Fotos: Thomas Merkenich. Text: Antje Schlenker-Kortum

Die neue Ausstellung in der Villa Zanders „Paper / Elements“ widmet sich den vier Elementen: Feuer, Wasser, Luft und Erde – aus Papier. Gezeigt werden Werke von rund 40 Künstlerinnen und Künstlern – und setzt damit viele Schätze des Kunstmuseums gekonnt in Szene.

Feuer, Wasser, Erde, Luft – und Kunst aus Papier – Museumsdirektorin Ina Dinter sagte in ihrer Eröffnungsrede, als ihr die Idee zur Ausstellung kam, sei sie erstaunt gewesen, wie leicht sich die Elemente mit dem Werkstoff Papier und mit den Kunstwerken der Sammlung verbinden lassen.

Dabei fasst sie den Begriff der Elemente im weitesten Sinn: Mal würden die realen Elemente durch experimentelle Materialuntersuchungen erforscht, mal durch bildliche Darstellungen in das Kunstwerk integriert. Einige Arbeiten bezögen sich direkt auf die vier Elemente, während andere einen assoziativen Zugang eröffnen würden.

+ Anzeige +

Die Sammlung der Villa Zanders umfasst rund 500 Werke international und regional bekannter Künstler – die meisten Werke sind gemacht aus Papier – darunter Collagen und Décollagen, Prägedrucke, Reliefs und Papierschnitte, Buchwerke, Skulpturen und Rauminstallationen.

Zu den Künstler:innen zählen Bernard Aubertin, Mary Bauermeister, John Cage, Tina Haase, Oskar Holweck, Jenny Holzer, Wolfgang Mally, Robert Rauschenberg, Takako Saito, Regine Schumann, Yoko Terauchi, Günther Uecker und Timm Ulrichs. Ein großer Teil der Werke wurde mit Hilfe von Förderungen und Stiftungen angekauft; viele Exemplare sind Schenkungen vom anderen Sammlungen – oft von den Kunstschaffenden selbst.

Wiederkehr der Elemente

Die neue Ausstellung Paper / Elements setzt gekonnt die musealen Schätze in Szene. Dabei geht es mehr als um Eitelkeit – es geht um den Bildungsauftrag eines Museums: Gerade die älteren Kunstwerke stehen auch für ihre Zeit, in der sie entstanden sind – ein Großteil der vergleichsweise jungen Sammlung stammt aus den 60ern.

Die Sammlung Zanders wird regelmäßig unter einer bestimmten Themenstellung ausgestellt. So wird immer wieder ein neues und aktuelles Licht auf das Einzelwerk der Kunstschaffenden, auf die Sammlung insgesamt und auf die Gesellschaft geworfen.

Das Thema Elemente passt zu den existentiellen Fragestellungen und experimentellen Arbeitsweisen der Künstler der 60er –  die heute wie kaum eine andere Zeit für eine Aufbruchstimmung stehen. Und auch die neueren Werke fächern das uralte Thema überraschend weit und zeitgenössisch auf; es gibt kritische und humorvolle Perspektiven.

So gesehen könnte diese Ausstellung einen Kommentar zu den gefühlt omnipräsenten Ängsten der Gegenwart darstellen; Museumsdirektorin Dinter „Die vier Elemente haben seit den 1960er Jahren in der modernen Kunst eine zentrale Rolle eingenommen. Diese Wiederkehr der Elemente spiegelt sich in der Auseinandersetzung mit Umweltzerstörung und der Materialität von Kunst wider.“

Die Werke wurden nicht nur nach Elementen geordnet – sie wurden zueinander in Beziehung gesetzt. So sind die Ausstellungsgäste eingeladen, den Kunstschaffenden auf eine spannende Zeitreise zu folgen, sich in Beziehung zu setzen und selbst die Elemente zu erforschen.

Kleiner Rundgang (Auswahl)

Foto: Thomas Merkenich
Ein dunkler Raum birgt einen vibrierenden Sternenhimmel – eine eigens für Villa Zanders entstandene Arbeit: “Schwerelos X”, 2004. von Regine Schumann (*1961).
Foto: Thomas Merkenich

Bild links: Wolfgang Mally (*1952) findet man in allen Elementen; er ist eine Schlüsselfigur dieser Ausstellung. Wie ein Forscher hält er die Spuren der Zeit fest. In dokumentarischer Manier führte er die Untersuchungen an identisch großen Papierquadraten durch – beispielsweise in dem Werk “Papier in der Erde”, 0-71 Tage, 1978.
Bild rechts: In “Schwefelhölzer auf Papier, 1-100, Quantität-Zeit” 1777/78 untersuchte Mally die Auswirkungen von angezündeten Streichhölzern (links).

