Kinderärztin Dr. med Uta Römer. Foto: privat

Mit dem Sommer kommt (irgendwann sicher) die Hitze, und während viele von uns die Sonne und das warme Wetter genießen, kann extreme Hitze für viele Menschen gefährlich werden – unter anderem für Kinder. Kinderärztin Uta Römer erklärt, warum das so ist, wie Hitze auch Medikamente beeinflussen kann und was insbesondere bei Kindern mit Grunderkrankungen zu beachten ist. Außerdem gibt sie neun gut umsetzbare Tipps zum Hitzeschutz.

Hitzewellen (Temperaturen von über 28 Grad Celsius an drei Tagen oder mehr) werden durch den Klimawandel immer häufiger, und gerade in Städten können aufgeheizte Straßen und Gebäude sowie eine schlechte Luftzirkulation zu einer lebensgefährlichen Belastung insbesondere für Kinder, ältere Menschen, Schwangere und chronisch Erkrankte führen.

Warum sind Kinder anfälliger bei Hitze?

Bei Hitze versucht der Körper, sich auf 37 Grad Celsius herunter zu kühlen. Hierfür muss das Herz stärker arbeiten. Die Nieren reagieren empfindlich auf Flüssigkeitsmangel, Schwitzen kann zu Veränderungen im Elektrolytgleichgewicht führen, und im Gehirn kann es zu Durchblutungsstörungen kommen.

Das Wohlbefinden und die Psyche sind ebenso betroffen: Es können Erschöpfung, Benommenheit und Kopfschmerzen auftreten.

Kinder sind aus mehreren Gründen empfindlicher gegenüber Hitze als Erwachsene:

  1. Höhere Stoffwechselrate: Kinder haben eine höhere Stoffwechselrate, was bedeutet, dass sie schneller Wärme produzieren.
  2. Kleinere Körperoberfläche: Ihre Körperoberfläche ist im Verhältnis zu ihrem Körpervolumen kleiner, was die Wärmeabgabe erschwert.
  3. Unreifes Schweißsystem: Kinder schwitzen weniger effizient, da ihre Schweißdrüsen noch nicht voll entwickelt sind, was die Kühlung des Körpers erschwert.
  4. Aktivitätsniveau: Kinder sind oft aktiver als Erwachsene, was zu einer zusätzlichen Wärmeproduktion führt.
  5. Flüssigkeitsbedarf: Ihr Flüssigkeitsbedarf ist höher, und sie neigen schneller zur Dehydration. Zudem trinken Kinder häufig noch nicht selbständig, und Zeichen von Flüssigkeitsmangel sind gerade bei kleinen Kindern schwerer einzuschätzen.

Welche Grunderkrankungen erhöhen das Risiko?

Kinder mit bestimmten Grunderkrankungen sind während Hitzeperioden besonders gefährdet:

  1. Asthma: Ozon, ein Schadstoff, der an heißen Tagen zunimmt, kann die Atemwege reizen und Asthmaanfälle auslösen oder Asthmasymptome verschlimmern. Eltern von Kindern mit Asthma sollten an heißen Tagen besondere Vorsicht walten lassen und darauf achten, dass ihre Kinder ihre Asthmamedikamente regelmäßig einnehmen und außerdem ein Notfallmedikament griffbereit haben.
  2. Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Kinder mit angeborenen Herzfehlern oder anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind bei extremer Hitze gefährdeter, da ihr Körper möglicherweise Schwierigkeiten hat, die erhöhte Belastung zu bewältigen.
  3. Diabetes: Insulin wirkt bei höheren Temperaturen schneller, da die Haut stärker durchblutet wird. Das bedeutet, dass der Abstand zwischen den Insulinspritzen bei Kindern mit Diabetes möglicherweise verringert werden muss, um eine Unterzuckerung zu vermeiden. Eltern sollten die Blutzuckerwerte ihrer Kinder regelmäßig überwachen und bei Unsicherheiten den behandelnden Arzt konsultieren.
  4. Neurologische Erkrankungen: Kinder mit neurologischen Erkrankungen wie Epilepsie können durch Hitze stärker belastet sein. Hohe Temperaturen und Dehydration können das Risiko von Anfällen erhöhen.

