Die aktuelle Skate-Anlage an der Saaler Mühle ist eigentlich nur noch eine Ruine. Foto: Thomas Merkenich

Die Sanierung und der Ausbau der alten Skate-Anlage an den Otto-Hahn-Schulen an der Saaler Mühle trifft in der Anwohnerschaft auf Kritik; die Elternpflegschaften der weiterführenden Schulen hatten die Beauftragung der Schulbau GmbH mit diesem Projekt hinterfragt. Für Grüne und SPD ist dagegen klar, dass diese Skateboard-, WCMX-, BMX- und Scooter-Anlage ein wichtiges Angebot für Jugendliche ist. Sie führen eine Reihe von Argumenten an.

Wir veröffentlichen eine Mitteilung der Fraktionen der Grünen und der SPD

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Die Fraktionen von Bündnis 90 / Die Grünen und SPD befürworten die geplante Skateboard-, WCMX-, BMX- und Scooter-Anlage an der Saaler Mühle. Im Ausschuss für Infrastruktur und Umwelt, Sicherheit und Ordnung am 28. November werden sie für die Erneuerung stimmen.

„Jeder Sport braucht seinen eigenen Ort, um zu trainieren. Fußballer bekommen einen Bolzplatz und Basketballer ein Feld mit Körben. Wir Skater brauchen auch einen Ort.“ Mit diesem Appell startete im Mai 2020 eine Gruppe von Skatern, BMXern und Scooter- Fahrern aus Bergisch Gladbach und Umgebung eine Online-Petition – und fand Gehör: Einstimmig beschloss der Stadtrat vor zwei Jahren, den Jugendlichen ihren Ort zur Bewegung und Begegnung zu geben – an Stelle des veralteten, maroden Skateparks an der Saaler Mühle in Frankenforst, direkt neben den Otto-Hahn-Schulen.

Eine Halfpipe, zwei kleine Ramps und ein Rail – kaum jemand konnte die vier Objekte im Park zuletzt nutzen: zu hoch, zu riskant! Auch waren die Objekte falsch angeordnet und der Boden zu schlecht. In kurzer Zeit sammelte die Community im Jahr 2020 deshalb mehr als 230 Unterschriften für ihre Petition.

Auch Bürgermeisterkandidat Frank Stein (SPD) stellte sich im Kommunalwahlkampf hinter die Forderung. Schließlich votierten alle Fraktionen des Stadtrats für eine Modernisierung des Platzes, die 2024 von der Schulbau GmbH umgesetzt werden soll.

Rendering des Entwurfs zum neuen Skateplatz (Planungsbüro LNDSKT)

Kreative Bewegungsmöglichkeiten

„Skateanlagen sind frei zugängliche Sportstätten, die sich wachsender Beliebtheit erfreuen. Sie bieten kreative Bewegungsmöglichkeiten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene“, erklärt Dr. Tino Symanzik, Ratsvertreter und sportpolitischer Sprecher der grünen Stadtratsfraktion. 

„Skateboarden, Rollstuhl-Skaten, Scooter-Fahren oder BMXen sind anspruchsvolle Sportarten, die Ausdauer, Koordination und Gleichgewicht erfordern. Die Anlagen bieten die Chance, Fähigkeiten zu verbessern, Tricks zu erlernen und sich in einer sicheren Umgebung aktiv zu bewegen,“ so Symanzik. 

Die Vorstellung, dass der neue Skatepark eine Attraktion für wenige sein könnte, hält Symanzik für veraltet, ebenso wie die Annahme, auf Skateranlagen seien Drogen und Alkohol an der Tagesordnung. „Schließlich werden bei körperlicher Aktivität alle Sinne benötigt“, betont Symanzik, der als Dozent an der Deutschen Sporthochschule Köln arbeitet. „Hinzu kommt, dass Skateboard-Fahren seit einigen Jahren olympisch ist und neben freizeitsportlichen auch leistungssportliche Motive die Aktiven antreiben.“

Begegnung, Inklusion und sozialer Austausch

Auch der integrative und inklusive Wert von Skateboard-Anlagen dürfe nicht außer Acht gelassen werden, findet Martina Klupp, sozialpolitische Sprecherin der grünen Ratsfraktion: „Skateanlagen sind Orte der Begegnung und des sozialen Austauschs. WCMXlerinnen, Skaterinnen und Skater können sich hier treffen, voneinander lernen, Freundschaften knüpfen, ihre Leidenschaft für den Sport teilen. Das fördert die Gemeinschaftsbildung und stärkt den Zusammenhalt in der Stadt“, so Klupp. 