Mehrere halbrunde Objekte der Künstlerin Anna Goebel (*1951). Erdhalbkugeln, die die vielen Schichten der Erde offenlegen. Aus dem Zyklus “Revealed I und II”, undatiert. Objekt daneben: Tina Haase (*1957) Stratigraphie, 2010 – auch hier geht es um das Erdinnere. Foto: Thomas Merkenich
Grausame Inhalte, großzügig geschwärzt – die sechsteilige Serie “Top Secret, 2012” der US-amerikanischen Künstlerin Jenny Holzer (*1950) befasst sich mit den Kriegsverbrechen der USA während der Golfkriege. Die freigegebenen geheimen Dokumente offenbaren, dass US-amerikanische Soldaten Waterboarding als Verhör- und Foltermethode angewandt hatten. Holzer. Foto: Thomas Merkenich
Links: Bastian Hoffmann (*1983) macht Schritt-für-Schritt-Anleitungen, die die Herstellung scheinbar unnützer Objekte zeigen. In “how to turn your work place into a sheet of paper” zeigt er auf humorvolle Art und Weise, wie er aus seinem privaten Arbeitsplatz einen Bogen Papier herstellt. Papersheet, 2018. Frontale Wand: Pavlos (*1930) “Marine 2”, 1988.
Foto: Thomas Merkenich
Liliane Csuka (*1935) arbeitet häufig mit Materialien, die mit dem Thema der Kommunikation in Verbindung stehen. In memoriam (Asche), 2001 benutzt sie Tageszeitungen, die sie in schwarze Polaroid-Kassetten klebte. Foto: Thomas Merkenich
Skulptur rechts: Michael Kortländer “Modul – Skulptur”. Wandobjekte rechts: Jiří Hilmar, “o.T.” (Relier). Foto: Thomas Merkenich

Alles Fotos aus der Ausstellung finden Sie hier:

Weitere Beiträge zum Thema

„Neu gesehen“: Eberhard Winkelmann im Himmel un Ääd

Der Bergisch Gladbacher Künstler Eberhard Alfonso Maria Winkelmann lädt den Betrachter mit seinen farbenstarken Bildern ein, eine inspirierende Welt zu entdecken. Seine neue Ausstellung ist bis Anfang Dezember im Begegnungscafé Himmel un Ääd in Schildgen zu sehen.

Ivan Toscanelli in den Lux-Hallen: Konzept ist, was man daraus macht

15 Jahre Fotografie, hunderte Bilder und noch wenige Tage bis zur Eröffnung: Als Ivan Toscanelli seine Ausstellung „heimat und eigensinn“ in den Lux-Hallen vorbereitet, ist längst nicht entschieden, was am Ende zu sehen sein wird. Ein Besuch während des Aufbaus – und die Rückkehr kurz vor der Eröffnung.

Ist das Kunst? Oder kann die Tür weg?

Was ist Kunst – und muss man überhaupt etwas davon verstehen, um sie zu betrachten? Die Ausstellung „Sein und Zeit“ von Manuele Klein und Detlev Weigand in den Lux-Hallen gibt darauf keine einfache Antwort. Dafür verändert sie den Blick auf einen ungewöhnlichen Ort. Eine sehr persönliche Annäherung in Bildern.

Schöpfung im Verfall: AdK zeigt „Trügerische Landschaft“ im Kalandersaal

Eine historische Fabrikhalle auf dem Zanders-Areal hat sich in eine zeitgenössische Galerie mit charmanten Industrieflair verwandelt. 32 Mitglieder und Gäste des Arbeitskreis der Künstler (AdK) zeigen im Kalandersaal eine beeindruckende Ausstellung mit vielen bedrohlichen Dystopien in Endzeit- und Aufbruchstimmung.

Something went wrong. Please refresh the page and/or try again.

ist der Fotograf des Bürgerportals. Mittlerweile wohnt er „im schönen Kürten" und liebt das Bergische Land. Aber das sieht man seinen Fotos ja auch an. Mehr Infos auf seiner Website www.thomas-merkenich.de

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.