Die Klima-Demonstration im September 2023. Foto: Philipp J. Bösel

Rund 300 Personen sind am Freitag zum Klimastreik durch die Innenstadt gezogen. Bei der Kundgebung auf dem Marktplatz kritisierten meinungsfreudige Redner:innen die schleppenden Debatten um das Klimaschutzkonzept in GL und forderten mehr Inklusion. Eine Protestbrief-Aktion soll Kanzler Scholz an seine globale Verantwortung mahnen.

„Wir sind hier, wir sind laut, weil Ihr uns die Zukunft klaut”. Mit dem bekannten Protestruf der Klimabewegung von Fridays for Future zogen am Freitag rund 300 Klimaschützer:innen (Polizeiangaben) durch die Innenstadt von Bergisch Gladbach, vorbei an Schnabelsmühle und Gohrsmühle. Eingeladen hatte das Klimabündnis Bergisch Gladbach.

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Motto der Aktion: „Klimaschutz beginnt vor der Haustür”. Und er hat dennoch eine globale Dimension, wie die Redner:innen bei der anschließenden Kundgebung auf dem Konrad-Adenauer-Platz betonten.

„Die ärmeren Länder zahlen die Zeche”, sagte Christine Leveling (SPD, dritte stellvertretende Bürgermeisterin) . Die Klimakrise sei ein Gesellschaftsproblem.

Fotos: Philipp J. Bösel

Briefaktion an Kanzler Scholz

Roland Vossebrecker (Initiative Klimagerecht leben, Initiator des Klimabündnisses) forderte: „Wir dürfen nicht über die Verhältnisse anderer Menschen leben.” Harsch seine Kritik an die Regierungspartei der Grünen: „Bitte keine Märchen mehr vom grünen Wachstum, wir brauchen einen global gerechten, nachhaltigen Gesellschaftsvertrag.”

Seine Initiative hat eine Briefaktion an Kanzer Scholz angestoßen, der nach Ansicht der Aktiven die Empfehlungen seiner Klima-Experten missachte. Mit der Mail-Aktion, die jeder in Eigeninitiative durchführen solle, will man den Briefkasten des Regierungs-Chefs „fluten”, so Vossebrecker.

(Hinweis der Redaktion: Wir dokumentieren den Brief am Beitragsende.)

Das Klimabündnis Bergisch Gladbach
Grenzenlos – Begegnung für ALLE
Initiative KlimaGerecht Leben
Maik Außendorf MdB
Bündnis 90/DIE GRÜNEN Bergisch Gladbach

Foto: Klaus Hansen

Lokale Stimme gegen fossile Lobby

Dass Politik im Namen des Klimaschutzes nicht immer einfach ist, machte Maik Außendorf (MdB, Die Grünen) deutlich. Er erinnerte an Klima-Projekte der Bundesregierung, die unter steter Kritik der Springer-Presse realisiert wurden.

Forderungen und Parolen der Klimastreikenden

Es wird nicht billiger – Straßen fürs Leben statt für Autos – Notstand Artensterben – Die Erde brennt, die Politik pennt – Highway in die Klimahölle – Tempolimit jetzt – Burn fat, not oil – Zukunft wäre geil – System change, not climate change – Wir haben nur eine Erde – Klima schützen ist nicht schwer, öffentlicher Nahverkehr – Grow food, no emissions – Noch teurer als Klimaschutz ist kein Klimaschutz – Wir müssen laut werden, weil andere nicht laucht werden können
Quelle: Plakate des Klimastreiks Bergisch Gladbach, 15. September 2023

Die Bild-Zeitung würde von einer fossilen Lobby beeinflust, so Außendorf. Umso wichtiger sei der Protest hier im Lokalen, als Gegengewicht zu den lauten Medienkampagnen.

Schluss mit „Ja-aber” Diskussionen

Martin Häusling von den Klimafreunden Rheinberg forderte eine Abkehr vom „Turbokapitalismus” und kritisierte vor allem die schleppende Debatte des integrierten Klimaschutzkonzeptes in GL.

„Das wird nicht verbessert, das wird verwässert” so seine Befürchtung und forderte von Bedenkenträgern bei CDU, FDP und Freien Wählern ein klares Bekenntnis zum Klimaschutz.

„Wir sind die Ja-aber Diskussionen leid”, machte Häusling klar, die Zeit renne davon. Zugleich würden die Zulassungszahlen bei fossilen PKW auf Rekordniveau schnellen. “Einhundert Prozent erneuerbare Energien bis 2035”, lautet die Forderung der Klimafreunde.

