Die Kostümsitzung der Grossen Bensberger Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß weckt jedes Jahr hoch gesteckte Erwartungen. Die wurden in diesem Jahr mehr als erfüllt. 

Dat es herrlich – un ech Berjisch!“ Dieses Motto der Session 2019/2020, wie jedes Jahr beim Prinzenessen am Karnevalsdienstag der Vorsession verkündet, war auch das Motto in der vollbesetzten Aula des Albertus-Magnus-Gymnasiums zu Bensberg. Die Grosse Bensberger Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß von 1968  e.V. (GBK) hatte zu Ihrer RadioBerg-Kostümsitzung eingeladen.

Der wunderschön dekorierte und in Rot und Weiß ausgeleuchtete Saal war bis auf den letzten Platz besetzt, als sich um 18:55 Uhr der Heimauftritt des kleinen Trifoliums in den oft beschriebenen „Gürzenich von Bensberg“ vollzog.

Viele Abordnungen Bensberger Karnevalsgesellschaften mit ihren Fahnen begleiteten das „Kinderdreigestirn der Stadt Bergisch Gladbach“ auf die Bühne, deren Träger die GBK seit über vier Jahrzehnten darstellt. Den Dreien voran zog ihre Prinzengarde, die Jungs und Mädels der „Schlossstadtpänz“ von der Tanzsportgemeinschaft der GBK (TSG), die die drei Kinder-Regenten bei all ihren Auftritten begleiten.

Ein herrlich buntes Bild bot sich dem Elferrat, der sich aus allen Gruppierungen der GBK zusammensetzte. Seine Fertigkeit Präsident Rainer Furth-Quernheimer, auch EffQu genannt, begrüßte das Kinderdreigestirn mit gewohnt launigen Worten, entlockte ihm persönliche Dinge wie schulische Lieblingsfächer, Hobbys und bevorzugte Speisen um den Dreien dann das Wort zu überlassen. Sie teilten sich das, was sie zu sagen hatten und schlossen ab mit einem schönen Lied. Den großen Applaus hatten sie verdient.

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Um dem Auftritt den entsprechenden Rahmen zu geben, tanzte dann die Prinzengarde des Kinderdreigestirns, die „Schlossstadtpänz“, und erhielt ebenso große Zustimmung aus dem Saal. Nach den üblichen und nötigen Orden-Verleihungen hielten die Drei noch einmal den Saal an, in das traditionelle Alaaf einzustimmen. Natürlich erhoben sich alle Gäste von den Stühlen, als das Dreigestirn der Pänz mit seiner Prinzengarde unter den Klängen der Saalkapelle auszog.

Der nachhallenden Begeisterung sah sich der Präsident gezwungen, etwas Einhalt zu gebieten, denn nun kam ein Wortbeitrag in Reimform, wie es ihn im Grunde nur von Einem so gekonnte vorgetragen wird: „Dä Tuppes vom Land“ präsentierte die ersten Zeilen, und es wurde ruhiger.

Schon gefühlte 100 Seiten Verse auswendig zu lernen und unfallfrei vorzutragen ist eine enorme Leistung. Ich hab schon mal die „Heinzelmännchen von Köln“ lernen müssen und weiß, wovon ich spreche. In seiner Art, das Publikum oft die Enden eines Reims aufsagen zu lassen, holte der Mann eine Lachsalve nach der anderen und erhielt sehr oft den verdienten Zwischenapplaus mit Tusch.

Selbst der Schlamassel in Thüringen hatte ganz am Anfang einen Platz in seiner Rede. Nach musikalischer Zugabe, Ordenserhalt und 3 Mol Bensberg, Kölle und Gläbbich durfte er von der Bühne.

An den Roadies im Hintergrund konnte man dann erkennen, dass eine Musikgruppe sich anschickte, das närrische Volk zu unterhalten. Die „Labbese“, alteigesessene Band aus Bergisch Gladbach in seit einiger Zeit veränderter Zusammensetzung, spielten sehr gekonnt ihre Lieder, oft vom ganzen Saal gesangsmäßig unterstützt. Das war auch in Bensberg ein Heimspiel.

Im Anschluss kamen Schönheit, Anmut, Gelenkigkeit und Akrobatik auf die Bühne. Angeführt und angesagt vom Sprecher Niklas Reiländer und geleitet von ‚Babsi” Apitz, der neuen Vorsitzenden der TSG, tanzten nun die „Klabauter-Männer“(?) der TSG ihre fetzigen, akrobatischen aber auch schrittfolgesicheren Darbietungen.

Diese Truppe, vor fast 50 Jahren gegründet (nein nein, es tanzen keine Gründungsmitglieder mehr), hat eine bemerkenswerte Entwicklung hin zu den Spitzen dieses Sports genommen, dass einem das Herz aufgeht. Jedenfalls legten die Mädchen und Jungs ein paar Tänze aufs Parkett, die einen manchmal den Atem anhalten ließen, oft ein Ah und Oh ob der gelungenen Choreographie entlockten und einen donnernden Applaus nach jedem Ende eines Tanzes provozierten. Es ist ein Erlebnis, diesen jungen Menschen zuzusehen.

