Auf der Schlossstraße in Bensberg hat ein neues elegantes Restaurant eröffnet. Die Karte ist ungewöhnlich kurz, bietet aber dennoch ein breites Spektrum an Speisen der authentisch italienischen Küche. Hinter dem „Marcos“ steht die Familie von Marco Sayeed, der in Bensberg gut bekannt ist und jetzt die Straßenseite gewechselt hat.

Mit 21 Jahren war Marco Sayeed nach Deutschland gekommen und hat im Restaurant „Italia“ Arbeit gefunden, später auch seine Frau Sajia, seine drei Söhne sind in dem turbulenten Lokal quasi aufgewachsen. Die vergangenen 12 Jahren hatte Sayed das „Italia“ zusammen mit Bruno Valentino geführt – doch nach nunmehr 35 Jahren startet Familie Sayeed jetzt ihr ganz eigenes Restaurant. Natürlich mit italienischer Küche. Was allerdings gar nicht so selbstverständlich ist, dazu später mehr.

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„Marcos Restaurant“ in der Schlossstraße 33 ist nach einem erfolgreichen Testlauf am Samstag an diesem Sonntagabend öffiziell eröffnet worden. Ab dem heutigen Montag geht die Website online und es werden Reservierungen angenommen, der reguläre Betrieb startet am Mittwoch.

Das ehemalige „Pinocchio“ hat sich grundlegend verändert. Fotos: Thomas Merkenich

„Wir servieren die klassischen Gerichte der italienischen Küche, aber in einer modernen Interpretation“, sagt Marco Sayeed bei einem kurzen Gespräch am Samstag. Damit trete das neue Restaurant nicht in Konkurrenz zum „Italia“ schräg gegenüber – sondern biete den Bensbergern eine weitere Alternative. „Wir wollen, dass die Leute nicht nach Köln zum Essen fahren, sondern hier in Bergisch Gladbach bleiben“, erläutert Sayeed.

Als Beispiel weist er auf die Pizza, die es im „Marcos“ auch gibt – in der klassischen neapolitanischen Version mit dem fluffigen Teig. Ein Blick in die Speisekarte und auf die Teller beim Testlauf macht aber deutlich, dass der Anspruch weit darüber hinaus geht. Bei Preisen, die bei vielen Gerichten moderat sind.

Klassische Pizza & Pasta, raffinierte Vorspeisen

Klassische Spaghetti-Varianten gibt es bereits ab zehn Euro (Aglio e Olio), die sehr großzügig bemessene Carbonara für 14 Euro, wer frische Trüffel in der Soße möchte zahlt 18 Euro.

Auch bei den fünf Pizzen auf der Karte fehlen die populär gewordenden irrwitzigen Varianten, dafür kann man für neun Euro eine saftige „Napoli“ ordern, oder Parma (15 Euro), Tonno (14 Euro) sowie die extravagante Tartufo für 19 Euro.

Etwas hochpreisiger und raffinierter kommen die Vorspeisen daher. Zum Beispiel das Carpaccio de Manzo (mit geklopftem Rindfleisch und Parmesan, 16 Euro) oder die gegrillten Romana-Herzen (14 Euro). Alles werde „à la minute“ zubereitet, nichts aus Vorprodukten zusammengerührt oder gar in Sahne ertränkt, betont Marcos Sohn Dario Sayeed. Er unterstützt ebenso wie seine beiden Brüder die Eltern beim Neustart.

In der Fleisch-Abteilung finden sich neben Kalbsleber Berliner Art (19 Euro), dem Saltimbocca (23) und dem Wiener (bzw. Mailänder) Schnitzel (22) das Rumpsteak (24) und Rinderfilet (28) vom Grill. Fisch, wie zum Beispiel Doraden-Filets, gibt es jeweils frisch auf der Tafel. Vegetarische und vegane Gerichte stehen (über den Salat hinaus) nicht auf der Karte, werden aber auf Wunsch individuell zubereitet.

Marcos Restaurant
Schlossstraße 33, Bergisch Gladbach-Bensberg
FacebookInstagrammWebsite
Öffnungszeiten: Do – Die, 12 bis 21 Uhr
Ruhetag: Mittwoch
Das Lokal ist für Rollstuhlfahrer:innen zugänglich, die Toiletten sind aber nur über eine Treppe zu erreichen.

Auch die Getränkekarte überrascht mit moderaten Preisen, mit zwei Euro für das kleine Kölsch, Weißweinen (0,2 Liter) ab sechs und Rotweinen ab sieben Euro.

Die Speise- und Getränkekarte bilde das Ziel ab, auch jüngere Gäste anzuziehen und für jeden Anlass ein Anlaufpunkt zu sein, erklärt Dario Sayeed. Aus eigener Erfahrung wisse er, dass ein solches Angebot in Bensberg fehle. „Wir freuen uns, wenn Leute auf ein Kölsch oder einen Spritz und vielleicht eine kleine Pizza reinkommen“, sagt er.

Dafür stehen neben den 50 Sitzplätzen im Innenraum auch eine Theke mit sechs Hockern und 30 Plätze auf der Terasse auf der neu gestalteten Schlossstraße bereit.

Die Räume, in denen unter dem Namen „Pinocchio” zuletzt italienische und indische Gerichte angeboten worden waren, hat die Familie Sayeed mit Hilfe eines Architekten und viel Eigenarbeit komplett neu gestaltet. In einem Instagram-Video sieht man, wie Vater und Söhne die alten Fliesen mit dem Vorschlaghammer entfernen.

