Zur Überraschung der Stadt hat das Verkehrsministerium einen Beschluss für die Erweiterung des Flughafens Köln/Bonn erlassen – ohne Vorbelastungen der Anwohnerschaft zu berücksichtigen und ohne Beteiligung der Fluglärmkommission. Nun gelte es, mit Blick auf die Nachtfluggenehmigung wachsam zu sein und eine frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit sicher zu stellen.

Wir dokumentieren eine Pressemitteilung der Stadt Bergisch Gladbach

Am Mittwoch, den 14. Februar hat das NRW-Verkehrsministerium bekannt gegeben, dass der Planfeststellungsbeschluss für bauliche Erweiterungen am Flughafen Köln/Bonn am 31. Januar 2024 erlassen wurde. Damit werden Vorfeldflächen genehmigt sowie Frachthallen und Verwaltungsgebäude genehmigungsfähig.

Mit einer Pressemitteilung teilt das Ministerium außerdem mit, dass Nebenbestimmungen auferlegt wurden, um durch diese Baumaßnahmen keinen Anstieg der Flugbewegungen über die genehmigten Kapazitäten hinaus zuzulassen. Betriebliche Regelungen zum Tag- und Nachtflugverkehr oder Fragen des Kapazitätsausbaus zur Verkehrssteigerung seien nicht Gegenstand des Planfeststellungsverfahrens gewesen.

Der Fluglärmkommission am Flughafen Köln/Bonn, in der auch die Stadt Bergisch Gladbach als betroffene Anliegerkommune vertreten ist, war der am 15. Februar nunmehr veröffentlichte Planfeststellungsbeschluss und die beschriebenen Nebenbestimmungen bisher nicht bekannt.

Es gab immer die Befürchtung, dass die Belastungen der Anwohnenden durch die beantragten Baumaßnahmen weiter steigen, und es wurde gehofft, dass auch die Vorbelastungen durch den Flughafen, die bislang nie ein Planfeststellungsverfahren mit Untersuchung der Umwelt- und Lärmauswirkungen durchlaufen mussten, in die Betrachtung einbezogen würden.

Dies ist – soweit ersichtlich – jedoch leider nicht geschehen; es wird vom Status quo ausgegangen.

„Uns bleibt es jetzt, die Nebenbestimmungen kritisch zu lesen und zu beobachten, wie sich der Ausbau des Flughafens tatsächlich in Bezug auf die Auswirkungen für die Anwohnerinnen und Anwohner entwickelt“, so Bürgermeister Frank Stein in einer ersten Reaktion auf die Pressemitteilung des Ministeriums.

„Im Weiteren wird die Fluglärmkommission mit den Anrainerkommunen den weiteren Umgang des Flughafens und des Ministeriums in Bezug auf das Auslaufen der Nachtfluggenehmigung im Jahre 2030 nochmals verstärkt im Blick halten. Der Fokus aller Beteiligten muss insbesondere auf einer transparenten und frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung in einem Verfahren hinsichtlich der 2030 auslaufenden Nachtflugregelung für den Flughafen Köln/Bonn gerichtet sein“.

Die Fluglärmkommission hatte das Ministerium im Einklang mit einem Beschluss des Rates der Stadt Bergisch Gladbach bereits vor einiger Zeit aufgefordert, dass vor einer eventuell geplanten Verlängerung der Nachtflugregelung des Flughafens Köln/Bonn über 2030 hinaus eine wirksame Bürgerbeteiligung organisiert wird.

Es wurde zudem angeregt, dass Fluglärmkommission und Verkehrsministerium ein gemeinsames Gremium bilden, das mit Blick auf die Zeit nach 2030 verbindliche Vorschläge für einen fairen Ausgleich zwischen den wirtschaftlichen Interessen des Flughafens und den gesundheitlichen Ansprüchen der Anwohnerinnen und Anwohner ausarbeitet.

Die Empfehlung der Kommission geht mithin dahin, eine angemessene Beteiligung der Öffentlichkeit zu ermöglichen, die über das gesetzlich vorgeschriebene förmliche Verfahren hinausgeht.

Diese Ziele werden die kommunalen Vertreterinnen und Vertreter in der Kommission auch weiterhin verfolgen, wobei allerdings nicht außer Acht gelassen werden darf, dass die Fluglärmkommission nur eine beratende Funktion hat und ihre Vorschläge ausschließlich empfehlenden Charakter besitzen.

Hier werden offizielle Pressemitteilungen der Stadtverwaltung veröffentlicht. Sie geben nicht die Meinung des unabhängigen Bürgerportals iGL wieder.

