Landrat Arne von Boetticher und Kriminaloberrat Marc André Linden. Foto: Redaktion

Nach einem stabilen Vorjahr zeigt die neue Kriminalitätsbilanz für den Rheinisch-Bergischen Kreis und Bergisch Gladbach einen Rückschritt: 2025 wurden deutlich mehr Straftaten registriert, zugleich sank der Anteil der aufgeklärten Fälle. Die Zahl der Delikte ist so hoch wie seit zehn Jahren nicht mehr. Hinter der Verschlechterung stehen unter anderem eine Verdrängung aus Köln – und weniger Personal in Rhein-Berg.

Die nackten Zahlen der Kriminalitätsstatistik der Polizei für den Rheinisch-Bergischen Kreis sind eindeutig negativ: Die Zahl der registrierten Straftaten hat 2025 kräftig zugenommen, die Aufklärungsquote ist gesunken. Und das gegen den Trend im Land NRW – womit Rhein-Berg im Ranking der sichersten Kreise in NRW vom 4. auf den 13. Rang abrutschte.

Dennoch betonten Landrat Arne von Boetticher und Kriminaloberrat Marc André Linden bei der Vorstellung der Zahlen am Montag, dass die Menschen in Rhein-Berg nach wie vor sehr sicher leben, eine Trendwende zu Schlechteren sei nicht zu erkennen. „Die vielen roten Zahlen“, so Linden, seien für ihn „kein Grund zur Sorge. Sondern Hinweise, wo wir die Schwerpunkte unserer Arbeit legen“.

Alle Grafiken: Polizei Rheinisch-Bergischer Kreis. Die Aufklärungsquote ist um 2,4 Prozentpunkte (von 57,0 auf 54,6) gefallen. Das ist ein Rückgang um 4,32 Prozent.

Bei der Einordnung verweisen die Verantwortlichen vor allem auf die Tatsache, dass die Zunahme der Straftaten vor allem auf ein Plus bei weniger schwerwiegenden Delikten zurückgehe. Und das ist womöglich die Folge einer bewussten Entscheidung der Polizei Rhein-Berg: Sie habe ihren Schwerpunkt 2025 auf die Bekämpfung schwerer Straftaten (wie den sexuellen Missbrauch von Kindern) und die Prävention gelegt.

Die Polizei in Köln dagegen, sagte Linden, habe sich auf die Drogenkriminalität rund um den Neumarkt konzentriert und damit einen Teil der Szene in das gut erreichbare Bergisch Gladbach verdrängt. Damit seien die Fallzahlen bei der sogenannten Beschaffungskriminalität angezogen – vor allem in der Bergisch Gladbacher Innenstadt.

Der Blick in die Zahlen zeigt zunächst, dass sich der leichte, aber stetige (Wieder-)Anstieg der Kriminalität seit Corona fortsetzt. Im Nachhinein sieht das stabile Jahr 2024 wie eine Abweichung vom Trend aus. Die Gesamtzahl der Fälle erreichte 2025 mit 14.823 den höchsten Stand seit zehn Jahren. Der Anstieg um neun Prozent ist sehr kräftig – zumal er im Gegensatz zum Trend für ganz NRW (minus drei Prozent) steht.

Zur Sache: Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PSK) …

gibt keinen vollständigen Überblick über die tatsächliche Kriminalität, sondern nur über jene Straftaten, von der die Polizei Kenntnis erlangt hat und über die ermittelten Tatverdächtigen. Sie ist also direkt von der Anzeigebereitschaft der Menschen abhängig. Zum erfassten Hellfeld kommt ein erhebliches Dunkelfeld hinzu.

Zudem handelt es sich um Verdachtsfälle, sie sagt nichts darüber aus, wie die Fälle später von Gerichten eingestuft werden oder ob sie schon im Vorfeld eingestellt werden.

Und sie ist eine Ausgangsstatistik: Fälle landen erst dann in der Statistik, wenn sie von der Polizeibehörde abgeschlossen wurden.

Taten, die aus dem Ausland begangen werden (wie etwas Messenger-Betrug), gehen nicht in die PKS ein.

Der Anteil der Menschen im Kreis, die im vergangenen Jahr Opfer einer Straftat wurden, ist von 4,7 auf 5,2 Prozent gestiegen und damit wieder exakt so hoch wie vor zehn Jahren. In Bergisch Gladbach, als Großstadt schon immer die „kriminellste“ Stadt im Kreis, kletterte diese sogenannte Kriminalitätsbelastung von 5,8 auf 6,4 Prozent.

Mehr aber weniger schwerwiegende Fälle

Wie Linden und von Boetticher argumentierten, geht der Zuwachs der Fallzahlen auf die weniger schwerwiegenden Delikte zurück, insgesamt 1081 der 1226 zusätzlichen Fälle entfallen auf

  • Diebstahl, plus 691 Fälle oder 16 Prozent,
  • Vermögens- und Fälschungsdelikten (v.a. Betrug im Internet), plus 390 Fälle oder 18 Prozent.

