hatte es nach der ersten Phase noch 7 freie Plätze gegeben. Nach der zweiten Runde waren beide Gesamtschulen voll ausgelastet. Die Realschulen (mit Ausnahme der Realschule Herkenrath) und die Hauptschule hatten 2025 nach Abschluss des regulären Anmeldeverfahrens noch freie Plätze.

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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  1. @ Herr Anno Nüm,
    wenn Sie es so genau wissen wollen… ich habe/hatte keine Kinder in der Schule, aber arbeite seit vielen Jahren als Lehrkraft an einer Grundschule (in einer anderen Kommune). Es gibt sehr viele Schulbegleitungen, die sich um die Kinder 1:1 kümmern, die es besonders schwer haben.

    Sie berichten von ihren persönlichen Erfahrungen mit ihrem Kind. Ich bin sicher, dass ihr Kind auch an einer praxisorientierten Gesamtschule gut zurecht gekommen wäre.

    1. Aber, Herr Brings, ist der Bedarf an Schulbegleitungen nicht eigentlich ein Zeichen dafür, dass Kinder in einer Schule unterrichtet werden, die sie überfordert?

    2. Hallo Paul Brings, mein Kind benötigte keine Schulbegleitung. In der Hauptschule ist es ja klar- und durchgekommen. Da war der Unterricht praxisorientierter. 1:1 Schulbegleitung ist nach meinem Kenntnisstand für Kinder gedacht, die aufgrund einer Behinderung Förderungsbedarf haben. Ich empfinde es als befremdlich, dass Sie das für Kinder empfehlen wollen die ohne eine Schulbegleitung klarkommen können in der Schule. Wissen Sie, was sie solchen Kindern dann in ihren “Lebenslauf” schreiben.

      1. @ Anno Nüm: Sie argumentieren gegen eine Schulform, die sie überhaupt nicht von innen kennen. Wozu soll das hier denn bitte führen – wir drehen uns im Kreis. Wenn Sie das Wort ‘Aufmerksamkeitsstörung’ schon selbst in den Raum werfen ist ADS/ADHS nicht selten. Da es bei ihrem Fall anders scheint, sollte man vielleicht die eher seltene Störung auch benennen um Missverständnissen vorzubeugen. Selektive Aufmerksamkeitsstörungen kommen relativ häufig vor (ca. zwei Kinder pro Klasse)
        Ich freue mich für Sie, dass sie positive Erfahrungen mit der Hauptschule gemacht haben. Ebenso denke ich, dass ihr Kind auf einer praxisorientierten Gesamtschule gute Erfahrungen gesammelt hätte.

      2. @Paul Brings,
        1. sind ADS und ADHS nicht das gleiche. Und Sie hatten direkt ADHS geschrieben, davon ausgehend, dass mein Kind davon betroffen ist.
        2. woher wollen Sie wissen, ob ich die Gesamtschule nicht als Schulform kenne? Die IGP hat dieses Jahr bereits 53 Jahre Bestand. Woher nehmen Sie also das Wissen (oder eher die Vermutung), dass ich die Schule nicht besucht und dort meinen Abschluß gemacht habe.

        Ich möchte hiermit jedoch meinen Dialog mit Ihnen für beendet erklären. Wir kommen nicht auf einen gemeinsamen Nenner.

    3. Hier für Sie mal ein Hinweis, für wen Schulbegleitung gedacht ist:
      https://www.caritas.de/neue-caritas/heftarchiv/jahrgang2021/artikel/chancen-und-gefahren-der-schulbegleitung
      Das als kurzer Auszug:
      Kinder und Jugendliche mit Behinderung können eine Schulbegleitung beantragen, die sie beim Schulbesuch unterstützt. Für viele Kinder mit sogenanntem sonderpädagogischen Förderbedarf ermöglicht erst die Schulbegleitung den Besuch einer allgemeinen Schule und somit einen Schritt in Richtung Inklusion. Die Schulbegleitung ist eine Maßnahme der Eingliederungshilfe beziehungsweise der Kinder- und Jugendhilfe und ergänzt die sächlichen und personellen Ressourcen der Schule. Dieses Nebeneinander lässt neben den Stärken auch kritische Aspekte deutlich werden.