Hitze und Medikamente

Hitze kann auch die Wirksamkeit und Stabilität von Medikamenten beeinflussen. Hier sind einige Beispiele:

  1. Insulin: Wie bereits erwähnt, wirkt Insulin bei hohen Temperaturen schneller. Dies erfordert möglicherweise eine Anpassung des Spritzschemas. Eltern sollten eng mit ihrem Diabetologen zusammenarbeiten, um den Insulinbedarf ihres Kindes bei Hitze richtig zu managen. Außerdem ist es bei Hitze umso wichtiger darauf zu achten, dass das Insulin gekühlt aufbewahrt wird.
  2. Asthmamedikamente: Inhalatoren sollten nicht extremer Hitze ausgesetzt werden, da dies ihre Wirksamkeit beeinträchtigen kann. Asthmamedikamente müssen in einer kühlen, trockenen Umgebung aufbewahrt werden.
  3. Antibiotika: Einige Antibiotika können bei hohen Temperaturen instabil werden. Die richtige Lagerung gemäß den Anweisungen des Arztes oder Apothekers ist entscheidend, um ihre Wirksamkeit zu gewährleisten.
  4. Epilepsie-Medikamente: Auch diese dürfen nicht überhitzen, um nicht ihre Stabilität zu verlieren.

Dieser Text ist zuerst im Newsletter „GL Familie“ erschienen. Er richtet sich an die Eltern (und Großeltern) jüngerer Kinder, hier können Sie ihn kostenlos bestellen.


Tipps zum Hitzeschutz

  1. Regelmäßig Trinken: Stellen Sie sicher, dass Ihre Kinder an heißen Tagen ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen. Wasser ist die beste Wahl, gerne auch mit Gurke oder Zitrone, alternativ oder zusätzlich ungesüßte Tees und Fruchtsäfte. Getränke sollten leicht gekühlt, aber nicht eiskalt sein. Am besten stündlich an das Trinken erinnern (bei Temperaturen über 30 Grad kann die dreifache Trinkmenge notwendig sein).
  2. Leichte, kühle Mahlzeiten: Anstatt drei Mahlzeiten lieber kleinere, aber häufigere Mahlzeiten anbieten. Kühle Suppen und Lebensmittel mit einem hohen Wassergehalt wie Obst und Gemüse bevorzugen, weniger Lebensmittel mit hohem Proteinanteil verzehren wie Fleisch, Milch, Nüsse und Hülsenfrüchte, da sie die Körpertemperatur weiter erhöhen können.
  3. Leichte Kleidung: Kleiden Sie Ihre Kinder in leichte, luftige Kleidung aus natürlichen Materialien wie Baumwolle, um die Haut atmen zu lassen und Überhitzung zu vermeiden. Auch den Kopf und den Nacken bedecken!
  4. Im Schatten aufhalten und Sonnenschutz auftragen: Verwenden Sie Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor und lassen Sie Ihre Kinder nicht zu lange in der Sonne spielen.
  5. Kühle Umgebung: Halten Sie die Innenräume kühl, indem Sie Vorhänge oder Jalousien schließen und Ventilatoren verwenden, wenn möglich. Lassen Sie Ihr Kind nicht alleine in überhitzten Autos (auch nicht bei offenem Fenster) oder Räumen.
  6. Pausen einlegen: Planen Sie Aktivitäten im Freien in den kühleren Morgen- oder Abendstunden und lassen Sie Ihre Kinder regelmäßig Pausen machen, um sich auszuruhen und abzukühlen.
  7. Falls Ihr Kind eine chronische Erkrankung hat: Besprechen Sie mit Ihrem Kinderarzt bzw. Ihrer Kinderärztin, ob bei Hitze ggf. die Dosis der Medikamente angepasst werden sollte.
  8. Fieber und Kopfschmerzen können Anzeichen eines Sonnenstichs sein – Kontaktieren Sie im Zweifel Ihren Kinderarzt/Ihre Kinderärztin.
  9. Achten Sie auch besonders auf ältere Menschen wie die Großeltern.

Mit diesen Tipps können Sie dafür sorgen, dass Ihre Kinder den Sommer unbeschwert genießen können, ohne ihre Gesundheit und Sicherheit zu gefährden.

Sollten Sie weitere Fragen haben oder Bedenken hinsichtlich der Hitze und deren Auswirkungen auf die Gesundheit Ihrer Kinder, wenden Sie sich bitte vertrauensvoll an Ihren Kinderarzt oder Ihre Kinderärztin.

Ich wünsche Ihnen einen angenehmen und sicheren Sommer!

Ihre Dr. med. Uta Römer und das gesamte Praxisteam

Weitere Informationen zum Thema finden Sie u.a. auf Kinderärzte-im-Netz, der Arbeitsgemeinschaft Allergiekrankes Kind, Heidelberger Hitzetabelle, KlimaDocs, PINA und Kinderumwelt. Hier geht es zur Webseite meiner Gemeinschaftspraxis für Kinder- und Jugendmedizin in Refrath.


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Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin. Sie hat eine Praxis in Refrath.

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