Seit vielen Jahren plant das EVK eine Erweiterung auf dem Gelände der Alten Feuerwache. Im Planungsausschuss werden jetzt konkrete Entwürfe vorgestellt, die neben einem großen Parkhaus auch ein neues Reha-Zentrum enthalten. Und die das heruntergekommene Areal zwischen Quirlsberg und oberer Hauptstraße gründlich verändern könnten.

Die Alte Feuerwache an der oberen Hauptstraße
Die alte Feuerwache an der oberen Hauptstraße. Foto: Archiv

An die Alte Feuerwache an der Kreuzung der Odenthaler Straße / Hauptstraße erinnern sich nur noch Alteingesessene – das Gebäude war vor Jahren abgerissen worden, seither wird das Gelände am Fuß des Quirlsbergs mit dem Kalksteinbruch im Hintergrund nur noch als Parkplatz genutzt. Östlich davon, über einen Fußweg von der Hauptstraße zur erreichen, gelangt man zum Vorplatz des EVK-Parkhauses, und eine verwilderte Brachflächen mit zwei denkmalgeschützen Kalköfen. Ein Areal, das früher auch als „Zillertal“ und Standort einer Gartenwirtschaft bekannt war.

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Ursprünglich wollte das Evangelische Krankenhaus (EVK) hier sein Parkhaus erweitern und ein Seniorenheim bauen – nun soll es ein Parkhaus plus Reha-Zentrum werden. Eingebettet in eine weitläufige urbane Parkanlage mit Außengastronomie. Das geht aus den Unterlagen hervor, die die Stadtverwaltung im Vorfeld der Sitzung des Stadtentwicklungs- und Planungsausschusses am 10. August veröffentlicht hat.

Eine frühe Skizze zur möglichen Gestaltung des Geländes. Oben links das erweiterte Parkhaus, in der Mitte das Reha-Zentrum (mit einem begrünten Dach), rechts unten das Quirls und die Gnadenkirche. Foto: Ratsinformationssystem der Stadt Bergisch Gladbach

Zunächst hatte das EVK hier über ein weitläufiges Diakonie- und Kulturzentrum nachgedacht, später war ein großes Seniorenwohnheim geplant und immer war klar, dass das alte Parkhaus deutlich erweitert werden soll.

Jetzt liegt dem zuständigen Ausschuss eine Verwaltungsvorlage vor, wonach das Verfahren zur Änderung des einschlägige Bebauungsplans Nr. 2168 fortgeführt werden soll. Und zwar auf der Grundlage eines „überarbeiteten“ Nutzungskonzeptes.

Im vergangenen Jahr sei das EVK vom Seniorenheim abgerückt und habe nun ein „Gesundheits- und Therapiezentrum“ (Reha-Zentrum) in die Diskussion gebracht. Die Planung des Parkhauses im östlichen Teil des Geländes bleibe unverändert, heißt es in der Vorlage.

Der aktuelle Zustand der Zufahrt zum Gelände der Alten Feuerwache an der Hauptstraße – und ein Entwurf für eine künftige Gestaltung.

Fünf statt sechs Geschosse

Im Erdgeschoss des Reha-Zentrums solle den Plänen zufolge ein Foyer mit Empfang, Büro- und Therapieräume, Heilmittelpraxen sowie ein großes (öffentlich zugängliches) Bistro mit Außenbereich entstehen. In den Obergeschossen seien Behandlungs-, Kurs-, Untersuchungs-, Therapie- und Personalräume sowie Trainingsflächen vorgesehen.

Damit all das Platz findet soll das Gebäude zwar nicht in der Fläche, aber in die Höhe wachsen: von zunächst geplanten fünf auf sechs Geschosse. Dennoch füge sich das Gebäude in die Umgebung ein, da sich ja dahinter der Quirlsberg mit dem ehemaligen Steinbruch und den alten Kalköfen erhebt, argumentiert die Stadtverwaltung in der Vorlage: „Durch diese Art der Einbettung in die Umgebung wird es trotz seiner Höhe als städtebaulich verträglich angesehen.“

Das Areal zwischen Kulturhaus Zanders (links) und dem EVK auf dem Quirlsberg soll neu gestaltet werden. Foto: Stefan Krill / Panomedia360

Der Neubau befindet sich im Umfeld eines städtbaulich sehr heterogenen Teils der Hauptstraße – mit dem markanten Kulturhaus Zanders, inzwischen ebenfalls im Besitz des EVK, dem Waatsack, dem ehemaligen Viktoria-Kino, einigen großen Neubauten und der Gnadenkirche. Um sich hier positiv einzupassen, soll ein entsprechender Platz entstehen, mit Gastronomieangeboten und Stellplätzen.

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Für die Gestaltung des Platzes sei ein Ankauf des benachbarten Gebäudes Hauptstraße 268 erforderlich, heißt es in der Verwaltungsvorlage lapidar. In dem etwas zurückliegenden Privathaus hat ein Raumausstatter seinen Sitz.

Für die benachbarte Kneipe „Quirls“, so die Vorlage, wirke sich die Nutzungsänderung positiv aus: Im Gegensatz zu einem Seniorenheim stelle ein Reha-Zentrum deutlich niedrigere Anforderungen an den Lärmschutz.

Aber auch in die rückwärtige Umgebung müssen sich die Pläne einfügen. Über den Abstand zur geschützten Steinbruchböschung gebe es Gespräche mit der Unteren Natur- schutzbehörde, die denkmalgeschützten Kalköfen sollen durch das neue Parkhaus überbaut, aber nach einer Sanierung sichtbar bleiben.

