Statistische Aufteilung des Stadtteils Bergisch Gladbach-Refrath

Laut Wikipedia hat Refrath gerade einmal knapp 9.000 Einwohner. Tatsächlich sind es fast 24.000. Unser Autor erklärt, woher die Differenz kommt, wie Refrath entstanden ist und wie groß der Stadtteil wirklich ist.

Wer sich z.B. als Neubürger über Refrath informieren will, ruft unter diesem Stichwort den Beitrag in Wikipedia auf. Dort erfährt er dann unter anderem die Koordinaten von Refrath: 50° 57′ 24″ N, 7° 6′ 59″ O. Oder, dass Refrath Stadtteil Nummer 61 von Bergisch Gladbach ist und zum Statistik-Bezirk 6 der Stadt gehört.

Unter dem Stichwort „Bevölkerung“ zitiert Wikipedia die EDV-Einwohnerdatei von Juni 2017; hier gibt es aktuellere Zahlen vom 31. Dezember 2017, laut denen Refrath über 9.153 Einwohner verfügte.

Doch – diese Daten sind irreführend! Zu addieren sind:

  • Alt Refrath – 3.136 Einwohner
  • Kippekausen – 2.516  Einwohner
  • Frankenforst – 5. 397 Einwohner
  • Lustheide – 3.397  Einwohner

Zusammen mit der für „Refrath“ angegebenen Summe ergibt sich für Refrath insgesamt eine Bevölkerungszahl von 23.599 Einwohnern!

Wie ist das zu erklären?

Der Bearbeiter hat die statistische Aufteilung des Stadtteiles Refrath zum Anlass genommen, Refrath in „Stadtteile“ aufzuteilen. Man muss also die restlichen vier Bezirke zusätzlich aufrufen, um einen Überblick zu erhalten. Denn tatsächlich reicht Refrath vom Bahndamm im Osten bis zu den Benigsfelder Wiesen/Eichenkamp im Westen und vom Flehbach im Süden bis zur Schluchter Heide im Norden.

Refrath hatte mehrere Siedlungskerne:

  • Kippekausen und Beningsfeld waren einzelne Gehöfte,
  • die Steinbreche verdankt dem Schlossbau in Bensberg ihr Entstehen,
  • das Vürfels war wie Alt-Refrath schon früh dichter besiedelt,
  • die Lustheide war eigentlich nur eine Durchgangsstraße von Köln ins Bergische (Brüderstraße).

Allen gemeinsam war die Alte Kirche St. Johann Baptist, denn Refrath war bis zum 2. Weltkrieg ein „katholisches Dorf“. Spätestens Ende des 19. Jhd (steigende Einwohnerzahlen!) wurde die Besiedlung dichte.

Von den großen Wiesen und Feldern im Ort ist heute so gut wie nichts übrig geblieben, selbst die Wälder ringsum sind zurück gewichen. Der Frankenforst war das, was der Name sagt: ein Forst  – vom heutigen Golfplatz bis zur Frankenforster Straße, südlich davon begann der Königsforst. Die Bebauung, abgesehen von Alt-Frankenforst, setze im Wesentlichen nach dem 2. Weltkrieg ein.

Hans Peter Müller

ist Lehrer im Ruhestand und war lange Jahre Vorsitzender des Bürger- und Heimatvereins Refrath. Als Heimatforscher und Autor arbeitet er die Geschichte des Ortsteils auf.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

3 Kommentare

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Ich selbst bin 1941 auf der “Lustheide” geboren. Nie habe ich jemanden sagen hören “Ich bin ein Lustheider”. Refrath und Alt Refrath zu trennen mag statistisch angebracht sein – ist historisch absurd.

    Bis 1872 war die Alte Kirche für alle genannten Ortsteile katholische Pfarrkirche, seit 1861 auch das “Beningsfeld”, dann die jetzige St. Johann Baptist. Eine evangelische Gemeinde gab es noch nicht.

    Mit der Gründung der Gemeinde St. Maria Königin (1954), dem Kirch- und Schulbau entstand nach dem Krieg ein “Kern” in Neufrankenforst. Als Grenze wurde der Bahndamm festgelegt. Die Besiedlung nahm rasch zu, auch jenseits der “Frankenforster Str.”

    Da war es noch am ehesten angebracht, von einem eigenen “Stadtteil” zu reden. Die Schule “Fasanenstr.”, die ich selbst über ein Jahr besucht habe, steht nicht mehr, die Kirche ist profaniert, ihr Denkmalstatus umstritten.

    Was den “Frankenforst” angeht, so befasse man sich mit der Siedlungsgeschichte und der Rolle der Hildegund von Ahr und Meer und dem Erbstreit von 1166. (Refrath gestern und heute, Bd. 3/I, S.33f.)

  2. Die Zuordnungen haben nichts mit der Wahrnehmung der Bürger zu tun, deshalb irritieren die offiziellen Bezeichnungen. Auch haben sie oft nicht viel mit der Lokalgeschichte zu tun, sondern es wurde für die Statistik “passend” gemacht. Die alten Ortsschilder kommen der Realität der meisten Menschen nahe, auch wenn es Leute gibt, die seit Jahren dagegen ankämpfen…

    Zum Frankenforst: der endete nie am Golfplatz, schaut man sich alte Karten (Tranchot, preußische Ur- und Neuaufnahme und die topografische Karte aus der NS-Zeit) an, dann liegt der Frankenforst (auch) im Bereich der heutigen Hans-Böckler-Straße in Lückerath (für mich: in Bensberg).

    Off-topic: Diese Karten sind ohnehin zu empfehlen, z. B. wenn man sich wundert, warum an der Albert-Schweitzer-Straße Wasserfontänen in den Himmel schießen. In der Tranchot-Karte sieht man dort ein Gewässer. (https://www.bezreg-koeln.nrw.de/brk_internet/tim-online/index.html).

  3. Auf der Seite des Bürgerportals wird aktuell darüber berichtet, dass der Stadtteil Refrath auch aus Alt Refrath, Frankenforst, Kippekausen und Lustheide bestehe, was ich für Unsinn halte. Gleichzeitig werden aber an gleicher Stelle Ortsteile zu Stadtteilen erhoben, die niemals Stadtteil werden können. Siehe zum Beispiel Beit Jala, Ganey Tikva, Diepeschrat, Dombach, Gierath… Ich erspare mir einen eigenen Kommentar dazu.