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  1. Nachdem ich über 8 Jahre in Köln Niehl über nächtlichen Fluglärm gelitten habe, bin ich vor einem halben Jahr nach Bergisch Gladbach Mitte gezogen und bin ein wenig enttäuscht dass man hier auch nicht durchschlafen kann. Ich hatte mir extra Informationen besorgt dass es in Bergisch Gladbach Mitte keinen Fluglärm gibt.
    Ich bin jetzt um Uhr 22:30 wach geworden durch mehrere Flugzeuge im Landesflug und letzte Nacht gegen Uhr 3:00.
    Leider bin ich dann für 3-4 Stunden wach. Zudem bekomme ich u.a. starkes Herzklopfen.
    Andere Flughäfen werden auch mit Waren aus dem Ausland angesteuert und haben auch ein Nachtflugverbot. Ich Frage mich warum man das nicht auch für den Köln/Bonner Flughafen einführt.

  2. Mir drängt sich der Eindruck auf, der Stadt Bergisch Gladbach wäre es deutlich lieber, dass über 10.000 Menschen ihren Job verlieren als Verkehrsbedürfnisse der Allgemeinheit wahrzunehmen. (Wie wurde nochmal Ihr neues Smartphone geliefert, Herr Stein?)
    Nebenbei ist es den Carriern weitgehend egal, ob sie von Köln fliegen oder von Brüssel, Lüttich, Maastricht oder Luxemburg. Dann fahren halt ein paar Hundert LKW mehr durchs Rheinland. Well done, Stadt GL.

    1. Ich bin entsetzt, dass die Interessen der Anwohnerschaft offenbar nicht interessieren und ein Minister für Umwelt, Naturschutz und Verkehr von den Grünen so eine Entscheidung trifft. Dialog scheint nicht gewollt und es scheint sich kaum jemand zu engagieren, obwohl die gesamte Nachbarschaft klagt. Mittlerweile fliegen die Flugzeuge tagsüber teils so tief über Bergisch Gladbach, dass man die Passagiere mit bloßem Auge sehen kann. Nachts werde ich trotz Fenstern mit dem höchsten Lärmschutz regelmäßig wach, wenn die Flugzeuge wie an einer Perlenschnur aufgereiht hintereinander landen. Die gesundheitlichen Auswirkungen von Fluglärm und -abgasen sind hinreichend erforscht und bekannt. Erst kürzlich wurde berichtet, dass sich die Gesamtzahl der Bevölkerung im Rhein-Sieg-Kreis, die durch nächtlichen Fluglärm mit einem Dauerschallpegel von 50 dB (A) und mehr hoch belastet sind, von 2017 auf 2022 verdoppelt hat.
      Warum ist unsere Gesundheit weniger wert, als die der Anwohnerschaften in Düsseldorf, Frankfurt, Stuttgart, München, Hamburg, Berlin und übrigens auch in Luxemburg, wo es z.B. Nachtflugverbote gibt?
      Ich danke Bürgermeister Stein und der Fluglärmkommission für ihren Einsatz in der Sache.
      Was die Zeit nach 2030 betrifft, hoffe ich endlich auf ein Nachtflugverbot, sehe jedoch aufgrund der bisherigen Vorgehensweise des Flughafens und des Verkehrsministeriums schwarz.

      1. Ich wüsste auch gerne, wo in Bergisch Gladbach die Lärmbelästigung durch Flugzeuge so hoch ist. Die geschilderten Verhältnisse im Rhein-Sieg-Kreis sind ja für GL nicht relevant.

    2. Hallo Jens, vielen Dank für die Worte.
      Wer keinen (Flug)Verkehr haben möchte muss seine Lebensmittel und sonstigen Waren selbst produzieren. Hoffen wir mal, dass demnächst zur Entlastung alle zu Fuß ins Bergische gehen um dort ihren Urlaub zu verbringen.

      1. Das sind aber leicht verderbliche Lebensmittel (Flug-Mango? Drachenfrucht?). Ich esse immer nicht selbst angebaute Bananen, die mit Schiffen kommen. Hoffentlich machen nicht “Alle” im Bergischen Urlaub. So schön und so erschlossen ist es dann dort doch nicht, dass es Betten für “Alle” geben würde. Man könnte mit dem Zug in den Urlaub reisen. Alternativ auch mit dem Flugzeug, welches tagsüber in Düsseldorf abhebt.