Bei den Diebstählen haben vor allem das Klauen von Fahrrädern (um 25 Prozent auf 565 Fälle, in Bergisch Gladbach sogar um 39 Prozent) und aus KfZ (um 19 Prozent auf 886 Fälle) sowie die Wohnungseinbrüche (um 18 Prozent auf 397, einschließlich der Versuche) zugenommen. Geschäftseinbrüche legten sogar um 65 Prozent zu, machen mit 56 Fällen aber zahlenmäßig nicht so viel aus.

Ein Teil dieser Delikte könne als Beschaffungskriminalität der Drogenszene zugeordnet werden. Die sei in Rhein-Berg zwar nach wie vor überschaubar, sei durch die Verdrängung aus Köln aber aktiver geworden. Ein Teil der Drogengeschäfte und auch der Kriminalität im Umfeld finde nun auf Bergisch Gladbacher Stadtgebiet statt, berichtete Linden.

Die Zahl der registrierten Rauschgiftdelikte selbst gingen allerdings um 28 Prozent auf 172 deutlich zurück und machte an der Gesamtzahl der Fälle mit 1,2 Prozent nur einen sehr kleinen Anteil aus.

Die Gewaltkriminalität erhöhte sich im gesamten Kreis um 4,7 Prozent auf 583 Fälle. Dabei schlägt vor allem der Raub zu Buche, hier stieg die Zahl der Fälle um neun Prozent auf 100.

Die Zahl der Körperverletzungen nahm nur noch um ein Prozent zu; wie beim Raub handele es sich hier vor allem um weniger schwerwiegende Fälle, betonte Linden. Die Zahl der schweren oder gefährlichen Körperverletzungen ging im Kreis leicht zurück, ebenso wie die Übergriffe auf offener Straße.

In Bergisch Gladbach nahm die Gewaltkriminalität besonders stark um 24,6 Prozent auf 304 Fälle zu. Der größte Anteil davon entfiel auf den Raub, der um 38 Prozent auf 66 Fälle gegenüber 2024 besonders stark zunahm. Allerdings lag die Zahl der Fälle 2023 mit 70 noch höher.. Die Zahl der Körperverletzungen (v.a. die einfache) erhöhte sich in der Stadt um 12,5 Prozent auf 836 Fälle.

Die Zahl der Straftaten gegen das Leben erhöhte sich im gesamten Kreis von zwei auf drei – dabei geht es in einem Fall um die Tötung eines Mannes durch den eigenen Sohn und um zwei Fälle, in denen Pflegeeinrichtungen in Verdacht stehen, fahrlässig den Tod von Patienten verursacht zu haben.

Auch die Straßenkriminalität (bei der alle Delikte im öffentlichen Raum zusammengefasst werden) stieg um 7,8 Prozent auf 3101 Fälle deutlich. In Bergisch Gladbach lag der Zuwachs mit 7,3 Prozent leicht darunter.

Auch bei den Sexualstraftaten gab es keine Rückgang, sondern einen erneut starken Anstieg um 16 Prozent auf 387 Fälle. Hier führte auch der erhöhte Fahndungsdruck – nicht zuletzt gegen vernetzte Straftaten im Internet – zu einem weiteren Anstieg der Fälle. Die Zahl der Vergewaltigungen stieg von 35 auf 55 sehr stark an, der erfasste sexuelle Missbrauch von Kindern ging von 50 auf 43 Fälle zurück.

Die Zahl der Wohnungseinbrüche hat ebenfalls wieder etwas zugenommen, lag mit knapp 400 Fällen aber weiterhin auf einem sehr niedrigen Niveau. Bei einem großen Teil der Fälle blieb es beim Versuch – was die Kreispolizei auch auf die sehr intensive technische Aufklärung und Prävention zurückführt.

Seniorinnen und Senioren werden weiterhin stark von Betrügern mit den bekannten Maschen und vor allem Schockanrufen ins Visier genommen. Die Zahl der registrierten Fälle ist leicht von 37 auf 39 gestiegen. Als Erfolg verbuchte es die Polizei jedoch, dass die Schadenssumme deutlich von 12 Millionen auf 764.000 Euro gesunken ist. Offenbar hat die Aufklärung dazu geführt, dass die Senior:innen nicht mehr so hohe Bargeldsummen zu Hause hätten.

Weiter tatverdächtige Kinder

Die Zahl der Fälle mit Tatverdächtigen unter 21 Jahren ist im vergangenen Jahr von 1233 auf 1019 ein wenig gesunken. Auch bei den tatverdächtigen Kindern (unter 14 Jahren) gab es zum ersten Mal seit 2020 wieder einen Rückgang der Fallzahl, von 267 auf 225.

Hier betreibt die Polizei Rhein-Berg einen großen Aufwand, um die Intensivtäter in den Griff zu bekommen. Auch mit Projekten wie „Kurve kriegen“, bei dem zwei Polizisten und zwei Pädagogen die auffälligen Kinder sehr intensiv betreuen.

Der Anteil der nicht-deutschen Tatverdächtigen war mit 29 Prozent auf dem Niveau der beiden Vorjahre. Er war damit deutlich höher, als der Anteil an der Wohnbevölkerung ist – aber dabei wurden auch Straftaten von nicht in Rhein-Berg ansässigen Tatverdächtigen mitgezählt, erläuterte Linden. Die Kreispolizei arbeite eng und gut mit der Ausländerbehörde zusammen, um überführte Täter – wo möglich – abzuschieben.