Das Ergebnis ist ein sehr klar strukturierter, eleganter Raum mit zwei Bereichen und einer großen Bar, in einem dunklen Grün-grau gehalten; große goldene Deckenleuchten und klassische Schwarz-Weiß-Fotos (mit historischen Bensberger Ansichten) setzen die Akzente.

Im hinteren Teil des Restaurants steht u.a. ein großer „Familientisch“

Familiengeschichte: Marco Sayeed hat einen großen Teil seines Lebens in „Italia“ verbracht; allerdings nicht im Land Italien. Er kam 1989 aus Afghanistan nach Deutschland und ist sofort in den italienischen Mikrokosmos des Restaurants „Italia“ eingetaucht. Wo er, Frau und Kinder, fließend italienisch und die Landesküche schätzen gelernt haben. Von Afghanistan, sagt Sohn Dario, sei in der Familie vor allem die „Kultur des Zusammenhalts“ erhalten geblieben, wo jeder für den anderen einstehen. Ganz ähnlich wie in Italien.

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An diesem Montag und Dienstag bleibt das Restaurant noch zu, regulär geht es dann am Mittwoch los. Ruhetag im Marcos ist künftig der Mittwoch.

Den Tag habe man mit Blick auf die Kunden genau ausgewählt und mit den Lokalen in der Nachbarschaft abgestimmt, berichtet Dariao Sayeed. Denn die anderen Restaurants sind oft am Wochenanfang geschlossen, nun habe man in Bensberg jeden Tag ein Angebot.

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. Wir gehören zu ersten Kunden, die das Restaurant Marcos besuchten und waren von Anfang an begeistert von den angebotenen Speisen, den gepflegten Getränken und der netten Bedienung. Zwar keine Riesenauswahl, aber besonders die Tageskarte bot immer “pfiffige” Gerichte an, die man nicht überall angeboten bekam. Auch die Große der Portionen war so bemessen, dass man satt wurde. Dies alles führte auch dazu, dass das Restaurant immer gut besucht ist und man sicherheitshalber immer reservieren sollte. Leider hat dieser offensichtliche wirtschaftliche Erfolg negative Auswirkungen auf die aktuelle Qualität der angebotenen Speisen und den Service im Restaurant. Kaum hat man die Vorspeise erhalten, bekommt man schon den Hauptgang. Reklamation wird ignoriert. Die Qualität der Speisen ist nach wie vor in Ordnung, nur die Größe der Portionen hat sich eklatant verringert, insbesondere was die Beilagen angeht. Ein “normaler Esser” wird hier nicht mehr satt. Eigentlich ist diese Entwicklung sehr schade, denn so wie wir haben auch andere diesen negativen Trend festgestellt. Wir jedenfalls werden die nächste Zeit einmal andere Restaurants besuchen.

  2. Sehr kurze Speisekarte

    Je weniger Items auf der Karte sind um so höher ist die Wahrscheinlichkeit dass morgens früh frisch eingekauft wird.
    Wenn ich in einen Laden reinkomme mit 154 Gerichten auf der Karte dann muss mir doch klar sein dass so gut wie alles aus der Tiefkühltruhe kommt.

    Ende der 80er Jahre sind wir in Portugal in einem Restaurant (Restaurante Central, Monchique, Algarve) gelandet, da gab es überhaupt keine Speisekarte.
    Der Wirt kam und fragte ob wir Huhn oder Rind wollen.
    Zwecks Risikominimierung haben meine Freundin und ich je einen Teller von beidem bestellt.
    Wir sind dann auch mal rüber mit der Gabel auf den anderen Teller, musst du mal im Schloss Bensberg versuchen, kriegst du direkt Hausverbot.

    War extrem lecker, wirkte alles frisch.
    Natürlich kann man ein Restaurant in den portugiesischen Bergen nicht mit einem Restaurant in Bergisch Gladbach vergleichen, aber ich glaube, auch hier könnte ein begabter Koch mit dieser Idee erfolgreich sein.

    Ein bisschen Abenteuer, Überraschung, vielleicht isst man was was man im Leben noch nie gesehen hat.

    Es ist doch auf die Dauer öde Pizzerien zu besuchen die fast alle vom selben Lieferanten versorgt werden, schmeckt immer alles gleich.

    Nun wünsche ich der Familie Sayeed viel Glück, ich denke sie sind auf dem richtigen Weg und können ihren individuellen Stil wirtschaftlich dauerhaft durchsetzen.

  3. Wenn ich Google-maps aurufe, kann ich zum alten “Italia” nicht mal eine Nachbarschaft erkennen, viel weniger “gegenüber”?

    1. Da steht schließlich auch „schräg gegenüber“. Zwischen den Hausnummern 62 und 33 wird es zwar sehr schräg, aber mit etwas gutem Willen ist das doch noch akzeptabel.

  4. Hallo, was wohl an dem Gerücht dran ist, dass in die ehemaligen Räume des dm ein Rossmann einziehen soll ?
    Ich würde es sehr begrüßen :)
    Herrn Sayeed und seinem Team wünsche ich alles Gute & viel Erfolg !

  5. Sehr schön! Das hört sich nach einer Alternative an, die ausprobiert werden will.
    Es bleibt für die neue Schlossstraße nach ihrer Fertigstellung zu wünschen, dass solch eine Veränderung im positiven Sinn weiter voranschreitet. Schön, wenn es tatkräftige Unternehmer wie Herrn Sayeed gibt, die durch interessante, abwechslungsreiche Angebote einen signifikanten Teil der (guten!) Kaufkraft vor Ort halten wollen und hoffentlich auch können. Der Schlosstraße mit ihren teils leerstehenden Ladenflächen täte es nur gut.