Fotos: Klaus Hansen

Inklusiver Klimaschutz

Klimaschutz muss inklusiv sein und alle mitnehmen, so eine weitere Forderung auf dem Klimastreik. Das wurde nicht zuletzt ganz praktisch durch eine Gebärdendolmetscherin deutlich, welche die Redebeiträge auf der Bühne übersetzte. Unter anderem von Vertreterinnen des inklusiven Projekts Café Grenzenlos unter der Leitung von Sonja Schumacher.

In punkto Inklusion gebe es im integrierten Klimaschutzkonzept der Stadt noch Nachholbedarf, machte Schumacher deutlich. So sei das Konzept nicht von Beginn gemeinsam mit Vertreter:innen aus der Inklusion entwickelt worden.

Inklusion sei nur ein Randbereich des Konzepts, das zudem nicht in einfacher Sprache vorliege. Und eine Präsentation des Konzepts im dritten Stock eines Gebäudes ohne Aufzug sei aus Inklusionssicht nicht mehr vermittelbar.

Foto: Philipp J. Bösel

Mehr Teilnehmer:innen

Während der Demo informierten Akteure der Klimaschutzbewegung über ihr Angebot: Initiative Klimagerecht leben, Bündnis 90 / Die Grünen, der BUND, Terre des Hommes, Café Grenzenlos.

Mit 300 Teilnehmer:innen (Polizeiangaben) legte dieser Klimastreik im Vergleich zur letzten Demo im März 2023 (200 Teilnehmer:innen, Information der Veranstalter) leicht zu. Der Klima-Streik verlief nach Polizeiangaben ohne Zwischenfälle.

Briefaktion der Initiative Klimagerecht leben

war bis Anfang 2024 Reporter und Kulturkorrespondent des Bürgerportals.

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  1. …..wenn ich schon lese “Schluss mit den ja aber Diskussionen bin ich schon raus.
    Bloss keine kritischen Gegenstimmen. Das nennt sich dann Demokratie. Erinnert mich sehr an Corona.
    Schönen Tag

    1. Die gebetsartig vorgetragenen Klimasorgen basieren ja von auf wissenschaftlichen Erkenntnissen. Aber sie sind halt auch nur Menschen und können folglich irren. Der Wandel ist da aber ist er nicht schon immer dagewesen. Man kann es nachlesen, es gibt ein interessantes Buch von Ronald D. Gerste: “Katastrophen und Klimawandel von der Antike bis heute”.

      1. Natürlich können Menschen irren. Aber dafür gibt es etablierte Mechanismen in Wissenschaft und Forschung, die Meinung von Erkenntnis trennen und Forschungsergebnisse überprüfbar machen.

        Gerstes Buch ist tatsächlich hochinteressant, es eignet sich allerdings nicht dazu, die Erkenntnisse der Klimaforschung zu relativieren (was Sie vermutlich auch nicht beabsichtigen). Schon im Vorwort benennt Gerste recht deutlich, welche Interessen dahinter stehen, wenn der Menschenanteil an der Klimaveränderung ignoriert oder gar geleugnet werden.

  2. Ich finde es wichtig, die Gesellschaft mit Protestaktionen auf die erschreckend zunehmende Erdüberhitzung hinzuweisen und darauf, dass wir hier nur gemeinsam etwas erreichen können.
    Wir können aus der Geschichte lernen, welche Strategien die Freiheitsbewegung, die Demokratiebewegung oder auch die Bewegung für Frauenrechte verwendet haben.

  3. Wenn 99,7% der Bürger nicht zur Demo erscheinen, ist das doch auch eine deutliche Haltung und Aussage. In den Spielregeln der Demokratie sind 300 Demonstranten bei über 100.000 Einwohnern nichts.
    Wer nach einer (Minderheiten)-Demonstration Änderungen für die Mehrheit fordert oder gar meint Entscheider und Politiker moralisch unter Druck setzen zu können, ist kein Demokrat.

    1. “Wenn 99,7% der Bürger nicht zur Demo erscheinen, ist das doch auch eine deutliche Haltung und Aussage.”
      Eine bestimmte Haltung oder Aussage ist das eben nicht.

      1. Ich schrieb “deutliche” und nicht “bestimmte” Haltung. Das bedeutet, die Haltung der über 100.000 Ferngebliebenen kann vielfaltig sein, bleibt aber unbestimmt und entspricht zumindest nicht der der 300 Demonstranten.