      1. Ich arbeite in dem Bereich. Lustig , was sie mir unterstellen, wo ich doch täglich damit zu tun habe. Das Thema Schulbegleitung lohnt sich nicht in diesem Rahmen aufzumachen, aber googlen Sie mal sozial-emotionale Entwicklung, ADHS und sonderpädagogischer Förderbedarf. Jedes Kind ist anders. Das erlebt jede Grundschule tagtäglich. Dennoch ist es ja möglich, gemeinsam Unterricht zu machen. Ich verstehe da auch Ihre Argumentation nicht.. und nebenbei: Es gibt viele Förderschulen im Rhein-Berg.Einige Kinder sind dort auch am besten aufgehoben.

      2. Hallo Paul Brings, mein Kind brauchte keine Förderschule. Es hatte keine Störung der sozial-emotionalen Entwicklung und auch kein ADHS. Als Lehrkraft sollten Sie wissen, was es alles für Aufmerksamkeitsstörungen bei Kindern und Menschen gibt. Die Hauptschule war die richtige Schulform. Und täte auch vielen anderen Kindern besser als eine Gesamtschule.
        Zudem: ich unterstelle Ihnen garnichts.

      3. Ich habe den Eindruck, dass die gemeinsame Beschulung als Wert an sich gesehen wird, ohne dass eine Evidenz zum Nutzen herausgearbeitet wird. In der Praxis funktioniert sie ja gerade nicht, weshalb mit Binnendifferenzierung und Schulbegleitung das gewünschte Bild aufrechterhalten werden soll – obwohl gerade dadurch den Kindern Tag für Tag unter die Nase gehalten wird, wie unterschiedlich sie die Unterrichtsinhalte bewältigen. Das Gemeinsame verkommt dadurch zur Fassade.

      4. @ Drucker:
        Die gemeinsame Beschulung ist nicht nur ein Wert an sich, sondern ein Recht, dass sich aus der UN-Behindertenrechtskonvention ergibt und an das Deutschland als Vertragsstaat gebunden ist.

        Ohne Experte zu sein würde ich davon ausgehen, dass Menschen, die Betroffene und/oder Expertinnen auf dem Gebiet sind, dieses Recht aus gutem Grund in der UN-Konvention festgeschrieben haben.

      5. @Sebastian: Es geht nicht um Behinderte. Deshalb ist die UN-Konvention hier irrelevant.

      6. @Drucker: geht es um Kinder mit einer Einschränkung im sozial-emotionalen Bereich (Autismus, ADS, ADHS etc. ) reden wir unter Umständen schon von einer Behinderung die auch als Schwerbehinderung anerkannt wird.

      7. Nein, gerade nicht. Die Diskussion entfachte sich an den Schulformen und deren Eignung für auf unterschiedliche Weise lernbefähigte Schülerinnen und Schüler. Das hat nichts mit Integration zu tun, sondern berührt Fragen der Unterrichtsmethodik und der Fächerwahl.

        In dem Zusammenhang wurde die Gesamtschule als Königsweg genannt, obwohl sie lediglich dadurch funktioniert, dass sie die Schulformenvielfalt im Kleinen intern abbildet und das gemeinsame Lernen mit einer Niveaudifferenzierung letztlich wieder aufhebt. Das Gemeinsame in der Gesamtschule ist der Pausenhof.

      8. @ Drucker: Ich habe nicht die ganze Diskussion verfolgt, aber es ging im Ausgangspost doch um Schulbegleitung an Grundschulen. Schulbegleitungen werden doch in der Regel eingesetzt, um Kinder mit Förderbedarf und/oder Behinderungen den Besuch einer Regelschule zu ermöglichen. Weiter unten war auch von Inklusion die Rede. In dem Sinne hatten Sie mit Ihrer Anmerkung recht, dass Schulbegleitungen Kinder an Schulen unterstützen sollen, die sie sonst in der ein oder anderen Art überfordern würde. Darauf bezog sich mein Hinweis, dass die Ermöglichung des Besuchs einer Regelschule ein Recht von Kindern ist.