„Der informelle Rahmen samt niederschwelligem Einstieg vermeidet Barrieren, wie ihn formelle Sportvereine oft haben und erweitert die Angebotspalette der lokalen Bewegungslandschaft,“ erläutert Klupp weiter. Skateanlagen können auch dazu beitragen, Vorurteile und Stereotypen abzubauen, indem sie Menschen mit verschiedenen Hintergründen und Fähigkeiten zusammenbringen.

Der Bolzplatz soll zu einem Basketball-Court werden

Ökonomische, ökologische und soziale Aspekte

Positiv finden Grüne und SPD, dass das vorliegende Konzept für die Saaler Mühle ökonomische, ökologische und soziale Aspekte integriert. Versiegelung oder Lichtverschmutzung halten sich in Relation zum sozialen und sportlichen Wert im Rahmen, ebenso wie die geplanten Kosten von 1,2 Millionen Euro. 

Klaus W. Waldschmidt, Vorsitzender der SPD-Fraktion, gibt zu bedenken: „Sportanlagen kosten Geld, aber wir müssen auch die berechtigten Interessen meist junger Menschen auf sportliche Betätigung berücksichtigen, die nicht in Sportvereinen organisiert sind. Zumal für diesen Personenkreis bisher fast keine städtischen Finanzmittel aufgewendet worden sind.“ 

Die Bedenken einzelner Anwohner seien für die SPD-Fraktion nicht nachvollziehbar. Der Skaterpark ergänze bestens die Freizeitanlage Saaler Mühle mit ihren vielseitigen Möglichkeiten für Kinder, Jogger, Spaziergänger und Erholungssuchende, so Waldschmidt.

Dominik Klaas, sportpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion ergänzt: „Erneuerungen und der Ausbau von Sportanlagen sind ein wichtiger Schritt, um Bergisch Gladbach jugendfreundlich zu gestalten und nach Corona Treffpunkte zu schaffen. Mit der Skateranlage und dem Multifunktionsplatz entsteht genau das: eine weitere Möglichkeit für Bürger*innen eine Vielzahl von Sportarten auszuüben. Vor allem die gute Erreichbarkeit und die freie Zugänglichkeit der Anlage sind dabei ein Gewinn für unsere Stadt.“

Hier werden gemeinsame Pressemitteilung von Bündnis 90 / Die Grünen und der SPD in Bergisch Gladbach veröffentlicht.

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  1. Interessant, wie hier priorisiert wird. Wir haben zuwenig Kitaplätze, zu wenig Grundschulenplätze und vom OHG/OHR einmal abgesehen sehen die weiterführenden Schulen in Bergisch Gladbach schon von außen wie verarmte Relikte aus den 60er Jahren aus. Von der Innenausstattung möchte ich gar nicht erst anfangen.
    Aber erstmal bauen wir einen Skaterpark, obwohl ein paar Haltestellen weiter in Köln sich bereits Skaterparks befinden.
    Könnte es vielleicht auch etwas damit zu tun haben, dass der Sohn des Bürgermeisters selber Skater ist?

    1. Interessant ist hier, wie Vermutungen aufgestellt werden. Der BM entscheidet ja nicht alleine….
      Wenn Sie so argumentieren, ist jede Entscheidung, wo Geld ausgegeben werden könnt, infrage zustellen.

    2. [Es schreibt der Mensch, der dieses Pseudonym seit mehreren Jahren nutzt und dessen Name der Redaktion vorliegt…]

      Herr Schenker, ich stimme Ihnen zu, für die Sanierung und den Ausbau der Schulen ist in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten zu wenig Geld ausgegeben worden. Sie bauen jedoch einen künstlichen Widerspruch zwischen diesem Bedarf und der Sanierung der Sportfläche (Skaterpark und Sportplatz) auf. Das Geld könnte auch durch Umwidmungen von anderen Vorhaben, wie dem Städtebauvorhaben Gronau oder dem Umbau der Hauptstraße in Schildgen, zugunsten des Schulbaus umgelenkt werden. Was ist uns wichtiger, Prestigeprojekte oder Sport und Bildung von Kindern und Jugendlichen? Mein Eindruck ist der, dass in der Vergangenheit diese Gruppe besonders benachteiligt war.