Den rot-weißen Tänzerinnen und Tänzern folgten fünf Mädels in gleichen Farben, die nicht nur Gesangsvorträge im Rucksack hatten sondern ihren Auftritt mit Tänzchen, Sketchen und Witzen abrunden. Die Damen zeigten sich äußerst peppig, haben ihr gesangliches Repertoire sehr gut im Griff und zeigten ganz klar, dass sie Spass an d’r Freud haben. Seine Fertigkeit, Präsident EffQu hätte Mühe, so viel Wibbeligkeit gebührend zu verabschieden

Pause? Nein, Pausen gibt es bei der GBK schon lange nicht mehr. Das ist wie ein Kneipenwechsel: Die Stimmung ist anschließend erst mal im Keller.

Außerdem konnte dä PPPPPPPräsident (frei nach Speumanes aus dem kölschen Hänneschen) jetzt den „Höhepunkt einer jeden Sitzung im Rheinland“, wie man das zu nennen pflegt, ansagen.

„Et Dreigesteen kütt“ rief EffQu in die Aula, und mit der Bergisch Gladbacher Prinzengarde in großer Zahl und begleitet von ihren Adjutanten, zog das Dreigestirn der Stadt Bergisch Gladbach ein. Die Kapelle untermalte das Ganze mit den entsprechenden Marschklängen, das Volk sprang auf von seinen Stühlen, der Jubel wollte kein Ende nehmen.

Ich mach’s mal kurz: Begrüßung durch Präsidenten, Alaaf, Begrüßung vom Prinzen, Alaaf, Begrüßung vom Bauern Alaaf, Begrüßung von der Jungfrau, Alaaf, Verzällchen vom Prinzen, Alaaf, EffQu kam kaum noch zu Wort, Alaaf, 2 schöne Lieder des Dreigestirns, 2 x Alaaf, Ordensübergaben, 3 x Alaaf, Ausmarsch. Dazwischen – sehr wohltuend – der Auftritt der Prinzengarde samt Marieschentanz und Säbelgerassel.

Anna-Lena Engels und Philip Wallraf tanzen leider die letzte Session – sehr schade. Das Dreigestirn 19/20 aus den Reihen der „Löstije Stänedräjer“ (Prinz und Bauer) und des BCC (na, wer von denen?) ist ein recht volksnahes, das schnell die Sympathien der Menschen erhält. Es war schön, sie erleben zu dürfen.

Und wenn wir schon mal bei Dreigestirn und Prinzengarde waren, dachte wohl der Literat, dass er gleich sozusagen im Duktus bleiben könnte und hatte die Prinzengarde der Stadt Köln eingeladen, aber ohne Dreigestirn. Das darf, glaube ich, nicht so weit nach Osten.

Ich schrieb schon früher mal „150 Mann un en Fahn vörren dran  . . . ” und so war’s auch am Freitag. Die Bühne voll (mit Prinzengardisten), die Seitengänge dto. und dort musste sogar die Kapelle für den Marieschentanz aufspielen, weil die Bühne dafür benötigt wurde.

Kurz und gut – tolle Musik (Blechmusik hebt), schöner Tanz, schöne Menschen, schöner Präsident und ich denke, schönes Bützchen. Beim Ausmarsch ging die Kapelle wie immer zum Schluss, was der Kurzweil der Besucher beim 150-Mann-Auszug entgegenkam.

Und noch was aus Köln. Viele hübsche Männer, begleitet von einigen Damen, alle in Weiß/Blau oder umgekehrt und auch ganz viele. Die Stattgarde Colonia Ahoy hatte die Aula des AMG geentert und dabei sogar noch etliche Mitglieder draußen gelassen.

Zunächst spielte die Kapelle auf, wonach der Chor der Gesellschaft die Stimmen erheben und den Saal erbeben ließ. Damit nicht genug, durften nun auch der Rest der Gesellschaft auf die Bühne, das Tanzcorps. Und da kamen viele Besucher ins Staunen, dass Männer die Beine höher werfen können als manches Marieschen.

Es war eine grandiose Chorographie, die mit entsprechenden Begeisterungsrufen und donnerndem Applaus belohnt wurde. Leider guckte sich manches Mädchen im Saal vergeblich die Augen aus, die Männer der Stadtgarde sind sich oder anderen treu.

Zum Abschluss der Sitzung schlugen dann noch „Kuhl un de Gäng“ in Saiten und auf Trommeln und brachten den Saal noch mal zum Beben. Rockig und emotional wie gewohnt ließen sie die Besucher alles Mögliche bewegen und singen.

Ein gelungener Abschluss einer Sitzung im Gürzenich von Bensberg, man könnte auch sagen im karnevalistischen Wohnzimmer der GBK, die seit Jahren immer ausverkauft ist und den Zusammenhalt und die Gemeinschaft der GBK und ihrer Freunde und Besucher bei viel Spass an d’r Freud demonstriert.

Darum, lieber Leser: 20. Januar 2021, Radio Berg Kostümsitzung der  KG Grosse Bensberger.

Rolf Havermann

wohnt seit 1982 in Bergisch Gladbach. Hat hier 30 Jahre lang sein eigenes Unternehmen geführt. War elf Jahre Vorsitzender eines Bensberger Karnevalsvereins. Ist nun dessen Ehrenvorsitzender und Rentner - und beschätigt sich seit Februar 2016 mit wachsender Intensität mit dem FNP.

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