Polizei stößt an ihre Grenzen

Welche Schlussfolgerungen zieht die Polizei nun aus diesen Daten?

Zum einen, so Linden, soll die relativ kleine örtliche Drogenszene stärker unter die Lupe genommen werden; mit einem besonderen Augenmerk auf die Einflüsse aus Köln. Im vergangenen November habe es zu diesem Thema bereits einen ersten, erfolgreichen Schwerpunkteinsatz gegeben. Zudem sollen alle Ansätze der Prävention intensiv weiterverfolgt werden.

Klar sei aber auch, so Linden, dass dafür an anderer Stelle weniger Personal eingesetzt werden könne. Denn die Zahl der Polizeibeamt:innen ist begrenzt – und nimmt sogar ab. In den vergangenen beiden Jahren seien jeweils sechs Abgänge nicht ersetzt worden, weil es am Nachwuchs in ganz NRW fehle. Und auch bei den zivilen Beschäftigten spare das Land beim Personalbudget.

Hinzu komme, dass die Verfolgung von Kinderpornografie im Internet nach wie vor sehr viel Kapazität binde, sagte Linden: „Auf den Schreibtischen stapeln sich die Akten, viele Datenträger müssen noch ausgewertet werden.“

Dokumentation

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. Leider wird auch in diesem Jahr eine falsche Zahl bei der Änderung der Aufklärungsquote veröffentlicht. Die Aufklärungsquote ist nicht um 2,4 % sondern um 4,2 % gesunken.
    Die Berechnung muss so erfolgen: (54,6-57)/57*100.
    Ein leichteres Zahlenbeispiel zur Veranschaulichung: Wenn Partei A bei einer Wahl 10 % der Stimmen bekommt und vorher 20 % hatte, dann ist ihr Anteil nicht um 10 % sondern um 50 % gesunken.

    1. Diese Zahlen werden in der Grafik der Polizei tatsächlich falsch dargestellt; mit dem Unterschied zwischen „Prozent“ und „Prozentpunkte“ kommt sie immer noch nicht klar.

  2. “eine Trendwende zu Schlechteren sei nicht zu erkennen. „Die vielen roten Zahlen“, so Linden, seien für ihn „kein Grund zur Sorge.”: —“stetige (Wieder-)Anstieg der Kriminalität seit Corona fortsetzt.”—
    ———————–
    “geht der Zuwachs der Fallzahlen auf die weniger schwerwiegenden Delikte zurück”:

    —“In Bergisch Gladbach nahm die Gewaltkriminalität besonders stark um 24,6 Prozent auf 304 Fälle zu. Der größte Anteil davon entfiel auf den Raub, der um 38 Prozent auf 66 Fälle gegenüber 2024 besonders stark zunahm.” “Zahl der Straftaten gegen das Leben erhöhte sich” “die Straßenkriminalität stieg um 7,8 Prozent auf 3101 Fälle deutlich.” “bei den Sexualstraftaten gab es keine Rückgang, sondern einen erneut starken Anstieg um 16 Prozent” “Die Zahl der Vergewaltigungen stieg von 35 auf 55 sehr stark an”—
    ———————-
    Da bin ich aber froh, dass Vergewaltigungen, Gewaltkriminalität und Mord weniger schwerwiegende Delikte sind. Auch das noch keine Trendwende zum Schlechteren bei stetigem Anstieg seit Corona zu erkennen ist. Wie gut, dass mir das erklärt wurde, sonst hätte ich das alles wohl völlig falsch verstanden, ich Dummerle.

  3. “Der Anteil der nicht-deutschen Tatverdächtigen war mit 29 Prozent auf dem Niveau der Vorjahre. Er war deutlich höher, als der Anteil an der Wohnbevölkerung ist – aber dabei wurden auch Straftaten von nicht in Rhein-Berg ansässigen Tatverdächtigen mitgezählt, erläuterte Linden.”

    Will er mit dem Nachsatz etwas relativieren?
    Wie werden Doppelstaatler erfasst?

    1. Linden erläutert, dass zu den nicht-deutschen Tatverdächtigen auch solche gehören, die nicht in Rhein-Berg gemeldet sind. Doppelstaatler mit deutscher Staatsangehörigkeit werden als Deutsche gezählt.

    2. Allerdings gehören sicherlich auch zu den deutschen Tatverdächtigen Personen, die nicht in RBK gemeldet sind. Insofern ist tatsächlich unklar, was mit der Erläuterung ausgesagt wird.
      Es sollte unabhängig davon deutlich werden, dass die “Häufigkeitszahl” kein sinnvolles Maß für die “Sicherheit” ist, weil weder Tatverdächtige noch Opfer von in RBK begangenen Straftaten in RBK gemeldet sein müssen.

  4. Ist Bergisch Gladbach und der Rheinisch Bergische Kreis ein Straftaten. Der KSTA meldet für NRW das Gegenteil von dem, was hier steht.