      2. Hallo Christian-Andreas,
        Äpfel, Birnen, Beeren, Kartoffeln, Tomaten, Walnüsse, … zum Teil gibt es diese Produkte dann halt nur nicht das ganze Jahr über, aber es wächst auch bei uns. Somit ein wenig Verzicht üben und kaufen, was aus der Region stammt. Aber es kommen ja auch andere Artikel aus Übersee, vielleicht mal wieder in Deutschland produzierte Bekleidung kaufen. Das täte neben der Gesundheit der Menschen auch der hiesigen Wirtschaft gut.
        Warum wollen Sie die Düsseldorfer Einwohner über Tag mit Fluglärm stören, wenn Sie für sich Ruhe beanspruchen. Schön daher, wenn ich Sie dann demnächst neben mir im Zug sehe.

      3. Hallo Anno Nüm, meine billigen Plastikspielzeuge und Turnschuhe kommen natürlich alle aus Fernost. Aber hoffentlich nicht mit dem Flugzeug. Und wenn sie doch mit dem Flugzeug kommen, hoffentlich nicht nachts. Und wenn sie nachts kommen sollten, dann sind es hoffentlich nur Landungen, weil ja die Starts den großen Lärm verursachen. Und meine holländischen Gewächshaustomaten kommen auf jeden Fall mit dem LKW und nicht mit dem Flugzeug hierher.

        Ich möchte die Düsseldorfer Anwohner nicht tagsüber mit Fluglärm stören. Allerdings will ich die Kölner Anwohner vor Fluglärm in der Nacht schützen. Es ist natürlich dabei zu bedenken, dass man tagsüber nicht um den Schlaf gebracht wird. Eine andere Idee wäre es natürlich, die Flüge in Köln tagsüber starten zu lassen. Da ist wohl viel freie Kapazität vorhanden. Dem Fluhafen selbst könnte das wirtschaftlich vielleicht sogar helfen. Die teuren Tag-Slots leer lassen und die billigen Nacht-Slots verkaufen könnte unklug sein.

    3. Das Problem ist, dass die Piloten sich leider nicht an die eigentlichen Vorgaben für die Flugkorridore halten, weil sie offensichtlich bevorzugen eine weniger enge Kurve direkt nach dem Abheben zu fliegen.
      Das führt dazu, dass die Flugzeuge, die eigentlich über dem Königsforst an Höhe gewinnen sollten, faktisch stattdessen recht dicht an die A4 zwischen Frankenforst und Moitzfeld herankommen und damit die gesamte Bevölkerung nördlich davon mit ihren Triebwerken beglücken, die startbedingt natürlich nahezu auf Volllast laufen.

      Von Menschen, die sich damit intensiver beschäftigen als ich, habe ich erfahren, dass eine Beschwerde beim Flughafen nur kurzfristig für Abhilfe sorgt und sich die Flugzeuge dann temporär stärker an den vorgegebenen Korridor halten, dies aber leider recht schnell wieder einreißt.

      Wenn sich die Bürger also nicht drauf verlassen können, dass ausgehandelte Einigungen und Vorgaben eingehalten werden, dann ist wohl nachzuvollziehen, dass die Bürger sich dann pauschal gegen den Flugverkehr aussprechen.

      Und was die Lastwagen angeht. Lieber habe ich ein paar im Vergleich recht leise LKW mehr in Bergisch Gladbach als die Flugzeuge abzubekommen, die auch die Fracht für nahezu alle anderen deutschen Städte befördern. Denn ein Nachtflugverbot ist an fast allen Flughäfen Standard. Selbst Frankfurt und Düsseldorf mit deutlich mehr Flugverkehr haben in der Hinsicht stärkere Einschränkungen. Wobei mich persönlich die tief fliegenden Flugzeuge wesentlich mehr stören, wenn ich auf der Terrasse sitze als wenn ich nachts schlafe.

    4. In Brüssel usw. werden auch Nachtflugverbote gefordert. Allerdings für Brüssel und nicht für Köln. Hier ist es naturgemäß umgekehrt. Ist doch klar, dass die Lösung ein generelles Nachtflugverbot wäre.
      Und ja, es ist nachts in BGL laut. Und nein, Lärm ist keine Frage der Einstellung, liebe Frau Rekers. Ein Riesenärgernis sind auch Nachtflüge von Passagiermaschinen. Vermeintlich billiger in den Urlaub reisen und dabei Mitmenschen um den Schlaf bringen ist eine Sache, zu der ich keine positive Einstellung entwickeln kann. Die Passagiere sehe ich leider wegen schlechter Augen nicht, aber immerhin das Logo der Fluggesellschaft.

    1. Danke für den Hinweis, da ist tatsächlich etwas durcheinander gegangen – wir haben es repariert.