      2. Es wurde im Singular “eine deutliche Haltung” geschrieben. Das konnte man nur so verstehen, dass vermeintlich die Mehrheit der Nicht-Teilnehmer anders als die Demo-Teilnehmer denken soll. Anders macht die Formulierung keinen Sinn. Es ist aber zu loben, dass das nun zurechtgerückt ist.

        Nun ist es aber auch so, dass Demos praktisch immer weniger Teilnehmer mobilisieren als die meisten Fußballbundesligaspiele. Insofern würde Ihre Aussage alle Demos grundsätzlich in Frage stellen? Sind alle Demo Teilnehmer bei jeder beliebigen Demo immer “nichts”?

        Ferner sind die Ausführungen zur Demokratie nicht logisch. Wenn Kandidaten zur Wahl mit einem Programm antreten, welches die Forderungen der Demo berücksichtigt, und dieses Programm dann vom Wähler gewählt wird, nennt man das Demokratie. Und ja, als Wähler könnte man sich moralisch unter Druck gesetzt fühlen und entsprechend wählen. Oder eben auch nicht, das Spektrum ist mittlerweile recht ausdifferenziert.

    2. Ach Bob (feige hinter Anonym), Sie haben wohl keine Kinder/Enkel oder deren klimamässig gruselige Zukunft ist Ihnen wohl egal

      1. Da ist er wieder, der moralische Druck.
        Eben weil mir die Zukunft nicht egal ist, bin ich für machbare und durchdachte Lösungen auf solider Grundlage und lehne ideologische Wahnvorstellungen, basierend auf Wünschen und Wundern, ab.

      2. Wenn JEDER in seinem persönlichen Bereich schonmal alles “Machbare” tut bzw. KLUG sein bisheriges, vielleicht umweltschädliches, Verhalten überprüfen würde und alles eigentlich Überflüssige möglichst nicht mehr tut oder kauft, wäre das bereits sehr viel.

        Aber dazu muss man schon den Willen haben.

        Und deswegen sollte man nicht aufhören, die Menschen auf die erschreckend zunehmende Erderwärmung, und dass man hier gegensteuern muss, hinzuweisen.

      3. “Wenn JEDER… …alles „Machbare“… …alles eigentlich Überflüssige… …nicht mehr tut… …wäre das bereits sehr viel”
        Bereits sehr viel? Das wird nie passieren. 20 Prozent wären bereits sehr viel!

  4. Ich finde es toll das 300 Leute sich einfach so friedlich versammeln und sich vor allem sachlich darüber austauschen.
    In der Vergangenheit war es oft so dass ganze Kindergärten, Grundschul und Schulklassen da hin gingen. Ob sie wollten oder nicht. :S wie man auch auf Bildern von damals sah.
    Und teilweise hielten Kinder Plakate hoch die sie einfach noch nicht verstanden konnten und wurden so politisch instumentalisiert.

    Nun aber sind es gemischte Menschen. In allen Alters und Sozialschichten. Und es sieht so aus als ob sie die Plakate auch verstehen :) Und das ganz schön viele. 300 Leute für eine Demonstration in Bergisch Gladbach das ist schon vergleichsweise hoch. Klar es gab größere, dennoch ist es schon bemerkenswert.
    Auch beeindruckend fand ich das es inklusiv war.
    war es anfangs ein unorganisierter Haufen an Kindern und Jugendliche die zusammengetrommelt wurden. ist es jetzt eine Kundgebung von Leuten die mitten im Leben stehen. Die engagiert sind in vielen Vereinen.

    Bei vielen Dingen bin ich der Bewegung skeptisch. Bei manchen Dingen muss aber viel getan werden.
    Thema Turbokapitalismus. Sauberkeit. Tempolimit. Tierschutz. Sozialer Wandel usw.
    Kapitalismuskritik hat nichts mit Linkssein zu tun. Ich war mit allem zusammen 7 Jahre auf Wirtschaftsschulen. Und da lernt man viel über das Haifischbecken Wirtschaft kennen.

    Es wird denke ich in Zukunft noch einiges auf uns zu kommen hier in Bergisch Gladbach. Noch einige Vereine werden gegründet, Bürgerbewegungen und vieles mehr

    war nicht dabei habe aber einen Teil des Rummels noch mitbekommen. was für eine interessante Entwicklung :)