      Sinnvoller könnte Geld auch von denjenigen ausgegeben werden, die uns heute ein Hochglanz-Flugblatt mit Verweis auf eine Petition gegen die Sanierung des Skaterparks in den Briefkasten geworfen haben. Die dafür verschwendeten Mittel hätten dem städtischen Haushalt oder einem Förderverein einer Schule mehr geholfen. Für die Umwelt wäre das auch besser gewesen.

      Inhaltlich steht auf dem Flugblatt auch nur Unsinn, so z.B. die Behauptung einer “Reduzierung der ursprünglichen Sportfläche”. Das ist spannend, denn an gleicher Stelle ist von Flächenversieglung gesprochen. Beides gleichzeitig ergibt leider wenig Sinn. Dann wird vom “CO2-Killer!!!” [sic!] Beton geschrieben, vermutlich von Leuten aus Frankenforst, die einfach keine Lust auf Jugendliche und Kinder haben, die dann über die gleichnamige KVB-Haltestelle zum Skaterpark fahren wollen. Für nahezu jedes Haus in Alt-Frankenforst ist vermutlich alleine für die Bodenplatte mehr CO2 emittiert worden als für den geplanten Skaterpark. Ich will hier nicht alle “Argumente” aufführen, aber es ist doch ersichtlich, dass hier die NIMBYs einfach nicht wollen, dass für andere Generationen in ihrer Nähe etwas verbessert wird.

  2. So wichtig und richtig für die Kids und Jugendlichen. Ein geeigneter Ort für Treffen, Spiel und Spaß und sportliche Aktivitäten.

    Mit dem zusätzlichen Multicourt ein multifunktionales Angebot über die gewünschte Skateanlage hinaus und zusätzlich inklusiv für Menschen mit und ohne Behinderung geplant. Sehr gut auch die frühe Einbindung der Nutzer- und Interessengruppen, die auf eine erfolgreiche Nutzung schließen lässt.

    Ein paar mehr Abstellmöglichkeiten für Fahrräder an verschiedenen Bereichen des Areals würden das sehr gute Angebot abrunden. ;-)

    1. Ja, die Bögen auf der Zeichnung könnten für einen Trupp XX-Baller sicherlich zu wenig sein. Da müsste eine größere Anzahl hin.

      Und bitte Vierkantrohr, damit man mehr als einen guten Rohrschneider braucht.

  3. Die Herrschaften, die da gegen den Ausbau schreiben, mögen sich einmal die waldliche Umgebung der Anlage anschauen, bevor sie scheinheilig den Erhalt der Natur ins Feld führen. Da wird jeder Hügel zum skaten und Mountenbicke fahren genutzt, und das soll zuträglich für die Natur sein? Nein, da geht es einzig und allein um die Ruhe, deren Störung durch den Ausbau der Anlage von den Anrainern gefürchtet wird. Das ist wie früher, wenn die Pänz im Hinterhof nicht spielen durften, weil ein paar Gleichere unter Gleichen meinten, bestimmen zu können.

    1. Und vielleicht sollten diejenigen auch einen Blick in die Umgebung werfen. Dass da einen Katzensprung entfernt ein knapper Quadratkilometer Natur für die Öffentlichkeit abgesperrt ist, damit man da in Ruhe einen kleinen Ball in ein kleines Loch schieben kann, interessiert niemanden.

      Man sollte das den Golfern durchaus gönnen, ebenso wie den Tennisspielern das gute Dutzend Plätze in Bergisch Gladbach (von denen ausgehend im Sommer den lieben langen Tag ein stetiges „Plop-plop“ die Nachbarn begeistert). Aber man sollte eben den Kindern und Jugendlichen auch ihre Einrichtung gönnen, wo sie sich bewegen, an der frischen Luft sind und Spaß haben. Aber das wird dann gerne als lästig bis anrüchig empfunden und mit an den Haaren herbeigezogenen kleinkrämerischen Argumenten angefeindet.

  4. Schade, dass es kein Pumptrack mit in die Planung geschafft hat? Liegt das am Geld oder wurde der einfach vergessen?
    Die vielen Mountainbiker, die aktuell über die Hügel im angrenzenden Wald fahren, hätten sich sicherlich gefreut.
    Und die Natur erst, da wäre ein wenig Erosion in den angrenzenden Stücken verringert worden.