Über Generationen hat die Papiermacherfamilie Zanders das Bild der Stadt geprägt. Wirtschaftlich, aber auch im Bereich der Architektur. So geht auch der Entwurf für das Gladbacher Rathaus auf eine Initiative von Richard Zanders zurück, der dafür den Architekten Ludwig Bopp auswählte. 

Bopp entwarf die Gronauer Waldsiedlung, das Schloss Lerbach, in der Innenstadt das Gasthaus am Bock sowie den Bergischen Löwen mit dem Mariensaal, die zwischen 1903 und 1907 errichtet wurden. Da lag es nahe, dass Bopp mit der Gestaltung des neuen Rathauses beauftragt wurde. Die drei Baukörper bilden seither ein harmonisches Ensemble rund um den Konrad Adenauer-Platz.

Ein Neubau wurde notwendig, nachdem Bergisch Gladbach 1856 vom preußischen König die Stadtrechte erhalten hatte. Das Rathaus war damals noch ein kleines Fachwerkhaus an der Odenthaler Straße.

Hinweis der Redaktion: Dieser Beitrag ist Teil einer Serie über die kulturellen Einrichtungen in Bergisch Gladbachs kultureller Mitte, verbunden mit einer 360-Grad-Panoramatour durch die Museen, Kirchen und Veranstaltungsorte in der City. Alle Beiträge finden Sie hier.

Einweihung zu 50 Jahren Stadtrechten

1898 kauften wohlhabende Bürger das Grundstück am Marktplatz, verbunden mit der Auflage, dass der Bau des neuen Rathauses in zehn Jahren vollzogen werden müsse. Auch damals gab es klamme Kassen, der Rat zögerte, und so spendete Richard Zanders 30.000 Mark für den Neubau – vorausgesetzt sein „Hausarchitekt“ Bopp würde mit dem Bau beauftragt.

Der Beschluss wurde am 25. April 1905 in der Ratsversammlung getroffen. Das Budget betrug 212.500 Mark. Im Juni des gleichen Jahres erfolgte die Grundsteinlegung. Nach nur 15 Monaten Bauzeit konnte das Gebäude am 22. September 1906 eingeweiht werden – zum 50. Jahrestag der Stadterhebung.

Richtfest für das neue Rathaus. Foto: Stadtarchiv

Das Rathaus weist eine Dreiteilung auf, die Architekt Bopp ganz bewusst gewählt hat. Der Eindruck, es handele sich um mehrere Bauabschnitte, täuscht. Der Hauptteil in der Mitte ist mit Dolomitkalkstein aufgemauert. Das Walmdach wird durch eine Aussichtslaterne mit Haubendach gekrönt. Dominant sind die großen Fenster, die auf den dahinterliegenden alten Ratssaal verweisen. 

Die rechte Seite wird durch Fachwerk dominiert und weist einen Erker auf. Der linke, leicht zurückgesetzte Putzbau präsentiert ein Wandgemälde mit einer Stadtansicht von 1800 sowie einer Sonnenuhr.

Foto: Stadtarchiv

Bilderzyklus von Maria Zanders

1983 erfolgte eine Renovierung des Gebäudes. Dabei wurde im Ratssaal die Balkendecke in Gold und Braun eingefasst, die Verglasung der großen Rundbogenfenster rekonstruiert und Tapeten nach alten Mustern aufgebracht.

Im Ratssaal ist zudem ein Zyklus biblischer, alttestamentarischer Ölgemälde zu sehen. Dabei handelt es sich um Kopien einer Reihe des Malers Johann Wilhelm Schirmer, die Maria Zanders unter der Anleitung des Schirmer-Schülers Carl Ludwig Fahrbach 1857 erstellt hat. Maria Zanders führte nach dem Tod ihres Mannes Richard lange Jahre das Papierunternehmen J.W.Zanders. Sie initiierte den Bau der Villa Zanders und trieb die kulturelle Entwicklung der Stadt nachhaltig voran.

Quellen:

  • Albert Eßer, Bergisch Gladbacher Stadtgeschichte, Stadtarchiv Bergisch Gladbach 2006
  • Michael Werling, Baudenkmäler in Bergisch Gladbach, BGV Rhein Berg 2019

Holger Crump

ist freier Journalist und vielseitig interessierter fester Mitarbeiter des Bürgerportals.

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