        Die Diskussion um die Art der Regelschule ist da natürlich eine andere. Aber auch hier ist es nicht abwegig, dass Kinder z.B. kognitiv ohne Weiteres in der Lage wären einen höheren Schulabschluss zu erreichen, aber vielleicht Unterstützung im sozial-emotionalen Bereich benötigen.

      9. Das ist die Grundidee, aber in der Praxis ruft man sehr häufig nach einer Schulbegleitung, wenn das Kind (oft auf Elternwunsch) in einer Schulform landet, die ihm nicht angemessen ist. Das Instrument wird also dazu verwendet, eine falsche Wahl der Regelschulform auszugleichen. Dafür ist es nicht gemacht, die begrenzte Zahl der Schulbegleitungen wird anderswo dringender benötigt und ob das überhaupt gelingen kann, ist fraglich.

        Wo die Behindertenrechtskonvention ganz sicher eine Rolle spielt, ist die Diskussion darüber, ob spezialisierte Förderschulen oder die (bislang personell, finanziell und methodisch eher miserabel aufgestellte) Integration in der Regelschule für die Kinder besser ist. Aber die wurde hier eigentlich nicht geführt.

  2. Ich kann mich Herr Brings nur anschließen. was wir in Bergisch Gladbach brauchen sind mehr Gesamtschulen. Die Gymnasien schieben in die Realschulen ab und die Realschulen in die Hauptschulen. Ich hätte meine Tochter auch lieber auf eine Gesamtschule angemeldet. Jetzt ist es das Gymnasium geworden, weil wir auf einer Gesamtschule keinen Platz erhalten haben.

    1. Hallo DH, so schreiben nur Eltern, deren Kinder problemlos durch die Grundschule kommen.

    2. Wie sie aus den oben angegebenen Zahlen für abgelehnte Kinder an Gesamtschulen den Neubau einer weiteren Gesamtschule rechtfertigen wollen ist nicht nachvollziehbar. Es wurden an beiden Gesamtschulen 44 Kinder abgelehnt, die dann woanders einen Platz finden. Das reicht dann wohl kaum für eine neue Gesamtschule.

      1. Ganz einfach. Viele Kinder werden auch an Gymnasien angemeldet, wenngleich die Eltern eine Gesamtschule präferieren. Gesamtschulen sollen ja alles abbilden..auch von Realschulen gibt es dann Wanderungen. Eine Gesamtschule Kleefeld wäre ja auch eine verhältnismäßig kleine. Aber wo ist das Problem? Für das Stadtzentrum hätte man dann mit NCG, DBG und zwei Gesamtschulen eine gute Abdeckung.

  3. Da baut man für mehrere Millionen einen neuen Anbau auf die Wiese in Hebborn und es melden sich nur 23 Kinder an… 62(!!!!) freie Plätze. Da hat die Stadt komplett am Bedarf vorbei gearbeitet.

    Macht aus dem gesamten Kleefeld eine weitere Gesamtschule. Ist es denn so schwer?

    1. Wir benötigen keine weitere Gesamtschule in Bergisch Gladbach. Was wir brauchen sind Eltern die akzeptieren, dass die Hauptschule die richtige Schulform für das Kind ist.
      Für viele Kinder ist/wäre die Hauptschule die bessere Wahl, aber leider hat die Hauptschule einen sehr schlechten Ruf. Obwohl man dort sehr gute Lernbedingungen vorfindet und bestens auf einen Beruf vorbereitet wird.
      Manch ein Kind erhält ab der 5. Klasse auf der Gesamtschule Nachhilfe, obwohl es auf der Hauptschule besser aufgehoben wäre und dort Erfolgserlebnisse hätte.

      1. So ein Quatsch. Der Bedarf nach Gesamtschulen ist dieses Jahr erneut der höchste. Mit einer weiteren, guten Gesamtschule würde beispielsweise das DBG zudem entlastet.