Links das bestehende Parkhaus des EVK; nach dem Abriss alter Häuser sind dahinter die zugemauerten alten Kalköfen sichtbar. Sie stehen unter Denkmalschutz und sollen unterhalb des neuen Parkhauses sichtbar bleiben.

Mit dem Projekt hat sich auch der Gestaltungsbeirat bereits befasst, es weitgehend positiv beurteilt und einige Detail-Empfehlungen abgegeben. Diese seien, so die Vorlage, in den jetzt veröffentlichten Entwürfen bereits berücksichtigt worden. So sei die Fassade und die Nutzung der Dachflächen überarbeitet worden.

Auch auf den Verkehr wird sich das Projekt auswirken. Die Erschließung des neuen Parkhauses soll über die Rampen des bestehenden Parkhauses erfolgen, mit der Einfahrt wie bisher über die Ferrenbergstraße und einer Ausfahrt auf die Hauptstraße.

Auf das Grundstück des Reha-Zentrums kann mal laut Planung (aus Richtung Innenstadt) nur rechts einbiegen die Ausfahrt führt ebenfalls nach rechts stadtauswärts. Eine private Ringerschließung gemeinsam mit den östlich angrenzenden Nachbarn im rückwärtigen Bereich werde weiterhin angestrebt. (Ein früher mal geplanter Umbau der Kreuzung Hauptstraße / Odenthaler Straße zum Kreisverkehr ist längst zu den Akten gelegt worden.)

Die Stellplätze für das Reha-Zentrum sollen im neuen Parkhaus ausgewiesen werden; auf dem Gelände nur Parkplätze für Taxen, Menschen mit Behinderung und Kurzzeitparker eingerichtet werden.

In einer ersten Öffentlichkeitsbeteiligung und Behörden- und Trägerbeteiligung hatte die Stadtverwaltung bereits Stellungnahmen eingesammelt, diese sollen aber erst später – nach Fertigstellung der Fachgutachten – dem Ausschuss mit dem bis dahin ausgearbeiteten Bebauungsplan vorgelegt werden.

Die Auswirkungen auf das Stadtklima verändern sich laut Vorlage gegenüber der ursprünglichen Planung nur unwesentlich. Große Teile der betroffenen Flächen seien ohnehin bereits versiegelt. Eine Dachbegrünung und der Einsatz von Photovoltaik seien vorgeschrieben – und auf den Plänen auch zu erkennen.

Dennoch werde es mit der neuen Bebauung zu „mikroskaligen klimatischen Veränderungen (Temperatur, Durchlüftung etc.)“ im Plangebiet und in der Umgebung kommen. Nach ersten Untersuchungen sei der Bereich in Sachen Klima und Lufthygiene sehr sensibel. Die zu erwartende Verschlechterung der Durchlüftungsbedingungen sei jedoch zulässig. Grundsätzlich folge die Entwicklung des Areals dem Gebot der vorrangigen Innenentwicklung.

Wann, und in welchem Umfang diese Pläne tatsächlich verwirklicht werden, ist noch offen – und hängt neben den politischen Entscheidungen im Rahmen des Bebauungsplans wahrscheinlich auch von wirtschaftlichen Überlegungen des Investors ab. Kostenschätzungen oder Zeitpläne sind in den Unterlagen nicht enthalten. Der Stadtentwicklungs- und Planungsausschuss wird in seiner Sitzung am 10. August zunächst einmal nur über die Fortführung des B-Plan-Verfahrens entscheiden.

Alle Unterlagen für die Ausschusssitzung finden Sie im Ratsinformationssystem.

Dokumentation:

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. Ich sehe Verkehrssituation der Hauptstraße an dieser Stelle schon als besonders strapaziert, sowohl wenn ich mit dem Auto dort fahre, insbesondere aber als Radfahrer…
    Ich möchte gerne wissen, was gegen einen tüchtigen Kreisverkehr oder einen Umbau der Abbiegung spricht. M.w. ist das Gebäude “Waatsack” im Weg, wg. des bestehenden Denkmalschutzes. Denkmalschutz?? Ohje… das Aroma in dieser Kneipe ist eher modrig / schimmelig… es ist für mich unverständlich, dass dieses große Schmuddelgebiet (Waatsack und sich daneben befindende, bereits leestehende Gebäude) nicht durch eine angemessene Verkehrsführung ersetzt werden. Das neue Projekt des EVK würde sicher auch davon profitieren…

    1. Also für eine zukunftsfähige Lösung sollte man wirklich auch einmal darüber nachdenken nicht nur diese ganzen slumartigen Reste sauber abzuräumen, sondern vielleicht auch die Gnadenkirche gleich mit. Beim Kreisverkehr könnte man sich dann nämlich am Bonner Verteiler orientieren.
      Wieso da bisher noch keiner drauf gekommen ist, das verstehe ich wirklich nicht.

  2. Fahzrradstreifen vorgesehen?
    Wenn man sowieso neu baut, sollte da der Abstand zur Strasse vergrössert werden. Mit dem Rad ist sehr unangenehm da lang zu fahren und die Autos sind auch deswegen verhindert schneller als der Radfahrender * zu fahren .

  3. Es gibt doch die Kalköfen an prominenter Stelle am Bhf.
    Könnte man diese versteckten hier nicht aus der Denkmal-Liste entfernen?