Von der Hauptstraße zur VHS und zum kleinen Buchmühlenparkplatz geht es nur über den Fronhof - und nur zu Fuß. Bis November

Eine gewaltige Baumaschine bohrt sich mit Getöse acht Meter tief in den Untergrund der Buchmühle und holt Schlamm aus dem Bachbett der Strunde herauf. Der Riesenbohrer hat den letzten Abschnitt des Hochwasserschutzkanals im Rahmen von „Strunde hoch vier” eröffnet und wird hier noch gut acht Monate lang im Einsatz sein.

Damit, und das realisieren einige der Geschäftsinhaber vor Ort erst jetzt so ganz, sind sie erneut von der Fußgängerzone komplett abgeschnitten. Die Baustelle reicht von Hauswand zu Hauswand, ein Fußweg oder gar eine Fußgängerbrücke sei zwar geprüft worden, aus Sicherheitsgründen aber nicht möglich gewesen, sagt Martin Wagner, Geschäftsführer des Strundeverbands.

Voraussichtlich erst im Juli wird dieser Bereich so weit sein, dass ein Fußweg abgetrennt und wieder ein Durchgang möglich wird. 

Vorher aber kommt es noch schlimmer: in den kommenden Tagen wird auf der Buchmühle, direkt vor dem Reisebüro Hebbel, ein riesiger Drehkran aufgebaut, der die gesamte Baustelle bis November bedienen soll.

Der Baucontainer vor dem Eiscafé auf der Hauptstraße verschwindet zwar bald, macht aber Platz für einen Betonsilo. Die neuen Wasserkanäle kann hier nicht – wie in den übrigen Bauabschnitten – mit Betonfertigteilen gebaut werden, sondern wird vor Ort aus Spritzbeton gefertigt. Dafür treibt der Riesenbohrer Loch an Loch in den Boden, die dann mit Beton gefüllt werden. 

Später wird sich die Baustelle in die Gasse hinter dem Reisebüro hinein fressen und den Zugang zum Café Laurentius erschweren.

Die Anwohner, die seit 2012 zunächst mit der Regionale-2010-Baustelle, 2013 mit dem Hochwasser und seit 2015 mit „Strunde hoch vier” kämpfen, stehen damit vor einer weiteren Durststrecke. Darüber hinaus leide jedoch die gesamte Innenstadt an der Baustelle auf der oberen Hauptstraße, sagt Alexander von Petersenn, Vorsitzender der Interessensgemeinschaft Stadtmitte.

Doch besonders dramatisch ist die Lage für die VHS, die Geschäfte und die Gastronomie, die nur noch über die Laurentiusstraße sowie über den Fronhof erreichbar ist. Eine gelbe Markierung in der Fußgängerzone und ein einsames Baustellenschild weisen den Weg. Am Baustellenzaun hängt ein Banner des Café; weitere Werbeträge sind vom Strundeverband in Auftrag gegeben, sind aber noch nicht da. 

Kein Wunder, dass sich die Geschäftsinhaber über Umsatzverlust, Informationschaos und mangelnde Unterstützung der Stadtverwaltung beschweren. Und das ausgerechnet zu einer Zeit, in der der lange Leerstand überwunden wurde und neue Geschäfte die Ladenzeile von der VHS bis Hebbel beleben. 

Drei Jahre hatte das große ehemalige Schreibwarengeschäft leer gestanden, berichtet Christian Pauluhn, der mit seiner Firma WohnConsult den gesamten Komplex verwaltet. Jetzt wird dort umgebaut, demnächst soll dort eine Shisha-Bar eröffnet werden.

Nebenan ist in der vergangenen Woche ein Geschäft für Reinigungsbedarf eingezogen; der Inhaber hat sich gerade selbstständig gemacht. Auf der Ecke an der VHS residiert seit Dezember der Friseurladen der „Salonschwestern”.  Und das ehemalige Café Centrale oben auf dem Gebäude beherbergt seit November das „Café Laurentius”.

Allen (neuen) Mietern war klar, dass rund um das Gebäude noch gebaut wird. Die Vertreter des Strundeverbands berichten von vielen Gesprächen und Informationsveranstaltungen. Das bestätigt auch Verwalter Pauluhn – allerdings spricht er auch von einem Informationschaos.

Eine Ursache dafür, darauf weist Martin Wagner ausdrücklich hin, war der Ansatz, diesen Teil der Bauarbeiten um einige Monate nach vorne zu ziehen – damit zum nächsten Weihnachtsgeschäft endlich alles fertig ist. Die Chance dafür habe sich erst kurzfristig ergeben, es war sogar ein Ratsbeschluss notwendig. Daher seien einige Umplanungen unter großem Zeitdruck erfolgt. 

Tatsächlich kritisiert Verwalter Pauluhn besonders, das immer neue, überarbeitete Pläne hereingereicht, wichtige Hinweise nur sehr kurzfrstig erteilt, jahrelange Planungen über den Haufen geworfen würden. Was offenbar dazu führt, dass sich einige Anwohner nicht mehr allzu tief in die Materie begeben und nun überrascht werden. Aber offenbar gibt es auch ganz grundsätzlich Verständigungsprobleme zwischen Bauingenieuren und Geschäftsleuten. 

Ein Beispiel ist der Eingang zum Café Laurentius. Von Anfang an war klar, dass  er während der Bauarbeiten in der rückseitigen Gasse nicht zugänglich ist. Also wurde 18 Monate lange geplant, eine Außentreppe vorne auf der Buchmühle direkt hinauf ins Café zu bauen.

Eine erste Variante wurde von der Feuerwehr frühzeitig verworfen. Die neue Variante wurde aber erst vor wenigen Wochen der Feuerwehr präsentiert – und erneut abgelehnt. 

Inzwischen sieht der Plan vor, dass Café-Besucher den schmalen, in Beton eingefassten Fußweg vor dem Reisebüro nutzen, ein paar Stufen erklimmen und über einen „Skywalk” an der Hauswand entlang zum Eingang des Cafés gelangen. Dieser Skywalk ist eine Betonplatte, die über die offene Baugrube hinausragt, aber immerhin zwei Meter breit und auch für Kinderwagen nutzbar ist. Barrierefrei ist der Zugang ohnehin nicht, zum Café führt eine Wendeltreppe hinauf. 

Eine Lösung, die Café-Inhaber und Verwalter notgedrungen akzeptiert haben. Aber wer sich unter diesen Umständen tatsächlich auf den Weg ins Café Laurentius macht muss schon mit einer Portion Abenteuerlust ausgestattet sein. 

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.