        Generell ist der Schulwechsel nach der vierten Klasse ein pädagogisch fragwürdiger Zeitpunkt. Warum also nicht im gemeinsamen Lernen weitermachen. Die Kinder kennen es überhaupt nicht anders… Jede Grundschule differenziert entsprechend und es funktioniert. Dazu dann eine gute Förderung durch die Gymnasien für die Überflieger.

        Die Nachfrage nach Hauptschulen ist erschreckend gering. Das belegen erneut diese Zahlen. Das in Verbindung mit dem Neubau ist absolut schlechte Planung seitens der Stadt.

      2. @ Paul Brings mal ganz persönlich: Haben/Hatten Sie in der Familie ein Kind, das mit einer Aufmerksamtkeitsstörung aufwächst/lebt?
        Bei mir war das so. Das Kind (inzwischen Erwachsen und es geht nach einer Berufsausbildung nun erfolgreich seinen Weg im Handwerk) ist nicht dumm, es nahm nur anders auf und benötigte andere Lehrmethoden. Da ist ein “praktisches” Lernen, wie es in der Hauptschule noch erfolgt viel besser und sinnvoller als ein gemeinsames Lernen mit Kindern, die sich über viele Stunden konzentrieren können?

    2. Nach Erfahrungen der Schulleitung aus den Vorjahren steigen die Anmeldezahlen noch bis zum Schuljahresbeginn. Und wie im Text erwähnt: Spätestens ab der 7. Klasse ist die Hauptschule zwei- oder sogar dreizügig, weil viele Kinder und Jugendliche im Laufe der Zeit doch von anderen Schulformen zur Hauptschule wechseln. Der Bedarf ist also offenbar da.

      1. Ich wiederhole mich gerne. Die Kinder lernen vier Jahre gemeinsam. Es funktioniert. Diese Trennung ist nicht notwendig. Ich war selbst auf einer Gesamtschule und die Klasse war bunt gemischt mit verschiedenen Talenten.

        Kinder mit Aufmerksamkeitsstörungen sind keine Seltenheit in Grundschulen und das Gemeinsame Lernen – weiterführend in den ebenfalls sehr praxisbezogene Gesamtschulen – muss für diese Kinder einen stimmigen Rahmen anbieten. Das findet auch alles statt.

        Ich halte es aus pädagogischer Sicht auch für eine ziemlich schlechte Idee, dass in der Pubertät neue Klassen gebildet werden, weil andere Schulformen (etwa die Realschule nebenan) einen Wechsel empfehlen. Bei Gesamtschulen entfällt diese Problematik vollständig.

        Klingt für mich auch so, dass dann die schwächsten Schüler der Jahrgänge (aus ganz GL) alle dort in der Hauptschule aufgefangen werden. Das kann einfach kein gutes, positives Lernklima sein. Besser die ganze Schullaufbahn zusammen, als diese Separation zu fördern. Und dazu natürlich gezielt E-Kurse für die stärkeren Kinder anbieten…

        Und nochmal: Die Eltern wollen es nicht. Gesamtschulen sind nicht umsonst so beliebt.

      2. Hallo Paul Brings, leider haben Sie nicht geschrieben, ob Sie bzw. Ihr Kind ein ähnliches Lernproblem haben wie mein Kind.

        Wenn es so wäre dann wüßten Sie, dass bereits die vier Jahre in der Grundschule für das Kind sehr mühsam und auch frustrierend sind. Und gleichfalls für die Eltern sehr herausfordernd.

      3. @Anno Nüm
        Vielleicht kennt/hat Herr Brings kein solches Kind. Aber eine Nichte von uns hatte auf der Grundschule auch Probleme und die Zeit dort war eine ziemlich Qual für sie.

        Das lag, wie auch die Eltern eingestehen/sehen mussten, dass das Mädel, warum auch immer und im Gegensatz zu ihrer älteren Schwester 0,0 Selbstbewustsein hatte und eher im Umgang mit den anderen Schülern Probleme hatte.

        Die Eltern haben das Kind dann nach der Grunschule auf die Montessori-Schule gegeben und dort ist sie dann richtig aufgeblüht und war, glücklicherweise, unter den Mitschülern dort auch immer sehr beliebt.

        Vor kurzem hat sie auch ihr Abi geschafft!!